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Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Sunny1976
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Sunny1976 » 05.05.2019, 18:54

Liebe FreeWell,

wenn ich Deinen Text so lese und wie sich Dein XY verhält, fällt es mir schwer zu glauben, das er wirklich nicht mehr trinkt.
nach der kurzen Episode der Harmonie kam unweigerlich die nächste Konfliktsituation und ich sitze hier und weiß nicht mehr, was ich denken soll.
Dieses ranziehen, dann wieder wegstoßen, Dir ein schlechtes Gewissen machen... das alles sind für mich typische Verhaltensweisen bei einem nassen Alkoholiker.
Der Hund kann nicht mit. Wo bleibt er dann ? Nun bekomme ich ärgste Vorwürfe von meinem Partner (seit heute Ex-Partner ?), von meinen Eltern, von meinen Kollegen.
Lass doch mal Partner, Eltern und Kollegen außen vor und frage Dich selbst, ob Du den Hund gerne nehmen möchtest? Macht es Dir Spaß mit dem Hund? Oder ist es für DICH nur eine Belastung?

Es geht schließlich darum, das Du Zeit mit dem Hund verbringst, oder? Bilde Dir da mal eine eigene Meinung :D
Und wenn ER sagt, das der Sonntag Euch gehört... ja, was stört denn da ein Hund? Verstehe ich jetzt nicht so ganz, habe selbst eine Hündin, die ist zwar kein Welpe mehr, aber musst Du ihm den ganzen Sonntag die Hand halten oder wieso stört der Hund dann? Du hattest doch geschrieben, das er selbst einen hat, dann muss er doch auch mal mit dem Gassi gehen.
Der Therapeut meines Partners muss wohl zu ihm gesagt haben, dass ich konsequent sein soll: Urlaub oder Hund. Wenn die Tochter in den Urlaub fahren will, soll sie den Hund wieder abgeben. Für mich klingt das unglaublich lieblos.
Für mich auch! Trotzdem hätte Deine Tochter Dich ja vorher mal fragen können - bevor sie sich einen Welpen anschafft - ob Du für die Urlaube oder kellnern etc. für den Welpen da bist. Und wenn Du - nur DU - den Hund nicht haben möchtest, dann sag das Deiner Tochter. Es gibt mittlerweile tolle Unterbringungen für Hunde, sie wird da bestimmt etwas finden.

Und noch was... zahlst Du auch für den Therapeuten? Oder warum bist Du und der Hund da Thema?
Dieses "Andere haben auch gesagt, dass Du das so oder so machen sollst" oder dieses "Andere sagen auch, dass das total falsch von Dir war" ... kenne ich auch zu gut. Wenn andere das sagen, muss es ja stimmen, oder? :roll: Damit will er Dich nur verunsichern, hat bei mir auch super geklappt. Wir Co's denken ja gerne mal, dass alle anderen schon Recht haben und nur wir etwas falsch machen...
Natürlich bin ich nicht superglücklich, dass ich den Hund bald 10 Tage versorgen "muss", aber nun ist er da. Zur Züchterin zurück wäre doch auch grausam für den Hund und meine Tochter hat in meiner Ehe soviel mitgemacht und der Hund tut ihr gut und sie ist so glücklich mit ihm. Ist das da so schlimm, mal 10 Tage im Jahr zu helfen ? Oder greift da wieder mein Helfersyndrom und ich stelle wieder das Wohl des Hundes und meiner Tochter über mein eigenes ?
Das hört sich für mich nach Helfersyndrom an. Was heißt denn "nicht superglücklich"? Reicht doch, wenn Du nur glücklich bist, den Hund 10 Tage zu versorgen... :lol: Sorry, das meine ich jetzt etwas überspitzt! Natürlich ist es überhaupt nicht schlimm, seiner Tochter zu helfen. Meine Eltern nehmen auch immer meinen Hund, wenn ich in den Urlaub fahre und sie mal nicht mitnehmen kann. Aber meine Eltern freuen sich auch auf den Hund.
Zerstöre/beende ich damit bewusst meine Beziehung, die in den letzten Monaten sehr anstrengend geworden ist ? Mein Partner hat gerade angerufen und erklärt, dass er jetzt zum essen eingeladen wird. Vom wem, ist egal. Und ich soll morgen um 9:00 Uhr meine restlichen Sachen holen. Ich hätte ihn in den Dreck geworfen und meine Liebe wäre alles Lüge gewesen ...
Tut mir leid, aber wenn schon man eine Beziehung zerstört, nur weil ein Hund 10 Tage da ist... das spricht doch Bände, oder? Er macht Dir ein schlechtes Gewissen, versucht Dir die Schuld zu geben. Alleine dieses Beispiel mit dem Essen und nicht zu sagen, mit wem... oder Dir eine Uhrzeit zu setzen, wann Du die Sachen abzuholen hast... Das alles kenne ich nur zu gut. Und auch ich habe mir den Schuh immer wieder angezogen, leider!

