Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Antworten
FreeWell
neuer Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 21.04.2019, 20:14
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 22.04.2019, 00:17

Hallo liebe Sunshine,

danke fürs Kopf waschen !! :-)

Ja, ich habe den Hund genommen und bin zu mir nach Hause gefahren und es fühlte sich richtig an. Ich fühle da genauso, wie du es beschrieben hast: Die eigenen Hunde waren mir zu stressig und ich hatte das Gefühl, dass sie es bei mir nicht mehr gut hatten. So habe ich sie untergebracht.
Es ist für mich ein Unterschied, wenn ich jetzt übergangsweise mich um den Welpen kümmere, bis er dann auch leichter zum Beispiel mit zum Fußballplatz kann. Es ist zeitlich begrenzt und ich kann ihn immer wieder abgeben. Dann bin ich ja froh, dass du das auch so siehst.

Der Therapeut meines Partners: Ja, der war auf Wunsch meines Partners mal bei uns zuhause, da mein Partner glaubhaft rüber gebracht hat, dass er seine Probleme nicht lösen kann, wenn ich mich weiter von meinen Kindern/Eltern ausnutzen lasse. Er würde zu sehr darunter leiden. So wollte dieser Therapeut mit mir reden zum Wohle seines Patienten. Ich habe ihm in vielen Dingen nicht zugestimmt und hatte auch da das Gefühl, dass mein Partner ihn manipuliert und um den Finger wickelt. Der Therapeut hat selbst vier Kinder, erzieht diese aber autoritär nach dem Bundeswehr-Stil: Wenn du dir nicht selbst helfen kannst, dann geht es eben nicht. Papa muss arbeiten. Na ja, nicht mein Stil.

Ja, das mit der Zeitnutzung ist ja genauso eingetroffen. Ich habe Hunde, Kaninchen usw. abgegeben und dennoch wurde es nicht besser, weil mein Hauptproblem die Bequemlichkeit meines Partners ist. Je mehr ich tue, desto mehr sitzt er rauchend vor seinem Fernseher und schwingt schlaue Reden. Er ist dabei raffiniert und sagt, er hätte für mich einen interessanten Film eingelegt, ob ich nicht kurz Pause machen möchte. Die Versuchung ist oft groß, sich zu setzen, denn er meint es ja gut :-) ! Aber das "wir machen das nachher zusammen" endet dann immer darin, dass es auf "morgen" verschoben wird und ich es im Endeffekt selbst mache.

Ja, du hast Recht. Ich sollte wirklich endlich Zeit für mich verwenden ohne schlechtes Gewissen. Und Grenzen setzen für meine Mädels fördert ja auch deren Problemlösungsfähigkeiten, oder ?

Ich danke dir für deine tollen Impulse und werde versuchen, das umzusetzen !

FreeWell
neuer Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 21.04.2019, 20:14
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 22.04.2019, 00:32

Hallo Nadless,
danke dir für deine offenen Schilderungen mit deinem Freund. Es ist toll, dass er solche Phase nicht mehr hatte und ihr jetzt zusammen wohnt.

Ich frage mich oft, ob ein Mensch sich wirklich grundlegend ändern kann, denn wir haben schon so oft über kleine Gewohnheiten gesprochen, die mich nerven oder dass er alles rum liegen lässt und nichts zuende bringt. Er ändert es einfach nicht. Gleichzeitig erwartet er von mir, dass ich an meinen Fehlern arbeite und ich habe ja schon viel geändert und bin schließlich ausgezogen. Seit dem nimmt er dieses Antabus und ist trocken. Aber auch das kann man ja jederzeit absetzen und eine Woche später wieder saufen. Ich traue dem Braten nicht, dass er nie mehr trinken möchte, wie er sagt. Er muss es für sich tun und nicht für mich.

