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Wie sage ich es ihm?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Angel1980
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Angel1980 » 27.06.2019, 10:44

Hallo zusammen,

im Moment geht es mir gar nicht gut. Diese Diskussionen mit ihm machen mich müde und rauben mir die Kraft im Alltag...

Immer wieder Vorwürfe: Geh doch zu der Beratung. Damit sagst du mir doch indirekt, dass ich das Kindeswohl gefährde. Und wenn mein Kumpel nachher kommt, trink ich mir ein "Richtiges" mit ihm. Als ich das hinterfragte, weil er ja nur am Wochenende "Richtiges" trinken wollte, sagte er: ich habe keine Lust mich für jedes Bier zu rechtfertigen oder mich von dir blöd angucken zu lassen sobald ich mir eine aufmache. Darf ich mir also nicht mal mehr mit meinem Kumpel eine Flasche Bier trinken? Du hast mich so kennengelernt und jetzt soll ich ganz auf Alkohol verzichten oder was?

Er wird auf gar keinen Fall zur Beratung oder Therapie gehen. Das hat er schon mal durch (beim Vorbereitungskurs für seine MPU). "Da wurde beim ersten Treffen über Alkohol geredet und dann nur noch über mein Leben. Da hab ich keinen Bock drauf!"

Immer wieder denke ich über die Antwort von Karsten nach: "Wenn du dich auf diesen Kompromiss einlassen möchtest, wirst du ja sehen, was passiert."
Möchte ich mich auf diesen Kompromiss einlassen? Ich habe Angst davor mich darauf einzulassen. Mein Magen dreht sich dabei um. Als ich ihn gefragt habe, warum er sich nach unserem letzten Gespräch nicht an die Abmachung halten konnte, sagte er: Keine Ahnung. Hab jetzt aber auch keinen Bock auf therapeutische Gespräche. Und bis jetzt kein "Schatz es tut mir leid, dass ich mich nicht daran gehalten habe" oder "Mach dir keinen Kopf, ich schaff das schon."

Mein Verstand schreit mich an: Geh doch endlich, er versteht es nicht, weil er es nicht verstehen will. Und dann dieses kleine flüsternde Männchen in meinem Herzen, dass mich darüber nachdenken lässt: Was ist, wenn er sich doch ändern und seinen Bierkonsum reduzieren kann?

Du hattest Recht Cadda, mein Verstand weiß es, aber das Handeln ist wirklich gar nicht so leicht... Irgendwann wird mein Verstand lauter Schreien und dann werde ich das Flüstern im Herzen überhören.

Bis dann
Angel

Morgenrot
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Morgenrot » 27.06.2019, 11:10

Hallo Angel,
"Schatz es tut mir leid, dass ich mich nicht daran gehalten habe" oder "Mach dir keinen Kopf, ich schaff das schon."
Nasse Alkoholiker halten keine Versprechen ein, sie machen zwar oft welche, nur die Umsetzung erfolgt nicht.
Ich weiß, wie ich meinen xy vor einer Feier gebeten habe nicht viel zu trinken, da wir nachts nach Hause laufen mußten und ich stark sehbehindert bin. Du darfst raten, wer denn am Ende wen nach Hause gebracht hat.
Bei der Entscheidung zu gehen, bin ich auch nie weit gekommen, obwohl wir getrennt im eigenen Haus gelebt haben, ich habe nichts mehr für ihn erledigt, aber den letzten Schritt habe ich nie geschafft, ich weiß nicht warum.
Von daher kenne ich deinen Zwiespalt sehr gut.


lg Morgenrot

Linde66
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Linde66 » 27.06.2019, 14:52

