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Gefangen im Chaos der Emotionen

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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ideja
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von ideja » 27.04.2020, 15:48

ich habe jetzt keine Zeit um dir ausführlicher zu Antworten...
ich denke nur, du solltest einige Zeit alleine sein bevor du dich in eine Beziehung, wie sie sich das vorstellt, stürzt.
Diese Fernbeziehung (wenn sie sich fern nennen kann) ist mM nach genug für die nächsten Monate. Besonderes wenn, wie du sagst, sich alles in dir sträubt.

lg ideja

Linde66
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von Linde66 » 27.04.2020, 17:42

Hallo dionysos,
ich habs grad an anderer Stelle geschrieben: es ist die Mischung der Antworten, die man bekommt. Jeder schreibt ja aus seiner ganz eigenen Erfahrung heraus. Ich schreibe dir aus der Erfahrung heraus, daß mein damaliger Partner mich monatelang mit einer Arbeitskollegin betrogen hat. Ich habe mich soooo geekelt und im Abstand von paar Wochen 2 Aidstests machen lassen. Klar habe ich ihn geliebt, er mich angeblich auch. Aber er war ein potenter Hengst und brauchte immer 2 Frauen gleichzeitig, habe ich hinterher erfahren. Das war vor mir schon so und nach mir hat er dann auch seine Zweitfrau mit der nächsten betrogen... Sachen gibts, die gibts nicht. :roll:
Das alles völlig unabhängig von Suchtkrankheiten usw.

Bei euch habe ich den Eindruck, daß du und deine Freundin euch jeweils als Vehikel benutzt, um aus der jeweiligen Ehe rauszukommen. "Eigentlich" seid ihr ja nicht frei. Damit meine ich nicht den offiziellen Papierkram, sondern emotional.

Ich weiß nur, daß sowas für mich nix wäre, eine Mittel-zum-Zweck-Beziehung. Dann lieber zufrieden allein.
Lieber Gruß, Linde

dionysos
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 28.04.2020, 07:53

ideja hat geschrieben:
27.04.2020, 15:48
Diese Fernbeziehung (wenn sie sich fern nennen kann) ist mM nach genug für die nächsten Monate. Besonderes wenn, wie du sagst, sich alles in dir sträubt.
Tja, ich habe meiner Freundin gestern gesagt, dass ich mich gegen einen kompletten Wechsel meines Lebens inkl. Umzug in eine andere Stadt und Jobwechsel etc. sträube. Sie hat dann gesagt, sie will nur mit mir zusammen sein, dass ist ihr das allerwichtigste im Leben - sie würde auch zu mir ziehen.

