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Wieso macht er das?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Cadda
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von Cadda » 30.05.2020, 18:46

Hallo Aneli,

fassungslos ist man beim Lesen, wie Dein „Freund“ Dich behandelt. Mich wundert ehrlich gesagt ein wenig, weshalb Du gerade Lütte nach ihrem Mann fragst. Er hat es ja geschafft, trocken zu werden und die Ehe besteht weiterhin. Lässt Dich das seltene Beispiel vielleicht doch hoffen, dass es bei Dir auch noch so wird? Denn es gibt hier ja leider auch tausende Geschichten, bei denen der Ex auch trotz Trennung noch säuft.

Bei dem Verhalten, was Dein Partner da an den Tag legt... denkst Du da, die Geschichte geht so wie, wie bei Lütte? Oder eher so, wie bei den vielen anderen Geschichten?

Ich hinterfrage das absichtlich so nervig...
Um Dir ein wenig realistisches Denken abzuverlangen :-)

Cadda
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von Cadda » 30.05.2020, 18:50

Was übrigens nicht bedeutet, liebe Lütte (falls Du das hier mitliest), dass ich Dir nicht von Herzen gönne, dass bei Dir die Sache gut ging mit Deinem Mann. Das ist toll. Ich denke nur nicht, dass man sich an diesen Strohhalm hängen sollte.
Aneli, vielleicht irre ich mich. Aber mir kam es so vor.

Ich drücke Dir die Daumen so sehr, dass Du bald ausziehen kannst. Denn wer seine Partnerin so widerlich behandelt, kann auch nüchtern keinen Wahnsinns-Charakter haben.

Wechselbalg
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von Wechselbalg » 31.05.2020, 12:52

Hallo Aneli,

in genau so einer "Beziehung" war ich auch (bis gestern). All das Ewige hoffen und bangen auf Besserung, es hat nichts gebracht. Gestern war wieder so ein Tag und es hat "klick" gemacht. Nach diversen Beschimpfungen und Beleidigungen habe ich meine nötigsten Sachen gepackt, die Hunde genommen und bin gegangen. Ich dachte mir, alles ist besser als das was bisher war. Endlich habe ich begriffen, es wird nicht besser. Ich bin mit meinen 4 Hunden bei einer Freundin untergekommen und hatte sogar noch Glück, dass ich gestern eine Wohnungszusage erhalten habe.

Nimm Dein Leben in die Hand und denke daran, das ohne etwas zu ändern sich nichts ändern wird.

Dir alles Gute

Aneli
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von Aneli » 31.05.2020, 16:29

Nein Cadda, Du kannst mir glauben, ich mache mir keine Hoffnungen mehr, dass mein Alki mal irgendwann abstinent werden könnte bzw. will. Er zeigt ja keinerlei Einsicht für seine Krankheit und daher auch null Veränderungswillen. Stattdessen spielt er die beleidigte Leberwurst und verfällt ins tagelange Schweigen, weil ich ihm das Leben unnötig schwer mache. Weil ich einfach nicht kapieren will, dass er kein Alkoholiker ist. Und dabei könnte doch alles so schön sein, wenn ich doch bloß nicht so gemein und undankbar wäre. Ironie aus.

Ich habe echt begriffen, dass ich diese Beziehung nicht mehr will. Selbst wenn er einen Entzug starten würde, so wäre es zu spät für uns. Zuviel ist zwischenzeitlich kaputtgegangen. Die ständigen Lügen, Beleidigungen, Demütigungen haben ihre Spuren hinterlassen. Dennoch kann ich nicht behaupten, dass er grundsätzlich einen schlechten Charakter hat. Er ist eigentlich ein guter Mensch und daher kann ich auch nicht verstehen, dass er sich nicht wenigstens für seine "Eskapaden" entschuldigt. Obwohl, er sieht sich ja als das Opfer, warum soll er sich denn dann auch entschuldigen. Vermutlich wartet er darauf, dass ich mich bei ihm entschuldige. Völlig verkehrte Wahrnehmung. :roll:

Also, dass ich Lütte nach dem Verlauf ihrer Geschichte gefragt hatte, kam nicht daher, weil ich mir doch noch Hoffnungen mache. Ja, es stimmt schon, als er neulich an seinen "guten Tagen" einen so ausgeglichenen und lieben Eindruck vermittelte, war ich zwar froh, aber nur, weil ich endlich mal wieder etwas Luft holen konnte. Seine Ausgeglichenheit überträgt sich ja auch auf mich. Doch mir ist sehr wohl bewusst, dass diese "guten Tage" immer eher die Ausnahme bleiben.

