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Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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lütte69
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von lütte69 » 24.04.2019, 08:49

Hallo FreeWall,

die Sache mit Milch und Zucker ist schon heftig. Schön, dass Du das jetzt sehen kannst. Dann fällt es nicht ganz so schwer bei sich zu bleiben und mal die Verantwortung da zu lassen wo sie hingehört.

Wünsche Dir einen schönen Tag
sonnige Grüße
Lütte

Cadda
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Cadda » 24.04.2019, 11:30

Hallo Freewall,

Machtspiele... genau richtig erkannt. Höre auf mitzuspielen. Allein die Tatsache, dass er die Telefonate beendet und DU dann wieder anrufst, zeigt das Ausmaß darüber, wer die Macht hat.

Ich wünsche Dir wirklich, dass Du ihm den Zucker nicht weiterhin in den Hintern schiebst (im wahrsten Sinne des Wortes). Bitte entschuldige meine direkten Worte, aber beim Lesen, wie er mit Dir umgeht und was Du Dir gefallen lässt, wird einem wirklich übel. Es wird Zeit, dass Du wütend wirst. Das hast Du nicht nötig!!!

Aurora
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Aurora » 24.04.2019, 19:00

Liebe FreeWell,

ah, wie gut ich das kenne, dieses Jammern und das Selbstmitleid, weil du, die böse, böse Co, ihn, den armen Mann, so einfach im Stich lässt. :evil:
Nun rief er heute Abend wieder mit vorwurfsvoller Stimme an, wie fertig er von der Gartenarbeit wäre und dass er solche Schmerzen hätte, weil er von der Leiter gefallen wäre. Außerdem hätte er keine Milch und keinen Zucker mehr für seinen Kaffee. Wenn ich also noch irgendetwas für ihn empfinden würde, solle ich morgen früh um 7:00 Uhr bei ihm sein. Wenn ich nicht kommen würde, wüsste er Bescheid, was er von den ganzen Lügen über meine Liebe halten könne.
Hallelujah, da bleibt mir die Spucke weg. Wie dreist ist DAS denn! Gut gemacht, dass du ihm nicht pflichtbewusst gedient hast, echt.
Das ist doch keine Beziehung auf Augenhöhe sondern er ist der König und du das Aschenputtel. Das hast du echt nicht nötig, du bist doch viel mehr wert! Aschenputtel hat das übrigens auch erkannt...

Liebe Grüße
Aurora

Linde66
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Linde66 » 24.04.2019, 22:47

Hi und willkommen hier im Forum,
du fängst ja nicht bei null an! Du fängst was Neues an und das Alte ist deine Lebenserfahrung, die nimmst du ja mit, wenn du gehst.

Von der 1.Hilfe Ausbildung kenne ich noch, daß wenn es einem selber gut geht, man erst anderen helfen kann. Übertragen auf 1. Hilfe: daß man am Straßenrand bei einem Unfallgeschehen auf Eigensicherung achten soll, damit einem der nächste LKW nicht platt fährt. Und übertragen auf den häuslichen Bereich: daß man wenn man selber gut für sich sorgt und schaut, daß es einem selber gut geht, man stabil ist und eine gute Ausstrahlung hat und Kraft übrig hat für andere - wenn die denn überhaupt Hilfe wollen..
LG, Linde

FreeWell
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 01.05.2019, 11:49

"Es wird Zeit, dass Du wütend wirst. Das hast Du nicht nötig!!!"

Ja, genau das ist gestern passiert.

Einige Tage habe ich jetzt viel nachgedacht und versucht, dass gelesene umzusetzen. Es ist unglaublich hilfreich hier zu lesen und auch ausführlich schreiben zu dürfen !! Danke an das Team der Moderatoren an dieser Stelle !!

