Startseite - PortalHilfsangebote der SuchthilfeSelbsthilfeforumInformationen zur Suchthilfe

Gefangen im Chaos der Emotionen

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Carmen
aktiver Teilnehmer
Beiträge: 545
Registriert: 04.03.2020, 13:13
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von Carmen » 23.04.2020, 15:57

Lieber Dyonysos,

ich konnte vorhin nicht zu Ende schreiben, weil mich das ganze Thema auch sehr mitnimmt. Schließlich sind wir hier ja alle in ähnlichen Situationen. Jetzt kann ich aber wieder schreiben. Es ist gut, dass du hier im Forum bist. Ohne Unterstützung schafft man es manchmal einfach nicht. Es ist ein Prozess zu akzeptieren, dass man nicht helfen kann und keine Schuld trägt. Erst dann kann man langsam loslassen. Dafür braucht man Zeit und Geduld. Es ist kein leichter Weg und ich und viele andere gehen ihn gerade oder sind ihn schon erfolgreich gegangen.

LG
Carmen

kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5678
Registriert: 20.06.2006, 17:01

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von kaltblut » 23.04.2020, 16:03

Hallo dionysos,

super, dass Du den Schritt gewagt hast Dich hier anzumelden und so detailliert zu schreiben. Da gehört viel Mut und Kraft zu, um die vergangenen Jahre anzuschauen, aufzuschreiben und sich damit auseinanderzusetzen. Es ist auch keine Schande als Kerl tief im Gefühlsmist zu sitzen und nicht weiter zu wissen.
Du schreibst:
Ich habe nur extrem Angst, dass das Ganze irgendwann in einen Suizid meiner Frau enden könnte, das würde ich mir nie verzeihen, denn eigentlich würde ich sie ja noch lieben, dennoch muss ich sie fallen lassen, um uns beiden zu helfen - so paradox es klingt.
Dann solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass Du über die Gedanken eines anderen Menschen und dessen Vollzug, keinen, aber auch überhaupt keinen Einfluss hast, nicht nach 1 Tag, nicht nach vielen Jahren und nicht nach vielen Jahrzehnten. Es gäbe da auch nichts zu verzeihen. Was willst Du denn verzeihen, das was nur Du weißt, was in der Vergangenheit alles gewesen ist?

Definier doch einmal genau „eigentlich würde ich sie ja noch lieben“!!
Also praktisch noch etwas lieben, theoretisch, wenn sie 20 Jahre jünger wäre, nicht saufen würde und die wäre, die Du Dir in Deinen Vorstellungen vorstellst und wenn sie Dich dann genauso lieben würde, dann wäre alles in Butter, das volle Liebespaket?

Was ist also eigentlich? Das Du keinen A... in der Hose hast zu Dir und Deinen Bedürfnissen, zu Deinem Leben, zu Deiner Eigenständigkeit zu stehen? Ich kann auch verstehen, dass Du die Schnauze voll hast und nichts mehr rein geht, überhaupt nichts mehr. Für Deine Situation kann Deine Frau nichts, sie, ihr Saufen, ihre Umstände haben nichts mit Deinem Verhalten zu tun.

Paradox ist in so einem verwustelten Beziehungkrams nichts, überhaupt nichts. Es ist nur schwierig, irgendeinen Anfang zu finden, daran festzuhalten und aufzubauen.

Paradox ist tatsächlich, dass Du Deiner Frau und nebenbei auch Dir helfen willst, indem Du sie fallen lässt. Fallen lassen, hm, loslassen und anfangen Dein Ding für Dich zu machen, das wäre ein Anfang. Das ist ja das Unglaubliche an der Coabhängigkeit, dass wir uns Dinge einbilden, die passieren hätten können würden, wenn…. Die Ursache an so einem Schwachsinn liegt in all dem verwurstelten, kranken Persönlichkeits- und Beziehungskrams, wo Du als Angehöriger ohne Hilfe von außen wenig Anfang finden wirst. Viel einfacher ist es da einen Schnitt zu machen, woanders einen neuen Anfang zu suchen, um mit den gleichen Verwurstellungen neu zu starten. Du bist jetzt 47, das ist doch ein ausgezeichnetes Alter, da steht Dir doch die Welt offen.

Deine Frau kenne ich ja jetzt ganz gut. Es geht aber nicht um Deine Frau, nur um Dich, Dich, Dich, Dich, Dich und nochmals um Dich.

