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Wie mache ich es richtig?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Morgenrot
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Morgenrot » 23.04.2019, 21:10

Hallo Nadless,

herzlich willkommen bei uns im Forum.

Ich habe auch mit dem Alkoholiker getrennt in einem Haus gewohnt. Es war genau wie du es beschreibst. Es wurde kaum geredet, und jeder hat sein Ding gemacht.
Ich habe nichts mehr für ihn erledigt, keine Wäsche gewaschen, keine Einkäufe, keine Weckdienste am morgen. Ich habe ihn quasi wieder in die Verantwortung genommen, er ist ja erwachsen.
Auszug aus dem Schlafzimmer war der Anfang.
Ich habe mir dabei ein neues Leben aufgebaut, habe angefangen wieder zu reisen, habe meine Kontakte wieder aufnehmen können, und habe gespürt, das es mir auch gut gehen kann.
Es ist aber nicht einfach, weil ich ja trotzdem alles mitbekommen habe.
Ist das der richtige Weg? Es für andere zu tun?
Das hat er mir anfangs auch immer wieder versprochen, er tue dieses und jenes für mich, er höre auf zu trinken usw.
Damals hatte ich aber hier schon gelernt, das es nasse Alkoholiker sehr oft so machen, um die Angehörigen wieder "auf Kurs"
zu bekommen.
Ich habe mich da auf nichts eingelassen, weil ich ihm einfach nicht mehr vertrauen konnte. Zu viele Versprechungen waren schon ins Leere gelaufen.
man sollte doch eigentlich mal darüber kurzes Update geben wie es jetzt weitergeht
Nach meinen Erfahrungen ist es nicht möglich solche Dinge mit einem nassen Alkoholiker zu besprechen, denn es dreht sich eben alles um den Akohol.
Du kannst ihm nicht helfen, und auch das reden mit seiner Suchtberaterin wird denke ich, nicht viel bringen, so lange er kein Problembewußtsein hat, und für sich trocken werden will.
Ich kann dir nur ans Herz legen, deinen Wahrnehmungen zu vertrauen, und deine Schlüsse daraus zu ziehen.


lg Morgenrot

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 23.04.2019, 22:54

[*]Hallo Morgenrot,

In meinem Zimmerchen bin ich schon länger als eine Woche. Ich würde sagen ein knappes Jahr. Angefangen hat es damit dass posttraumatische flashback ausgelöst wurde und ich daran Monate zu knacken hatte. Übelste Schlafprobleme haben mich dann in mein Zimmerchen getrieben. Anfangs habe ich es wirklich nur deshalb gemacht weil ich einfach besser schlafen konnte und bis nachts wach bleiben konnte ohne ihn zu stören beim Schlafen. Im Grunde genommen hatten wir ein sehr harmonisches Verhältnis.
In meinem Zimmer bin ich aber geblieben weil es mir einfach besser gefällt. Dann natürlich auch der Alk und die Fahne und diese Woche und bäh ich wollte nicht mehr zurück. Es gefiel mir in meinem Zimmerchen einfach viel besser.
Es ist das Zimmer meiner Tochter, die nur noch sporadisch nach Hause kommt. Sie ist jetzt schon erwachsen und studiert etwas weiter weg.

So nach und nach haben wir uns dann doch immer mehr entfernt. Oder ich habe mich entfernt. Er hat mich immer machen lassen. Er hat sich nie beschwert. Er hat nie etwas gefordert oder verlangt.
Nur manchmal bei Konflikten die meist von mir angesprochen worden sind, ist es verbal ziemlich destruktiv gewesen. Damit bin ich überhaupt nicht klar gekommen. Diese Destruktivität hat sich besonders bemerkbar gemacht als wir zusammengezogen sind. Sind dann auch schon mal ein paar Beleidigungen gefallen. rumgeschreie und dann lass mich in Ruhe. Mauern. :roll: und je nachdem was in dir an den Kopf geknallt hat bin ich völlig ins Wanken geraten. Das war so heftig dass es ziemlich emotionale Ausnahmezustände für mich bedeutet hat.

