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Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

KonnyS
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Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von KonnyS » 09.04.2020, 21:55

Hallo,

Ich bin noch nicht lange hier, habe auch schon einen anderen Beitrag verfasst. Habe mich in den schlaflosen Nächten hier im Forum reingelesen.
Tag für Tag merke ich, dass mir diese Gruppe sehr hilft und mir immer ein Stück mehr hilft das ganze zu Bearbeiten.
Außerdem versuche ich nun, mich mehr mit dem Gedanken zu befassen, meinen alki zu verlassen...beim Lesen all der Beiträge komme ich auf viele Gedanke.
Gerade befasst es mich sehr, dass ich gehen kann und sollte, weil es für mich besser wäre, aber den „Punkt“ dass es bei mir KLICK macht kam noch nicht. Ich hätte diese Woche oft genug mein Zeug packen können, aber wenn ich lange herumüberlege, war es noch nicht der richtige Zeitpunkt..
wann hat es bei euch KLICK gemacht?

Eine Frage noch an die trockenen - würdet ihr euch in Stich gelassen fühlen, wenn euch der/die Partner/in verlässt - auch wenn ihr schon abermale geredet habt,dass ihr aufhört zu trinken aber immer wieder anfängt?

Lg
Konny

KonnyS
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von KonnyS » 10.04.2020, 09:51

Hallo nochmal,

gestern war es Gefühlschaos wie ich es noch nie hatte...
Angefangen hat es, dass ich vom Spaziergang mit dem Hund zurück kam und er wieder was getrunken hat - bin dann (wie immer) auch Abstand gegangen.
Am Abend beim Fernsehen, meinte er, er gehe um 21:00 ins Bett - bin nicht mitgegangen. Naja war er sauer aber okay. Somit hatte ich ein paar Stunden meine Ruhe..war wirklich gut und hilfreich, dass ich mich in dieser Zeit in das Forum reingelesen habe.
Ich bin dann immer wieder auf den Punkt gestoßen, dass COs für die Alkoholiker (manchmal) zum "Zweck" verwendet werden..also die Tätigkeiten von ihm erledigen usw...Aus der Vergangenheit von ihm, weiß ich, wenn er was getrunken hat, er sich anderen Frauen hinzugezogen fühlt und vor allem seinen ExFreundinnen (waren meist Bettgeschichten lt ihm) wieder schrieb...ich war an dem Punkt, an dem ich es nun wissen musste. Zu dem Zeitpunkt wollte ich nicht einsehen, dass er mich für einen "Zweck" braucht und er mich vl gar nicht so liebt wie ich ihn liebe.
Ich ging ins Schlafzimmer und holte sein Handy (ich weiß, das sollte ich nicht tuen weil es sich so nicht gehört) aber ich war so in einem Zirkel drinnen...Naja und was ich da las bestätigte mir wieder alles...seine "Radtouren" bei denen er sich Alkohol holte, waren auch dazu dass er sich mit einer anderen traf bzw treffen möchte und sie sehr viel über Gefühle und Beziehung schrieben...Ich beschloss mir das Bettzeug zu nehmen und mit dem Hund auf der Couch zu schlafen. War auch gut, nur dass ich ewig nicht einschlafen konnte. Plötzlich so gegen halb 3 kommt er in das Wohnzimmer, dreht das Licht an und motzte mich an, warum ich hier schlafen würde und er heute nicht zu meinen Eltern mitfahren werde (wieder in einem aggressiven Ton). Ich sagte nichts und schlief weiter, er ging wieder ins Bett..Seither konnte ich nicht mehr schlafen...habe es noch nie gemacht, dass ich auf der Couch schlafe. Bis jetzt versuchte er dann, mich ins Bett zu bekommen, tat er dieses Mal nicht. und dann ist was ganz komisches passiert. Ich hatte seitdem Zeitpunkt unheimliche Bauchschmerzen...konnte nicht schlafen, hatte keinen Hunger..ein ganz komisches Gefühl. Heute morgen begriff ich, dass ist nun "endlich" das Bauchgefühl, auf das ich gewartet habe, dass es Zeit ist zu gehen. Durch seine Reaktion auf das, dass ich nicht bei ihm bin und er hinter meinen Rücken mit anderen Frauen schreibt und sich treffen will (wo er mir immer vorwirft, dass ich fremdgehe) habe ich gemerkt, dass er mich vl nicht wirklich "liebt" sondern er es sich auch selbst einredet und ich so seine CO bin. Habe dann überlegt, wie ich es jetzt am Besten mache, dass ich fahre..wenn er da ist geht es nicht, da habe ich Angst vor ihm...Naja wollte dann um 6 Uhr aufstehen, alles packen und fahren - nur blöd, dass er um halb 6 aufstand und wieder ins Wohnzimmer kam - sich aufregte und wieder sagte, er fahre heute nicht mit (habe wieder nichts drauf gesagt) seitdem ist er im Bett - keine Ahnung was er macht, ist mir auch egal.
Auf jeden Fall habe ich beschlossen, dass ich, sobald er mit dem Fahrrad wegfährt und ich weiß dass ich ein paar Stunden alleine bin, alle meine Sachen packe und fahre - ich will auf keinen Fall wieder hierherkommen müssen. Bin noch am überlegen, ob ich ihm einen Brief hinterlasse oder nicht. Aber am Handy werde ich ihn gleich blockieren.
Das interessante ist, ich habe bis jetzt den ganzen Vormittag hier gelesen - und da habe ich einen Beitrag gesehen der mich echt zum Schmunzeln bringt, ob ich wirklich seine FREUNDIN bin oder nur eine "Freundin" die zur CO wurde. Bei uns ist alles sehr schnell gegangen, Beim Feiern getroffen, sofort gut verstanden und zack war ich schon in seiner Wohnung - seitdem leben wir zusammen. So war es auch in diesem Beitrag und da ist mir das Licht aufgegangen, dass dies halt eine "Masche" von den Alkoholikern sein wird...
Ich bin auf jeden Fall gerade in Stimmung aufzubrechen, warte aber noch, da ich nicht mehr mit ihm streiten oder sonst was will..bin froh wenn ich ihn heute nicht mehr sehe.
Spätestens Montag, wenn er sich mit dieser Dame trifft, ist er weg, da bin ich auch weg - am Besten wäre es, wenn ich dann ihr vermeindliches "Date" unterbrechen würde, nur anhand von dem dass ich bei ihnen vorbeifahre - er hat es nicht anders verdient!
Und das Thema mit den Frauen dass er schreibt, geht schon seit Anfang an.
lg Konny

