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Wie sage ich es ihm?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Karsten
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Karsten » 24.06.2019, 13:55

Hallo Angel,

selbst wenn es jetzt wohl schon völlig alkoholfreies Bier geben sollte, ist es Bier und ma hält sich am alten Leben fest.
Wenn jemand alkoholkrank ist, dann gibt es nur entweder oder.
Das ist aber seine Sache.

Für dich sollte wichtig sein, was du möchtest.
Du musst dein Leben so gestalten, dass du glücklich leben kannst.

Wenn du dich auf diesen Kompromiss einlassen möchtest, wirst du ja sehen, was passiert.
Die Erfahrungen von vielen Angehörigen und trockenen Alkoholikern zeigen aber, dass solche Kompromisse das Leid beider Seiten nur verlängern.

Gruß
Karsten

Angel1980
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Angel1980 » 25.06.2019, 08:19

Hallo,

immer wieder habe ich hier im Forum gelesen, dass der alkoholkranke Partner anfing mit Vorwürfen, Beschimpfungen usw. Da dachte ich noch, dass ich Glück im Unglück habe, weil mein Partner das bis jetzt nicht getan hat. Bis gestern... Nachdem er ja schon voller Wut zur Arbeit gefahren ist, ist er mit noch mehr Wut wieder nach Hause gekommen. Als ich ihn darauf angesprochen habe, sagte er wie heftig das ist, dass er Schuld sein soll, dass meine Tochter vielleicht einen Schaden hat (ich habe nur gesagt, dass ich für sie und für mich eine Beratungsstelle aufsuchen werde), und dass das alles völlig übertrieben sei und ich würde ja so tun, als wäre er der schlimmste Alki, der schon morgens anfängt zu saufen und den ganzen Sch*** im Internet wird er sich nicht durchlesen und er wird auch keine Beratungsstelle anrufen und wie ich hinter seinem Rücken da anrufen konnte und und und... Über die Menge, die er trinkt, könnten wir ja reden, aber alles Andere ist natürlich völlig übertrieben...

Ich habe versucht ruhig zu bleiben und ihm immer wieder gesagt, dass ich Hilfe für mich in Anspruch nehme, weil es mir in dieser Situation nicht gut geht und das vor ihm nicht rechtfertigen muss. Und trotzdem erwische ich mich immer wieder bei diesem Gedanken, dass er ja vielleicht doch Recht hat und ich übertreibe ein wenig. Und dann kostet es wirklich Kraft diesen Gedanken wieder loszuwerden. Ich freue mich schon auf den Beratungstermin und alles, was noch kommen wird...

Liebe Grüße
Angel

Morgenrot
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Morgenrot » 25.06.2019, 08:56

liebe Angel,

in meinen Augen hat er sich jetzt "enttarnt". Er reagiert wie die meisten nassen Alkoholiker, denn du "drohst" jetzt ausszusteigen aus dem Kreislauf des Lügens und vertuschens.
Du hast mit Sicherheit nichts aufgebauscht, vertrau deinen Wahrnehmungen, denn sie sind richtig. Du tust das richtige.


lg Morgenrot

ideja
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von ideja » 25.06.2019, 09:53

Hallo Angel,

ja, man kann so gut gewappnet sein, und alles im voraus wissen was auf einen zukommt, aber es tut so weh trotzdem.

Ich muss gestehen dass ich dich ein bisschen beneide. Weil es dir leichter ist zu gehen wenn du gehen willst.
Für mich hat Beratung sehr viel gebracht.
Ich hoffe, dir wird es auch so gehen.

Alles Gute, ideja

Cadda
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Cadda » 25.06.2019, 10:03

Liebe Angel,

genau SO reagiert ein Alkoholiker. So hätte ich damals reagiert, als ich noch gesoffen habe und genau so hat auch mein ehemaliger Lebensgefährte mal reagiert, der heute noch trinkt.

Zu beneiden bist Du nicht, wie ich finde, denn es fällt Dir bestimmt nicht leicht, zu gehen. Auch wenn Du den Verstand dafür bereits hast, das Handeln ist gar nicht so leicht.

Ich hoffe, Du schaffst das sehr bald.

Ich hatte so einen Liebeskummer, wenn ich zurück denke. Aber ich bin so glücklich, dass ich da weg bin. Das wirst Du bestimmt auch eines Tages sein.

