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Ist es überhaupt möglich?

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

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Xlausi
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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Xlausi » 31.01.2021, 12:14

Ich verstehe Dich zu 100%. Sie wollte heiraten, Kinder, endlich ankommen. Ich hätte ihr vieles bieten können, inklusive diverse Absicherungen. Also eigentlich alles was sich eine Frau wünscht. Und dennoch konnte sie das alles nicht annehmen / realisieren / greifen. Und ich tue mich auch noch schwer zu realisieren, das sie die Einsamkeit und ihr "altes" trauriges Leben gewählt hat. Alkohol und 0, anstelle von Zukunft, die sie sich gewünscht hat. Das ist bitter. Aber muss man irgendwie mit der Zeit zu 100% akzeptieren. Wir werden diese Menschen niemals verstehen können.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Also müssen wir uns wieder auf uns fokussieren, an unserem eigenen Glück arbeite. :!:

Xlausi

Maddie
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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Maddie » 31.01.2021, 13:37

Hallo Harley,

ich habe Deinen Thread gelesen und mag Dir auch gerne etwas schreiben.

Ich bin noch ganz neu dabei. Traue mich endlich, hier zu schreiben, nachdem ich über zwei Monate nur still mitgelesen habe. Ähnlich wie bei Dir, hat sich das anfangs für mich wie „Verrat“ angefühlt oder als würde ich ihn hintergehen.

Vieles aus Deinem Thread erkenne ich 1:1 wieder. Auch bei anderen hatte ich, als ich das Forum gefunden und die Beiträge regelrecht verschlungen habe, immer wieder das Gefühl, ich würde von mir lesen.
Bin selber gerade dabei, mich aus den Co-Strukturen frei zu strampeln, auch ich kämpfe mit Ängsten vor dem Verlassenwerden, das macht leider vieles so schwer.

Wie schätzt Du die Endgültigkeit dieser nächtlichen WhatsApp denn ein? Ich frage deshalb, weil ich diese Trennungsspielchen im betrunkenen Zustand selber kenne. Gerade wenn er von Deinen Ängsten weiß, könnte es auch sein, dass er das benutzt, um Dich klein zu halten und wieder mehr Richtung Abhängigkeit zu drängen (unbewusst).
Mach Dir in jedem Fall Gedanken darüber, was DU willst und wie Du ihm entgegen trittst für den Fall, dass er heute noch oder in den nächsten Tagen wieder angedackelt kommt.

Harley_quinn
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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Harley_quinn » 31.01.2021, 19:14

Danke für eure Antworten. Ich fühl mich so Gott verdammt allein.... Als hätte man mir den Boden unter den Füßen weg gezogen. Das verrückte an der Sache ist aber, dass ich mich mit dem Thema Trennung so oft auseinander gesetzt habe und jetzt wo es so zum Greifen nah ist bekomm ich Panik...
Ich versuche wirklich klar zu denken aber es verschluckt mich stellenweise immer wieder und ich ertappe mich bei dem Gedanken dass ich mir wünschen würde dass das alles nur ein böser Traum ist. Wobei dich wahrscheinlich eher die Frage gestellt werden sollte, ob nicht die komplette Beziehung dieser böse Traum ist. Ich weiß der richtige Weg sollte sein stark zu bleiben FALLS er angedackelt kommt... Ich weiß nicht ob ich es schaffe.

Maddie
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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Maddie » 31.01.2021, 20:11

Liebe Harley,

ich kann Deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Das ist gerade ganz viel Co, was da aus Dir spricht. Überlege bitte, wie oft hast Du Dich schon mit ihm in der Beziehung allein gefühlt? Wie oft hat er Dich versetzt? Ist es nicht eher ein Traum, dem Du nachtrauerst, der sich ohnehin nicht erfüllt hätte?
Versuche, Deine Gedanken zu sortieren, nach „inneres Kind“ und „Erwachsener, der auf Dich aufpasst“. Mir hilft es, diese beiden Stimmen zu unterscheiden und voneinander abzugrenzen.