Hallo Angel,
ein Alkoholiker kann nicht kontrolliert trinken. Er kann auch nicht reduzieren, sich zusammenreißen, warten bis zum Wochenende o.ä.
Ein Zeichen von Alkoholismus ist ja gerade der Kontrollverlust. Er kann es nicht mehr kontrollieren, selbst wenn er es dir zuliebe wollte. (Will er aber sowieso nicht, wie du es gerade beschreibst.)
Sowie er weniger oder gar nichts mehr trinken würde, kommt er in den Kalten Entzug. Die Entzugserscheinungen können von zittern, schwitzen bis hin zu Delir gehen.
Damit das nicht passiert, verlangt der auf Alkohol eingestellte Körper weiteren Alkohol.
Alkoholismus ist eine Suchtkrankheit, keine Willensschwäche.
Am persönlichen Tiefpunkt angelangt, kann der Alkoholiker die Krankheit zum Stillstand bringen. Das erfordert eine Entgiftung und danach einiges an Lebensveränderungen.
Diese Fragen stellt er sich aber nicht...
Wann ist DEIN persönlicher Tiefpunkt, wo du sagst, jetzt kann und will ich einfach nicht mehr länger warten, hoffen, mich anlügen lassen, reden, kontrollieren, aushalten, diskutieren...
Viele liebe Grüße, Linde

Speranza
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Speranza » 27.06.2019, 16:14

Hallo Angel!
im Moment geht es mir gar nicht gut. Diese Diskussionen mit ihm machen mich müde und rauben mir die Kraft im Alltag...
Versuche doch mal nicht mit ihm zu diskutieren denn ihm fehlt bis jetzt jegliche Einsicht und du kommst nicht auf einen gemeinsamen Nenner.. Es kann ja sein dass er meint nicht zuviel zu trinken aber es geht ja um DICH. Du leidest unter der Situation und möchtest für dich Dinge tun damit es dir wieder besser geht das ist dein gutes Recht. Bleibt er dabei auf der Strecke ist das seine Sache.

Ich konnte lange Zeit nicht begreifen dass ihm sein Alkohol wichtiger als alles andere ist nach über 30 Jahren Ehe ging alles den Bach runter. Ich habe diskutiert und geredet ohne Ende und bin letztendlich doch gegangen. Mir tut es leid dass ich nicht schon viel früher die Kurve bekommen habe. Er hat sich mittlerweilen ins Grab getrunken.

Ich habe mir ein ganz neues Leben aufgebaut habe aber natürlich einige Narben auf der Seele. Es bringt aber nichts zu grübeln und in der Vergangenheit zu hängen und ich kann ganz stolz sagen ich habe es geschafft mir ein schönes Leben aufzubauen wenn auch anders als ich es mir gewünscht habe. Zu begreifen dass wir nicht gemeinsam alt werden können hat auch lange gedauert.

Also ich kann nur jedem raten zu gehen wenn er keine Einsicht zeigt.

Alles Gute und
LG Marie

Cadda
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Cadda » 27.06.2019, 21:04

Von welchem Kompromiss schreibst Du? Er geht doch überhaupt keinen Kompromiss ein. Im Gegenteil. Er hat das Blatt komplett gewendet und stellt Dich als Problem hin, nicht ihn.

Davon mal abgesehen: Selbst WENN er einen Kompromiss eingehen wollen WÜRDE... es gibt beim Thema Alkoholismus keine Kompromisse. Ganz saufen oder NICHTS mehr. Und dazu ist er offensichtlich nicht bereit.

Dein Verstand weiß genau, was zu tun ist. Die Masche, die er jetzt fährt, ist mies und genau perfekt geeignet, um den Co.verzweifeln zu lassen und sich selbst in Frage zu stellen.

Vertraue auf DICH und Dein Gefühl. Ich verspreche Dir, Dein Verstand liegt goldrichtig.

Ganz liebe Grüße
Cadda

Cadda
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Cadda » 10.07.2019, 09:04

Guten Morgen, Angel...

Wie geht es Dir denn so? Vermutlich unverändert, sonst hättest Du bestimmt was geschrieben bzw berichtet. Mein Beitrag sollte nicht fordernd rüberkommen. Er war lediglich als Gedankenbestätigung gedacht. Dass man nach der Erkenntnis nicht sofort in der Lage ist, zu handeln, das ist mir auch bewusst. Manchmal braucht man eben etwas Zeit, weil ja auch Gefühle im Spiel sind. Erzähl doch mal, wie so die Situation gerade für Dich ist, wie es in Dir aussieht.
Liebe Grüße von mir.