Sieh es doch mal so - als er getrunken hat, war es schlimm für Dich. Jetzt trinkt er (angeblich) nicht mehr, aber es ist auch nicht besser. Ich habe bei meinem Ex-XY auch beide Phasen erlebt. Nach dem Entzug war es bei uns fast noch schlimmer als mit dem trinken. Er hat den Entzug nicht aus Überzeugung gemacht, nie wieder trinken zu wollen sondern nur, weil es ihm gesundheitlich so schlecht ging. In seiner kurzen trockenen Zeit war er eigentlich nur unglücklich, saß auf einem Pulverfass.

Am Ende nützt aber alles nichts, Du musst Deinen Tiefpunkt haben und Dir selbst sagen können, das Du ihn nicht mehr möchtest. Das Du ein besseres Leben verdient hast und einen Menschen an Deiner Seite, der Dich so behandelt, wie Du es verdient hast. Ich drücke Dir die Daumen, dass das bald passiert!

Alles Liebe
Sunny

Barthell
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Barthell » 06.05.2019, 08:03

Hallo freeWell,

ich habe deine Geschichte bisher gelesen und bin da rech nah an Sunnys Meinung, selbst wenn er nicht mehr Säuft, hat er immer noch noch nasse Verhaltensmuster.

Du 'weisst' eh alles? Tja wissen und 'erfühlen' sind völlig unterschiedliche Sachen und das was du schreibst liest sich nicht so als ob du überhaupt die Zeit hättest dich selbst zu erfühlen, selbst klar drüber zu werden was du willst. Weil das 'nebenher' läuft wâhrend du was für Andere tust.
Mein Rat: nimm dir Zeit für dich.
Wer fâllt denn tot um wenn du 'nein' sagst?
Dein XY weil er seinen Kaffee schwarz trinken ' muss ' oder zu blöd ist ne Pizza bestellt APP zu bedienen? (Menschen kommen ganz gut auch mal ne Woche ohne Essen aus ohne bleibende Schäden) oder zu faul nen Hilfsdienst zu beauftragen bei 70% Behinderung?
Deine Tochter weil der Welpe 10Tage in ne Hundepesion muss?

Ich behaupte mal dreist: Niemand fällt tot um wenn-weil du dir mal ne Woche für dich nimmst. - ausser dir selbst irgendwann wenn du es NICHT tust.

Ja das ist etwas überspitzt, mir hat es geholfen für mich zu entscheiden, dass das Nein nicht gegen den Fragesteller gerichtet ist sondern Für mich da ist.

Fällt mir auch nicht leicht, packe ich such nicht immer aber ich versuch's.

Klar ist es hart sich ein zu gestehen dass es da was gibt das man nicht kontrollieren kann oder packen kann, aber jeder Mensch hat eine Grenze ab der er kaputt geht wenn er sich nicht um sich kümmert, die ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, und egal wie 'gut' jemand ist, dann kommt die Grenze halt was später aber sie ist da.