Wenn Du darüber nachdenkst, dann sind Deine Frau und die Vergangenheit, auch wenn Du Dich bei dem Gedanken gerade übergeben müsstest, ziemlich überflüssig.

Schreib raus, was Dir gut tut, das hilft und beachte, dass das ein öffentliches Forum ist, indem jeder Rückschlüsse ziehen kann.

Lieben Gruß Karl

dionysos
neuer Teilnehmer
Beiträge: 18
Registriert: 22.04.2020, 07:28
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehöriger

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 23.04.2020, 16:24

Danke auch Dir, Karl.

Ihr alle gebt mir viel Hilfe mit euren Gedanken, ich fühle mich verstanden und nicht so alleine.
kaltblut hat geschrieben:
23.04.2020, 16:03
Definier doch einmal genau „eigentlich würde ich sie ja noch lieben“!!
Also praktisch noch etwas lieben, theoretisch, wenn sie 20 Jahre jünger wäre, nicht saufen würde und die wäre, die Du Dir in Deinen Vorstellungen vorstellst und wenn sie Dich dann genauso lieben würde, dann wäre alles in Butter, das volle Liebespaket?
Nein, ich war just an dem Tag, als alles explodierte, also am Montag dieser Woche, in der Arbeit plötzlich so voller Liebe zu ihr!
Ich dachte mir ich nehm sie heute einfach mal wieder ganz fest in den Arm, auch weil ich weiß, dass sie nach meiner Zuneigung lechzt, seit sie aus der Klinik ist und ich war da nur kühl (vielleicht aus Selbstschutz, vermutlich weil ich mich zur anderen Frau hingezogen fühlte). Ich meinte, es könnte sich dann wieder alles zum Guten wenden, sie ist mir doch wichtiger als "die Neue".

Nun, nachdem sie mir schon halb entgegentorkelte war meine plötzlich neu entflammte Liebe zu ihr natürlich wieder schnell passé.
Die Frage ist nur, wäre sie an dem Tag nüchtern gewesen, wann wäre der nächste Tiefpunkt gekommen. Am nächsten Tag? die nächste Woche? Monat? Das genau hat mich ja auf Dauer fertig gemacht, kein "normales" Leben mit ihr führen zu können, sie hat ständig Dinge und Termine vergessen, war unzuverlässig etc.
Aber ich wäre mit der Frau JETZT ohne Sucht durchaus zufrieden gewesen, weil da noch so viel Liebe für sie in mir ist. Die reine Vernunft hält mich davon ab, an ihr fest zu halten.

Dante
Moderator
Moderator
Beiträge: 3481
Registriert: 05.08.2006, 19:56
Geschlecht: Weiblich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholikerin

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von Dante » 24.04.2020, 13:39

Hallo dionysos & Willkommen im Forum! :D

Ich habe gerade den kompletten Thread in einem Stück gelesen, von daher kann ich auch nicht so komplex antworten, so viel geht mir jetzt durch den Kopf. Aber einige Punkte kann ich stichpunktartig kund tun:

So lange man nicht emotional aufgeräumt ist, ist jede Ratio unmöglich. Wundere dich also nicht, wenn du die Sache nicht rationell & sortiert angehen kannst. Das geht nicht. & das wird auch noch eine geraume Zeit so bleiben, denn die Fehlentwicklung einer jahrzehntelangen Beziehung lässt sich nicht mit "1x drüber schlafen" sortieren.

Darüber hinaus gilt: Die Frau von vor über 20 Jahren, wahrscheinlich oder vielleicht noch ohne jede Suchtprobleme (was ich nicht glaube, aber dazu später mehr) wirst du niemals wieder erhalten. Selbst komplett trocken & clean wird sie nicht die alte sein, nie wieder sein können. Für dich gilt übrigens dasselbe.

Weil das so ist, solltest du alle Betroffenen mit Klarheit versorgen, damit diese dich nicht falsch einschätzen. Das gilt zuallererst bezüglich deiner Datingfreundin. Die macht sich nämlich Hoffnungen, die du ihr zumindest jetzt nicht erfüllen kannst. In Richtung deiner Frau gilt gleiches: Keine Hoffnung machen, egal aus welchem Antrieb, schon weil du nicht weißt, ob du diese erfüllen kannst oder willst. Erzähl ihr von der Datingbeziehung.

