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Wie mache ich es richtig?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Aiko
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Aiko » 16.05.2019, 08:08

Hallo Nadless, das hast Du gut gemacht, finde ich. Es ist richtig, dass Du Dich schützt und Dich dann zurück gezogen hast. Und dann das nicht einfach ausgesessen, sondern Konsequenzen gezogen und die Hilfe gesucht. Das würde ich Handlungskompetenz nennen!

Ich kann Dir nur raten, wirklich die Polizeit zu rufen wenn es wieder soweit kommt. Ich habe es leider nie getan, weil ich dachte, es sei nicht schlimm genug. Hätte ich es getan, wäre das in meiner momentanen Situation ein Vorteil, das es dazu eine Akte gäbe. Umso mehr freue ich mich zu lesen, dass Du handelst und Dich an die richtigen Stellen wendest. Auf diese innere Stärke kannst Du bauen. Erzähl mal wie es beim Amtsgericht war.

Liebe Grüße, Aiko

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 16.05.2019, 10:04

Hallo Aiko, ich weiß ja nicht, habe ich wirklich Konsequenzen gezogen? Ist doch voll nach hinten losgegangen gestern und jetzt habe ich Angst vor ihm. Ich habe Angst jetzt weitere Schritte einzuleiten. Wer weiß zuwas der fähig ist. Ich glaube ich besorg mir erstmal einen Anwalt beim Amtsgericht. Habe gestern nochwas wegen Einstweiligen Verfügungen bei Häuslicher Gewalt gelesen.
Bin auch echt froh das ich vor 4 Wochen die Polizei gerufen habe, auch wegen der Akte. Denn man muss tatsächlich Beweise vorlegen wenns hart auf hart kommt. Und XY ist auch die sanftheit in Person wenn er es will.

Habe ihn vorhin angerufen. Einfach weil es zu diesem Zeitpunkt sein kann das er noch nicht so viel intus hat. Er ist tatsächlich ans Telefon gegangen. Ich habe ihn gefragt ob wir jetzt die Zeit friedlich auskommen können. Er hat sich sogar entschuldigt aber im nächsten Moment erklärt: weil ich ihn ja nicht in Ruhe gelassen habe. Ok das kommt nicht an mir ran. Wirklich nicht. Für mich hat dieser Mann sein Hirn versoffen was mal wieder ein Beweis dafür ist. Ich habe ihm gesagt das ich jetzt Angst vor ihm habe. Er will sich jetzt nen Schlafsack nehmen und verschwinden.
ich hoffe es. Will einfach nur das er geht.
Ich hoffe das ich das alles heil überstehe. Ist schon sehr belastend

Linde66
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Linde66 » 16.05.2019, 11:28

Hallo Nadless,
es wäre vielleicht gut, wenn du deine "offiziellen" Schritte, also Beratungsgespräche, Polizei, Gericht usw. usw. vor ihm geheim hälst.
Denn wenn du ihm davon erzählen würdest, kann er völlig unberechenbar reagieren.

Wenn du die Gelegenheit hast, kopiere alle wichtigen Unterlagen oder nimm die Originale an dich, jenachdem, also z. B. Verträge, Konten, Steuer, Versicherungen usw.

Schau, daß er nicht dein Handy, deine Paßwörter, deinen PC einsehen kann. Auch hier das Forum nicht, denn dann wäre er über deine Schritte informiert.

Und bitte vergiß nicht, daß es Frauenhäuser gibt.
Lieber Gruß, Linde

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 16.05.2019, 12:24

Ja das werde ich tun. Dieses Psychopaten Gesicht gestern und vor 4 Wochen haben mir jetzt wirklich gereicht.

Er ist übrigens gerade zu Hause. Ich glaube das die Tagesklink jetzt längst Geschichte ist. Das schlimme daran ist das er dann zu Hause hockt. So war er wenigstens weg. Auch nix mit Schlafsack oder Klamotten packen. Er hockt vor seiner Glotze.

Ich bin so froh das er dieses Zimmer hat und auch da drinnen bleibt. Wenigstens das.

Ich würde am liebsten sofort verschwinden aus diesem Loch.