Alle sagen mir, ich muss ihm die Verantwortung für sein Leben zurück geben und Verantwortung für mein Leben übernehmen. Und diese Selbstgespräche, wie du sie weiter unten beschreibst, sind dafür sehr gut. Das, was du dort beschreibst, mache ich seit kurzer Zeit: Was möchte ich heute tun, was würde mir Spaß machen ? Und ich versuche auch, mich davon nicht abbringen zu lassen, aber es klappt nicht immer.

Auch sagte mal jemand zu mir: Wenn du dir nicht selbst eine hohe Wertschätzung entgegen bringst, wie soll es dann jemand anderes machen ? Den Satz finde ich auch gut. Es ist nur so schwer, die täglichen Gewohnheiten, das täglich falsche Denken, zu ändern. Vielleicht versuche ich das mit dem Spiegel. Ich werde es dir berichten.

Blacki
neuer Teilnehmer
Beiträge: 42
Registriert: 07.09.2018, 15:40
Geschlecht: Weiblich

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Blacki » 22.04.2019, 12:36

Hallo FreeWell,

Ich bin echt ein bisschen geschockt von deiner Geschichte! Ich habe keine Erfahrung mit Co-Abhängigheit, ich bin eig. von der anderen Seite, deswegen verstehe ich vielleicht etwas falsch aber WARUM GEHST DU NICHT EINFACH ??? Du bist nicht glücklich mit ihm, er macht dich und dein Leben kaputt wozu das alles also??? Du schuldest ihm gar nix, er ist nicht mal Vater deiner Kinder!! Ich würde in so einer krassen Situation nur bleiben, wenn ich den Mann mehr als mein Leben lieben würde. Scheint bei dir nicht dee Fall sein. Geh einfach! Sag ihm du liebst ihn nicht mehr und beendest die Beziehung.

FreeWell
neuer Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 21.04.2019, 20:14
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 22.04.2019, 14:05

Hallo Blacki,
danke dir für deine klaren Worte. Du hast Recht. Ich sollte einfach gehen und gesund werden und mich auf mich besinnen. Aber genau das kenne ich gar nicht. Meine Co-Abhängigkeit scheint zu beinhalten, dass ich meine Kinder/meinen Partner/ meine Eltern mehr liebe als mich selbst. Mein eigenes Leben ist nur dafür da, dass es anderen gut geht. Und jetzt soll ich einfach mal für mich da sein ... wie geht das ? Ich sitze in meiner Wohnung und mir laufen die Tränen nur so ... mein Kopf sagt mir, es wird in ein paar Wochen besser, aber mein Herz sagt mir, dass ich doch den Mann meines Lebens meinte gefunden zu haben ... und das soll ich jetzt aufgeben ? Wieder von vorne anfangen mit 57 ? Wieder bei Null anfangen, ohne Freunde und wieder eine neue Basis bilden ? Es fühlt sich richtig und falsch an. Andere haben jetzt ihr Haus abbezahlt, die ersten Enkelkinder kommen und man freut sich auf die Rente. Ich setze meinen Zähler auf Null und schaue mal so, was die Welt so bietet. Ja, es muss wohl sein ... wie oft noch ...

lütte69
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1973
Registriert: 28.05.2012, 09:44

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von lütte69 » 23.04.2019, 09:02

Hallo FreeWell,

"wenn sich jeder um sich selbst sorgt, ist für jeden gesorgt" - das hat mich auf meinem Weg begleitet. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es besser war, dass jeder für sich gesundet und dann ein neuer Beginn möglich ist. Ich möchte Dir Mut machen, Dein Leben in die Hand zu nehmen, Dich in deinen Fokus zu stellen und dich um dich zu kümmern - ein anderer macht es erstmal nicht wie es aussieht. Die Anderen in deiner Umgebung haben die gleichen Möglichkeiten. Jetzt bist erstmal Du wichtig. Was tut dir gut, was macht dir Spaß, was zieht dich runter, was möchtest Du - das könnten Wegweiser für Dich sein.