Liebe Grüße
Cadda

Angel1980
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von Angel1980 » 25.06.2019, 10:50

Hallo zusammen,

mein Beratungstermin ist nächste Woche. Bis dahin versuche ich die ganzen Vorwürfe und Ähnliches nicht zu sehr an mich rankommen zu lassen, auch wenn es wirklich schwer fällt. Es ist nicht einfach zu verstehen, warum ihm das Bier so viel wichtiger ist als alles, was wir uns zusammen aufgebaut haben. Ein kleines Paradies einfach eingetauscht gegen ein paar Flaschen Bier...

@ideja
Es hört sich vielleicht leichter an, als es für mich ist. Auch wenn ich ein Stück weit immer noch in der Co-abhängigkeit drin bin, habe ich ja bereits eine Beziehung mit einem süchtigen Partner (Spielsucht) hinter mir. Damals in dieser Zeit ist meine Mutter viel zu früh an Brustkrebs gestorben. Es klingt verrückt, aber in dem Moment habe ich gedacht: wenn mich das gleiche Schicksal ereilen sollte, möchte ich nicht auf dem Sterbebett liegen und rückblickend über mein Leben sagen, dass es kein glückliches Leben war und ich immer nur gekämpft und gelitten habe (für jemanden, dem es egal war). Als die Sucht meinen Ex damals immer mehr im Griff hatte und ich wie ein Zombie durch´s Leben gegangen bin, nur noch funktioniert und meine Umwelt gar nicht richtig wahrgenommen habe, war das ein schrecklicher Zustand. Nachdem ich mich getrennt habe und mich von all seinen Vorwürfen, Manipulationen usw. nicht mehr beeindrucken ließ, habe ich auch meine Lebensfreude zurückgewonnen. Auf einmal habe ich gemerkt, wie schön es ist den Kopf frei zu haben und wieder mit allen Sinnen zu leben... Ich habe mir damals geschworen, dass ich mir das nie wieder nehmen lasse. Und erst recht lasse ich nicht zu, dass meine Tochter Gefahr läuft irgendwann vielleicht selbst zum Zombie zu mutieren...

Das habe ich damals natürlich nicht alleine geschafft. Ich habe ganz viel mit Freunden und mit meiner Familie gesprochen, habe mich in einem Spielsucht-Forum angemeldet... Mir war nur nicht bewusst, dass ich die Co-abhängigkeit noch lange nicht überwunden habe. Aber das soll sich jetzt ändern.

@Cadda und Morgenrot
Vielen Dank. Eure Worte machen mir wirklich Mut und geben mir Kraft weiterzumachen.

Bis dann
Angel

ideja
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von ideja » 25.06.2019, 11:32

liebe Angel,

ich kämpfe seit November mit mir und bin noch immer hier, was heißt, ich bin noch immer Ehefrau von einem uneinsichtigen Alkoholiker.
Äußere Umstände sind ein bisschen anders als bei dir. Aber ich kann sehr gut fühlen wie dir zumute ist.
Ich beneide dich, genau deswegen, weil du Kraft hattest schon einmal zu gehen. Und, ich bin sicher, Kraft finden wirst wenn es nötig sein wird noch einmal zu gehen.
Und noch etwas, ich bewundere dich, wie ich auch bewundere jede Frau oder jeden Mann von Alkoholiker/Süchtigen die es geschafft haben sich zu trennen.
alles Gute, ideja

coffee-man
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Re: Wie sage ich es ihm?

Beitrag von coffee-man » 25.06.2019, 21:31

Hallo Angel,

das du einen Termin für dich gemacht hast finde ich super!! Klasse!
Dort werden dir neutrale Experten einiges wichtiges erzählen...
Bis dahin heißt es "durchhalten" Klar leichter gesag als getan, da dass Herz nicht immer so mitspielt!

Über die Mengen die dein Freund trinkt, brauchen wir nicht wirklich reden....
Das Verhalten reicht, kenne ich von mir zu Genüge!

Bei mir war es so:
Über die Mengen können wir reden =
Krampfhafter Versuch aus der Nummer raus zu kommen und weiter zu trinken. Nach aussen hin wurden die Mengen bei mir weniger, der Pegel war aber der gleiche. Habe ich halt mehr heimlich getrunken....
Beratung brauche ich nicht =
Um Gottes willen, ich weiß das ich ein Problem habe, gestehe es mir aber nicht ein....Und wenn es mir dann ein Suchtexperte vor den Kopf knallt, wird es real....Wer wirklich kein Problem mit Alkohol hat, hat auch kein Problem mit jemanden darüber zu reden.

Den Weg denn du gerade gehst ist kein leichter, aber die Richtung stimmt !!!!

Ich hoffe für dich und deine Tochter dass du in Verbindung mit der Beratung weitere, gute Schritte unternehmen kannst!
Auf Sicht wird es sich lohnen!

Kopf Hoch!!

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