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Ich bin müde

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 18.07.2020, 22:50

Mein Handy war ein paar Stunden im Flugmodus. Als ich es wieder eingeschaltet habe, hatte ich 15 Anrufe in Abwesenheit und ein paar Nachrichten, über verschiedene Kanäle. 😨
Das ist krank. Ihr hattet recht. Wie immer. In meinem Urlaub bin ich ein paar Tage weg. Bei Freunden. Das wird mir guttun. 😏

Carmen
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Carmen » 18.07.2020, 23:01

Hallo Lilli,

ich bin selbst Alkoholikerin und kann Dir nur sagen, dass diese Suffnachrichten und Anrufe rein garnichts mit Dir zu tun haben. Dein Ex sucht nur einen Wirt, den er anzapfen kann. Klingt hart, ich weiß. Aber ihm geht es nicht um Dich, sondern nur um ihn und sein Selbstmitleid. Sobald er die nächste Co in Aussicht hat, bist Du ganz schnell vergessen.

LG
Carmen

Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 20.07.2020, 08:41

Hallo Carmen,
im Moment scheint es so zu sein, dass er sich auf seine Ex fokussiert. Sie ist ja irgendwie noch immer Co-Abhängig, scheint es mir. Die beiden waren fast 25 Jahre zusammen und sie sorgt sich noch immer um ihn und redet ihm gut zu und versucht ihn von einem Entzug zu überzeugen.

Die erwartete Entschuldigung von ihm kam übrigens gestern Mittag. Kein Anruf, nur eine Nachricht und wieder mal das Versprechen, etwas ändern zu wollen. Und dass er jetzt auch bereit für einen Entzug in der Klinik ist und Infomaterial schon vorliegen hat. Das war allerdings gestern, die Versprechen und die vermeintliche "Einsicht" gehen ihm an einem typischen "Tag danach" immer sehr leicht über die Lippen.

Ich habe ihm nach langem Überlegen geantwortet. Dass ich mich für ihn freue, wenn er den Entzug macht und dass ich in der aktuellen Situation den Kontakt mit ihm nicht mehr will. Dass er sich aber nach erfolgreicher Therapie gerne melden kann und wir sehen dann weiter. Aber eben erst dann und vorher möchte ich keinen Kontakt mehr.

Ob er das ernst nimmt, weiß ich nicht. Aber ich fühle mich jetzt besser. Selbst wenn er jetzt noch einmal betrunken bei mir anruft, habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, ihn zu blockieren.

Ich hatte gestern Abend wieder dieses Gefühl der Einsamkeit. Bin zwar irgendwie stolz auf das Erreichte und froh, nun Zeit für mich zu haben. Trotzdem überkommt mich immer wieder dieses flaue Gefühl im Magen. Ich fühle mich allein und habe (vorübergehend) Angst, das alles nicht zu schaffen. Ich habe bisher viel erlebt und bin nach dem Hinfallen auch immer wieder aufgestanden. Aber trotzdem gibt es diese Momente im Leben, in denen mir alles zuviel wird. Das heißt, dass ich mich jetzt auch noch intensiver selbst um einen Therapieplatz bemühe. Ich denke, das hilft mir jetzt auch. Und ich hoffe, dass ich nicht erst in 10 Monaten einen Termin bekomme. :(

Cadda
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Cadda » 20.07.2020, 09:44

Lilli, ich finde es super, was Du ihm da geschrieben hast. Genau richtig ausgedrückt!!

Einsame Tage wird es gerade in der ersten Zeit nach der Trennung noch öfter geben. Aber das schaffst Du!

