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Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 28.11.2019, 20:04

Danke für deine Antwort, liebe Linde :)

Genauso, wie du es beschreibst, geht es mir auch. Mir fällt es auch so viel einfacher, Dinge für andere zu regeln als für mich selbst. Auf Arbeit kommen die Kolleginnen meistens zu mir, wenn sie Probleme mit anderen im Büro haben, weil sie wissen, dass ich mich für eine schnelle Konfliktlösung einsetze. Und was tu ich, wenn ich selber nen Konflikt habe? Ich schlucke runter und schlucke runter... manchmal kommt es dann vor, dass ich irgendwann explodiere, worauf ich mich dann im Nachhinein furchtbar schäme.

Leider hab ich auch wahnsinnig viele Erinnerungslücken, was meine Kindheit betrifft. Mein Vater ist Narzisst und meine Mutter die dazu gehörige CO... was sie mehrmals in die Nervenklinik gebracht hat. Aber sie hat eisern festgehalten. Ich weiß noch, wie ich mir immer gewünscht habe, dass sie sich scheiden lässt und mit mir wegzieht von ihm. Kann mich kaum an Situationen im Elternhaus erinnern, als ich im Kindergartenalter war. Meine Erinnerungen an diese Zeit bestehen ausschließlich aus den Momenten, wo ich außer Haus war.. entweder bei den Nachbarn oder in der Natur. Das ist auch nicht ganz normal, glaube ich...

Heute hat mir der beste Freund vom XY geschrieben, dass ich nun doch kein Geld auszulegen brauche (hatte eine Bürgschaft unterschrieben für den XY und dachte, ich müsse eine Stange Geld zahlen). Ich hatte extra eine Sparanlage gekündigt, die nächsten Monat ausbezahlt wird. Eigentlich müsste ich mich freuen, dass ich das Geld nun für meinen Sohn und mich verwenden kann. Und wie fühle ich mich? Traurig.. und SCHULDIG! Warum immer dieses Schuldgefühl? Ich versteh das nicht.

Verwirrte Grüße
Anonymia

Anonymia
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 14.12.2019, 01:29

Hi ihr Lieben, ich hab in der lezten Zeit fleißig gebastelt und meinen Kalender für 2020 fast schon fertig gestellt :)

Hab die letzte Zeit auch dazu genutzt, in jeder freien Minute hier im Forum zu lesen. Uuund.. Trommelwirbel... mein XY hat sich gemeldet. Seine neue Krankenschwester hat wohl schon den Schuh gemacht und nun versucht er, seine bisher gut funktionierende CO wieder zurück zu hoovern. Nur läuft das leider nicht so wie von ihm geplant ;) Nun fährt er die "du bist schuld - ich bin das arme Würstchen" Schiene. Und das Schlimme ist, dass es unterschwellig hilft. Ich hab ihn zwar wieder blockiert, aber im Unterbewußtsein haben seine Attacken tief getroffen. Ich stelle mir nun ständig Fragen wie "bin ich wirklich so ein egoistischer Mensch?" oder "bin ich schuld daran, dass er den Absprung nicht geschafft hat?" Mein Verstand sagt, dass das Quatsch ist. Er hat mir z.B. vorgeworfen, ihn "aus seiner Heimat zu vertreiben".. wobei er de facto nie wirklich bei mir gewohnt hat, da mein Sohn von Anfang an dagegen war und ich das Wohl meines Kindes schon immer über seines gestellt habe. Abgesehen davon hat die Beziehung gerade mal 4 Monate gedauert. Nun ja, mein Herz spricht leider eine andere Sprache. Ich fühle mich schuldig as hell. Komme mir vor wie die letzte Hexe :((

Mich beschäftigt zur Zeit die Frage, ob das auch so ein typisches Alki-Ding ist oder ob ich mir ein besonders verlogenes/egoistisches Exemplar angelacht habe. Lügen Alkoholiker generell gerne, um sich in ein positives Licht zu rücken und den/die Ex-CO runterzumachen?

Jeder Erfahrungsbericht dahingehend würde mir momentan helfen.

Liebe Grüße
Anonymia

Linde66
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Linde66 » 14.12.2019, 10:03

Hallo Anonymia,
es ist eines der typischen Alkoholiker-Verhaltensmuster, aber es ist ist auch eines der typischen Co-Verhaltensmuster, das du gerade durchläufst.

Eine nicht-Co-Frau würde auf solche Sprüche gar nicht anspringen. An ihr würden seine Sprüche abgleiten wie Regenwasser an der Fensterscheibe. Die würde nicht an sich selber zweifeln, sondern ihr Ding machen.