Jetzt nach den letzten zwei Monaten bin ich sehr viel am nachdenken ob das nicht auch der Alk gewesen sein könnte. Denn wenn er nüchtern ist ist er einfach nur passiv. Wenn er was getrunken hat dann wird er auch schon mal laut. Man kann überhaupt nicht mit ihm reden wenn er sich auf den Schlips getreten fühlt.
Nur in so einer Beziehung bin ich einfach nicht glücklich und wollte mit ihm darüber sprechen. Ging nicht. Ich habe so einiges versucht unsere Beziehung wieder zurechtzurücken. Nähe aufzubauen und das paar Gefühl zu stärken. Hat nichts genutzt. Ich hatte eher den Eindruck dass ihm das nicht wichtig ist. Dass er es nur für mich tut. Er sagt das natürlich nicht aber man merkt es. Letztes Jahr im Sommer hatte er wieder so eine Alk Phase, diese Zeit ging es mir richtig richtig schlecht wegen der PTBS. Ich hatte so heftig damit zu kämpfen dass ich glaubte verrückt zu werden und dann dieser Alk noch.
Mir war das einfach alles zu viel mit dieser Beziehung. Also habe ich ihm gesagt dass ich ausziehen will. Dass ich zur Ruhe kommen will und ich einfach so nicht mehr glücklich bin. Kurz davor waren wir im Urlaub und der war echt paar mäßig unter aller Sau. Von den fünf Tagen hat er mich 2 Tage ignoriert. Und wie gesagt in dieser Zeit hatte ich heftig mit Gefühls Flashbacks zu tun. Ich hatte so heftig damit zu tun da wieder rauszukommen. Ich weiß dass er mir dabei nicht helfen konnte aber auch dann noch weiter zumauern wenn er eingeschnappt ist hat es denn auch nicht besser gemacht.

Nachdem ich ihm das gesagt habe hat sich das Blatt total gedreht.
Ich habe dann aufgehört nach Wohnung zu suchen, es war ja alles schön. Bis auf diese körperliche Distanz und kaum gemeinsame Unternehmungen hatten wir wirklich eine sehr harmonische Zeit zusammen. Es hat mir sehr gut getan. Ich wäre gar nicht auf den Gedanken gekommen dass er dann anfängt heimlich zu trinken. Irgendwie geht mir gerade total das Licht auf. In den letzten Wochen ist seine Maske gefallen. Er war auch gar nicht so schnell beleidigt wie sonst. Ich konnte mal was sagen ohne dass er beleidigt war. Das war richtig toll. Ich habe wirklich gedacht so ganz bleiben.
Es war alles gar nicht echt oder? :cry:
Morgenrot hat geschrieben:
23.04.2019, 21:10
Das hat er mir anfangs auch immer wieder versprochen, er tue dieses und jenes für mich, er höre auf zu trinken usw.
Damals hatte ich aber hier schon gelernt, das es nasse Alkoholiker sehr oft so machen, um die Angehörigen wieder "auf Kurs"
zu bekommen.
Ich habe mich da auf nichts eingelassen, weil ich ihm einfach nicht mehr vertrauen konnte. Zu viele Versprechungen waren schon ins Leere gelaufen
Genau diese Wahrnehmung habe ich auch. Besonders das "Auf Kurs bringen" in mir herrscht Alarmstufe Rot. Und ich möchte einfach nicht noch mehr Zeit damit verschwenden. Diese Energie die dabei flöten geht ist mir einfach zu viel wert und ich habe einfach schon sehr viel Energie in andere Menschen gesteckt. Und genau das will ich nicht mehr. Ich möchte jetzt einfach nur noch Energie in mich stecken.
Ich weiß ja dass ich ihn nicht helfen kann. Leider. Mein Vertrauen ist komplett weg.