Mir macht momentan total zu schaffen, dass ich nicht weiß, wie ich mein neues Leben finanzieren soll mit all meinem Gedöns. Das belastet mich wirklich sehr. Daher kann ich unnötigen zusätzlichen Stress mit meinem Alki so gar nicht gebrauchen. Sein Schweigen ist mir deshalb tausendmal lieber, als seine fiese Streitlustigkeit. Ab morgen hat er drei Tage frei. Das wird bedeuten: drei Tagen durchsaufen. Davor graut es mir sehr. Besonders schlimm wird es aber werden, wenn er ab Mitte Juni für drei Wochen Urlaub hat. Da wird die Hölle wieder richtig brutzeln.


@Wechselbalg: Du hast so Recht, wenn wir nicht selber etwas ändern, wird sich an dieser unerträglichen Situation nie etwas ändern. Nur dass wir selber sehr sehr krank dadurch werden. Ich wünsche Dir für Deinen Neustart alles erdenklich Gute und viel Kraft!

37Jahre
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von 37Jahre » 31.05.2020, 17:15

Hallo liebe Aneli,
ich habe mir grad deine Geschichte von vorn bis hinten durchgelesen und daran erkannt was mir ,bei einem anderen Verlauf meiner Geschichte ,erspart geblieben ist. 😔
Ich kann dir nur die Daumen drücken das du zügig eine Wohnung findest und raus kommst aus dieser bedrückenden Situation.
Und solltest du ,wenn er Urlaub hat , noch unter einem Dach mit ihm wohnen versuch doch einfach tageweise zu verschwinden. Gibt es die Möglichkeit Eltern, Freunde, Geschwister währenddessen zu besuchen?
Liebe Grüße
S.

lütte69
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von lütte69 » 02.06.2020, 09:07

Hallo Aneli,

ich antworte Dir gern auf Deine Fragen. Er ist seinen Weg gegangen. Ich hab mir gewünscht, er macht eine Therapie und lässt sich professionell begleiten, aber das hat er nicht. Es gab in den vergangenen Jahren 1-2 sehr kurze Rückfälle, aber wir sind nicht wieder in den Strudel geraten. Ich konnte klar mit der Situation umgehen. Es ist aber kein leichter Weg, alte Muster müssen überschrieben werden, ein neuer Umgang miteinander geübt werden. Es passiert mir heute noch, dass mich ein Blick, eine Geste, ein undeutlich gesprochenes Wort triggert und ich in Alarmbereitschaft verfalle, denn optisch sind wir ja die selben (wenn auch etwas älter :lol: ) geblieben. Das ist manchmal echt merkwürdig. Ich weiß, dass ich mich wiederhole, aber ich erachte es als enorm wichtig, dass jeder sein Leben in den Griff bekommt, mit sich im Reinen ist, dann kann auch eine Beziehung klappen. Ich bin damals gegangen, weil ich wusste, dass wir beide, so krank wie wir waren, nicht miteinander/aneinander genesen konnten. Die Grundlagen mussten wir alleine schaffen. Mir war echt egal, was aus der Beziehung wird, ob wir uns nach über 20 Jahren scheiden lassen oder wieder zusammenkommen, spielte erstmal keine Rolle. Ich musste wieder zu mir finden und er hat diese Chance für sich genutzt. Wie Cadda schon schrieb, sind wir doch eher die Ausnahme. Oftmals passt es zwischen den Partnern nach einem Entzug und einer entsprechenden Entwicklung nicht mehr, aber dann besteht ja die Chance auf ein neues Glück. Wichtig ist, sich selbst zu lieben und mit sich im Reinen zu sein - meine Meinung.

sonnige Grüße
Lütte

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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von lütte69 » 02.06.2020, 09:24