Und das ist nicht schlimm oder was worüber man sich schämen muss, oder schämst du dich, dass Usain Bolt schneller rennt als du? Dafür kannst du andere Sachen besser!

FreeWell
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 21.05.2019, 11:18

Liebe Sunny,

vielen lieben Dank für deine ausführlichen Worte. Dieses Forum ist mir die beste Hilfe, die ich erhalte !! Offene, ehrliche, aber auch mahnende Worte aus Erfahrung geschrieben ... so wertvoll !!! Danke an alle an dieser Stelle !!

Ich habe jetzt eine Weile nur mitgelesen, da es in mir arbeitete. Statt mich auf meinen XY zu konzentrieren, habe ich gelernt, meine eigene Sucht zu helfen, auszuhalten. Erstaunlich, es wurde jeden Tag ein bisschen leichter :lol: !

Du schreibst:
wenn ich Deinen Text so lese und wie sich Dein XY verhält, fällt es mir schwer zu glauben, das er wirklich nicht mehr trinkt.
Stimmt ! Er hatte zwischenzeitlich einen Rückfall. Hatte Antabus abgesetzt oder unregelmäßig genommen, hat dann vorsichtig mit einem Bier versucht und gemerkt, dass er trinken kann. Juhuuu ! Und rein in den Suff !!

Ich bin mittlerweile 14 Tage nicht mehr bei ihm gewesen bis auf einmal für wenige Minuten, da ich etwas brauchte. Es sind ja immer noch Sachen von mir im Haus. Er sah schlimm aus. Abgemagert, eingenässt, verwahrlost ... ihr kennt das alles. Ich habe nicht viel gesagt, bin ruhig geblieben und habe nur kurz ein paar Sachen zusammen geholt. Als ich zum Auto ging, um einzuladen, hat er die Türe verschlossen. Gut. Seit dem war ich nicht mehr dort.
Dieses ranziehen, dann wieder wegstoßen, Dir ein schlechtes Gewissen machen... das alles sind für mich typische Verhaltensweisen bei einem nassen Alkoholiker.
Genau ! Beschimpfungen, Liebesbeteuerungen, Vorwürfe zu Verhalten aus "anno pief" ... er kann es sehr gut, den Finger in meine alten Wunden legen und mich damit verunsichern. Aber so langsam lerne ich mich selbst zu beobachten und sehe, dass mein einziger wirklich großer Fehler ist, dass ich ihm zuhöre und nachdenke, ob er recht haben könnte. Er würde mir soviel Liebe zeigen, hätte mir Kaffee ans Bett gebracht und ich hätte nichts zurück gegeben, aber an meine Lieblosigkeit hätte er sich gewöhnt ... er vergisst dann einfach meine Handlungen, wie Füße massieren und anderes, da dass wohl selbstverständliche Dinge sind, die eine Sub, ähm, eine CO zu erfüllen hat.
Es geht schließlich darum, das Du Zeit mit dem Hund verbringst, oder? Bilde Dir da mal eine eigene Meinung :D
