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Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Toivo Ja Voima
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Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Toivo Ja Voima » 23.04.2020, 15:46

Hallo,
ich bin Toivo aus dem Ruhrpott. 42 Jahre alt. Ich war über 10 Jahre schwer Heroinabhängig, mittlerweile bin ich seit fast 15 Jahren vom Heroin weg und seit 6 Jahren komplett clean.
Mein Leben läuft in total normalen Bahnen und ich habe mit dem damaligen Umfeld auch gar nichts mehr zu tun.
Mein Freundeskreis und meine Partnerschaft wissen von meiner Vergangenheit, haben aber selber gar keine Berührungspunkte zu Drogen.


In meiner Drogen und Obdachlosen-Zeit hatte ich nur 3 mal Kontakt zu meiner Schwester.
Man muss dazu sagen, meine Schwester ist meine einzige und wichtigste leibliche Verwandte und wir haben als Säuglinge/Kinder eine sehr schwere Zeit zusammen durch gestanden. Unsere Eltern waren beide Süchtig und wir wurden ihnen weggenommen. Was für uns aber nicht besser war.

Mit meinem Abtauchen in meiner Jugend wollte ich meiner Schwester ersparen viel von meiner Sucht mitzuerleben. Ob das so gut war, keine Ahnung. So das nur kurz zu mir.


Jetzt haben wir seit mehren Jahren wieder Kontakt der mit der Zeit auch wieder sehr innig und intensiv wurde. Mir fiel relativ schnell der Alkoholkonsum auf, der bei ihnen an der Tagesordnung ist. Auch in ihrem ganzen Umfeld.
Ich habe in Sachen Alkoholkonsum in Deutschland allerdings auch eine krasse Meinung, wird mir immer gesagt. Ich selber bin was Alkohol angeht sehr vorsichtig.
Es gibt immer wieder Monate, mal 3, mal 6+, wo ich mir selber eine Alkoholpause auferlege um zu gucken, ob mich Abstinenz stört. Das würde für mich zur Folge haben, das ich den Rest meines Lebens keinen mehr trinken würde. Fände ich auch nicht schlimm. Trinke eh nur 2,3 Mal im Jahr kleine Mengen.

Unsere Mutter, die auch Drogenabhängig war und clean wurde, ist zum Schluss an Leberzierrose gestorben durch Suchtverlagerung zum Alkohol. Ganz viele, leider der überwiegende Teil von Substituierten wird zum Alkoholiker. Darum habe ich immer wieder mein Trinkverhalten hinterfragt und bin dort sehr achtsam mit mir.

Am Wochenende war dann nicht mehr zu übersehen, das meine Schwester Alkoholikerin ist. Sie sagt, sie trinkt zur Entspannung. Oder wenn sie schlecht drauf ist. Na ja ich habe Heroin auch nur zur Entspannung genommen ;)

Man würde wohl sagen, sie hatte am Wochenende einen kompletten Absturz!!


Die letzten Tage waren für mich sehr schwer, weil ich mit dem Aussprechen der Tatsache es irgendwie auch real gemacht habe. Mir ist aber sehr schnell klar geworden, ich kann meiner Schwester nicht helfen. Außer sie möchte es. Sie kann sich nur selber helfen und sich professionelle Hilfe suchen. Worin ich sie natürlich unterstützen würde.
Da ihr Mann aber schon seit 20 Jahren Alkoholiker ist und sie sich niemals trennen würde, sehe ich da wenig Hoffnung. Auch das ganze Umfeld ist dem Trinken doch sehr zugetan.

Ich selber kann erst mal nur mich schützen. Mich selber stabil halten und mir als Angehöriger Hilfe suchen.
Das habe ich auch sofort gemacht.
Die alte Suchtberatung habe ich nach einem Telefonat gefragt und ich suche mir, sobald die Situation es zulässt, eine Selbsthilfegruppe um zu schauen, ob mir das hilft.
Da wird es heute auch noch ein Telefonat geben, was mir echt schwerer fällt als gedacht. Mittlerweile habe ich aber Angerufen und warte auf Rückruf.

Übernächste Woche sehe ich meine Schwester alleine. Darum habe ich sie gebeten.
Nur was dann?

Mir ist klar das alles was sie dann sagt, ein paar Tage später eh nicht mehr gilt. Das gab es bei anderen Themen jetzt schon paar Mal. Sie hat auch mit schweren Depressionen zu kämpfen.
Ich möchte ihr aber sagen, dass ich weiß, dass sie ein Alkoholproblem hat. Dass wenn sie mich betrunken anruft, ich auflege.
Das Thema hatte ich mit meiner Mutter durch. Und das ich keinen Alkohol mittrinken werde. Weil am beim letzten Treffen sollte ich eigentlich nur das, als ich das nicht tat kam von allen Seiten, ich solle mich nicht so anstellen.

Das mit dem Anrufen ist eher Schutz für mich, das hat mich damals sehr belastet. Nein, ich bin absolut nicht rückfallgefährdet aber ich möchte mich trotzdem ganz klar abgrenzen.
Denn Kontakt zu meiner Schwester werde ich nicht abbrechen. Aber ich werde auch nicht daneben sitzen, wenn sie sich besäuft.