Das Gute ist, wenn einem das auffällt, daß es nicht um den Ex geht, sondern ums eigene Verhaltensmuster, in das man immer wieder zurückfällt. Und das Gute ist, daß man das stoppen kann. Ihn kann man nicht ändern, aber an sich selber kann man arbeiten, daß man nicht wie ferngesteuert auf jeden Satz anspringt.

Viele liebe Grüße, Linde

Morgenrot
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Morgenrot » 14.12.2019, 18:08

Hallo Anonymia,
Lügen Alkoholiker generell gerne, um sich in ein positives Licht zu rücken und den/die Ex-CO runterzumachen?
Ja nasse Alkoholiker lügen und sind die besten Schauspieler, sie brauchen keine Ausbildung.
Alles aus dem einen Grund, um ihre CO wieder auf Linie zu trimmen.
Indem er dir die Schuld an was auch immer gibt, gibt er nämlich das Zhema vor, und du kommst nicht mehr dazu das Thema Alk anzusprechen, weil du so sehr das Bedürfnis hast, diese Vorwürfe gerade zu rücken.
Das schaffst du aber nicht, und an irgendeinem Punkt setzen deine Selbstzweifel ein. Das ist der Zeitpunkt, wo er dann wieder seine Ruhe hat, weil du, wie gewünscht, dich in Zweifel ziehst.
Ich habe dies alles selbst Jahrzehnte erlebt, und dieses perfide "Spiel" sehr lange nicht durchschaut.
Fang nicht an, mit einem angetrunkenen Menschen zu diskutieren, das ist schlicht und ergreifend nicht möglich.

lg Morgenrot

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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Anonymia » 15.12.2019, 23:04

Danke für eure Antworten, ihr Lieben.

Morgen werde ich bei meiner Psychologin anrufen. Ich muss dieses CO-Thema unbedingt therapeutisch angehen. Mir fällt immer mehr auf, dass ich es einfach nicht aushalten kann, mit irgendjemandem einen Konflikt zu haben. Mir wäre es am Liebsten, mit allen Menschen in Frieden und Harmonie zu leben und es ist mir in manchen Fällen absolut nicht möglich, mich zur Wehr zu setzen, weil sofort das schlechte Gewissen anspringt. Mir fallen dann immer die Sätze ein, die ich von kleinauf von meinem Vater gehört habe "Denk erst mal darüber nach, was DEINE Anteile sind", "schluck doch lieber runter, bevor du ein Faß aufmachst" und "nimm dich zurück, du willst doch anderen keinen Anstoß geben?" sind da nur ein paar davon.. :(

Loca
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Re: Co oder nicht, das ist hier die Frage..

Beitrag von Loca » 20.12.2019, 21:57

Hallo Alle hier...
--ich klinke mich mal an dieser Stelle ein!

Den Faden habe ich nicht komplett gelesen. Ich hopse hier auch momentan eher, bin am "durchblättern" und irgendwo bleibe ich dann hängen und lese intensiver. Aber das CoA-Thema lässt mir gerade auch keine Ruhe.

Anonymia, du schreibst von dem "magischen Sätzen aus der Kindheit", und mir fiel spontan einer meiner Mutter ein. Wenn ich mir etwas zu essen wünschen durfte hieß es meistens "Das ist doch nichts Richtiges!". Der Satz ist jahrzehntelang an meinem Unterbewußtsein haften geblieben. Ich habe lieber nichts gegessen, als "nichts Richtiges". Das war nie vom Kopf her klar, aber gefühlsmäßig, wenn ich vorm Kühlschrank stand, rein schaute, mich der ganze Kram so überhaupt nicht ansprach, und ich letztendlich hungerte (das ist ein starkes Symptom meiner atypischen Anorexie). Es ist immernoch hartes Training wenigstens IRGENDWAS zu essen was mich halbwegs genußmäßig an macht (etwa Kekse, oder ein Stück Obst, et cetera, egal!), statt nix, und sei es auch noch so "nichts Richtiges"! Ich "trickse" mich manchmal auch aus. z.B. habe ich gemerkt. dass ich besser essen kann, wenn ich heiß/kalt und süß/scharf abwechsle. Also nix von wegen "Der Nachtisch heißt Nachtisch, weil man ihn danach isst.", sondern ruhig zwischendurch mal was völlig anders schmeckendes essen. Das sind richtige Skills die ich mir so über die Jahre finden, aneignen und natürlich praktizieren musste. Und ich glaube so ist das mit deinen "magischen Sätzen" auch.