Wobei du deiner Freundin helfen kannst, ist, die Therapeutin nicht im Unklaren zu lassen. Auch sie sollte von der Beziehung wissen, sonst baut sie ihre Therapie falsch auf, die dann natürlich weniger gut funktionieren kann.

Das Paargespräch würde ich an deiner Stelle absagen, & auch ganz offen die Gründe benennen. Auch den, dass du dich schon jetzt tränenüberströmt da sitzen siehst. Das ist keine Basis für ein Paargespräch.

Rundum: Alle Planungen auf getrennte Zukunft ausrichten erscheint mir sinnvoller. Wieder zusammen finden könnt ihr euch nur, falls überhaupt, wenn alles restlos ausgestanden ist.

Jetzt zum Angedeuteten:
Depression - Psychopharmaka - Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln - Vitamin D zu sich nehmen - Opiate wg. Sportverletzung - wg. Corona von weitem ein Bierchen zusammen trinken.. das schöne Leben scheint bei euch/dir auch aus der Apotheke zu kommen.
Bei deiner Frau, so schließe ich aus dem Gelesenen, ist es durchaus denkbar, dass sie außer dem Alkohol noch einen anderen Suchtstoff am Flicken hat - Medikamente. Der Umstand, dass sie auf der Depri-Station eingewiesen ist, werte ich als Hinweis darauf.
& ich vermute, dass euer zumindest für lange Zeit gutes Leben nicht nur aus eurer finanziell guten Lage resultiert. Suchtstoffe hingegen unterliegen in ihrer Gefährlichkeit keiner gesellschaftlich vorgegebenen Hierarchie. Viele sind verboten, einige akzeptiert oder haben sogar einen gewissen gesellschaftlichen Stellenwert (Tabak, Alkohol), noch andere sind regelrecht geadelt (Medikamente). Denn der Arzt wird ja wohl richtig liegen, wenn er verschreibt - denken viele. Aber das ist ein Trugschluss.

Das ist nun alles ein ziemlicher Stiefel, den ich zusammen gestellt habe. Aber auch, wenn ich völlig daneben liegen sollte mit meiner Einschätzung, hielte ich es dennoch für ratsam, dass auch du dich nach therapeutischer Unterstützung umsehen solltest. Allein der ganze Komplex deiner Geschichte lässt mir das dringend ratsam erscheinen.
Hast du Vertrauen zu deinem Hausarzt? Dann sprich mit ihm darüber.

kaltblut
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 5678
Registriert: 20.06.2006, 17:01

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von kaltblut » 24.04.2020, 17:16

Hallo dionysos,

es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Partner in eine Außenbeziehung begeben und denken da das zu finden, was sie zuhause nicht vorfinden. Dabei wird ausgeblendet, das es nur der Ersatz für das ist, was einem selbst fehlt. Das macht etwas, löst aber nicht das Problem.

Mir war es vor 14 Jahren nicht möglich, einfach abzuschalten, den Anfang zu finden, mich daran festzuhalten und mein Ding zu machen. Das hat Monate gedauert und Jahre bis ich da durch war. Die Umstände waren nicht von heute auf saufen entstanden, sondern da kam mit geballter Ladung das hoch, was als langer Prozess in mir gewachsen war.

Es gibt aber drei Dinge, die ich heute in ähnlichen Situationen, die passieren und gehören zum Leben dazu, immer wieder anwende:

1. Alles aus Null stellen
Damit meine ich, alles abzustellen, was mich aus der Bahn werfen kann, was einmal war, was sein wird und im hier und jetzt zu sein.

2. Alles auf den kleinsten Nenner bringen
Der wieder nicht in der Vergangenheit, nicht im Morgen ist, der ist heute und wenn es sein muss nur in dieser Stunde, in dieser Minute.

3. Keine Begründungen, Rechtfertigungen oder wenn und aber
Gefühle sind dazu da, das Hirn und den Körper mächtig durcheinander zu wirbeln und dann stehen da mehr w-Wörter und Gründe als im einem Hirn verarbeitet werden können.

Da sind wir wieder bei dem riesigen Durcheinander und dem Suchen nach einem Strohhalm.
Ich wünsche Dir, dass Du Dich etwas sortieren kannst.

