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Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Elea
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Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Beitrag von Elea » 05.01.2020, 08:44

Hallo liebe Forenmitglieder,

wünsche mir hier einen Austausch von Müttern oder Vätern, von alkoholerkrankten Kindern.

Wie ergeht es Euch?

Ich selbst bin Mutter eines alkoholkranken Sohnes.

Grüße
Elea

kaltblut
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Re: Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Beitrag von kaltblut » 23.01.2020, 20:18

Hallo Elea,

noch ein verspätetes Willkommen hier im Forum.
Du hast ja noch einen ausführlichen Faden.

Ich bin Coabhängig und war damals alkoholabhängig, habe hier im Forum vor 10 Jahren meine Frau kennengelernt, die mit einem Alkoholiker verheiratet war. Unserer Geschichten haben wir alle gut durchgestanden und bringen es zusammen auf 5 erwachsene Jungs. Alkohol oder ein krankes Umfeld ist nicht mehr da, was zu uns gehört.

Einer der Jungs meiner Frau ging mit 18 durch, ab da wurde nur noch getrunken und gekifft. Es dauerte nicht lange, da flog er beim Vater raus, war obdachlos, Schule, alles erledigt und kam schließlich in eine betreute Einrichtung. Da wurde 1 1/2 Jahr mit Dach über dem Kopf weiter gekifft und gesofffen. Dann brach die Schizophrenie aus. Was in meiner Frau abging, wirst Du nachvollziehen können. Seit 2 1/2 Jahren ist er clean und trocken in einer Errichtung, leider nicht ohne Folgen. Ein vollständige Arbeitsunfähigkeit durch drogeninduzierte Schizophrenie und Psychosen sind geblieben. Als Folge der Medikamentation kommen Epilepsie und rheumatische Erkrankungen dazu, die mit neuen Medikamenten behandelt werden, die wieder etwas verursachen. Ein lieber Junge, der jetzt in einer anderen Welt lebt und nur in ganz kleinen Stücken zurückkommt, ganz legal mit verordneten Drogen.

Als Mann und Stiefvater, kann ich heute mit dieser Situation umgehen, sie sie sein lassen.

Die Mutter, ist Mutter. Da ist meist alles geordnet, ab dem Tag, wo die Mutterfürsorge an eine Betreuung abgegeben wurde, löste sich einiges auf. Mutter sein heißt nicht ein Leben lang den Müll den die Kinder hinterlassen wegzuräumen. Nur dann, wenn etwas nicht stimmt, innendrin, dann passieren Dinge, die ein Kerl nicht verstehen kann. Zum sie sie sein lassen gehört, das auch nicht mehr verstehen zu wollen, geht.

Ich wünsche Dir einen guten Austausch.

LG und wir lesen uns Karl

Elea
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Re: Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Beitrag von Elea » 24.01.2020, 14:55

Hallo lieber Karl,

zu allererst danke ich Dir für Deine Offenheit, diese Geschichte zu erzählen, birgt sie doch auch so viel Schmerz.

Du schreibst: " Mutter sein heißt nicht ein Leben lang den Müll den die Kinder hinterlassen wegzuräumen."
Da stimme ich Dir eingeschränkt zu. In einem bin ich mir noch nicht so richtig klar: Was ist Müll, wo beginnt er und wo endet er. Wann verfange ich mich in ein Netz von Widersprüchen so, dass ich in ihnen "hängen" bleibe und nur sehr schwer wieder herauskomme? Wo ist Hilfe eine wirkliche Hilfe und angebracht.

Ich glaube mittlerweile, dass ein sehr wichtiger Punkt das eigene Leben als Eltern ist. Inwieweit haben wir uns so weit gestellt, dass wir stark und mutig unser eigenes Leben führen. Einen Sinn auch in anderen Dingen sehen und erleben können. Bleiben nur noch die Kinder, halten wir uns gegenseitig in einer starken emotionalen Abhängigkeit. So sicher auch bei mir geschehen. Mein eigenes Leben ist immer ärmer geworden, desto schwieriger das Leben meines Sohnes wurde. Ich habe mich vernachlässigt. Vielleicht ein Grund, dass ich jetzt so leide.

Liebe Grüße
Elea

kaltblut
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Re: Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Beitrag von kaltblut » 26.01.2020, 23:45

Liebe Elea,

nach jeder Frage, nach jeder Antwort, kommt etwas Neues und das hört erst auf, wenn damit aufgehört wird, dann ist gut.

Genauso ist das mit den Kindern, dem Mann, der Frau, mit dem Loslassen lösen sich die Probleme.

Wenn es uns also immer schlechter geht, weil wir uns immer neue Antworten geben müssen, nicht loslassen können, dann stimmt doch was nicht.

Coabhängigkeit ist die Unfähigkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das geht nur weg durch aufhören und loslassen, die anderen können es nicht.

LG Karl

Elea
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Re: Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Beitrag von Elea » 27.01.2020, 08:52

Lieber Karl, loslassen, wenn es den Kindern schlecht geht, funktioniert nur bedingt und sehr schwer.

Mütter und Väter kümmern sich um ihre Kinder von kleinaufan. (Ich gehe hier von einer gesunden Beziehung zwischen Eltern und Kind aus) Brauchen diese kleinen Wesen doch unsere ganze Aufmerksamkeit, unsere Fürsorge, unseren Schutz und unsere bedingungslose Liebe. Sie sind doch ein Teil von einem selbst. Für mich, die tiefste Liebe, die ich in diesem Leben je empfunden habe. Das sieht bei einem Partner ganz anders aus. Da treffen zwei erwachsene Persönlichkeiten aufeinander. Die "Kümmerpflicht" existiert normalerweise so nicht.

Ich hatte wenig Probleme, meinen Jungen in das Leben zu entlassen, ihn loszulassen, doch seit er in diesem schrecklichen Zustand ist, spüre ich dieses starke emotionale Band wieder aufs Neue. Ich spüre seinen Schmerz und genau diese Ohnmacht, kann sehr zerstören. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass Eltern sich niemals so ganz von ihren Kindern lösen können. Und genau darin liegt das Problem, die Schwierigkeit, den Schmerz zu beherrschen, weil das Leid des eigenen Kindes auch immer das Leid der Eltern ist und bleiben wird. Für mich heißt das im Klartext, ich muß ein verträgliches Maß an Nähe und Distanz finden, welches mich nicht mit kaputt gehen läßt. Und da bin ich bei Deinem wertvollen Gedankenanstoß lieber Karl. Nämlich immer wieder kehrende Fragen und Antworten zu suchen, die mich im Kreis routieren lassen, können nicht hilfreich sein. Da habe ich noch viel zu tun.

Ich sehe wirklich einen Unterschied zwischen der romantischen Liebe und der Mutterliebe. Das eine kann man auflösen, das andere nicht. So meine lebenslange Erfahrung bis hierher.

Elea

Thina
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Re: Mütter und Väter von alkoholkranken Kindern

Beitrag von Thina » 02.02.2020, 10:54

Hallo Elea,

ich gebe Dir 100%ig Recht, Kinder liebt man immer, egal was sie gemacht haben.Ich bin ohnmächtig, weil ich meinem Sohn nicht helfen kann.Das macht mich fertig.

LG

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