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Wie sage ich es ihm?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

lütte69
sehr aktiver Teilnehmer
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Registriert: 28.05.2012, 09:44

Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von lütte69 » 27.07.2019, 15:27

Hallo Angel,
Bei dem Gespräch war ich nicht dabei, das hat er mir vorhin erzählt
Du warst nicht dabei und weißt nicht, was sie wirklich gesagt hat und was bei ihm angekommen ist. Schau auf Dich und nicht auf ihn. Es ist dir zuviel und basta - was anderes zählt nicht und vergleichen bringt gar nichts. Bleib konsequent - Du musst auf keinen Fall Bier für ihn holen.

Hab leider gerade nicht so viel Zeit, aber das wollte ich Dir noch fix da lassen.

sonnige Grüße
lütte

Aurora
Moderatorin
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Beiträge: 12625
Registriert: 02.05.2007, 13:47

Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Aurora » 29.07.2019, 11:15

Liebe Angel,

das, was du gerade erlebst mit deinem Mann und auch deinem Umfeld das ist schon fast typisch...

Dein Mann verhält sich so, wie es auch mein Exmann getan hat und wie ich es schon 1000 Mal hier gelesen und woanders auch gehört habe. Es ist schon gruselig, wie sich das immer wieder ähnelt und auch abläuft :( . Er ist abhängig, vielleicht ist ihm das auch bewusst aber er kann das nicht zugeben. Das ist ein Merkmal der Sucht auch, diese Verleugnung des Problems vor sich selbst. Also redet er es sich und dir schön, gewissermaßen. Er spielt das herunter um sich selbst zu beruhigen und dich eben auch. Dass das deine Wahrnehmungen verdreht ist leider das Ergebnis davon. Bitte, lass dir deine Wahrnehmungen und deine Gefühle nicht klein reden oder weg reden! So wie du Dinge empfindest, so sind sie für dich ja maßgeblich! Es ist ja DEIN Leben, was davon massiv betroffen ist und was soll also an deinen Gefühlen dabei falsch sein? Deine Gefühle sind deine Gefühle und die sind richtig!

Auch diese Gespräche mit Freunden oder so, das kenne ich auch. Auch Vergleiche wie: guck doch, wie viel der und der trinkt, dagegen bin ich doch ein Waisenknabe...

Natürlich wissen andere oft nicht den vollen Umfang, meine Erfahrung ist aber auch, dass sie es sehr wohl wissen aber die Augen verschließen. Denn wenn sie hinsehen würden würden sie merken, dass da eigene Probleme sind und die wollen nicht gesehen werden. Also werden die Dinge schön geredet, ähnlich wie der Alkoholiker das auch macht, um sich selbst mit eigenen Problematiken nicht auseinander setzen zu müssen oder auch um dich bei der Stange zu halten.

Es ist soooo schwer, sich da abzugrenzen, einmal von den Dingen, die dir ein Mann erzählt um dich ruhig zu halten, einmal was dein Umfeld dir erzählt aus genau dem selben Grund. Mir wurde damals sogar oft gesagt, ich solle doch auf meinen Mann aufpassen... oder, was noch schlimmer war: wenn du ihn verlässt, geht er unter.

Das sind Totschlag-Argumente und die haben mich lange festgehalten in meiner Suchtehe.
Ich schaue meine Tochter an und frage mich, welche Auswirkungen eine Trennung für sie hätte, denn die beiden haben eigentlich ein gutes Verhältnis und er kümmert sich sonst um sie, wie um eine eigene Tochter.
Dann frage dich doch aber bitte auch welche Auswirkungen es hat, wenn sie täglich ihre traurige, verunsicherte Mutter sieht, die sich streitet, die klein gemacht wird, sieht, wie der Mann sich volllaufen lässt (und das sieht sie, 100%) . Auch Kinder kommen schnell in eine Co-Rolle. Das solltest du nicht unterschätzen. Und seine Sucht geht, wenn er sie nicht stoppen kann, immer weiter abwärts. Das ist Fakt. Ich sage dir das aus eigener, leidvoller Erfahrung... und was das für ein Kind bedeutet, ist schlimmer als eine Trennung...

Es ist gut, dass du mal alles aus dir raus geschrieben hast! Nun kannst du vielleicht ein wenig besser sortieren und neue Aspekte sehen!
Ich war inzwischen auch bei der Beratungsstelle.
Das ist super!

Und du bist ja auch hier, in unserer Online-Selbsthilfegruppe! Und hast vor, auch eine in deiner Nähe aufzusuchen. Damit tust du viel dafür, dass sich an deiner Situation was ändern kann. Darauf darfst du stolz sein!

Liebe Grüße
Aurora

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