Ich habe jetzt einfach nur Angst dass er hier in meiner Wohnung total verwahrlost und ich zusehen muss wie er vor meiner Nase verreckt. Da gehe ich kaputt dran.
Mein Problem ist dass wir einen gemeinsamen Mietvertrag haben. Ich würde ja auch ausziehen aber wenn ich ihn hier lasse dann vermüllt er die Wohnung. Ich kann dafür haftbar gemacht werden. Das will ich aber nicht. Diese Verantwortung will und kann ich einfach nicht übernehmen und ich will mir auch, wenn ich ausziehe, keine Gedanken und Sorgen um mich machen müssen. Ich hätte einfach keinen Abschluss. Weil da wird garantiert die Rechnung auf mich zukommen. Wir haben hier auch kein gutes Mietverhältnis mit unserem Vermieter. Sie wird sich auch garantiert nicht darauf einlassen mich aus dem Mietvertrag zu entlassen. Sonst wäre das überhaupt kein Problem für mich.

Wie bekomme ich ihn dann am besten aus der Wohnung raus? Ich will ja auch nicht dass er auf der Straße schläft. Ich möchte schon dass er eine Wohnung hat. Ich kann doch nicht für immer hier bleiben.
Für mich ist das doch auch nicht einfach. Ich sauf doch auch nicht meine Probleme weg

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 24.04.2019, 10:34

Ich bin so unendlich traurig. Ich war heute beim Arbeitsamt und habe meine finanzielle Unabhängigkeit veranlasst. Wie das mit seinen Mietanteil wird steht dann wohl in den Sternen. Aber das hat mich alles so traurig gemacht weil das so endgültig anfühlt. Ich fühle mich sogar ein bisschen egoistisch. Als würde ich ihn abservieren.

Zu Hause habe ich dann das Gespräch gesucht. Auch wenn er nass ist muss das mal angesprochen werden. Er hatte anscheinend die gleiche Idee. Er hat jetzt sogar ein wohnungsbesichtigungstermin. Trotzdem sah er sehr sehr schlecht aus. Ich glaube nicht dass er die Wohnung bekommt.
Dann ist mir etwas passiert was mir noch nie passiert ist. Ich habe vor ihm gestanden mir sind die Tränen runter gekullert. Es tut mir einfach so leid und weh wie um diese ganze Situation.

Wenn nur nicht diese Gefühle da wären. Ich hoffe ich steh das durch.

Morgenrot
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Morgenrot » 24.04.2019, 11:05

Hallo Nadless,

da hast du ja heute morgen schon sehr viel auf den Weg gebracht. Du machst das wirklich gut.
Wenn du dir Hilfe holst, ist es wichtig zu sagen, wie die Realität aussieht. Ich habe immer wieder die Erfahrung machen dürfen, das mir Offenheit weiter geholfen hat.
Du servierst ihn nicht ab, du rettest dich
Es tut mir einfach so leid und weh wie um diese ganze Situation
Wenn dir nach weinen ist, dann weine einfach. Es ist ja auch zum heulen mit anzusehen, wie ein geliebter Mensch sein leben weg wirft, trotz aller Hilfsanbote von deiner Seite.
Wenn ich den nassen Alkoholiker in Ruhe gelassen habe, dann war er auch ruhig, aber sowie ich angefangen habe mit ihm über Alkoholverzicht oder gar Trockenheit zu diskutieren, trat ähnliches ein, wie bei dir.
Ich kann zu deinem Beitrag von gestern abend immer wieder nicken, davon habe ich vieles ähnlich erlebt wie du.
Er hat mich immer machen lassen. Er hat sich nie beschwert. Er hat nie etwas gefordert oder verlangt.
das hat mich anfangs sehr stutzig gemacht, als so gar keine "Gegenwehr" kam. Bis ich verstanden habe, das es ihm darum geht, ungestört trinken zu können.

ich habe auch immer gedacht, ich könne nüchtern etwas mit ihm besprechen. Dann hat mich hier mal ein Alkoholiker angeregt darüber nachzudenken wann er denn nüchtern sei.
Ich bin zu dem Schluß gekommen, eigentlich nie.
Wer bis abends spät trinkt, ist definitiv am nächsten morgen nicht nüchtern. Das war so immer die Zeit, wo ich grundlegendes besprechen wollte, in der Hoffnung es kommt etwas bei ihm an. Dies war nicht der Fall, abends war es schon lange wieder "vergessen".


ich wünsche dir Kraft und schicke dir lg
Morgenrot

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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 24.04.2019, 19:44

Ich glaube jetzt ist es soweit. Jetzt sackt er völlig ab. Ich bin ja so froh dass ich mein eigenes Zimmer habe. Ich halte mich ja eh schon die meiste Zeit hier drin auf und jetzt ist es ein Segen für mich.
Dieses Bild was er mir jetzt gerade wieder abliefert hilft mir sehr dabei mir aufzuzeigen dass ich richtig handelt. Eine andere Stimme in mir sagt aber immer noch dass er jetzt nichts mehr zu verlieren hat weil ich ihn jetzt auch noch abserviert habe. :?