dionysos
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 28.04.2020, 08:07

Linde66 hat geschrieben:
27.04.2020, 17:42
Ich schreibe dir aus der Erfahrung heraus, daß mein damaliger Partner mich monatelang mit einer Arbeitskollegin betrogen hat. Ich habe mich soooo geekelt und im Abstand von paar Wochen 2 Aidstests machen lassen.
Liebe Linde, ich bin nicht stolz, auf das, was ich getan habe. Ich war immer der Meinung, meine Loyalität meiner Frau gegenüber ist grenzenlos, unser gegenseitiges Vertrauen auch. Dass sie mein Vertrauen mit ihrer Sucht mehrfach missbraucht hat, soll keine Ausrede sein. Viel mehr war es wohl die Suche nach Liebe, Bestätigung, die ich einfach von meiner Frau nicht mehr bekam. Dass aus einer Affäre sowas wie Liebe wird, ist denke ich aber nicht ungewöhnlich - vor allem aus der jeweiligen Vorgeschichte von meiner Freundin und mir heraus (das schreibst du ja weiter unten).
Linde66 hat geschrieben:
27.04.2020, 17:42
Aber er war ein potenter Hengst und brauchte immer 2 Frauen gleichzeitig, habe ich hinterher erfahren. Das war vor mir schon so und nach mir hat er dann auch seine Zweitfrau mit der nächsten betrogen... Sachen gibts, die gibts nicht. :roll:
Hallo? So sehe ich mich definitiv nicht. Ich bin denke ich nicht unattraktiv, hatte während der letzten fast 28 Jahre auch mehrere eindeutige Angebote, aber ich habe meine Frau all die Jahre, bis vor Kurzem NIEMALS betrogen!
Linde66 hat geschrieben:
27.04.2020, 17:42
Bei euch habe ich den Eindruck, daß du und deine Freundin euch jeweils als Vehikel benutzt, um aus der jeweiligen Ehe rauszukommen. "Eigentlich" seid ihr ja nicht frei. Damit meine ich nicht den offiziellen Papierkram, sondern emotional.
Da mag durchaus was wahres dran sein. Wobei sie ihren Mann schon länger nicht mehr liebt, aber vermutlich auch aus co-abhängigkeit nicht den Sprung schaffte, ich dagegen bin mir meiner Gefühle meiner Frau gegenüber noch nicht klar... ich muss ständig an sie denken, sie war ja mein Leben, ich war auch sehr zufrieden damit - eben bis der Alkohol alles zerstörte. Wenn ich die Garantie bekäme, dass sie nun den Absprung weg vom Alkohol schaffen wird, würde ich von Herzen gern sofort zu ihr zurückkehren, nachdem aber vieles dagegen spricht, lässt mein Kopf solche Gedanken nicht zu - ich bin also ständig im Zwiespalt, was werden soll. Es vergeht keine Minute, in der mich das Thema nicht beschäftigt, meine Arbeitsleistung sinkt bereits beträchtlich.
Ich weiß nicht, was richtig oder falsch ist.

ideja
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von ideja » 28.04.2020, 10:07

Guten Morgen!

Von liebe kannst, weder du, noch sie, nach ein Paar Monaten nicht sprechen. Ich verstehe, aber, sehr gut, dass sie zu dir ziehen will wenn sie noch mit ihrem Mann lebt.
Aber, ich glaube nicht, dass es dir gut gehen wird damit.
Es gibts nichts richtiges oder falsches in dieser Situation. Du sollst in dich schauen und auf deine Gefühle achten. Nur das ist wichtig.

kaltblut
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von kaltblut » 28.04.2020, 18:19

Hallo Dionysos,

Du hast doch schon gute Punkte für Dich erstellt. Sich daran halten ist der zweite Schritt.

Ich verstehe nur nicht, warum soll sich Deine Frau geißeln und Dir einen Heiligenschein verpassen?
Eine Beziehung besteht immer aus zwei Menschen und zwei heißt immer, dass jeder etwas zu einer Situation beiträgt.

So ganz am Rande:
Deine Frau geht Dich gerade wenig an. Sie ist ein selbstständig denkendes und handelndes Lebewesen. Sobald sie klar im Kopf werden würde, also trocken, dann hat sie keine Zeit mehr für Dich, weil sie sich dann um sich selbst, um Ihr Leben kümmern muss. Wenn dann das nasse Denken verschwindet, dann wird sie auch keine Gedanken mehr an so eine kranke Geschichte zulassen, das verbietet das Gesundwerden. Verstehst Du: das Gesundwerden verbietet den Umgang mit Dir. Ob da etwas Neues wächst, etwas zwischen zwei Menschen auf Augenhöhe, das ist etwas ganz anderes, etwas was dann ganz weit weg ist.

Das hört sich ja gut an, dass Du zurückkehren würdest wenn…. Wenn sich Deine Frau für ein trockenes Leben entscheidet, lernt ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dann ist die Option wahrscheinlich, dass Du vollkommen überflüssig wirst.

Bist Du eigentlich finanziell von Deiner Frau abhängig oder benachteiligt oder habt Ihr alles problemlos geregelt?