Stimmt ! Okay, im Zuge des Lernens eine eigene Meinung zu haben (völlig neues Gefühl :-)) habe ich überlegt, dass ich deutlich ausdrücke, dass mir die alleinige Betreuung zuviel wird, dass ich aber Lücken fülle, die die Hundebetreuerin von ihr nicht abdecken kann. So haben wir nun einen Plan, in dem ich von 10 Tagen 3 Tage übernehme. Das fühlt sich gut an. Meine Tochter ist mittlerweile im Urlaub und da ich nur noch bei mir bin, ist alles ja auch viel einfacher.
Und wenn ER sagt, das der Sonntag Euch gehört... ja, was stört denn da ein Hund? Verstehe ich jetzt nicht so ganz, habe selbst eine Hündin, die ist zwar kein Welpe mehr, aber musst Du ihm den ganzen Sonntag die Hand halten oder wieso stört der Hund dann? Du hattest doch geschrieben, das er selbst einen hat, dann muss er doch auch mal mit dem Gassi gehen.
Wenn ER einen Sonntag mit mir verbringen wollte, dann hieß es, dass wir den hauptsächlich im Schlafzimmer verbracht haben. Und ein kleiner Welpe, der dauernd spielen will und unter die Decke krabbelt, stört dann gewaltig. :lol: . Außerdem wurde sein Hund mittlerweile erlöst ...
Sieh es doch mal so - als er getrunken hat, war es schlimm für Dich. Jetzt trinkt er (angeblich) nicht mehr, aber es ist auch nicht besser. Ich habe bei meinem Ex-XY auch beide Phasen erlebt. Nach dem Entzug war es bei uns fast noch schlimmer als mit dem trinken. Er hat den Entzug nicht aus Überzeugung gemacht, nie wieder trinken zu wollen sondern nur, weil es ihm gesundheitlich so schlecht ging. In seiner kurzen trockenen Zeit war er eigentlich nur unglücklich, saß auf einem Pulverfass.
Wie Recht du hast !!! Betrunken ist er unerträglich und will dauernd bedient und betüttert werden, aber mittlerweile weiß ich nicht, was schlimmer ist. Die "nicht-trinken-Zeit" mit Entzug ist glaube ich noch schlimmer, da er dann seine Wortattacken gezielter einsetzen kann und besser manipulieren kann.
Am Ende nützt aber alles nichts, Du musst Deinen Tiefpunkt haben und Dir selbst sagen können, das Du ihn nicht mehr möchtest. Das Du ein besseres Leben verdient hast und einen Menschen an Deiner Seite, der Dich so behandelt, wie Du es verdient hast. Ich drücke Dir die Daumen, dass das bald passiert!
Ja, stimmt. Ich brauche in meiner Sucht auch den Tiefpunkt, damit ich umkehre. Ich glaube, dass ich ihn wohl gerade durchlebt habe. Ich bin konsequent bei mir geblieben, habe mir die Augen ausgeheult über die Situation, in der ich stecke, über mein finanzielles Desaster und habe eine Woche fast nichts zu essen gehabt. In dieser Zeit hat er wieder getrunken, hat meinen sehr alten Vater nachts telefonisch belästigt, hat meine Kollegen telefonisch belästigt und über mich gelästert und wollte meine Mädels attackieren. Welch ein Segen, dass diese fast alle gerade neue Handynummern haben und er diese nicht weiß :-) ! Nun räume ich gerade den Scherbenhaufen auf, entschuldige mich bei meinen Kollegen, meinem Vater und und und ...