Schau einmal hier, das hilft Dir bestimmt Fuß zu fassen:
grundbausteine-zur-co-abhaengigkeit

Viele Grüße Karl

dionysos
neuer Teilnehmer
Beiträge: 18
Registriert: 22.04.2020, 07:28
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehöriger

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 27.04.2020, 08:26

Hallo Dante,
auch dir vielen Dank für die auführliche Antwort, wenngleich ich einiges anders bzw. nicht so schwarz-weiß sehe wie du:
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Die Frau von vor über 20 Jahren, wahrscheinlich oder vielleicht noch ohne jede Suchtprobleme (was ich nicht glaube, aber dazu später mehr) wirst du niemals wieder erhalten.
Mir würde die Frau von vor 3-4 Jahren reichen, da sind mir noch keine Exzesse bekannt, zumindest nicht aufgefallen - auch keine gravierende Persönlichkeitsveränderung,
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Selbst komplett trocken & clean wird sie nicht die alte sein, nie wieder sein können. Für dich gilt übrigens dasselbe.
Das fürchte ich auch. Vertrauen ist schwer wieder zurück zu bekommen, im Umkehrschluss heißt das, ich MUSS meine Ehe beenden, auch wenn ich noch große Gefühle für meine Frau habe? Also Abwägung emotional vs. rational?
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Weil das so ist, solltest du alle Betroffenen mit Klarheit versorgen, damit diese dich nicht falsch einschätzen. Das gilt zuallererst bezüglich deiner Datingfreundin. Die macht sich nämlich Hoffnungen, die du ihr zumindest jetzt nicht erfüllen kannst.
Ich bin sehr offen zu ihr, sie ist sehr verständnisvoll, hab ihr auch gesagt, dass ich Zeit brauche - aber ich will diese Chance für eine neue Zukunft nicht beenden. Die Beziehung zu ihr werde ich erst im engsten Familienkreis ansprechen, dann ausweiten. Erst muss die Familie mal von der Trennung von meiner Frau erfahren, ich will nicht, dass alle wissen, dass ich eine "Affäre" hatte, man ist da sehr schnell in einem Fahrwasser, dass ich nicht will. Ich will das zeitlich etwas entzerren. Meine Freundin will das auch.
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
In Richtung deiner Frau gilt gleiches: Keine Hoffnung machen, egal aus welchem Antrieb, schon weil du nicht weißt, ob du diese erfüllen kannst oder willst. Erzähl ihr von der Datingbeziehung.
Ich bin ihr gegenüber auf Tauchstation gegangen, werde aber morgen das von Ihrer Therapeutin vorgeschlagene und moderierte Paargespräch wohl wahrnehmen und nochmal klar und deutlich darauf hinweisen,dass es mir mit der Trennung ernst ist. Über ihre Freundin weiß ich, dass sie ohnehin zumindest die nächsten 4 Monate nicht zu mir nach Hause zurückkehren wird. Von meiner Freundin werde ich JETZT noch nichts sagen, denn - auch wenn es nicht in meinem Verantwortungsbereich liegen sollte - würde ich es mir nie verzeihen, wenn sie sich deshalb was antun würde.
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Wobei du deiner Freundin helfen kannst, ist, die Therapeutin nicht im Unklaren zu lassen. Auch sie sollte von der Beziehung wissen, sonst baut sie ihre Therapie falsch auf, die dann natürlich weniger gut funktionieren kann.
Ich denke, du meinst "meiner Frau" helfen, oder? Nachdem sie bereits übermorgen die Klinik wieder verlassen wird, ist das ohnehin nicht mehr wichtig.
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Das Paargespräch würde ich an deiner Stelle absagen, & auch ganz offen die Gründe benennen. Auch den, dass du dich schon jetzt tränenüberströmt da sitzen siehst. Das ist keine Basis für ein Paargespräch.
siehe oben - ich habe seit drei Tagen nicht mehr weinen müssen, meine Frau hat mir eine Voice-Mail geschickt, in der sie sehr gefasst wirkte - ich denke ich zieh es durch - ich werde mir auch ein paar Punkte, die ich anbringen will, zurecht legen - es geht laut Therapeutin für einen Plan für die Zukunft. Ich werde es vermeiden, meiner Frau Hoffnungen auf die Fortführung der Ehe zu machen (auch wenn es mein Herz zerreisst). Ich habe mit meiner Schwiegermutter telefoniert, sie hat gesagt, meine Frau gibt jetzt offen ihre Sucht zu, will zur Suchtberatung und den AA gehen und jeden Tag in einen Alko-Tester pusten. Sie will noch eine (die wievielte?) letzte Chance und will mir schriftlich geben, sollte sie noch einen Tropfen trinken, kann ich mich sofort scheiden lassen. Ich meine, dass sie es nicht schafft und mein Leiden in die Länge ziehen würde, sollte ich mich darauf einlassen.
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Rundum: Alle Planungen auf getrennte Zukunft ausrichten erscheint mir sinnvoller. Wieder zusammen finden könnt ihr euch nur, falls überhaupt, wenn alles restlos ausgestanden ist.
Das sehe ich wie du - und sie zeigt Anzeichen, zumindest mit Akzeptanz der räumlichen Trennung, das ähnlich zu sehen. Allerdings: "wann" ist "was" ausgestanden?
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Jetzt zum Angedeuteten:
Depression - Psychopharmaka - Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln - Vitamin D zu sich nehmen - Opiate wg. Sportverletzung - wg. Corona von weitem ein Bierchen zusammen trinken.. das schöne Leben scheint bei euch/dir auch aus der Apotheke zu kommen.
Hier will ich deutlich differenzieren: ich habe definitiv KEIN Suchtproblem! Die Einnahme von Vitamin D in der dunklen Jahreszeit ist aus medizinischer Sicht sogar empfohlen, auch Wikipedia ist da eindeutig: "Für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist eine angemessene Sonnen- oder UV-B-Bestrahlung oder andernfalls eine zusätzliche Einnahme (Supplementierung) notwendig. In manchen Staaten werden zu diesem Zweck bestimmte Nahrungsmittel mit Vitamin D angereichert." Die Opiate bekam ich, da ich wegen der Schmerzen keine Nacht mehr schlafen konnte, Paracetamol etc. zeigten NULL Wirkung. Im Übrigen nehme ich normalerweise so gut wie keine Schmerzmittel o. ä. - ich hab diese Opiate bis zur OP genommen, sogar die vom Arzt empfohlene Dosis halbiert, gerade soviel genommen, dass ich halbwegs schmerzfrei schlafen konnte. Ich wollte sie zwischenzeitlich sogar komplett absetzen, was aber sofort wieder Schmerzen hervor rief - nach der OP habe ich das Mittel dann ausschleichen lassen. Warum ein Bier mit einem engen Freund zu trinken, ein Problem darstellt, verstehe ich nicht - ich bin es ja nicht, der ein Suchtproblem hat! Als Sportler gibt es bei mir keine Alkohol-Exzesse!
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
Bei deiner Frau, so schließe ich aus dem Gelesenen, ist es durchaus denkbar, dass sie außer dem Alkohol noch einen anderen Suchtstoff am Flicken hat - Medikamente. Der Umstand, dass sie auf der Depri-Station eingewiesen ist, werte ich als Hinweis darauf.
Außer ein Schilddrüsen-Medikament ist mir nichts bekannt.
Dante hat geschrieben:
24.04.2020, 13:39
hielte ich es dennoch für ratsam, dass auch du dich nach therapeutischer Unterstützung umsehen solltest. Allein der ganze Komplex deiner Geschichte lässt mir das dringend ratsam erscheinen.
Hast du Vertrauen zu deinem Hausarzt? Dann sprich mit ihm darüber.
Darüber denke tatsächlich nach!