Ich weiß das ist seine Entscheidung. Aber es macht es mir auch nicht unbedingt einfacher dabei zuzusehen. Ich glaube er ist gerade drauf.
Er will jetzt in seinem Zimmer eine andere Tür einbauen mit einer Katzenklappe damit er die Tür zumachen kann. Ich fragte ihn wo er die Tür her holen will. Er meinte vom Abfall. So wie er es immer macht. :shock: Wer ist das da gerade in meiner Küche? Seine Haare stehen auf halb acht, mindestens drei Wochen nicht rasiert und der Rest sieht aus wirklich wie vom Bahnhof. Es ist furchtbar.
Als wir nicht miteinander geredet haben ging es mir wesentlich besser. Jetzt wo ich diese Wortfetzen mit ihm habe zieht mich das einfach nur runter.

Von meiner Heulerei von heute Mittag hatte ich mich auch schon wieder erholt. War schon wieder wesentlich klarer. Bis er nach Haus gekommen ist und ich ihn gesehen habe.
Ja es tut mir leid. Aber ich will es nicht mehr sehen. Ich will es nicht mehr mit ansehen müssen. Jetzt habe ich hier bald eine Tür vom Abfall? Geht's noch? Nimmt er die dann auch wieder mit? Was fällt ihm als nächstes ein?

Ich war noch nie ein Mensch der nur die Klappe gehalten hat. Ich spreche grundsätzlich Dinge an und nenne sie auch beim Namen wenn es sein muss. Das konnte er noch nie ab. Er ist einfach zu sensibel dafür. Ich habe auch schon alle möglichen Tonlagen versucht. Aber manchmal redet man halt auch so wie ist gerade rauskommt. Besonders auch dann wenn man denkt dass alles in Ordnung ist. Dabei brodelt es in dem anderen. Was man ja nicht hellsehen kann.
Ich glaube heute kann ich es ein wenig verstehen warum er manchmal so ganz plötzlich ausgetickt ist. Was nicht bedeutet dass ich es gut finde. Es ist einfach ein Zeichen seiner unfähig und Unzulänglichkeit in der Kommunikation. Ich bin mir auch sicher dass das nicht am Alkohol sondern an seiner Persönlichkeit liegt. Ich habe hier viel darüber gelesen wie Alkohol die Menschen verändert. Weitestgehend stimme ich dem ja auch zu aber die Persönlichkeit ist das entscheidende. In den letzten Tagen habe ich viel überlegt inwiefern der Alkohol seine Persönlichkeit verändert hat. Wann ich ihn überhaupt nüchtern erlebe habe und wann nicht. Wie viel ist daran Alk wie viel ist Persönlichkeit. Spielen vielleicht noch andere Drogen eine Rolle? Immerhin war ja auch 20 Jahre heroinabhängig und ich habe erstmals Hinweise, im Januar, nach seiner zehn Jahren clean Phase gefunden dass er eventuell rückfällig geworden ist.
Ich suche danach auf nicht. Ich finde es einfach. So ganz plötzlich und überraschend und mir blieb die Spucke weg. Auch darauf habe ich keine Erklärung bekommen. Da sind bei mir alle Alarmglocken angegangen.