In einem anderen Beitrag hier habe ich ein Stichwort gelesen: Narzissmus. Da hat es bei mir geklingelt ! Ich habe sofort gegoogelt:
"Narzissten sind Menschen mit Charme und Charisma. Sie sind in der Regel redegewandt, humorvoll, selbstsicher und ziehen Blicke wie Aufmerksamkeit magnetisch an. Anfangs jedenfalls. Mit der Zeit aber entlarvt sich der Narziss und Egomane selbst: Seine Selbstverliebtheit und Egozentrik nerven nur noch und das, was wir einst bewunderten, avanciert zur hohlen Fassade, zum Mittel zum Zweck."
"Kritik und Zurückweisung können bei ihnen zu starken Selbstzweifeln, Lebenskrisen oder gar Depressionen und Desorientierung führen.
Viele Narzissten lieben sich selbst, sind sich aber nicht genug. Ihr Selbstwertgefühl hängt maßgeblich von der Bewunderung anderer ab – fehlt diese, stürzt der Narzissmus die Betroffenen in ein tiefes Loch" ... und dann in Alkohol??

Als ich das las, habe ich gedacht, dass mein XY da Model gestanden hat für die Charakterbeschreibung. Er will dauernd ellenlange Monologe über seine schlimme Situation halten, kann es aber nicht aushalten, wenn jemand anders auch mal erzählen will. Im Gegenteil, wenn er aus Versehen zuhört, nutzt er diese Info, um später damit eine Keule der Zerstörung zu formen ... auch Jahre später noch. Diese Narzissten springen in der Zeit, als wenn es sie garnicht gäbe ...

Meine Frage an euch: Werden vielleicht einige unserer lieben Säufer einfach falsch therapiert ? Ein Sandkastenfreund meines XY hat mal zu mir gesagt, dass der Alkohol das kleinste Problem von XY ist und er nicht mehr mit ihm Kontakt halten möchte. Ein anderer Sandkastenfreund sagte mal, dass eine Freundschaft mit meinem XY immer eine Einbahnstraße war. Helfen darf man ihm immer gerne und sofort, auch finanziell natürlich. Aber wenn man dann mal selbst Hilfe braucht, sei es nur, dass man zwei helfende Hände bei einem Umzug braucht, dann hat er keinen Sprit, um zu kommen oder ist gerade wieder hochheilig. Auch er will keinen Kontakt mehr.

Nun sind wir an einem Punkt angekommen, dass alle Freunde von XY nicht mehr kommen und helfen wollen. Und ich schweige und komme nicht, will auch nicht mehr kommen. Er ist vollkommen auf sich gestellt. Er muss jetzt entscheiden, ob er leben oder im Suff ersticken will. Es scheint zu fruchten. Als ich heute morgen bei meinem Handy den Flugmodus ausstellte, kam eine fröhliche Nachricht, dass er Wäsche gewaschen hat, das Haus geputzt hat, joggen war, mit dem Bauern gesprochen hat und nun pünktlich mit dem Bus auf dem Weg zur Klinik ist, um Antabus zu holen ...

Soweit, so gut. Aber seine Manipulationen und sein Narzissmus hat sich damit in keinster Weise geändert. Ich sehe keine Chance, mit so einem Menschen zusammen zu leben. Nicht mehr. Ich weiß garnicht, ob Narzissmus überhaupt heilbar ist ? Will er das überhaupt ? Nicht mehr mein Problem. Ich räume mein Leben auf, nehme Kontakt zu meinen Kunden auf und versuche bei jeder Anfrage nach Hilfe zunächst Bedenkzeit zu erbitten und überlege, ob es mir gut tut und ob ich es will. Dann treffe ich eine Entscheidung und vertrete sich auch mit Nachdruck. Das fühlt sich das erste Mal seit vielen Jahren gut an.

Nun freue ich mich mit Dank auf euren ehrlichen Rückmeldungen !

Fühlt euch alle gedrückt !
Mit sonnigen Grüßen,
FreeWell

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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 21.05.2019, 11:31

Hallo Barthell,

auch dir danke ich für deine wertvollen Worte. Einiges habe ich eben schon beantwortet, aber du hast mir mit folgendem Satz sehr geholfen:
Ich behaupte mal dreist: Niemand fällt tot um wenn-weil du dir mal ne Woche für dich nimmst. - ausser dir selbst irgendwann wenn du es NICHT tust.
Und hiermit:
Ja das ist etwas überspitzt, mir hat es geholfen für mich zu entscheiden, dass das Nein nicht gegen den Fragesteller gerichtet ist sondern Für mich da ist.
Wie Recht du hast ! Ich musste es in den letzten zwei Wochen üben: NEIN, du gehst nicht ans Telefon wenn er anruft. NEIN, du fährst nicht schauen, ob er noch lebt. NEIN, du schaust nicht, ob er noch etwas zu essen hast.