LG Karl

dionysos
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 29.04.2020, 10:57

kaltblut hat geschrieben:
28.04.2020, 18:19
Ich verstehe nur nicht, warum soll sich Deine Frau geißeln und Dir einen Heiligenschein verpassen?
Eine Beziehung besteht immer aus zwei Menschen und zwei heißt immer, dass jeder etwas zu einer Situation beiträgt.
Ja - habe ich den Eindruck erweckt, das anders zu sehen?
kaltblut hat geschrieben:
28.04.2020, 18:19
Deine Frau geht Dich gerade wenig an. Sie ist ein selbstständig denkendes und handelndes Lebewesen. Sobald sie klar im Kopf werden würde, also trocken, dann hat sie keine Zeit mehr für Dich, weil sie sich dann um sich selbst, um Ihr Leben kümmern muss. Wenn dann das nasse Denken verschwindet, dann wird sie auch keine Gedanken mehr an so eine kranke Geschichte zulassen, das verbietet das Gesundwerden. Verstehst Du: das Gesundwerden verbietet den Umgang mit Dir. Ob da etwas Neues wächst, etwas zwischen zwei Menschen auf Augenhöhe, das ist etwas ganz anderes, etwas was dann ganz weit weg ist.
Puh, das ist hart was du schreibst... ich war ja gestern bei ihr, zum mit ihrer Therapeutin moderierten Paargespräch - dazu später mehr. Sie hängt extrem an mir, kann sich eine Scheidung nicht vorstellen.
kaltblut hat geschrieben:
28.04.2020, 18:19
Das hört sich ja gut an, dass Du zurückkehren würdest wenn…. Wenn sich Deine Frau für ein trockenes Leben entscheidet, lernt ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dann ist die Option wahrscheinlich, dass Du vollkommen überflüssig wirst.
Meinst du? 100%ige Sicherheit gibt es nirgends, aber wir haben eine extreme Bindung - nach wie vor. Und zumindest schlägt sie den Weg eines trockenen Lebens nun ein.
kaltblut hat geschrieben:
28.04.2020, 18:19
Bist Du eigentlich finanziell von Deiner Frau abhängig oder benachteiligt oder habt Ihr alles problemlos geregelt?
Keiner ist von dem anderen finanziell abhängig, beide arbeiten Vollzeit. Sie wird erstmal (zähneknirschend) bei ihren Eltern einziehen, also keine zusätzlichen Kosten.

dionysos
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Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 29.04.2020, 11:22

UPDATE zum gestrigen moderierten Paargespräch:

Wir waren beide relativ gefasst, meine Frau war sichtlich froh, dass ich zugesagt habe, sie hat die ganze Zeit Blickkontakt gesucht. Ich denke sie hat jetzt begriffen, was sie mit ihrer Sucht "angerichtet" hat. Sie hat betont, dass ich das Wichtigste in ihrem Leben sei und es diesmal WIRKLICH ernst meint mit der Veränderung was ihre Sucht angeht. Sie hat auch gesagt, dass die Kontaktsperre zu ihr furchtbar weh tat, aber sie mich versteht und dadurch auch begriffen hat, was sie aufs Spiel setzt:
Ich habe nochmal klar gemacht, dass ich die Trennung durchaus ernst meine und mir im Moment keine Beziehung vorstellen kann - bzw. dass mein Herz sehr an ihr hängt, aber mein Hirn, also die rationale Betrachtung (statistische Rückfallquoten bei Alkoholikern, mangelndes Vertrauen, Belastung als Partner eines trockenen Alkoholikers), sich einfach keine Beziehung vorstellen kann.
Sie wird meinem und ihrem engsten Familienkreis bzw. unserem engsten Freundeskreis beichten, dass sie Alkoholikerin ist und derzeit von mir getrennt lebt. Auch ihre engsten Kolleg(inn)en wissen Bescheid. Wir haben ferner vereinbart, dass sie sich Sachen von zuhause holen kann, mich aber vorher informiert, wenn und wann sie kommt. Ich habe auch in Aussicht gestellt, dass man sich - vorab an neutralen Orten, z. B. zum Sport oder bei Freunden - ab un zu treffen kann. Ihr ist es sehr wichtig, mich zu sehen, suchte auch ständig meinen Kontakt, was mir aber sehr schwer fällt (körperliche Berührungen).
Sie wird mehrere Maßnahmen gegen sie Sucht ergreifen und hat auch gesagt, dass es vermutlich besser gewesen wäre, ich hätte diesen harten Schnitt bereits vor 2 Jahren gezogen - denn sie sei nun aufgewacht. Sie wirkte sehr reflektiert, wobei ich nicht weiß, wieviel daran die Psychopharmaka Anteil haben. Sie klingt sehr plausibel und zielstrebig, aber Vertrauen kann ich bezüglich ihrer Sucht dennoch (noch) nicht aufbauen.
Es sträubt sich alles in mir, wenn ich mir ein Leben unter gemeinsamen Dach vorstelle, wenngleich sie mir fehlt. Es ist kompliziert. Ich würde ihr so gern glauben, an eine rosigere Zukunft ohne Drama, aber wenn man sich die Geschichten von der Sucht in diesem Forum durchliest, scheint genau dies unmöglich... auf der anderen Seite dagegen könnte ich den Joker ziehen und mich komplett in die neue Beziehung mit meiner Freundin schmeißen.
Ich könnte mir auch das vorstellen, es fällt mir aber so unglaublich schwer, von meiner Frau loszulassen. Es macht alles nicht einfacher für mich, denn nun plötzlich machen sich 2 Frauen Hoffnung auf eine Zukunft mit mir.
Ich habe meiner Frau gesagt, sie soll es unabhängig von mir, nur für sich, schaffen, aus der Sucht auszusteigen. Ich hab ihr gesagt, dass ich sie sehr gern habe und vermutlich nie mehr jemanden so lieben werde wie sie, was ihr Tränen in die Augen trieb, aber gleichzeitig habe ich verdeutlicht, dass ich mir Stand heute KEINE gemeinsame Zukunft vorstellen kann (auch wenn ich es kann, fahre ich diese harte Schiene mal nach außen weiter).

Meine Freundin wird parallel dazu immer verliebter in mich und ich habe ein extrem schlechtes Gewissen ihr gegenüber, denn sie weiß nichts von dem Treffen mit meiner Frau, natürlich auch nicht wie sehr ich doch noch an ihr hänge.
Sie sieht nur den Status Quo, dass meine Frau ausgezogen ist und wir nun getrennt sind. Sie redet ständig von unserer gemeinsamen Zukunft und ich weiß nicht genau, wie ich sie bremsen kann, denn sie wäre nicht nur extrem enttäuscht, wenn ich sie verlassen würde, für sie würde "eine Welt zusammenbrechen". Ich muss ihr aber wohl in näherer Zukunft fairerweise beichten, dass ich sehr wohl noch Emotionen für meine Frau hege - zum Einen mir selbst wegen, da ich so etwas Druck von mir nehme (ich will ihr evtl. auch sagen, dass ich mehr Zeit für mich selbst brauche), zum Anderen hat sie mehr Ehrlichkeit von mir verdient.

Das Problem ist, dass ich echt 50:50 zwischen beiden Frauen stehe, was sich für manche vielleicht wie ein Luxusproblem anhört, für mich aber ständigen Druck und Nervenbelastung bedeutet. Ich weiß einfach nicht, für welche Zukunft ich mich entscheiden soll.
Ich will mir beide Optionen offen lassen, bis ich mich klar entschieden habe (ich weiß, dass ist sehr egoistisch!). Ich sehe voraus, dass diese ganze Konstellation mindestens einen emotional tief verletzten Menschen hinterlassen wird, was mich traurig macht. Ich habe mich selbst in ein Labyrinth begeben, dessen Ausgang ich nun nicht mehr finde.

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