Carmen
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von Carmen » 10.04.2020, 12:20

Hallo Konny,

ich finde deinen Entschluss super. Wie sich dein Freund verhält, ist wirklich übel und hat meiner Meinung nach nicht nur was mit seinem Alkoholismus sondern auch etwas mit schlechten Charakterzügen zu tun.

Ich würde ihm einen kurzen Brief hinterlassen, in dem du ihm die Gründe für deinen Auszug nennst. Dann kannst du auch besser mit der Sache abschließen.

Ich würde an deiner Stelle auf garkeinen Fall am Montag zu ihm fahren; das könnte dich emotional viel zu sehr aufwühlen oder im schlimmsten Fall eskalieren. Ist nur meine Meinung.

Ich wünsche dir viel Kraft und bin mir ganz sicher, dass nach der Trennung ein besseres Leben auf dich wartet und du dann auch einen Partner findest, mit dem du deine Zukunftspläne verwirklicken kannst. Das ist nämlich mit einem " nassen" Alkoholiker nicht möglich.

LG
Carmen

KonnyS
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von KonnyS » 10.04.2020, 20:40

Hallo Carmen,

Ich habe heute um 4 meine sachen gepackt. Bin dann zu einer Freundin.
Heute hat er am Vormittag schon begonnen, er hat gepennt und dann fuhren wir zu meiner mutter - dort wurde er immer „betrunkener“ Meiner Mutter sprach mich drauf an - ich sagte ihr dass ich mich trennen werde - sie wahr froh solch eine nachricht zu hören.
Am Anfang war ich froh, dass ich von ihm weg bin und war erleichtert- aber jetzt habe ich eben das Gefühl ich wolle doch zu ihm - ich erinnere mich an die beleidigungen und die lügen..dann gehts wieder.
Hab ihm auf einen Zettel geschrieben dass es aus ist...es musste sehr schnell gehen weil ich in seinem „nachmittagspäuschen“ die sachen gepackt habe.. alles ist sich leider nicht ausgegangen (kleidung), dolumente habe ich mit, weil er munter wurde und ich angst hatte dass er sauer wird. Bin dann so schnell wie möglich ins auto und weg. Dann gleich überall blockiert.