Liebe Morgenroth.
Ja ich habe heute schon was auf den Weg gebracht. Nur hat es sich in meiner Vorstellung ist zu tun besser angefühlt als es dann tatsächlich Realität war. Und das ist ja auch nur ein kleiner erster Schritt heute gewesen. Ich hoffe mal das Jobcenter übernimmt meine Miete wenn er weg ist. Weil die Wohnung ist viel zu groß für mich. Und ich will ja auch überhaupt nicht bleiben. Ich will hier einfach nur weg. Das wird für mich sehr anstrengend werden. Überhaupt als Arbeitslose eine Wohnung zu finden.
Mein Leben ist mal wieder im Chaos ausgebrochen und ich versuche Ordnung zu bekommen. So geht das schon mein ganzes Leben. Aber wenn ich eins verstanden habe, mit diesem Mann schaffe ich das nicht.
Ich kenne ihn jetzt seit zehn Jahren und er ist einfach nicht in der Lage dazu. Er betrachtet mich als seinen Anker. Was ihm auch lange Zeit sehr gut getan hat. Es sah auch lange Zeit so aus als wenn er es geschafft hätte. Sein Wunsch war es immer Teil der Gesellschaft zu sein. Arbeiten, ich und die Katzen. Er wollte es mir immer recht machen.
Nur wenn ich, der Anker kippt dann wankt er auch. Das habe ich schon ganz oft gesehen und deshalb habe ich auch so Schuldgefühle. Ich muss es mir doch eingestehen dass ich sie habe. Sche***.
Ich habe seinen Alkoholkonsum auf irgendeiner Art toleriert. Ich fand es zwar nicht gut und oft auch zu viel aber in gewisser Hinsicht habe ich es toleriert weil ich es immer noch viel besser finde als Heroin.
Jetzt aber durch diesen Arbeitsplatzverlust und diesen massiven Problemen durch den Alkoholkonsum bin ich total erschüttert gewesen. Durch die Arbeit mit mir selbst ist mir in den letzten Monaten so viel klar geworden und ich war so sehr mit mir beschäftigt dass es mir wie Schuppen von den Augen gefallen ist nachdem er mir gesagt hat dass er einen Entzug machen will. Also nicht gleich sofort aber dann fing das an. Und dann kam immer eins nach dem anderen. Ich hatte so eine Wut in meinem Bauch. So viele Teile passen plötzlich zusammen. Und auch mein eigene Selbstbetrug.

Ich finde es so schlimm dass er mir nicht sagen kann wie er sich fühlt. In solchen Zuständen oder wo er jetzt ist, kapselt er sich komplett ab. Ich bin auch die böse. Er sagt es nicht aber ich spüre es durch seine Mimik und Gestik und zwischen Kommentare. Allein schon die Tür und dass er Geld von der katholischen Kirche bekommen hat. :-| mit der Bemerkung, dass die einem blöden Typ wir ihm was geben. Was soll ich dazu sagen?
Heute Mittag habe ich ihn noch gesagt dass ich mich ab sofort nicht mehr in seine Angelegenheiten einmische. Da ist er ab sofort selbst für zuständig. Für mich ist es auch eine Art für ihn den Druck zu nehmen. Und noch so viele andere Zusammenhänge dazu. Was er natürlich niemals verstehen wird. Es ist ja auch überhaupt sehr schwer zu verstehen wenn man nicht darüber sprechen tut. Ich würde es ihm so gerne erklären. Ich weiß das er alles tut für mich aber manchmal reicht es eben nicht. Das Zusammenleben ist für ihn mit großem Druck verbunden gewesen. Weil er es mir halt recht machen wollte. Er wollte mit mir zusammen sein. Ach mann das ist doch alles so traurig.
Immer dieses blöde erklären wollen. Liegt das an den Schuldgefühlen? Oder überhaupt die Gefühle? Ich will jedenfalls nie wieder einen Mann haben der nicht über seine Gefühle sprechen kann. Nie wieder. Hätte man diesen Absturz verhindern können wenn man gesprochen hätte?
Fakt ist dass ich mich einfach für ihn verantwortlich fühle. Und das ist falsch. Es ist einfach falsch. Ich würde sogar behaupten dass er sich von mir abhängig gemacht hat. Ich natürlich auch von ihm. Natürlich bin ich eine Co. Ich habe wahnsinnige Angst dass er nie wieder aus dem Loch rauskommen wird. Ich will mir nicht dafür die Schuld geben müssen. Ich will aber auch nicht für immer und ewig in einer Beziehung stecken in der man über nichts reden und gemeinsam arbeiten kann. Ich will keine Beziehung mehr haben die mir keine Sicherheit geben. In der ich immer einen Funken Unsicherheit in mir drin habe ob er diesen Konflikt bewältigen kann ohne zu trinken. Ich will einfach nur frei sein. Ja ich will frei sein.