Nadless
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Nadless » 10.07.2019, 22:58

Angel1980 hat geschrieben:
25.06.2019, 08:19
trotzdem erwische ich mich immer wieder bei diesem Gedanken, dass er ja vielleicht doch Recht hat und ich übertreibe ein wenig.
Genau das ist unser Wunder Punkt. Es ist unsere Entscheidung anzufangen an uns zu zweifeln. Weil wir es einfach gar nicht anders können. Es uns nicht erlauben unsere Bedürfnisse klar zu äußern und einzufordern. Andere Meinungen auszuhalten wenn sich andere wegen UNS schlecht fühlen. Wir lassen uns klein machen. lassen es zu.

Das kann man aber wieder umlernen, wenn Du lernst bei Dir selbst zu sein. Ist nicht so ganz einfach. geht aber

Angel1980
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Angel1980 » 26.07.2019, 23:28

Hallo,
es rührt mich gerade zu Tränen, dass ihr euch fragt, wie es mir geht. Es bedeutet mir so unendlich viel, auch wenn wir uns nicht persönlich kennen...

Ich musste lange über das, was ich hier im Forum gelesen habe, nachdenken. Natürlich auch über die Antworten auf meinen Beitrag. Ich war inzwischen auch bei der Beratungsstelle. Es war ein tolles Gespräch und mir wurde geraten, mehr für mich zu tun und mehr Zeit alleine mit meiner Tochter zu verbringen. Und mir wurde eine Selbsthilfegruppe empfohlen, die ich demnächst aufsuchen werde.

Im Moment ist alles einfach nur anstrengend hier. Habe die ganze Zeit versucht mich nicht davon beeinflussen zu lassen, wann und wieviel er trinkt. Ich kann es nicht. Ich gucke ihn "doof" an sobald er eine Flasche in der Hand hat und ich kriege schlechte Laune. Heute Abend, nach ein paar Flaschen war er nicht mehr ganz nüchtern und als er noch eine im Garten trinken wollte, habe ich gesagt, dass ich dann schon mal reingehe. Das fand er blöd und sagte, es wäre ja Wochenende und was so schlimm daran wäre usw. Insgesamt übertreibe ich, ich hätte ihn ja so kennengelernt und auf einmal mache ich ein Drama daraus. Und es nervt ihn, dass ich ihn sofort schief angucke und und und... Er hält sich doch zurück mit der Menge und was will ich denn mehr usw.
Letzte Woche hatten wir Besuch von Freunden. Die beiden Männer haben getrunken, wir Frauen haben uns unterhalten. Sie trinkt im Moment wegen Medikamenten keinen Alkohol und mir ist so gar nicht danach. Sie scheint gemerkt zu haben, dass etwas nicht stimmt. Er hat ihr dann wohl erzählt, dass ich ein Problem mit seinem Alkoholkonsum habe. Daraufhin meinte sie, dass sie mich nicht ernst nehmen kann, weil ich doch sonst auf Parties auch gerne trinke. Bei dem Gespräch war ich nicht dabei, das hat er mir vorhin erzählt... Das hat mich so verletzt. Das sieht so aus als hätte ich auf einmal aus heiterem Himmel ein Problem...Dass er hier phasenweise 4-5 Mal die Woche betrunken war, hat er ihr natürlich nicht erzählt. Ich fühle mich so mies gerade. Zweifle an meinen Gedanken, meinen Gefühlen. Er findet es auch völlig übertrieben, dass ich kein Bier mehr mitbringe wenn ich einkaufen fahre. Er kann es nicht nachvollziehen, warum ich das im Moment einfach nicht kann.
Ich schaue meine Tochter an und frage mich, welche Auswirkungen eine Trennung für sie hätte, denn die beiden haben eigentlich ein gutes Verhältnis und er kümmert sich sonst um sie, wie um eine eigene Tochter. Im Moment zerreißen mich meine Gedanken innerlich.

Tut mir leid, wenn alles etwas durcheinander geschrieben ist, aber es müsste einfach alles raus.

LG

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