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 17.05.2019, 13:34

Heute habe ich wieder so´ne blöde Trauerphase. Wie blöd. Ich versteh das gar nicht. Die letzte Zeit war ich stabil was das anging, aber heute gets richtig rund mit meiner Traurigkeit. Dabei hatte ich gestern noch totale Angst und Wut. Was für eine Wut. Warum bin ich denn jetzt so traurig :(
Ich werde all dem schlechten den Rücken kehren. Bedeutet aber auch das ich das gute auch verliere. Ja, ich glaube das kommt heut wieder hoch bei mir. Das ist nicht schön.
Eine Freundin von mir ist heute mit mir zu Wohnungsgesellschaften gefahren. Sie unterstützt mich, das ich hier raus komme. Sie versteht es übrigens auch nicht warum ich noch hier bin. Als ich ihr dann heute den Mietsatz genannt habe (wegen Harz4) musste sie schlucken. Das natürlich da nichts frei ist. Da muß man monatlich anrufen. Ich will doch auch nicht die erstbeste Wohnung nehmen nur weil die billig ist. Klar will ich auch nicht Jahre suchen. Will mich aber wohlfühlen können wenn ich umziehe. Ist ja eh schon schwer alles zurückzulassen. Da muss das einfach halbwegs passen.

Ich glaube heute weinen meine inneren Kindanteile über diesen Verlust. Ich ärgere mich auch das ich überhaupt diese Abmachung zur Sprache gebracht habe. Ist doch klar das das nichts wird und ihm mal wieder deutlich gemacht wird das er ein Versager ist. Und mir, weil ich so wütend geworden bin. Ich bin so wütend geworden das ich fast geplatzt wäre. Jetzt ist die Stimmung wieder schlechter hier. Ach das ist doch mist. Was für ein Käse. ich ärgere mich darüber.
Ich verstehe schon den Sinn hinter dieser Abmuchung, war aber trotzdem kontraproduktiv. Diese psychische Verfassung von ihm ist wirklich ziemlich im Keller. Dieses nicht reden ist am schlimmsten für mich. Schon immer gewesen. Meine Freundin sagt: So war er doch immer schon. Ja, ich weiß, aber gerade in soch Krisenzeiten ist es für mich am schlimmsten und nur dann habe ich damit auch ein Problem auch wenn es jetzt so ist wie es ist.
Auch wenn man getrennte Wege geht kann man doch wenigstens mal irgendwas miteinander reden? ich glaube das ist mein Hauptgrund dem hier jetzt den Rücken zu kehren. Grund 2 ist der Alk. Aber Probleme oder grundlegende Ding totzuschweigen oder im unklaren lassen damit ist bei mir jetzt Schluss. Ich muss das alles mit mir allein ausmachen.

Im großen und ganzen wird sich dabei dann für mich ja kaum was ändern :lol: ups jetzt musst ich darüber lachen :lol:

Nur diese blöden Gefühle gehen ganz schön rein. Ist ja nicht alles schlecht gewesen. Diese Vertrautheit und Zugehörigkeit haben mir schon sehr viel gegeben. Ist schon sehr widersprüchlich alles.
Ich stelle mir in letzter Zeit oft die Frage warum wir Frauen, also hier, uns Frauen, warum wir es so lange mitmachen. Diese Ambivalenz ist mir ja auch nicht neu. Wie oft in den 10 Jahren habe ich diese Beziehung in Frage gestellt. Wie oft war von gut, plötzlich ein Sachverhalt der nicht angemessen war und alles auf den Kopf gestellt hat. Wie oft.... zu oft. Immer wieder kam die Hoffnung. Das gute und dann wieder peng. Immer wieder Peng. Ne Zeitlang vermutete ich das ich Borderliner bin. Ob dieses infrage stellen noch normal ist. Woran das eig liegt und war das schon immer so? Klares Nein. Naja dann fing ich mal an nachzudenken, ohne Schleier. Bin hier im Forum gelandet und peng. Zack zack.
Trotzdessen glaube ich das mir etwas fehlt. Sonst hätte ich mich niemals, so lange auf eine solche destruktive Beziehung eingelassen. Normal ist das jedenfalls nicht. Nach 7 Jahren mit ihm zusaqmmengezogen obwohl ich doch weiß wie er ist.

Ich habe Angst das, wenn ich mich wieder auf einen Mann einlassen werde, was ich mir grad überhaupt nicht vorstellen kann, wieder in solch Muster und Struktur gerate. Macht Liebe blind? Dieses stopfen der Bedürftigkeit füllt alle Löcher und benebelt den Verstand. Habe Angst davor mich wieder zu verlieren. Ich will sowas nicht mehr. Mag aber auch nicht den Rest meines Lebens alleine bleiben. Hab aber Angst mich wieder zu verlieren. Zu sehr zu lieben. Verdammt.

