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Gefangen im Chaos der Emotionen

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Pusteblume
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von Pusteblume » 29.04.2020, 14:03

Hallo Dionysos,

Ich habe deine Geschichte bis hier mit großer Spannung verfolgt und kann alles sehr gut nachempfinden auch aus ähnlicher Perspektive.

Finde es ehrenhaft, dass du mit deiner Frau nochmal geredet hast. Und klar, kannst du mit ihr nicht mehr so leben wie vorher - vieles ist in der Zeit zerstört worden, vor allem die Gefühle und das Vertrauen.

Mit der neuen Freundin lasse dir Zeit. Sie sollte verstehen, dass du dich jetzt nicht so schnell binden kannst, du bist ja noch verstrickt mit deiner Frau. Das ist ein Prozess des Loslassens.

Lass dir doch Zeit, niemand verlangt jetzt sofort eine Entscheidung von dir. Und schau mal, was dir selbst guttut, was du selbst am meisten jetzt bräuchtest.

lütte69
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von lütte69 » 30.04.2020, 10:59

Hallo Dionysos,

ich hab gerade alle 4 Seiten gelesen. Du schreibst sehr ausführlich und irgendwie bewirkt das Geschriebene Reibung in mir. Ich will Dir nicht zu nahe treten, wir kennen uns nicht und ich lese alles durch meine Filter. Ich möchte dir trotzdem meine Gedanken und Erfahrungen da lassen.

Ich hab das Gefühl, dass dein größeres Dilemma die Entscheidung zwischen den beiden Frauen ist. Die eine trägt dich auf Händen und ist nach so kurzer Zeit fast abhängig von Dir und mit der anderen verbinden dich die vielen guten Jahre, die Gewohnheit (das meine ich positiv) und auch diese Frau will dich auf jeden Fall behalten. Mein Bild dazu - Tauziehen - jede Frau an einer Seite und Du der Knoten in der Mitte :roll: . Ich kenne das Gefühl aus einer anderen Perspektive, mein Gefühl war immer Person A ist schwarz und Person B ist weiß und je nachdem wer mehr an mir zieht, bin ich mal hellgrau und mal dunkelgrau. Bis dann der Knall kam - ich trete da raus und bin bunt, so wie ich sein will. Ich bin damals ausgezogen, weil ich fühlte, dass ich langsam verschwinde, wenn ich ich bleibe - langsam sterben oder gehen - radikal, aber so fühlte ich mich. Mir war egal, was aus meiner Ehe wurde, erstmal ging es um mein Leben. Das hat mein Mann natürlich nicht verstanden und alle Knöpfe gedrückt, die er so kannte. Eine bescheidene Zeit voller Tränen, Selbstzweifel, Ängsten, innerer Zerrissenheit - ich möchte das nicht nochmal durchmachen, aber es war für meine Entwicklung, meine Veränderung enorm wichtig. Mein Mann ist seinen Weg aus dem Alkohol gegangen und wir leben wieder glücklich zusammen. Es gab aber bei beiden keine anderen Partner. Wichtig für mich fand ich, dass es keine Schuldzuweisungen gibt. Es ist so gekommen, weil wir sind wer wir sind. Wichtig ist, welche Faktoren zu dieser Schieflage geführt haben und da muss jeder bei sich schauen und dann die Konsequenzen ziehen.
Wie wäre es also für Dich, mal längeren zeitlichen und räumlichen Abstand (auch kein Telefon) von beiden zu haben - Frau, Freundin. Ich denke das könnte dir bei deiner Entscheidungsfindung helfen. Auch keine Informationen über Dritte von den beiden an Dich. Vielleicht musst Du Dir mal darüber klar werden, was Du noch vom Leben erwartest, was Dich glücklich macht.

Dieses Dilemma hast Du Dir aber auch selbst zuzuschreiben. Du hast Dich im Portal angemeldet, Du hast die Frau getroffen, Du hast Deinen Anteil an dieser Beziehung. Das ist keine Wertung, das sind die Fakten, denn Du hast Deine Gründe für das was du tust. Ich kann und werde das nicht beurteilen. Die Krux daran ist, dass Du Dich in eine Beziehung gestürzt hast ohne, dass du die andere Beziehung für Dich abgeschlossen hattest. Jetzt liegt es in Deiner Verantwortung eine Lösung für Dich zu finden. Das kann Dir keiner abnehmen.

Es gibt in Deinen Texten so viele "wenn" und "hätte" und "würde" - wichtig ist das "ist" - wie kaltblut schrieb, das hier und jetzt. Es gibt bei Deiner Konstellation so viele mögliche Szenarien für die Zukunft, dass Du die alle gar nicht berücksichtigen kannst. Mein Rat, hör in Dich hinein (eventuell mit professioneller Hilfe) und finde raus, was für Dich das Beste ist. Die Menschen um Dich herum sind erwachsen und können selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.