Ich wünsche Dir Kraft und Geduld
sonnige Grüße
Lütte

FreeWell
neuer Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 21.04.2019, 20:14
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 23.04.2019, 09:28

Guten Morgen liebe Lütte,
danke dir für deine sonnigen Worte und Grüsse ! :-). Ja, das ist wohl der Weg, einfach immer schauen, was mir gut tut und was mir Spaß macht. Ich versuche schon, diese Reflektion einzuschieben, wenn jemand mich um etwas bittet: Will ich das jetzt machen oder hatte ich anderes vor ? Tut mir das gut oder zieht es mich wieder runter. Ich versuche dann, mich für mich zu entscheiden. Manchmal helfe ich dann und manchmal aber auch nicht. Und dann bin ich oft ganz erstaunt, wie der andere sein Problem auch ohne mich ganz schnell gelöst hat :-) ! So muss man wahrscheinlich das neue Verhalten, das gesunde Verhalten auch erst üben und prägen. Ich bemühe mich !

Ich wünsche auch dir Kraft und Licht und Liebe !
Sonnige Grüße zurück, FreeWell

Aurora
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 12565
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von Aurora » 23.04.2019, 10:06

Liebe FreeWell,

ja, diese neuen Muster, das Neinsagen, das will geübt werden. Und sei dir bitte nicht böse, wenn es nicht auf Anhieb perfekt klappt...

Meine ersten Neins waren für mich regelrecht körperlich auch anstrengend. Mir war übel und ich habe geschwitzt und viele Stunden ein schlechtes Gewissen gehabt. Das war 2007, da fing ich mit dem Üben an. Und auch jetzt fallen mir Neins oft noch schwer, je näher mir der Mensch, der mich fragt, steht desto schwerer ist es. Es hinterlässt noch immer ein komisches Gefühl aber es ist um Meilen besser geworden als damals. Und ich merke, dass mich meine Mitmenschen auch viel respektvoller behandeln, seit ich das tu, also das Neinsagen. Plötzlich bin ich nicht mehr ein bequemer nutzbarer Gegenstand sondern eine Frau mit einem eigenen Leben! Erstaunlich, finde ich noch immer. Und vor allem, die Welt hat sich immer weiter gedreht, nach jedem Nein.

Ich sage aber auch immer wieder noch Ja... wenn ich eher Nein meine. Dann ärgere ich mich und überlege, warum das so ist. Und ich habe gelernt, dass ich meine Meinung auch ändern darf! Ich darf auch sagen: es geht halt doch nicht... Mach ich aber nicht wirklich oft :oops: .

Also nur Mut! Immer ran an's "Nein" .

Liebe Grüße
Aurora

FreeWell
neuer Teilnehmer
Beiträge: 34
Registriert: 21.04.2019, 20:14
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Unterschied zwischen menschlicher Hilfe und Co-Abhängigkeit ?

Beitrag von FreeWell » 23.04.2019, 22:46

Liebe Aurora,

danke dir für deine lebensnahen Worte. Ja, man sollte sich selbst vielleicht nicht verurteilen, wenn man nicht immer ein NEIN hin bekommt, sondern einfach stolz auf jedes NEIN sein, was ausgesprochen und auch konsequent durchgezogen wird. Mir sagte mal eine Lehrerin: Lieber konsequent falsch als inkonsequent.

Das passt zu deiner Aussage, dass man seine Meinung auch ändern darf. Wir gestehen unseren Partnern zu, dass sie sich immer wieder falsch verhalten dürfen und haben immer wieder Verständnis dafür. Aber wehe, wenn wir aus Verunsicherung mal eine falsche Entscheidung treffen. Dann werden wir Co's aufs schärfste verurteilt !

Ich habe mich seit einigen Tagen in meine Wohnung zurück gezogen und versuche es auszuhalten, dass mein Partner ev. nicht genug zu essen hat oder ob er gut versorgt ist ... es ist traurig, dass ich über ihn denke, wie über ein 5-jähriges Kind.