Ob das der richtige Weg ist keine Ahnung. Trotz langer Suchtgeschichte habe ich keinen Plan.
Ich habe auch irgendwie keine gezielte Frage an euch.
Obwohl doch, mache ich es richtig? Was soll ich beim nächsten Treffen tun oder eher nicht tun?

Wohin kann ich mich als Angehörige vielleicht noch wenden. Was hilft einem als Angehöriger.

Danke fürs Lesen. LG Toivo

Carmen
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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Carmen » 23.04.2020, 16:47

Hallo Toivo,

du hast schon sehr viel Schlimmes hinter Dir, umso großartiger ist es, dass Du dich aus deiner Abhängigkeit befreien konntest.
Ich finde, dass Du alles richtig machst und die Situation sehr gut einschätzt.

Das Du mit deiner Schwester nochmal ein Gespräch unter vier Augen bezüglich Ihres Alkoholismus führen willst, finde ich auch gut. Wenn Sie einsichtig ist und etwas ändern möchte, kannst du ihr ja auch sagen, dass du bereit wärest, sie zum Arzt und zur Suchtberatung etc. zu begleiten. Natürlich nur, wenn du dich stabil genug fühlst und dich das nicht zu sehr belastet. Schwierig ist natürlich ihr Umfeld. Das macht den Ausstieg umso schwerer.

Wenn du sie bei dem bevorstehenden Gespräch mit deinen Worten nichts erreichen kannst, würde ich mich an deiner Stelle wieder abgrenzen, damit du dir nicht schadest. Aber einen Versuch ist es wert.

LG
Carmen

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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Carmen » 23.04.2020, 16:55

Carmen hat geschrieben:
23.04.2020, 16:47
Wohin kann ich mich als Angehörige vielleicht noch wenden. Was hilft einem als Angehöriger.
Du kannst dich hier mit Betroffenen austauschen und es gibt ja auch reale Selbsthilfegruppen für Angehörige. Ich warte übrigens auch schon den ganzen Tag auf den Rückruf von der Suchthilfe. Die können dir mit Sicherheit auch sagen, was es für Möglichkeiten gibt.

Toivo Ja Voima
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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Toivo Ja Voima » 23.04.2020, 17:48

Hallo Carmen,
danke für deine Antwort.


Wenn meine Schwester Hilfe möchte, würde ich sie begleiten. Ich mache das auch ehrenamtlich bei Süchtigen, obwohl natürlich meine Schwester emotional nochmal näher ist und ich da noch mehr auf mich achten würde. Was und ob es mir damit gut geht.
Aber, wie beim Ehrenamt, sage ich auch bei meiner Schwester, sollte ich eine Sekunde Suchtdruck, Rückfallgedanken haben, es mir damit nicht gut gehe, drehe ich mich um, gehe nach Hause und kümmer mich nur um mich.

Ich werde nicht dahin zurück gehen, wo ich war. Nämlich ganz unten. Und ich lasse mich auch durch niemanden dahin bringen. Da ist bei mir wirklich Egoismus, allerdings finde ich den gesund und wichtig für mich.

Der Rückruf kam vorhin auch noch. Wenn Corona "vorbei" ist kann ich mir eine Selbsthilfegruppe angucken, ob sie mir zusagt. Aber auch jetzt schon bleibe ich mit dem Leiter in Kontakt und kann mich bei ihm melden und austauschen. Das hilft, weil ich auch nicht alles bei meinem Mann abladen möchte. Er ist in der Hinsicht "Jungfrau" keine Drogen, auch kein Alkohol/Zigaretten oder so.

Ja, ich lese mich hier schon fleißig durch das Forum.
Ich drücke dir die Daumen das der Rückruf bald kommt.

Carmen
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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Carmen » 23.04.2020, 18:08

Gerne!

Man merkt richtig, dass du sehr viel an dir gearbeitet hast und genau weißt, was man tun muss, um sich selbst zu schützen. Find ich echt klasse! Mein Partner hat auch keinerlei Suchterfahrung oder ausreichend Verständnis dafür, darum tausche ich mich lieber hier im Forum aus. Die Suchthilfe hat noch nicht angerufen; ich melde mich da einfach morgen früh wieder.

LG
Carmen

Dante
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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Dante » 24.04.2020, 11:54

Hallo Toivo & Willkommen im Forum! :D

- Selbstschutz zuerst
- Hilfe anbieten
- konsequent jegliche Suffbegleitung ablehnen (& dies auch unmissverständlich ansagen!)
- Selbsthilfe für dich selbst organisieren
- Rücksprache mit Profis zu dem Thema

Alles richtig gemacht. ;)

Toivo Ja Voima
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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Toivo Ja Voima » 24.04.2020, 15:03

Hallo Carmen und Dante,
ja das hört sich doch gut an. Dann bin ich auf dem richtigen Weg.

Es ist auch gut sich hier im Forum austauschen zu können und durch das Lesen anderer Beiträge auch viel zu erfahren.

Wünsche euch ein schönes Wochenende

Carmen
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Re: Familiensucht-Eine unendliche Geschichte-Jetzt meine Schwester

Beitrag von Carmen » 05.05.2020, 16:01

Hallo Toivo,

ich wollte mal fragen, wie die aktuelle Lage ist und ob Du schon mit Deiner Schwester unter vier Augen sprechen konntest.

LG
Carmen

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