Weißt du, ich musste teilweise meinen Autoschlüssel meiner Nachbarin abgeben, um nicht zu fahren ... dann bin ich in den anliegenden Wald gelaufen und solange gelaufen, bis es mir besser ging. Die herrliche Luft, saftige Weiden, Pferde, Ziegen und lachende Menschen ... ja, tatsächlich, so etwas gibt es auch ! :-). Und wenn ich dann zurück kam, ging es mir besser und ich habe mich gefreut, dass mir die 24 Anrufe in Abwesenheit nichts mehr ausmachten. Löschen. Fertig. Und weiter. So halte ich es jetzt. Wenn ich das Gefühl habe, umzukippen oder loszuheulen, dann renne ich in den Wald und die Bäume saugen mir mit ihrem sanften Wind die Sorgen aus dem Körper. Ich kann auftanken und gehe erfrischt zurück an die Arbeit. Es dauert wohl, bis man nicht mehr weint, aber ich glaube fest daran, dass es irgendwann aufhört ...
Und das ist nicht schlimm oder was worüber man sich schämen muss, oder schämst du dich, dass Usain Bolt schneller rennt als du? Dafür kannst du andere Sachen besser!
JA ! Und das gilt es, heraus zu finden !! Back to the roots !!

Danke für alles !
LG, FreeWell

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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 21.05.2019, 12:03

Nachtrag zum Thema Narzissmus:

Es arbeitet in mir ... ist der Narzissmus das eigentliche Problem ? Ist das Versinken im Alkohol die Selbstliebe pur, das nur noch um sich selbst drehen ? Und man weiß ja genau, dass nach dem Genuss die körperlichen Probleme kommen und man eine Genusspause machen muss, damit der Körper sich erholen kann ... dann ist man der hilfebedürftige Alk, der ins Krankenhaus kommt und als armer kranker Patient im Mittelpunkt steht. Schwestern, Ärzte und die Familie ... alles dreht sich um ihn, damit es ihm bald besser geht, aber nur um seiner egomanische Genusssucht von vorne zu betreiben im Kreislauf des Selbstliebens ...

Der charismatische, charmante Mann ... schon vor vielen Jahren habe ich entdeckt, dass er die Rolle nur kurzzeitig aufrecht erhalten kann und dass sie ihn viel Kraft kostet. Nach getaner "Arbeit" muss man sich dann ein Mittagspäuschen von 2-3 Stunden gönnen. Auch manchmal gegen 11:00 Uhr morgens. Dann nachmittags netterweise nochmal 2 Stunden charmant sein und den fleißigen Mann spielen. Und Gott sei dank wird es ja bald dunkel und dann kann man gegen 18:00 Uhr den Feierabend einläuten ...

Verantwortung übernimmt ein Narzisst nicht, denn dafür müsste man sich ja dauerhaft im Außen bewegen. Das interessiert ihn nicht. Lieber lässt sich der überall bewunderte Mann zuhause pflegen, damit er ja morgen wieder glänzen kann ...

Liebe Leute, sicher nicht jeder Alk ist ein Narzisst und meiner ist sicher extrem, aber haben die Alks vielleicht mehr oder weniger narzisstische Züge ? Und ist das überhaupt heilbar oder eine Charaktereigenschaft, die in die Gene eingebrannt ist ?

Bin gespannt, wie ihr das seht !

LG, FreeWell

Sunny1976
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Sunny1976 » 21.05.2019, 18:50

Liebe FreeWell,
Ich habe jetzt eine Weile nur mitgelesen, da es in mir arbeitete. Statt mich auf meinen XY zu konzentrieren, habe ich gelernt, meine eigene Sucht zu helfen, auszuhalten. Erstaunlich, es wurde jeden Tag ein bisschen leichter :lol: !
Tut mir leid, wenn ich Deinen Text so durchlese, gerade was Du am Ende mit dem Narzissmus geschrieben hast, und auch noch den Nachtrag, dann kommt es mir leider nicht so vor, als würdest Du Dich nicht mehr auf Deinen XY konzentrierst. Du suchst gerade nach Gründen, warum er so ist, wie er ist. Warum er Alkoholiker geworden ist, warum er keine Freunde hat etc.