Sunshine_33
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Sunshine_33 » 20.07.2020, 12:55

Hallo Lilli,
ich möchte Dir auch mal meinen Respekt aussprechen, wie gut Du bisher alles geschafft hast.
Denn einfach ist das ganz sicher nicht !
Und trotzdem notwendig, wenn Dir Dein eigenes Leben noch was wert ist.
Sie froh, das Du da nun erstmal raus bist, alles weitere wird sich finden...
Ich hatte gestern Abend wieder dieses Gefühl der Einsamkeit. Bin zwar irgendwie stolz auf das Erreichte und froh, nun Zeit für mich zu haben. Trotzdem überkommt mich immer wieder dieses flaue Gefühl im Magen. Ich fühle mich allein und habe (vorübergehend) Angst, das alles nicht zu schaffen. Ich habe bisher viel erlebt und bin nach dem Hinfallen auch immer wieder aufgestanden. Aber trotzdem gibt es diese Momente im Leben, in denen mir alles zuviel wird.
Hach... und ich liebe das Alleinsein sooo sehr ! :D
Seit mein Mann in Rente ist, hat sich einiges geändert, unter anderem auch die Möglichkeit, viel allein zu sein.
Davor war ich oft allein und habe das auch auf eine gewisse Art genossen :wink:
Keiner, der mir reinquatschte, Freizeit, die ich gestalten konnte wie ich wollte, dazu das Abenteuer, ein fremdes Land kennenlernen zu können, ich trauere diesen Zeiten direkt etwas nach :oops:
Ich liebe auch mitunter die Einsamkeit, suche sie auch immer wieder und brauche das auch !

Gegen Einsamkeit kann man aber auch was tun, wenn man anfängt, darunter zu leiden.
Dann geh unter Leute, suche Dir neue Freunde, baue Dir einen eigenen Bekanntenkreis auf oder erweitere den vorhandenen!
Manchmal hilft schon ein Stadtbummel, ein Besuch in nächsten Freibad oder ein Spaziergang im Park, wo auch andere Menschen sind.
Und oftmals ergibt sich so auch das ein oder andere Gespräch...und mitunter auch mehr.

Hast Du ein bestimmtes Hobby? Dann bilde Dich darin weiter, gerne auch mit anderen zusammen.
Ich habe mir beispielsweise durch die Wiederbelebung meines Hobbys Fotografie einen ganz neuen Freundeskreis aufgebaut, der nun schon seit fast 10 Jahren besteht.
Ich musste da allerdings selbst hingehen und aktiv werden (und auch bleiben)... denn sie hätten sicher nicht an meiner Tür geklingelt und gefragt, ob ich Bock zum Mitmachen habe... :wink:
Baue Du Dir doch auch neue Kontakte auf, oder spricht was dagegen?
Hilft auf jeden Fall gegen die Einsamkeit.

Deinem Ex hast Du ne eindeutige Ansage gemacht, die völlig okay so ist, er kann nun handeln oder es auch sein lassen.
Du hast ihm seine Eigenverantwortlichkeit zurück gegeben oder darauf aufmerksam gemacht (weiß nicht, wie weit Du Dich da schon involviert hattest?)
Ob es bei Worten bleibt oder Taten folgen, steht in den Sternen.
Ich habe auch mehrmals versprochen, weniger zu trinken und bliblablubb... allerdings nie, ganz aufzuhören.
Ich tat das allerdings hauptsächlich, um die Wogen zu glätten und weiter machen zu können wie bisher.
Es gab auch diverse Versuche, aufzuhören... aber mir war zu dem Zeitpunkt gar nicht klar, das ich allein gar keine Chance gegen die Krankheit hatte.
Ich konnte erst aufhören, als ich professionelle Hilfe bekam, und keinen Tag eher.

Worte sind bei einem nassen Alkoholiker oftmals nur Schall und Rauch und verfolgen einen ganz gewissen Zweck.
Weit seltener folgen allerdings Taten... aber die sind das EINZIGE, was ZÄHLT !
Denke da bitte immer dran.
Oder wie Hartmut immer schreibt: Tun kommt von tun!
(Und nicht vom Rumlabern, so mal als Ergänzung von mir persönlich :wink: )

LG an Dich, und halte die Ohren steif und tu bitte was gegen Deine Einsamkeit, um da nicht noch weiter reinzugleiten und am Ende dadurch CO-rückfällig zu werden.
Sunshine

Lilli1990
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Lilli1990 » 21.07.2020, 08:05