Ich wünsche Dir für Deinen Weg viel Kraft und Geduld
sonnige Grüße
Lütte

kaltblut
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von kaltblut » 30.04.2020, 18:37

Hallo Dionysos,

schau, jeder der Dir hier etwas schreibt, hat auf der einen oder anderen Art seine Erfahrungen gemacht. Da ist vieles gleich, vieles überschneidet sich und vieles ist anders. Da ist einer, dem ist der Alkohol wichtiger als alles andere, das könnte auch etwas ganz anderes sein, Drogen, Tabletten, Nikotin, Spielsucht, Fernsehsucht, S**, Fresssucht, Arbeitssucht, Sportsucht, auch Gartlern oder Fremdsprachen lernen kann eine Sucht werden, selbst Kinder, Tiere oder Arbeit. Falls Du einmal einen Infarkt bekommen solltest und bekämst dann Deine Dauertabletten, dann kann das Ausgehen der Tabletten eine irre Panik verursachen, weil Deine Angst zu sterben größer wird alles andere, verschrieben von einem, der es gut mit dir meinen sollte. Darunter leiden dann auch alle Beteiligten auf der anderen Seite. In Suchtgeschichten sind immer alle beteiligt. Da die Sucht immer einseitig bleibt, wird sich irgendwann etwas verändern müssen, dafür sorgt der Überlebensmechanismus in unserem Organismus. Immer ab dem Punkt, wo einer Seite ein Licht aufgeht, wo es nicht mehr passt, wo etwas rebelliert und sich erhebt, dann verändert sich etwas und das ist dann nicht mehr zu stoppen. Das kann dauern. Wir Menschen sind belastbar. Wir Menschen können unserem eigenen Hirn nicht vertrauen, so sind wir.

Der, der etwas verändert kann nicht mehr so sein wie das vorher war. Es gehen Dir immer mehr die Fußnägel hoch, je mehr Du Dich veränderst und der andere stehen bleibt oder noch mehr in die andere Richtung abwandert. Die einstige Beziehung ist dann nur noch ein Ziehen und Biegen, da passt nichts mehr. Es gibt dann noch Kompromisse, Abhängigkeiten, blindes Verhalten, mehr kann da aber nicht mehr sein, sondern da spielen Gedanken an Gewesenes, an schöne alte Zeiten, an Prestige- und Verlustängste, die Angst vor dem was kommt im Unterbewusstsein die prägende Rolle und immer mehr übernimmt dann der Überlebensmechanismus in unserem Organismus das Zepter.

Du hast einen Anfang gemacht und das ist doch gut. Als ich meinen Anfang machte, da habe ich bestimmt nicht darüber nachgedacht was alles passieren würde und dass ich dreimal 600km umsiedeln würde, das war so und mein Hirn war auch nur irgend was.

LG Karl

ideja
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von ideja » 08.05.2020, 11:33

Hallo Dionysos,

wie geht es dir?

ideja

dionysos
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 08.05.2020, 12:21

ideja hat geschrieben:
08.05.2020, 11:33
Hallo Dionysos,

wie geht es dir?

ideja
Hallo und danke der Nachfrage!

Meine Frau hält sich an alle Abmachungen und meldet sich mind. 1 Tag vorher, falls sie was aus der Wohnung braucht, dann kann ich entscheiden, ob ich da sein will oder nicht. Sie kontaktiert mich auch sonst nicht und respektiert, dass ich erst mal für mich sein will.

Mit meiner Freundin habe ich vereinbart, dass ich mehr Zeit für mich brauche, d. h. wir sehen uns derzeit unter der Woche gar nicht mehr und haben auch das (Video-)telefonieren eingeschränkt - allerdings ist sie verliebter in mich denn je, während ich mir der ganzen Sache nicht mehr ganz so sicher bin, d. h. ich bin sicher, dass es mit ihr klappen würde, sie ist superlieb und wir haben extrem viele Gemeinsamkeiten, aber ich fühle mich irgendwie nicht wohl, die eine Beziehung noch nicht mal ganz beendet zu haben und voll in die neue rein zu springen.
Zudem hänge ich wie gesagt immer noch auch sehr an meiner Frau (das "zurückgehen" ist nach wie vor eine Option) und weiß nicht, wie ich meine Zukunft angehen soll: alleine, mit der Ehefrau oder mit der Freundin.

Mir persönlich geht es seit letzter Woche deutlich besser, nachdem ich mich zuvor psychisch fast aufgerieben habe, habe ich beschlossen, nicht weiter als 3 Tage in die Zukunft zu schauen und erst mal keine tiefgreifenden Entscheidungen zu treffen.
Das tut mir sehr gut, auch wenn ich weiß, dass ich nicht ewig "so dahinleben" kann.

Ich wünsch euch alle ein schönes Wochenende!

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