Glaube mir, ich kann das sehr gut verstehen, ich war nämlich mal genauso wie Du. Ich wollte unbedingt verstehen, warum er sich so verhält, warum er kein normales Maß kennt wie andere, warum er in die Sucht gerutscht ist. Was ist Teil der Sucht und was ist der wirkliche Mensch?!

Meine Gedanken kreisten darum, immer wieder. Und ich habe mich viel damit beschäftigt. Und das war genau das Falsche. Denn ich habe mich nicht mit MIR beschäftigt, sondern nur mit ihm. Aber ihm konnte ich doch einfach nicht helfen, auch wenn ich es heraus gefunden hätte... Und wenn die Gedanken sich immer nur weiter um den XY drehen, dann kommt man auch nie davon los. Man kann einfach nicht loslassen. Und das ist doch eigentlich das, was wir tun sollten, oder?
In dieser Zeit hat er wieder getrunken, hat meinen sehr alten Vater nachts telefonisch belästigt, hat meine Kollegen telefonisch belästigt und über mich gelästert und wollte meine Mädels attackieren. Welch ein Segen, dass diese fast alle gerade neue Handynummern haben und er diese nicht weiß :-) ! Nun räume ich gerade den Scherbenhaufen auf, entschuldige mich bei meinen Kollegen, meinem Vater und und und ...
Ja, kann ich auch verstehen, musst Du aber nicht. Denn nicht Du hast die Leute belästigt, sondern er. Warum entschuldigst Du Dich? Oder denkst Du, das die Leute das mit Dir in Verbindung bringen? Meine Erfahrungen sind mittlerweile, das die "Leute" schon genau wissen, mit wem sie es zu tun haben (Dein XY) und auch wissen, das Du damit nichts zu tun hast. Und die Leute sind am Ende ja nicht sauer auf Dich, sondern auf ihn. Und für Dich gibts da nichts zu entschuldigen :lol:

Und jetzt kommst:
In einem anderen Beitrag hier habe ich ein Stichwort gelesen: Narzissmus. Da hat es bei mir geklingelt ! Ich habe sofort gegoogelt

Juchu, jetzt sind wer dem wahren Übeltäter auf der Spur :roll: das könnte auch auf meinen EX-XY zutreffen, alles. Na und... das macht es doch nicht besser, das Dich jemand so behandeln darf! Ein Grund mehr, das Du Dich besser von ihm fern hältst. Ich weiß aus Erfahrung wie schwer das ist, ich kann Dir nur sagen, das es mit der Zeit besser wird. Je mehr die Zeit vergeht, desto besser kannst Du Dich auf Dich selbst konzentrieren. Ich habe dafür selbst bestimmt über zwei Jahre gebraucht. In der Zeit war ich auch schon ausgezogen, konnte aber einfach nicht los lassen. Aber wenn Ihr weiter Kontakt habt, kommst Du nie von ihm los...

Meine Frage an euch: Werden vielleicht einige unserer lieben Säufer einfach falsch therapiert ?

Das sind keine lieben Säufer, sondern es ist eine Krankheit! Ich habe es damals lange als Willensschwäche gesehen, bevor ich mich richtig mit dem Thema auseinander gesetzt habe. Und ich denke auch, das immer erst der Alkohol weg muss, ein trockenes gutes Leben aufgebaut werden muss, bis man an anderen Sachen oder Themen im Leben arbeiten kann.

Und was ich alles schon von Leuten gehört habe, warum und wieso mein XY trinken tut... ach herrje! Am Ende tut er es, weil er nicht anders kann und in dieser schlimmen Krankheit gefangen ist.

Als ich heute morgen bei meinem Handy den Flugmodus ausstellte, kam eine fröhliche Nachricht, dass er Wäsche gewaschen hat, das Haus geputzt hat, joggen war, mit dem Bauern gesprochen hat und nun pünktlich mit dem Bus auf dem Weg zur Klinik ist, um Antabus zu holen ...

Und was hat das mit Dir gemacht, als Du das gelesen hast? Hattest Du wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer?