Cadda
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Cadda » 17.05.2019, 19:53

Hallo Nadless,

Du hast Angst, auch das Gute zu verlieren. Aber davon ist doch -wenn überhaupt- nur noch ein Bruchteil übrig. Mit der Trennung gewinnst Du aber auch so viel Gutes, das wird es überwiegen.

Ich kann nur von mir sprechen, aber mir würde ich nicht mehr passieren, dass man mich schlecht behandelt. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich mich endlich von meinem trinkenden Ex-Partner lösen konnte oder ob es daran liegt, dass ich selbst nicht mehr trinke.

Ich drück Dir die Daumen für die Wohnungssuche!!

Cadda
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Cadda » 17.05.2019, 19:57

Ich habe nochmal nachgedacht. Es liegt daran, dass ich mein Selbstbewusstsein zurück erlangt habe. Das kann durch verschiedene Dinge zurück kehren. Solange ich getrunken habe, habe ich mich schlecht behandeln lassen. Jetzt nicht mehr.

Du trinkst nicht, aber wenn Du erstmal die Trennung hinter Dir hast, wirst Du sicherlich auch stolz auf Dich sein und gut zu Dir selbst sein. Und wenn Du Dir selbst mehr wert bist, wird Dir das auch bestimmt nicht noch einmal passieren, dass Du Dich schlecht behandeln lässt.

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 17.05.2019, 20:41

Hallo Cadda, danke für Deine Antwort. Mein Tief ist grad schon wieder besser und ich sehe wieder klarer und fester. Ich mag diese heulphasen nicht. Weil ich dann immer besonders empfänglich bin was Nähe angeht und das was ich oben schrieb, nach Liebe schreie. Ach Mist, ich fühl mich dann so allein. Er fehlt mir einfach so. Also das gute. Die Nähe, die Liebe, die Sanftheit.

Je weniger gutes grad da ist desto leichter für mich das ganze durchzuziehen. Wenn er jetzt noch um mich buhlen würde oder Süßholz raspeln würde, würde ich wahrscheinlich einknicken. Das hat er aber noch nie getan. Oder wenn er plötzlich total gepflegt und die Sanftheit in Person, aktiv an seine Probleme rangehen würde und mich an seiner gefühlswelt teilhaben lassen würde, wäre es auch sofort um mich geschehen. Aber auch das wird es nicht geben.
Im Grunde genommen brauch es nicht viel um mich umzustimmen. Für ihn aber unmöglich. Das ist mir absolut bewusst. So wird es ihn auch nie geben, das was ich für meine Zukunft brauche.
Das gute an ihm wird mir so sehr fehlen. Diese Trauerphasen werden wieder kommen und umreißen. Es war einfach viel was er mir geben konnte und dafür werde ich ihm dankbar sein. Ich habe mich wirklich sehr geliebt gefühlt.

Das mit den Selbstbewusstsein hast Du Recht. Ich arbeite jetzt seit 1.5 Jahren an mir selbst und ich staune immer wieder über mich. ich habe so viel gelernt in dieser Zeit. Ich habe mich sehr verändert. Besonders den Kontakt zu meinen inneren Kindanteilen hat mir wahrlich die Augen über meine Ängste und Gefühle verdeutlicht. Was da in mir eigentlich los ist und welche Gründe es geben könnte. Es ist erstaunlich wie oft mein kleines Mädchen in mir die Führung übernommen hat. Das ist jetzt anders. Echt sensationell und auch erschreckend. Aber gut. ich werde jetzt so langsam erwachsen :D mein Mädchen und mein Erwachsener werden zu einer Einheit. Mein Mädchen hat jetzt einen Mentor. Jemanden der es liebt, versteht und tröstet.
Zu Anfang und wenns ganz schlimm ist visualisiere ich mein kleines Mädchen und lass sie reden (fühlen), meine Erwachsene kümmert sich dann angemessen und liebevoll.
ich weiß nicht inwieweit das verständlich ist. Mir hat es die Augen über meine wahren Gefühle geöffnet. Es ist einfach der Schlüssel für mich.

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