Du hast geschrieben, Du möchtest eine Beziehung mit ihm ohne Alkohol. Ich fühle das total und es hat sehr lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass es diesen Mann nicht ohne Alkohol geben wird. Trotz der ganzen „ich hör damit auf“ - Bekundungen. Keine Veränderung, so absolut null Bewegung, nichts.
Sich gegen das Herz und für den Verstand zu entscheiden, ist das Härteste überhaupt. Aber stelle Dir die Alternative vor: ihr bleibt zusammen und er ändert nichts. Du wirst nicht glücklich, würdest so viel wertvolle Zeit damit verbringen, in einer Hoffnung zu verharren, dass alles gut wird. Aus der Hoffnung heraus würdest Du vielleicht mit ihm zusammen ziehen. Dann nimmt die ganze Dynamik nochmals deutlich mehr Fahrt auf. Du bist dann wie selbstverständlich zu Hause, also wird er sich noch weniger bemühen. Du hast keinen Rückzugsort mehr, wärst ihm und seinem Zustand viel mehr ausgeliefert. Wenn Du es schaffst, zu Hause als alkoholfreie Zone durchzusetzen, wird er gehen. Trinkt woanders. Und Du bleibst allein zu Haus.
Ich habe irgendwo in dem Alkoholiker-Thema gelesen, dass man den Gedanken - im Falle eines drohenden Rückfalles - zu Ende denken soll. Ich finde, das kann man auch auf den Co übertragen.

Nimm Dir Zeit, trauere, versuche, Dich abzulenken. Immer von einem Tag zum nächsten.

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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Xlausi » 31.01.2021, 20:37

Maddie umschreibt es sehr schön. Aber er hat 0 Einsicht, will nichts ändern und trinken. Das Rad, bzw. Eure Beziehung, wird sich nicht neu erfinden, bzw. plötzlich ohne zutun positiv verändern. Wie soll das funktionieren? Selbst wenn du die Pille schluckst, und eines Tages dann ein Kind. Willst Du deinem Kind sowas antun, ein Vater der alles dem Suff unterordnet? Und die Spirale geht tiefer. Jetzt ist es vielleicht für Dich noch "erträglich". Aber wie tief geht´s noch?

Ich hätte die ersten Wochen / Monate auch in die Beziehung zurück gekonnt. Wie schrieb sie mir mal süffisant, "Liebe kennt keine Differenzen". Aha, also soll Liebe ihre Sucht / Krankheit, und die damit verbunden Eskapaden verzeihen / akzeptieren? Während sie unbeeindruckt weiter ballert und im wahrsten Sinne wild um sich schlägt? Ist dass etwa das brasilianisches Temperament? Wohl nicht. Es wird sich nichts, aber auch gar nichts ändern. Warum? Weil die weiter, unbeeindruckt und ohne Störungen von außen, saufen wollen. Tue Dir das bitte nicht an.

Xlausi

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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Harley_quinn » 31.01.2021, 22:02

Dank eurer Worte konnte ich mal den klaren Moment nutzen um auch bei euch etwas zu stöbern.
Maddie, ich erkenne mich in deiner Geschichte so gut wieder. Stunden verbracht um die Lieblingslebensmittel zu kaufen um daraus das Lieblingsgericht zu kochen um einen schönen Abend zu haben um dann um 1-2 Stunden versetzt zu werden.
Ab 17/18 Uhr täglich das zermürbende Gefühl wie er nach Hause kommt, wann er nach Hause kommt, in welcher Stimmung usw.
Wie ist denn dein aktueller Stand?

Xlausi, danke für deine aufmunternden Worte. Mein Kopf weiß das ich das nicht möchte, aber meine Gefühle und mein Herz spielen irgendwie in einer ziemlich massochistischen Liga... Ich sollte die Beine in die Hand nehmen und soweit laufen wie ich kann.

Womit ich mich aber weiterhin konfrontiert fühle ist das Problem Nein sagen zu können. Mich ihm zu widersetzen. Er sagt er will kommen. Ich traue mich nicht nein zu sagen. Die Abmachung lautet komm nüchtern oder gar nicht. Er kommt angestochen und das Einzige was ich zu bieten habe ist emotionale und körperliche Distanz gepaart mit abwertenden Bewertungen, die dann meist zum Streit führen. Anstatt ihn direkt nach Hause zu schicken, da er meine mir hart erarbeiteten Grenzen übergangen hat. (ich habe knapp 1,5 Jahre an mir arbeiten müssen um diese Grenze auszusprechen)

Wie schafft ihr das so konsequent zu bleiben... Ich habe heute meine Therapeutin kontaktiert weil ich dringend ein auserterminliches Gespräch mit ihr benötige... Ich habe so Angst vor den nächsten Stunden, Tage, Wochen....