Ich bin in Gedanken sehr viel bei ihm, aber versuche, nicht anzurufen. Heute Mittag haben wir dann telefoniert, da er sich gemeldet hat. Ich versuche, die Gespräche mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit zu beobachten. So war ich erstaunt darüber, dass mein Partner im Konfliktfall ständig aufgelegt hat und ich erneut anrufen musste. Er hat ansonsten geredet wie ein Wasserfall, mich belehrt, mich unter Druck gesetzt und mich vor eine Entscheidung gesetzt. Ich habe das erste Mal einfach zugehört und bin auf seinen Redeschwall nicht eingegangen frei nach dem Motto "lohnt sich nicht". Dann fragte er ins Telefon: "bist du noch da" und ich antwortete, dass ich im Auto sitze und in 5 Minuten bei einem Termin sein müsse. Da legte er einfach auf - wie so immer. Mir ist zum ersten Mal bewusst aufgefallen, dass er seinen Senf in epischer Breite loswerden will, Druck ausübt, um seinen Willen durchzusetzen, aber dass es ihn einen feuchten Kehricht interessiert, wie es mir geht, welchen Termin ich habe und auch wie es ausgegangen ist.

Heute Nachmittag habe ich mich dann mit meiner mittleren Tochter getroffen und wir haben auch ruhig über die Situation gesprochen. Sie sagte, dass nach ihrer Meinung dieser Mann mich nicht liebt, obwohl er das immer wieder bekundet. Er lebt nur seine Bequemlichkeit auf meine Kosten, da ich ihm die ganzen Pflichten ja mit großem Engagement und Pflichtbewusstsein abnehme. Ich habe das bislang gebraucht, um mich gut zu fühlen.

Nun rief er heute Abend wieder mit vorwurfsvoller Stimme an, wie fertig er von der Gartenarbeit wäre und dass er solche Schmerzen hätte, weil er von der Leiter gefallen wäre. Außerdem hätte er keine Milch und keinen Zucker mehr für seinen Kaffee. Wenn ich also noch irgendetwas für ihn empfinden würde, solle ich morgen früh um 7:00 Uhr bei ihm sein. Wenn ich nicht kommen würde, wüsste er Bescheid, was er von den ganzen Lügen über meine Liebe halten könne.

Zum ersten Mal wird mir das Machtspielchen bewusst, in welchem ich seit vielen Jahren lebe. Das ist definitiv keine Liebe, die er da zeigt, sondern nur ein Befehlston, mit dem er Bedienung anfordert. Und in vielen anderen Beiträgen hier im Forum habe ich auch gelesen, wie diese Männer ihre Liebesbekundungen nutzen, um ihre Co wieder weich zu kochen.

Ich glaube, wir Co's müssen einfach mit mehr Distanz in die Gespräche gehen und beobachten, was die Sätze unserer liebenswerten Partner mit uns machen. Also, ich glaube, mein Partner wird sich wundern, dass er morgen früh seinen Kaffee leider schwarz trinken muss, da er heute nicht für Nachschub von Milch und Zucker gesorgt hat. Nicht mein Job.

Ab sofort werde ich bei jedem Gespräch, bei jeder Handlung für und mit meinem Partner überlegen, ob es mir gut tut. Und wenn nicht, werde ich es einfach sein lassen. Ich hoffe, dass ich so langsam wieder zu mir selbst finde und meine völlige Verunsicherung wieder abbauen kann.

Ich danke euch allen für die unglaublich wertvollen Beiträge und wünsche allen Co's, dass sie das Selbstwertgefühl entwickeln, den Partnern die Stirn zu bieten. Und verzeiht euch, wenn es nicht immer klappt ... aber immer öfter !

Allen eine gute und erholsame Nacht !
Liebe Grüße, FreeWell

Antworten