Was mich auch noch ein bisschen traurig macht ist die Tatsache dass es sich so endgültig anfühlt. Eigentlich wollte ich ja nur räumliche Trennung. Das ist leider letzten Dienstag völlig eskaliert. Aber es ist wie es ist. Ich hoffe wirklich sehr dass er eine Wohnung findet und wir hier Abstand bekommen. Was dann passiert wird sich zeigen. Ich will frei sein. Ich habe auch überhaupt keine Lust mehr auf solche Kämpfe weil ich einfach schon zu lange gekämpft habe. Nach diesen zehn Jahren habe ich glaube ich kapiert dass es einfach nie gut werden und bleiben wird.

Aurora
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Aurora » 25.04.2019, 14:10

Liebe Nadless,

oha, ein irrer Gefühlscocktail bei dir gerade...

Schuld... diese Schuldgefühle sind große Fesseln. Aber woran glaubst du schuld zu sein?
Eine andere Stimme in mir sagt aber immer noch dass er jetzt nichts mehr zu verlieren hat weil ich ihn jetzt auch noch abserviert habe. :?
Abserviert, wie hört sich das an? Ich finde, das ist echt einfach der falsche Begriff und dadurch bekommst du ein falsches Bild. Warum hast du beschlossen, ein Zusammenleben mit ihm zu beenden? Überlege dir mal die Gründe dafür, sind das gute Gründe, Gründe, die deine Lebensqualität betreffen?
:shock: Wer ist das da gerade in meiner Küche? Seine Haare stehen auf halb acht, mindestens drei Wochen nicht rasiert und der Rest sieht aus wirklich wie vom Bahnhof. Es ist furchtbar.
Ja, und schon wieder kommen Schuldgefühle auf. Der arme Mann, wie fertig er doch ist weil ich so böse zu ihm bin... oder so ähnlich. Oha, mein Ex war ähnlich drauf! Er hat dann mit leidender Stimme geredet, wie ein geprügelter Hund ist er rum geschlichen. Und ich bin vor Schuldgefühlen fast umgekommen. Und das wollte er auch. Denn das ist die Art Druck, der da ausgeübt wird, der dich festhalten soll.
Ja es tut mir leid. Aber ich will es nicht mehr sehen. Ich will es nicht mehr mit ansehen müssen.
Das ist doch ganz klar! Du bist ja auch machtlos dagegen, er möchte doch nichts verändern. Deine Hilfe will er nicht, er will, dass alles so bleibt wie bisher... Du fühlst dich schuldig, weil du dieses Leben nicht mehr willst. Oder? Warum eigentlich? Es ist doch normal das Leben zu ändern, wenn es so quälend und unfrei für dich ist.
Nur wenn ich, der Anker kippt dann wankt er auch. Das habe ich schon ganz oft gesehen und deshalb habe ich auch so Schuldgefühle. Ich muss es mir doch eingestehen dass ich sie habe. Sche***.
Das ist auch typisch Co... du übernimmst Verantwortung, die gar nicht deine ist. Du bist der Anker für ihn gewesen, ja, so ähnlich habe ich damals auch lange gedacht. Das ist doch eher eine Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem unmündigen Kind, was da gelebt wird. Aber er ist ja kein Kind, er ist erwachsen und für sich selbst verantwortlich. So funktioniert eine Paarbeziehung nicht...
Ich weiß das er alles tut für mich aber manchmal reicht es eben nicht. Das Zusammenleben ist für ihn mit großem Druck verbunden gewesen. Weil er es mir halt recht machen wollte.
Wow, du nimmst tatsächlich alle Schuld auf dich. Der arme Mann hatte solchen Druck, weil er mit dir zusammen gelebt hat. Echt, wenn er solchen Druck hatte hätte er ja auch Schluss machen können, oder? Oh ja, das kommt mir alles soooo bekannt vor. So ähnlich war es auch, was mein Ex mir vorgeworfen hat und so ähnlich habe ich auch gefühlt. Ich dachte lange, ich hätte meinem Exmann mit meiner Art zu leben sein Leben völlig verdorben und genommen.