Gestern war wieder so ein Tag: Morgens habe ich im Büro etwas für ihn gemacht, ging nicht, da Server-Update ... gut, dann rief eine Freundin meines Lebensgefährten an. Sie war gestürzt (warum wohl !!) und bat ihn um Hilfe. Er sah überhaupt nicht ein, hin zu fahren, obwohl sie ihm auch schon so oft geholfen hat. Mein Schema schaltete sich ein und ich wollte helfen. So fuhr ich alleine eine weite Strecke, stand ihr bei, kaufte für sie ein und fuhr wieder die weite Strecke zurück. Auf dem Rückweg kaufte ich noch ein, für meinen Lebensgefährten natürlich auch. Heute ist ja Feiertag.
Als ich dann gegen 19:30 Uhr bei ihm ankam, habe ich die Lebensmittel versorgt, während von ihm nur Vorwürfe kamen, dass er solche Halsschmerzen hätte und ich nicht in der Lage wäre, ihm ein paar einfache Schmerzmittel zu besorgen. Ich würde mich ja wiedermal nur um mich drehen und würde mit dieser Ignoranz bezüglich seiner Schmerzen meine wahre Liebe zu ihm zeigen. Alles Lüge.
Ich entzog mich der Situation und wollte im Büro kurz nach Emails schauen und sehen, ob der Server nun wieder funktioniert, um die Arbeit von morgens zu beenden. Ging nicht. Zur gleichen Zeit kam mein Lebensgefährte jammernd aus seinem Bett, er hätte keine Schlaf- und Schmerzmittel mehr und welche Pizza ich denn nun machen wolle. Es wäre ja schon spät.
Da ich nicht davon ausging, dass man mit starken Halsschmerzen Pizza essen kann, hatte ich Fischfilet mitgebracht. Es entstand Streit, da er sich unverstanden fühlte. Keine Schmerzmittel, keine Schlafmittel, keine Pizza. Wie lieblos ist doch bin.
Daraufhin packte ich meine Tasche und er merkte, dass ich gehen wollte. Aha, sagte er, das ist der Plan: Streit vom Zaun brechen, damit du abhauen kannst um mal wieder für deine Tochter den Hund zu betreuen !
Mir blieb die Spuke weg und ich ging wortlos zur Türe hinaus.

FreeWell
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 01.05.2019, 12:08

Linde66 hat geschrieben:
24.04.2019, 22:47
Von der 1.Hilfe Ausbildung kenne ich noch, daß wenn es einem selber gut geht, man erst anderen helfen kann. Übertragen auf 1. Hilfe: daß man am Straßenrand bei einem Unfallgeschehen auf Eigensicherung achten soll, damit einem der nächste LKW nicht platt fährt. Und übertragen auf den häuslichen Bereich: daß man wenn man selber gut für sich sorgt und schaut, daß es einem selber gut geht, man stabil ist und eine gute Ausstrahlung hat und Kraft übrig hat für andere - wenn die denn überhaupt Hilfe wollen..
Liebe Linde,
danke für diesen Hinweis. Weißt du, vom Kopf her weiß ich das, nur ich neige dazu, helfen zu wollen, sobald meine Batterie von 0% auf 10% aufgeladen ist, da ich meine, dass es schon wieder geht. Aber dann ist man auch schnell wieder erschöpft und wird unsachlich. Und genau dann wird einem wieder vorgeworfen, dass man nicht funktioniert. Ich glaube langsam, dass man es als Co aushalten muss, nicht zu helfen, bis die Batterie auf mindestens 80% aufgeladen ist und dann sollte man sich erst um die eigene Existenz kümmern und in der "Freizeit" dann um Familie und Partner.
Ich denke da oft an den Film "Dirty dancing", wo sich das junge Mädchen dem Tänzer an den Hals schmeißt, da sie verliebt ist und er sie dann wegschiebt mit den Worten: Das ist mein Tanzbereich und hier ist dein Tanzbereich. Und genauso ist es doch im Leben, wenn nicht jeder seinen Tanzbereich hat, dann kann das auf Dauer nur zu einer Katastrophe führen ...
Also üben wir uns unsern Tanzbereich zu sichern ... :)
L, FreeWell

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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 05.05.2019, 11:00

Liebe Lütte, liebe Cadda, liebe Aurora,

wie Recht ihr habt, habe ich jetzt heute und gestern gesehen ... nach der kurzen Episode der Harmonie kam unweigerlich die nächste Konfliktsituation und ich sitze hier und weiß nicht mehr, was ich denken soll. Helfen tue ich gerne, aber ich suche ja noch immer nach der Grenze zur Co-Abhängigkeit. Okay, ich soll nur helfen, wenn es mir gut geht und ich Kraft übrig habe und nicht, weil die Hilfe gefordert wird. Aber ...

Ich versuche, mal kurz zusammen zu fassen. Als meine Mädels alle noch weit unter 18 Jahren waren, haben wir auf Drängen der jüngsten Tochter zwei Chihuahuas gekauft. Brüder, unkastriert. Es lief alles gut und wir hatten eine schöne Zeit, bis die Mädels nach und nach auszogen und die Chihuahuas erwachsen wurden ... Ranggleichheit, Kämpfe untereinander, Markieren in der Wohnung, Bellen, wenn eine Maus vorbei lief. Die beiden waren aus Unerfahrenheit nur mäßig erzogen, langweilten sich zu Tode und waren für mich nur noch anstrengend. Als ich zu meinem Partner ins Haus zog, nahm ich die beiden mit, da er auch einen Hund hatte und hoffte, er hilft mir bei der Erziehung der beiden. Außerdem ist dort ein großer Garten und ich hoffte, durch mehr Auslauf und Fahrrad fahren und Beschäftigung die beiden in den Griff zu bekommen. Nun ja, es klappte nicht wirklich und irgendwann habe ich es geschafft, sie abzugeben. Der eine ist jetzt in einer befreundeten Familie bei einem Chihuahua-Mädchen sehr glücklich und der andere kam zu meiner ältesten Tochter ... bis ich ihn wiederholt einige Tage zur Pflege hatte, er weg lief und an der Autobahn überfahren wurde ... Ich fühle mich immer noch schuldig, obwohl meine Tochter mir keine Vorwürfe mehr macht. Nun, das war im Januar.