Hallo Aneli,
Mir macht momentan total zu schaffen, dass ich nicht weiß, wie ich mein neues Leben finanzieren soll mit all meinem Gedöns. Das belastet mich wirklich sehr. Daher kann ich unnötigen zusätzlichen Stress mit meinem Alki so gar nicht gebrauchen. Sein Schweigen ist mir deshalb tausendmal lieber, als seine fiese Streitlustigkeit. Ab morgen hat er drei Tage frei. Das wird bedeuten: drei Tagen durchsaufen. Davor graut es mir sehr. Besonders schlimm wird es aber werden, wenn er ab Mitte Juni für drei Wochen Urlaub hat. Da wird die Hölle wieder richtig brutzeln.
Das hört sich alles nicht gut an. Hast Du Dich schon an staatl. Stellen gewandt? Ich habe damit leider keine Erfahrungen, aber ich denke, egal wie klein die Butze ist, wäre sie allemal besser, als der Horror, den Du jetzt hast. Es findet sich alles, die Forumsdaumen sind gedrückt.

sonnige Grüße
Lütte

Aneli
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Re: Wieso macht er das?

Beitrag von Aneli » 02.06.2020, 13:31

Ihr Lieben,
danke für Euren Zuspruch. Heute ist der zweite Tag in Folge, an dem mein Alki daheim ist und ihr könnt Euch sicherlich denken, wo er sich wieder aufhält. Richtig im Garten, nackt mit seiner Whisky-Mischung. Heute morgen scheint er erst noch seinen einzigen Freund besucht zu haben, ebenfalls ganz starker Alkoholiker. Wenn er dann wiederkommt, ist er immer besonders schräg drauf, so aufgeheizt. Wenn Ihr versteht, was ich meine. Gestern (Pfingstmontag) hatte er ja auch frei und verbrachte den ganzen Tag mit Saufen. Oh nee, stimmt nicht. Ganz früh morgens ist er erst noch etwas aktiv im Haushalt, aber dann muss er sich dafür "natürlich" belohnen, also wurde ab 9.30 Uhr die Sauforgie eingeläutet. Ich habe es dann daheim nicht mehr ausgehalten und bin kurzfristig zum Vorsitzenden des Blauen Kreuzes und seiner Frau gefahren. Dort haben wir uns das erste mal persönlich kennengelernt und uns im Garten ein paar Stunden über die Problematik ausgetauscht. Auf meinem Heimweg hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, was mich wohl wieder erwarten würde. Er hatte erneut das Garagentor verriegelt, diesmal allerdings so, dass ich - egal was ich anstellte - es nicht mehr öffnen konnte. Als ich ihn darauf ansprach, stellte er sich ahnungslos und lachte nur gehässig. Wie krank das alles ist, merke ich gerade erneut beim Schreiben. Mir kommen die Tränen. Aber wieso macht er das??????? Er hat mir doch schon genug Leid angetan.

Heute morgen rief mich jemand von der Suchtberatung zurück, weil jetzt wieder persönliche Treffen möglich sind. Ich habe für nächste Woche dort einen Termin. Wir wollen uns dann darüber unterhalten, wie ich mit dem krassen Verhalten meines Alkis am besten umgehen kann, damit die Zeit bis zum Auszug erträglicher wird.
Am Donnerstag bin ich das erste Mal in der gemischten Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes, die sich nach Corona nun auch wieder persönlich treffen dürfen. Ich freu mich schon. Und morgen nehme ich das Gesprächsangebot des Bruders von meinem Alk-Partner an und besuche ihn das erste Mal. Er hatte mir das Angebot schon vor Monaten gemacht, weil er mitbekam, dass es bei uns kriselte. Ich habe es bis dato aber nie wahrgenommen, weil ich mir unsicher bin, ob der besagte Bruder nicht auch ein Alkoholproblem hat, so wie mein Partner und ein weiterer Bruder von ihm. Und ob das dann überhaupt so eine gute Idee ist. Eigentlich erhoffe ich mir von dem Gespräch, dass der Bruder positiven Einfluss auf ihn nehmen kann, insofern dass er an seine Menschlichkeit appelliert, damit er mir nicht weiterhin das Leben schwer macht. Die beiden haben einen guten Draht zueinander. Wir haben vereinbart, meinem Alki nichts von diesem Treffen zu sagen.

Ich hoffe so sehr, dass sich endlich Licht am Ende des Tunnels sehen kann. ...

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