Hallo! Was soll das! Er hatte ja auch jederzeit das Recht die Beziehung zu beenden, nicht wahr!
Ich habe wahnsinnige Angst dass er nie wieder aus dem Loch rauskommen wird. Ich will mir nicht dafür die Schuld geben müssen.
Ich sag dir was! Du hast doch für nichts die Schuld! Alles, was in der Beziehung gelaufen ist war mit gegenseitigem Einverständnis, oder? Denn jeder von euch hätte die Möglichkeit gehabt es zu beenden, wenn es nicht mehr gepasst hätte. Aber über lange Zeit hat eure Beziehung alle Dinge befriedigt, die ihr seid. Ich meine damit, ihr habt euch gegenseitig perfekt das gegeben, was ihr gebraucht habt. Was ist daran Schuld? Nichts! Nichts und nichts!

Nun ist deine Grenze erreicht und du fängst an, Dinge zu verändern. Und da muss er sich nun auch bewegen, jeder Aktion bedingt eine Reaktion. Du möchtest da ausbrechen, was auch sehr vernünftig ist, willst du leben. Er will sein bequemes Kinderleben mit Betreuung rund um die Uhr natürlich nicht aufgeben. Ist ja auch verständlich, aus seiner Sicht.

Also drückt er sämtliche Knöpfe, die er an dir kennt. Schuld, Verantwortung, Hilflosigkeit seinerseits, Gutmütigkeit deinerseits und die Bereitschaft, sofort für alles die Verantwortung zu übernehmen, dich schuldig zu fühlen und nicht "Nein" sagen zu können.
Ich will frei sein. Ich habe auch überhaupt keine Lust mehr auf solche Kämpfe weil ich einfach schon zu lange gekämpft habe. Nach diesen zehn Jahren habe ich glaube ich kapiert dass es einfach nie gut werden und bleiben wird.
Ja! Ganz klar! Und es ist dein gutes Recht, dafür zu sorgen, dass du da raus kommst! Damit machst du dich nicht schuldig oder sonstwas sondern betreibst Selbstfürsorge! Und das ist gesund und richtig so.

Aber -
Und das ist ja auch nur ein kleiner erster Schritt heute gewesen.
es geht eben leider nicht von heute auf morgen...

Liebe Grüße
Aurora

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 25.04.2019, 23:07

Oh Mann ich bin es leid. Ich will einfach nur noch diesen Mann aus meiner Wohnung haben. Er verkommt zum Assi. Schlimmer kann es jetzt nicht mehr kommen. Meine absolute Albtraum Vorstellung ist Realität geworden.
Sein Zimmer ist eine Assi Bude. Eine Tür vom Abfall einzubauen habe ich ihm heute untersagt. Soweit kommt es noch :shock: das ist nämlich auch meine Wohnung. Ich habe ihm gesagt wenn es ihm hier nicht gefällt muss er woanders hingehen.