dionysos
neuer Teilnehmer
Beiträge: 18
Registriert: 22.04.2020, 07:28
Geschlecht: Männlich
Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehöriger

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von dionysos » 27.04.2020, 08:46

Kurzes Update:
Meine Frau akzeptiert es seit dem Wochenende, mir keine Nachrichten mehr zu schicken oder anzurufen.
Sie versteht, dass ich Abstand und Ruhe brauche.
Ich werde von unserer besten Freundin mit Infos versorgt, sie telefoniert täglich mit ihr. Wir alle finden nicht gut, dass sie die Klinik diese Woche wieder verlassen wird. Wir wollen auch erreichen, dass sie sich ihrer Sucht offen stellt und es zumindest vor der Familie und dem Freundeskreis nicht mehr abstreitet - die meisten wissen oder ahnen es eh schon mittlerweile.
Ich denke mehrmals täglich an sie, ich würde das alte Leben - ohne Exzesse - so gerne wieder haben, mich macht es verrückt, dass sie mich über alles liebt und ich sie im Endeffekt auch, aus rational gesehenen Gründen aber die Fortführung der Ehe nahezu unmöglich escheint. Der verlorengegangene Respekt und vor allem das verlorene Vertrauen wäre vermutlich ein Beziehungskiller, auch wenn sie trocken bleiben würde - letzteres ist statistisch gesehen, nach relativ langer Sucht, wohl auch mehr Wunsch als Realität, auch wenn sie es hoch und heilig verspricht und behauptet, nun den Ernst der Lage erkannt zu haben.