Liebe Sunshine,
ich bin grundsätzlich eine sehr offene Person und gehe entsprechend auf andere Menschen zu. Ich bin viel draußen in der Natur (spazieren, walken, usw.) und komme auch immer wieder mit anderen ins Gespräch. Meinem Hobby kann ich zurzeit nicht nachgehen, da es in diesem Verein noch zuviele Einschränkungen durch Corona gibt. Am nächsten Wochenende besucht mich eine Freundin und hilft mir in der Wohnung. Sie fährt dafür extra 500 km. Ich freue mich total darauf.
Ansonsten telefoniere ich oft mit Freunden.
Es ist keine "richtige" Einsamkeit, sondern eher ein immer mal wieder plötzlich auftauchendes "komisches" Gefühl (innere Leere, Herzrasen, Panikattacken, usw). Ich spüre dann, wie mich die Angst beschleicht. Und ich merke in diesen Momenten, dass mich das alles doch mehr belastet hat, als ich es mir vorher eingestehen wollte. Ich war ja immer die "Starke", die alles im Griff hat.

Er hat mir gestern übrigens noch einmal geschrieben. Dieses Mal ohne Vorwürfe und Selbstmitleid. Dass er sich in einer Klinik angemeldet hat, dass er aber erst ab Mitte August mit der Entgiftung starten kann. Falls vorher ein Platz frei wird, evtl. auch schon früher. Dazu hat er mir einen Link von der Klinik geschickt. Und mir geschrieben, dass er seinen Chef nun auch informiert hat. Vielleicht habe ich mit meinem Auszug ja nun doch den Stein ins Rollen gebracht. Aber ich bleibe trotzdem dabei, dass er das jetzt erst einmal für sich machen muss und ich bin nach wie vor skeptisch. Wenn er jetzt einige Tage oder sogar Wochen nichts trinkt, wird er wieder leichtsinnig.

Ich bin mir darüber bewusst, dass ich mich noch viel zu sehr dafür interessiere, was er macht und wie es ihm geht. Aber es wird besser und ich sehe es als einen "Entwöhnungsprozess" an. :)

lütte69
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Re: Ich bin müde

Beitrag von lütte69 » 21.07.2020, 08:28

Liebe Lilli,

Du hast so viel geschafft in so kurzer Zeit. Klar, dass die Gefühle da nicht gleich hinter her kommen. Ich kann mich gut an diese "Allein-Sein"-Momente erinnern, wo ich auf meinem Bett gesessen und Rotz und Wasser geheult habe. Mir gedacht habe, dass es nicht so schlimm war mit ihm, wie jetzt so allein, aber das verging zum Glück irgendwann. Ich hatte viel Arbeit zu der Zeit und war viel unterwegs, hab versucht mich ganz doll abzulenken.

Lass ihn mal in Ruhe sein Ding machen. Gut für ihn, wenn er die Kurve kriegt. Ihr könnt dann immer noch gucken, ob es wieder passt. Erstmal bist Du wichtig.

sonnige Grüße
Lütte

Sunshine_33
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Re: Ich bin müde

Beitrag von Sunshine_33 » 21.07.2020, 10:07

Es ist keine "richtige" Einsamkeit, sondern eher ein immer mal wieder plötzlich auftauchendes "komisches" Gefühl (innere Leere, Herzrasen, Panikattacken, usw). Ich spüre dann, wie mich die Angst beschleicht.
Weißt Du, was ich denke, Lilli?
Alles, was neu und ungewohnt ist, verursacht erstmal ein Gefühl des "Nicht-Richtig"-Seins.
Zumindest geht das mir so und ich habe es auch von anderen schon öfters so gehört oder auch hier gelesen.

Beispiel:
Als ich aufhörte zu arbeiten, war das für mich die richtige Entscheidung und sie war auch wohl überlegt.
Ich hatte aber zu dem Zeitpunkt fast 33 Jahre Berufsleben hinter mir und war es also gewohnt, arbeiten zu gehen.
Ich fiel auch in kein großes Loch oder so, aber lange Zeit fühlte sich meine Entscheidung trotzdem falsch an.
Nicht die ganze Zeit, es war mehr so ein Aufblitzen von Gefühlen und das fühlte sich dann immer unbehaglich an.
Sogar heute noch, fast 9 Jahre später, gibt es, wenn auch selten, noch dieses aufblitzende Gefühl.
Mit meiner Entscheidung habe ich allerdings nie gehadert, trotzdem war und ist es so.