Heute kam ein dicker Beschwerdebrief von unserer Vermieterin. Er hat wohl in den Waschkeller gekotzt. Super. Die Frau will uns ja eh hier raus haben. Er hat jetzt eine Zimmertür beschädigt, den Waschkeller vollgekotzt und in der Garage ein Loch in die Wand gebohrt.
ICH habe damals die komplette Kaution übernommen die kann ich jetzt wohl vergessen. Ich würde ihm am liebsten rauswerfen. Ich weiß ja nicht was jetzt noch passiert. Was stellt der Typ als nächstes an? Es ist ja schon traurig genug wenn er sein leben an die Wand fährt aber muss er ist auch noch mit meinem tun? Und ich habe noch Mitleid mit diesem Mann. Im Moment spüre ich davon gar nichts. Ich würde am liebsten seine Sachen in Kisten packen und mit ihm zusammen vor die Tür stellen. Ich bin am überlegen ob das jetzt nicht schon langsam Härtefall ist. Ob ich ihn nicht doch unter den gegebenen Voraussetzungen vor die Tür setzen kann. Immerhin ist es für mich auch untragbar hier mit diesem Alkoholiker leben. Ich werde mich morgen mal informieren.
Dieser Mann ruiniert mich wenn er so weitermacht. Der weiß doch dass ich auch dafür haftbar gemacht werde. Wie blöd bin ich eigentlich gewesen mit diesem Mann zusammen zu ziehen. Einfach nur dumm. Es fängt jetzt sogar schon an zu müffeln an unserem Zimmer :?
Habt ihr vielleicht eine Idee? Ich kann echt nicht mehr. Und so wie der aussieht kriegt er doch keine Wohnung. Das dauert Jahre :shock:

Liebe Aurora

Du hast so recht. Du hast einfach nur recht. Vielen vielen lieben Dank für deine Worte. Ich musste auch öfters schmunzeln und auch lachen dabei. Ich bin auch echt erschüttert über mich selbst. Vielen vielen Dank für diese Kopfwäsche. Du hast so recht. Wie vernebeln unseren Kopf auch echt selbst. Geht gar nicht.
Ich bin wirklich sehr sehr froh dass ich dieses Forum gefunden habe. Hier kann man so schön den Faden schreiben und bekommt den Kopf wieder gerade gerückt. Man lernt auch so viel über sich selbst.

Mein stärkste Co Knopf ist tatsächlich diese Mitleids Nummer. Obwohl ich mir echt nicht vorstellen kann dass die das mit Absicht machen. Die sind einfach so. Oder doch? Es wäre schon echt manipulativ.
Aber das ist mein wunder Punkt. Da werde ich weich. Aber dieser Punkt ist mir jetzt bewusst. Das geht so nicht mehr.

Nadless
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Re: Wie mache ich es richtig?

Beitrag von Nadless » 26.04.2019, 22:16

Nachdem ich gestern nur noch Panik geschoben habe welche Konsequenzen mir Wohnungs mäßig hier blühen könnten kam heute ein Anruf von der Tagesklinik. Am 3. 5 geht's los.
Natürlich bin ich nicht zuversichtlich dass er dann trocken wird aber er ist dann erstmal weg und ich habe meine Ruhe. Kann wieder etwas durchatmen. XY hat daraufhin erstmal angestoßen.

Ich muss jetzt zusehen dass ich mein Knie in Ordnung bekomme. Kann es kaum anwinkeln, das wird jetzt wohl doch etwas länger dauern. Bin auch total wackelig auf den Beinen. Ich fühle mich als wenn ich wieder neu laufen lernen muss. Habe jetzt Physiotherapie verschrieben bekommen. Ich muss dringend dringend für mich eine Wohnung finden. Und mit Krücken bin ich einfach nicht mobil. Nächste Woche habe ich Termin Bei meiner Jobcenter Sachbearbeiterin. Muss mich unbedingt beraten lassen bezüglich Umzugshilfe und was noch so gehen könnte. Sonst sitze ich hier bald auch noch auf der Straße. Meine Vermieterin sucht ja schon regelrecht nach Gründen um uns das Leben schwer zu machen. Da kommt ihr die Kotze im Waschkeller natürlich gerade recht. Obwohl ich kann es mir nicht vorstellen dass sie tatsächlich einen Zeugen dafür hat. Ich denke mal sie hat ihn besoffen gesehen und hat sich dann mal was zusammengereimt. Aber ist mir auch egal jetzt.

Heute hatte ich wieder einen kleinen Anflug von liebes Duselei. Hatte so ein Gefühl von verflossenen in mir. Von den schönen Zeiten die wir mal hatten. So ein Gefühl, wisst ihr was ich meine? Wenn man mal kurz den alten in ihn sieht. Dieses liebenswürdige in dass man sich so unsterblich verliebt hat. Mir ist da gleich ein Tränchen runter gekullert.
Das wird noch ein sehr schwerer Weg werden.

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