Auf der anderen Seite habe ich nun 3 Tage hintereinander meine Freundin gesehen, sie kommt auch zu mir nach Hause. Sie ist extrem verliebt in mich, verspricht sich eine Zukunft mit mir.
Es scheint alles wie im Märchen zu passen, allerdings ertappe ich mich immer wieder, sie unbewusst mit meiner Frau zu vergleichen, sie an den selben Stellen zu streicheln, wir fahren an schöne Orte, mit denen ich auch mit meiner Frau immer war etc. - manchmal fühlt es sich für mich einfach nicht "richtig" an, Zeit mit ihr zu verbringen, da ich so ein schlechtes Gewissen habe, dass es mich fast auffrisst.
Sie merkt es auch, ich bin mit meinen Gefühlen recht offen ihr gegenüber, sie sagt, dass sei normal, sie gibt mir alle Zeit der Welt, über die alte Beziehung hinweg zu kommen.
Sie ist so wahnsinnig lieb zu mir, dass ich fast nicht glauben kann, dennoch spukt mir ständig die Frau meines Lebens im Kopf rum.

Da ich innerlich so zerrissen bin, plane ich, im engsten Familienkreis "die Hosen runter zu lassen", alles auf den Tisch zu legen wie es ist.
Vielleicht hilft mir das, vielleicht bekomme ich hier Unterstützung oder Denkanstöße, die mir weiterhelfen.
Zum Einen die neue Beziehung fortführen, zum Anderen parallel dazu immer noch auf die Wiederbelebung der guten, alten Zeit mit der Frau zu hoffen, geht nicht ewig gut. Soweit kann ich noch klar denken.
Ich hege für beide Frauen extreme Zuneigung, es macht mich fertig.

Morgenrot
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 14321
Registriert: 29.02.2008, 11:36

Re: Gefangen im Chaos der Emotionen

Beitrag von Morgenrot » 27.04.2020, 11:00

hallo,
die meisten wissen oder ahnen es eh schon mittlerweile.
da kannst du mit Sicherheit von wissen ausgehen. Als ich begann darüber zu reden, was in der Familie los ist, habe ich gemerkt, das es alle wußten. Die meisten haben geschwiegen, weil sie mich nicht verletzen wollten, und die, die etwas gesagt haben, diese Stimmen waren mir lästig, weil ich sie noch nicht hören wollte.
Im Grunde wußte ich schon, das sie recht hatten, konnte mich aber da noch nicht anvertrauen, weil ich mich schämte
mich macht es verrückt, dass sie mich über alles liebt und ich sie im Endeffekt auch,
Bist du dir sicher, das es ( noch ) Liebe ist, die euch zusammenhält, oder nicht eher das gegenseitige brauchen?
Oft ist dies in solchen Beziehungen nicht oder nur sehr schwer zu herauszufinden.
Das kenne ich von mir.
Der verlorengegangene Respekt und vor allem das verlorene Vertrauen wäre vermutlich ein Beziehungskiller, auch wenn sie trocken bleiben würde -
das ist harte Arbeit, die den Einsatz von beiden erfordert. Es wird sowieso nichts mehr wie es war, denn der Alkoholiker der trocken wird, verändert sich auch.
Mein xy ist im kommenden Oktober 3 Jahre trocken, er hat sich sehr verändert, und auch ich mußte mich wieder neu sortieren. Das ist kein Spaziergang.
Zum Einen die neue Beziehung fortführen, zum Anderen parallel dazu immer noch auf die Wiederbelebung der guten, alten Zeit mit der Frau zu hoffen, geht nicht ewig gut. Soweit kann ich noch klar denken.
In meinen Augen erfordert es von dir eine klare Entscheidung, du mußt wissen was du willst und das unabhängig davon ob deine Frau trocken wird oder nicht.


lg Morgenrot

Antworten