Dann, vor 4 Jahren erlebte ich ähnliches...
Mein Mann war viele Jahre in Russland beruflich tätig und kam nur alle 14 Tage über WE nach Hause.
Nach der Überwindung meiner Flugangst konnte ich ihm vor 4 Jahren dann nach Russland folgen, wir lebten von da an halb hier in D und halb in Russland.
Ich reiste das erste mal voller Vorurteile mit, die ich schon nach ein bis zwei Tagen komplett über Bord werfen konnte :lol: es stimmte rein garnix davon.
Im Grunde liebte ich Russland von der ersten Minute an, und in den letzten 4 Jahren ist es mir wie eine zweite Heimat geworden.
Ich liebe es dort zu sein, freue mich immer drauf, wenn wir wieder rüber fliegen und alles ist gut. :)
Und TROTZDEM: Manchmal liege ich dort abends im Bett und denke, ach Du meine Güte, ich bin so weit weg von Zuhause, ich gehöre doch gar nicht hier her, es ist falsch, hier zu sein und es fühlt sich in dem Moment auch falsch an.
Weil es immer noch manchmal ein bisschen ungewohnt ist.
Wenn ich dann aufstehe, und aus dem Fenster schaue und daran denke, was ich am nächsten Tag unternehmen werde, wo ich hinfahren könnte, wo vielleicht tolle Fotomotive sind oder so, dann ist das Gefühl auch ruck-zuck wieder weg und alles ist wieder gut.

Verstehst Du, wie ich es meine?
Manche Entscheidungen SIND richtig, und auch wohlüberlegt und alles... und trotzdem können sie sich erstmal oder auch für längere Zeit falsch anfühlen.
Dieses Gefühl kommt... geht aber auch wieder :wink:
So zumindest meine eigene Erfahrung. :)

Und nochmals zu Deinem XY:
Noch ist alles Gelaber bzw. Geschreibsel... er hat definitiv noch nichts in eine sichtbare und überprüfbare TAT umgesetzt, oder?
Ich könnte auch lustig links verschicken und mir was ausdenken, wann ich dort zur Entgiftung gehe und bliblablubb...
Alkoholiker sind da sehr erfinderisch...um ihren CO so schnell wie möglich wieder auf die Rolle zu bekommen.
Und manchmal meint man es auch tatsächlich so.
Leider verfliegen derartige Versprechungen aber auch oftmals sehr schnell wieder.
Weil man auf einmal wieder der Meinung ist, es doch allein schaffen zu können, weil man mal ein paar Tage alkfrei sein konnte.
Man beginnt, sich wieder alles schön zu reden, davon rumzulabern, das man doch kontrolliert trinken könnte, weil man die Pulle doch wieder am Hals hatte...und alles beginnt zeitnah von vorn.
Alles selbst so erlebt und auch praktiziert.
Dein Ex darf erstmal Nägel mit Köpfen machen, und er muss Dich ja auch nicht von jedem Schritt unterrichten, er ist doch kein Kind mehr, sondern schon groß, nicht wahr?
Es ist so auch nicht gut und auch in meinen Augen nicht okay, seinen Partner oder andere nahestehende Personen da so mit reinzuziehen in die ganze Sache.
In Deinem Fall sehe ich es sogar so, das er Dich da fest mit einbinden will, um Dich sozusagen damit auch festhalten zu können.
Lasse Dir bitte nicht solche neuen Verantwortungs-Fesseln anlegen, wo Dich Dich gerade erst mühevoll frei gestrampelt hast !
Er ist selbst für sein Leben verantwortlich, auch dafür, die Entgiftung einzuleiten und dann weitere Schritte zu gehen.
Lass ihn da erstmal machen...und zwar ALLEIN. Du bist nicht seine Mama und er ist kein Kind mehr.

LG Sunshine

LG an Dich

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