Morgenrot
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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Morgenrot » 31.01.2021, 23:13

Hallo Harley,
Wie schafft ihr das so konsequent zu bleiben..
Es muß geübt werden, denn es ist oft mit das einzige was auch ein nasser Alkoholiker spürt. Bist du nicht konsequent nimmt er dich nicht ernst. Nasse Alkoholiker spüren ganz genau deine "Schwachstellen" nutzen sie aus und das tut als CO verdammt weh.
In dem Moment wo ihm das gelingt, hat er nämlich vom eigentlich Thema abgelenkt, und es steht wieder ein ganz anderes Thema zur Diskussion.
Das passiert deshalb, weil du gefühlt in eine Art "Verteidigungsposition" kommst und dich verteidigst.
Wenn du also diese Ansage gemacht hast, solltest du unbedingt versuchen deine Grenzen einzuhalten, auch wenn er erstmal toben wird.
Meine Grenzen hatten lange einen "Gummizaun", schlecht für mich, denn einen Gummizaun kann man dehnen. Ich hab dann oft gedacht, ist ja nur ein wenig. So bleiben Grenzen unbeachtet, und der nasse Alkoholiker latscht dir ohne Rücksicht über deine zarten Pflänzchen.
Ich habe es erst im nachhinein so sehen können, wenn du mittendrin steckst ist es oft schwierig.


lg Morgenrot

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Re: Ist es überhaupt möglich?

Beitrag von Maddie » 01.02.2021, 01:27

Ich kenne das Problem mit dem Nein sagen auch zu gut. Ich denke, das ist ziemlich komplex an der Stelle.
Nun ist es ja so, dass wir in den Momenten, in denen wir bei gewissen Fragen nein sagen müssten, irgendwo tief im Inneren bereits spüren, dass das die richtige Antwort wäre, diese aber von ganz starken anderen Stimmen aus der Co-Richtung überlagert wird. Und sofort ist der innere Konflikt da, bei dem es eigentlich in dem Moment gefühlt kein Gewinnen, sondern nur noch ein Verlieren gibt.
Hört man auf die richtige, innere Stimme, sagt nein, dann hat man zwar für sich eingestanden, hat aber möglicherweise den Ärger mit dem Partner, bekommt Ablehnung (also genau das, wovor man Angst hatte). Hört man auf die Co-Stimme, hat man den Ärger drinnen im Körper, hat es zwar kurzzeitig geschafft, für den nassen Partner wieder eine gute Freundin zu sein, ist mit sich selbst aber komplett im Unreinen. Weil es gegen das eigene Gefühl / über die Grenze geht.
Und das alles nur, weil diese Grenzen ständig mit solchen Fragen getestet werden. Er hat getrunken und fragt, ob er vorbei kommen darf. Du wirst Dich wahrscheinlich sofort in diesem inneren Konflikt wiederfinden.
Wenn ihr diese Abmachung getroffen habt, Treffen nüchtern oder gar nicht, ist das reine Stellen dieser Frage bereits ein in-die-Ecke drängen. Würde er Dich ernst nehmen und hätte er eingesehen, worum es Dir geht, würde er meiner Meinung nach diese Frage gar nicht erst stellen, sondern nach Hause tüdeln und Dich am nächsten Tag nüchtern (!) nach einem Treffen fragen.

Ich kam irgendwann an den Punkt, da nahm ich lieber den Ärger mit xy in Kauf, als über meine eigenen Grenzen zu gehen. Für diese Erkenntnis musste ich aber sehr viel erdulden und ertragen. Ganz viel rücksichtsloses und immer wieder grenzüberschreitendes Verhalten. Bis das Fass sprichwörtlich voll war. Mit meinem Widerstand (z.B. beim Thema Alkohol kaufen, oder Party zu Hause wenn ich nä. Tag arbeiten muss, das habe ich irgendwann knallhart verweigert und „verboten“) wurde es nicht besser, es hat sich eher verlagert und mich zum Antichristen gemacht, aber ich habe meine Grenzen gewahrt und das hat sich innerlich gut und richtig angefühlt und davon konnte ich zehren.
Das alles ist ein Prozess, das ist mir bewusst. Aber ich denke, wenn Du bereits den Keim in Dir spürst, wird er wachsen.
Inzwischen ist es sogar soweit, dass derartige Fragen - bei denen man eigentlich keine richtige Wahl auf Augenhöhe hat - kaum noch einen inneren Konflikt in mir auslösen und ich da keine Scheu oder Angst mehr habe, für meine Grenzen passend zu antworten. Das hat auch sicherlich damit zu tun, dass ich eine ziemliche Distanz aufgebaut habe und mich ganz stark von ihm abgegrenzt habe.
Und siehe da - die letzten Wochen keine Grenzen auslotenden Fragen mehr.

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