Im April beschloss meine Tochter, dass sie ohne Hund nicht leben möchte und kaufte eine kleine Chihuahua-Dame. Sie ist jetzt 11 Wochen alt und sehr munter. Meine Tochter geht davon aus, dass sie mir auch gut tut und bittet mich hier und da, sie zu nehmen, wenn sie abends noch kellnern geht, damit sie nicht alleine ist. Das ist Samstags. So ist sie Sonntags Morgens natürlich auch noch bei mir. Auch fährt meine Tochter jetzt im Mai noch 10 Tage mit ihrem Freund in den Urlaub, der schon lange geplant war. Der Hund kann nicht mit. Wo bleibt er dann ?

Nun bekomme ich ärgste Vorwürfe von meinem Partner (seit heute Ex-Partner ?), von meinen Eltern, von meinen Kollegen: Du hattest solche Mühe, deine Hunde abzugeben. Warum tust du dir das jetzt an ? ER: Der Sonntag gehört uns und jetzt ist dieser Hund wichtiger. Wir können nicht arbeiten (Samstags Abend einen Termin wahrnehmen, damit deine Tochter arbeiten kann.) Der Hund ist wichtiger als deine Partnerschaft.

Der Therapeut meines Partners muss wohl zu ihm gesagt haben, dass ich konsequent sein soll: Urlaub oder Hund. Wenn die Tochter in den Urlaub fahren will, soll sie den Hund wieder abgeben. Für mich klingt das unglaublich lieblos. Natürlich bin ich nicht superglücklich, dass ich den Hund bald 10 Tage versorgen "muss", aber nun ist er da. Zur Züchterin zurück wäre doch auch grausam für den Hund und meine Tochter hat in meiner Ehe soviel mitgemacht und der Hund tut ihr gut und sie ist so glücklich mit ihm. Ist das da so schlimm, mal 10 Tage im Jahr zu helfen ? Oder greift da wieder mein Helfersyndrom und ich stelle wieder das Wohl des Hundes und meiner Tochter über mein eigenes ?

Zerstöre/beende ich damit bewusst meine Beziehung, die in den letzten Monaten sehr anstrengend geworden ist ? Mein Partner hat gerade angerufen und erklärt, dass er jetzt zum essen eingeladen wird. Vom wem, ist egal. Und ich soll morgen um 9:00 Uhr meine restlichen Sachen holen. Ich hätte ihn in den Dreck geworfen und meine Liebe wäre alles Lüge gewesen ...

In allem steckt ein bisschen Wahrheit, aber ich bin total verunsichert. Nutzt meine Tochter auch meine Co-Abhängigkeit ? Soll ich die Betreuung des Hundes während ihrem Urlaub als unzumutbar ablehnen ?

Ich bitte euch wiederholt um eine "Kopfwäsche" mit ehrlichen Worten ... Danke !!

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag ! LG, FreeWell

Linde66
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Linde66 » 05.05.2019, 12:32

Hallo FreeWell,
rede doch mit deiner Tochter, daß dich diese 10 Tage in der aktuellen Situation in Bedrängnis bringen, du aber grundsätzlich der Hunde-Angelegenheit positiv gegenüber stehst. Und dann bittest du sie, einen Plan B für die 10 Tage zu überlegen: z. B. Hundepension, eine Freundin, andere Verwandte, jemand aus dem Hundeverein, aus der Welpenspielgruppe, eine Nachbarsfamilie mit Hund... usw. usw.
Man muß aus sowas keinen Elefant machen und schon gar nicht anfangen zu menscheln. Man könnte es einfach sachlich angehen, ohne Vorwürfe, Erklärungen, Rechtfertigungen.
Wichtig finde ich auch, daß man nur wegen dieses Urlaubes keine Grundsatzdiskussionen anfängt, sondern einfach mal das Tempo aus der Sache rausnimmt und etwaige Entscheidungen vertagt, bis das Bauchgefühl einem eine klarere Botschaft sendet.
Liebe Grüße, Linde

Ach so, Plan B könnte durchaus auch sein, daß deine Tochter 10 Tage daheim bleibt, die Verantwortung übernimmt und sich selber um ihren Welpen kümmert! Das könnte durchaus bereichernd für ihre gemeinsame Bindung und Zukunft sein. Unabhängig davon kann man sich fragen, warum sie so kurz vor ihrem lange geplanten Urlaub einen Welpen anschafft?
Versuch ihr ihre Verantwortung zurückzugeben.

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