Alles Liebe
Sunny

Danny-Dog
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Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Danny-Dog » 21.05.2019, 22:40

Hallo FreeWell,

lassen wir den Alkohol gerade mal außen vor.
Aber ein Mann, der eifersüchtig auf die Hunde ist?
Du hast für 2 Hunde WEG gegeben? Sorry, dafür fehlt mir jedes Verständnis, leider auch für dich.
Hunde (und andere Tiere)sind Lebewesen mit viel Gefühl, die schiebt man nicht hin und her, hat was mit Verantwortungsbewusstsein zu tun.

Ok, er ist Narzisst. Ist meiner auch. Aber die Hunde haben trotzdem auch bei ihm Priorität.
Und da das so ist, kann ich ihm seine Alkoholexzesse auch immer wieder verzeihen, denn er ist im Grunde ein guter Mensch mit einem großen Herz.

Kannst du das von deinem Typen auch sagen?

Liebe Grüße, Danny

Cadda
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1109
Registriert: 04.09.2017, 20:53

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Cadda » 22.05.2019, 09:40

Hallo FreeWell,

ich bin auch darüber gestolpert, was Sunny bemerkte. Dein XY ist euphorisch, er hat geputzt, gewaschen, war joggen und hat irgendwas geregelt. Ist auf dem Weg, dieses Medikament zu holen. Ja, er wird auch gerade selbst davon überzeugt sein, dass es jetzt klappt. Bis das Suchtgedächtnis wieder zuschlägt, dann ist ein bisschen trinken doch nicht so schlimm.

Es ist, wie ich bei Danny auch geschrieben habe. Nur, weil ein Alkoholiker versteht, was zu tun ist, heißt das noch lange nicht, dass etwas langfristig passiert.

Immer wenn ich meinen Ex mal treffe (wohnen in einem Dorf) erzählt er beiläufig, was er doch alles geschafft hat am Tag. Beim letzten Mal hatte er seinen Garten gemacht und im Büro alles auf Vordermann gebracht und und und.... zwei Wochen später hab ich erfahren, dass er mindestens 4 Tage durchgesoffen hat und nicht mal arbeiten konnte, obwohl er davon abhängig ist, da er selbständig ist. So viel dazu.

Wie oft ist er voller Tatendrang in ein neues, trockenes, besseres Leben gestartet und hat laut davon berichtet, weil er sich selbst so über seinen Entschluss gefreut hat. Und am Ende sah die Welt ne Woche später wieder anders aus.

Bei mir war es ja genau so. Ich hab auch immer wieder verkündet „Ab heute wird es alles anders“. Ich hab mir selbst geglaubt. Bis die Sucht sich wieder bemerkbar gemacht hat.

Nun werden viele, die das lesen, Hoffnung haben und denken „aber die hat doch dann auch aufgehört“. Ja, es gibt hier genügend Beispiele, wo es der Fall ist.

Aber ich wusste bereits in meiner Jugend, dass ich ein Alkoholproblem Jahr. Wollte da schon immer aufhören. Letztendlich hab ich über 20 Jahre gebraucht, bis es endlich geklickt hat und ich den Schritt in die wirkliche Trockenheit gegangen bin. Will man als Co. darauf warten?? Und manchmal wartet man auch umsonst, weil es nie richtig klickt. Da kann man noch so oft eine motivierte Phase haben und sich joggend zum Arzt begeben. Es bringt den Co. nicht weiter.

Und mal davon abgesehen... wenn er dazu noch von Narzissmus betroffen ist, dann renne bloß so schnell Du kannst, denn das lässt sich auch durchs Trocken werden nicht abstellen.

Ich finde es wirklich toll, dass Du konsequent bei Dir bleibst. Das ist ein guter Weg, Abstand zu gewinnen. Vielleicht bekommst Du durch den räumlichen Abstand auch schneller den Abstand im Kopf. Ich wünsche Dir das sehr, denn glaub mir, es ist wirklich sehr befreiend, wenn man die Sorgen um den XY los ist.

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