Ein ganz komisches gefühl..ich hoffe dass er bald nachlässt dass ich zu ihm möchte.

Lg konny

Carmen
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von Carmen » 10.04.2020, 21:40

Liebe Konny,

gut, dass alles geklappt hat. Toll finde ich, dass du so schnell gehandelt und ihn überall blockiert hast.
Klar ist das jetzt erst mal nicht einfach und fühlt sich mies an. Eine Trennung ist immer unangenehm und tut weh.

Ich bin mir aber sicher, dass der Schmerz und das Vermissen schneller vergehen als du denkst. Wichtig ist nur, dass du keinen Kontakt mehr zulässt. Ich weiß, dass das alles immer leicht gesagt ist. Aber glaub mir: Ich hatte schon so furchtbar schrecklichen Liebeskummer, dass ich eine zeitlang dachte, dass er niemals vergeht. Doch er verging schneller als ich dachte. Man muss nur ein wenig Geduld haben, die schlechten Gefühle aushalten und sich viel ablenken. Du schaffst das!

Ganz liebe Grüße
Carmen

KonnyS
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von KonnyS » 10.04.2020, 22:09

Hallo Carmen, danke für deine Worte.
Ja ich gebe mein Bestes. Ich halte mir immer die negativen Seiten vor die Augen.

Keinen kontakt zu haben ist toll - war gleich erleichtert

Lg konny

Carmen
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von Carmen » 10.04.2020, 22:22

Das klingt doch schon mal sehr gut für den ersten Abend.
Ich hoffe, dass du später gut schlafen kannst nach der ganzen Aufregung.

Cadda
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Re: Absprung in ein neues Leben - aber wie?

Beitrag von Cadda » 11.04.2020, 06:41

Hallo Konny,


das hast Du gut gemacht. Bitte bleib dabei. Liebeskummer ist so wahnsinnig schlimm, glaub mir, es ging mir wie Carmen. Ich dachte, das wird niemals besser. Wird es aber!

Wenn ich heute daran zurück denke, wünschte ich, ich wäre früher gegangen...

Ich sehe es übrigens auch so, wie Carmen. Die Dinge, die Du mit den anderen Frauen usw beschreibst, sind charakterabhängig. Nicht jeder Alkoholiker wird zum schlechten Menschen. Vielleicht ist die Hemmschwelle geringer, aber die Grundeigenschaften sind entweder da oder nicht. Mein trinkender Ex Partner hätte mich nie angelogen oder betrogen. Die Hölle war es mit ihm trotzdem, weil er mir gegenüber sehr hässlich wurde, zwar nur im Suff, aber das war ja ständig der Fall. Den „lieben, nüchternen Menschen“ konnte ich irgendwann nicht mehr als echt empfinden.

Ich bin übrigens selbst Alkoholikerin und war trotzdem Co.Abhängig. Ich hab vor 2,5 Jahren aufgehört zu trinken. Er wollte zeitweise mitziehen, hat es aber nicht getan. Er säuft heute noch. Ich hing nach der Trennung noch sehr lange an ihm, wollte am liebsten zu ihm. Immer wenn er sich gemeldet hat, hatte ich Herzrasen. Mal wurde ich beschimpft, mal die liebsten Worte überhaupt. Es ging mir immer schlecht, wenn ich von ihm gehört habe. Inzwischen ist er mir so egal, wie nur irgendwas. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich fühle. Gerade gestern kam irgendwas neutrales, lustiges auf meinen Status bei WhatsApp und ich hab gerade mit jemand anderes geschrieben und es nur in der Voransicht wahrgenommen, ohne direkt zu öffnen.

Irgendwann später am Tag dachte ich „ach ja, da kam ja irgendwas. Guck doch mal nach, hast Du ja noch gar nicht geöffnet...“ und dann hab ich mich gefreut, weil es mir WIRKLICH so völlig Wurst war, dass ich gar nicht mehr dran gedacht hatte. Ein tolles Gefühl :-D

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