Zur CoA:
..ich nennt eure Alkoholiker hier immer XY ...ich mach das jetzt auch :D ...
Im Vorstellungsthread vom Dorfdepp hatte ich ja schon ein kleines Update gegeben.
Gestern ist XY ins PKH zur Suchtstation zum 2. Entzug innerhalb diesen Monats gefahren worden, und beim Arztgespräch, erzählte er mir eben, meinte die Ärztin: "Herr XY, mir gefällt ihre rechte Gesichtshälfte nicht!". Kurze Zeit später war er in einer anderen Stadt, auf einer anderen Station.
Ich habe indess recht entspannt auf einen Anruf gewartet, wo er mir mitteilt, dass er nun Kontaktsperre hat, oder will. Die Zeit verstrich.
Nach knapp 3 Wochen extremer Gefühlsachterbahn im halben Borderline-Modus, der mir ne Menge Achtsamkeit abverlangte, fühle ich mich auch richtig ausgebrannt und fast schon abgekühlt.
Kein Anruf kam, also ging ich davon aus, dass es doch keine Kontaktsperre dort gibt, und er abends anrufen wird.
Mit dem Anrufen ist das so ne Sache. ...als er noch trocken war, und wir noch in der frischen Verliebtheitsphase, hat er mich immer um 9 abends angerufen. Da wa seine Mutter auch noch nicht im Seniorenwohnheim, und er machte ja den Mama-Sitter, wohnte bei ihr. Ich hatte nie das Gefühl er würde mich kontrollieren. Ich fand das kleine Ritual schön! ....als er dann seinen Rückfall hatte, meine erste Wut und der spontane Kontaktabbruch überdacht, entschuldigt und relativiert, dachte ich, es wäre gut wenn wir das alte Ritual wieder aufleben lassen.
Wegen gewohnter Strukturen auch ... und so. blabla. *seufz*

Jedenfalls rief er auch gestern abend nicht an, und so fragte ich bei seinem Onkel, der ihn zum PKH gebracht hatte, ob er was wisse.
Der erzählte mir nur, dass XY zum Ende der Fahrt hin an der Tanke nochn Flachmann gekauft habe, er ihm aber verboten hatte, den im Auto zu trinken, und weil der Onkel an der Station aussteigen musste um da zu klingeln um durch den Zaun zu kommen, hätte XY sehr abgestürzt gewirkt (da muss sich der Schlaganfall schon angekündigt haben). Jedenfalls haben die Pfleger ihn ins Gebäude geschleppt. Mehr wisse er auch nicht.
Mir indess gings relativ gut mit diesen Infos. Ich hatte zwar ne leichte Angst vor künftigen Verlust wegen nem weiteren Rückfall, der ja durchaus jederzeit passieren kann, aber ich war auch erleichtert. Aber wegen dem beschrieben delirischen Zustand von XY auch etwas erschüttert. Hielt sich in Grenzen, das Gefühlschaos.

Jedenfalls rief er unerwartet heute mittag an, um mir zu sagen, dass er in einem Krankenhaus ist, wegen einem nicht ganz so schweren Schlaganfall ("Seite fühlt sich noch pelzig an", meinte er, aber gelähmt ist da nichts mehr). Ihm schien es sonst auch ganz gut zu gehen. Ist zwar auf vermutlich Distra oder ähnlichem und weiteren Medies zur Behandlung seines Schlages, hatte noch ettliche Untersuchungen anstehen, und meinte er hätte keinen Saufdruck. Wir beendeten das Telefonat mit seiner Ansage, dass er zur gewohnten Zeit anrufen würde, und das tat er auch. Da war dann mehr Ruhe, und er konnte etwas ausführlich erzählen. Hat sich auch entschuldigt. Und es klang wirklich aufrichtig.
Und dann fragte er mich, ob ich, wenn ich morgen kurz reinschaue, ihm auch Tabak und Hülsen mitbringen könne.
Hallo? Der hat gerade ´nen Schlaganfall gehabt??? Und ich hatbe vorher schon angeboten ihm das Dampfgerät mitzubringen, was wesentlich vernünftiger wäre. Ich kenn das ja mit dem Rauchen auch. Wirklich ekelhafte Sucht. Aber wie haben die Liquid-Verdampfer.

Und jetzt bin ich am grübeln.
Sche***, Mann!
Soll ich nur den Dampfer mitbringen und damit über seinen Kopf hinweg über ihn entscheiden?
Oder soll ich ihm den Tabak mitbringen?
Oder soll ich da gar nicht erst auftauchen???

*seufz*

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