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Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Mo1009
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Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 11.07.2020, 05:29

Hallo,
Mein Freund ist Alkoholiker!

Ich werde euch meine Geschichte erzählen, die zwar erst von kurzer Dauer aber doch intensiv ist. Sie wird etwas länger werden.

Alles begann 2018 auf meiner Arbeit. Jede Woche kam ein Mann. Er war sehr muskulös und wirkte nach außen sehr böse. Aber seine Augen sagten mir etwas anderes. Sie waren ehrlich, liebevoll und auch sehr traurig. Von Anfang an fühlte ich mich stark zu ihm hingezogen. (Im Nachhinein stellte sich heraus bei ihm war es genauso)

Da ich wieder in meinen alten Beruf zurück wollte und er in derselben Branche arbeitete, bewarb ich mich bei seinem Chef. 3 Monate später waren wir dann Arbeitskollegen.
Mir wurden von einigen Kollegen schauergeschichten über ihn erzählt (Alkoholprobleme, Straftaten, Aggressionen und große familiäre Probleme) doch all das reizte mich noch mehr ihn näher kennenzulernen.

Irgendwann lud er mich zum grillen ein.
Als ich gegen 17 Uhr bei ihm ankam, merkte ich schnell das er schon gut einen getrunken hatte. Er trank immer Rosé Wein. Da Wochenende war dachte ich mir nicht viel dabei.

Ab dann war ich öfters bei ihm, jedes mal trank er seinen Wein. Egal zu welcher Uhrzeit. Da ich von den Kollegen schon informiert war, ahnte ich schon, dass er ein Problem damit hat.
Schnell hatte er Vertrauen zu mir gefasst und erzählte mir all seine Geschichten von Verhaftungen, einstweiligen Verfügungen, seinen Gewaltausbrüchen, seine Strafzahlungen und teilweise schweren Unfällen unter Alkohol.

Sehr oft mochte ich ihn Abends nicht alleine lassen. Er ist viel in meinen Armen eingeschlafen. Oft hat er sich auch in seinem Zustand bei mir ausgeweint.
Ich fühlte mich mehr und mehr zu ihm hingezogen. Ich spürte was für ein liebenswürdiger Mensch er ist, wenn er nicht trinken würde.

Schon nach 2 Wochen habe ich dauerhaft bei ihm gelebt. Nach 4 Monaten zog ich bei ihm ein. Wohlwissend auf was ich mich einlasse.
Seine ganze Familie hat mich liebevoll aufgenommen. Sie merkten sehr schnell das ich meinem Freund gut tat und Ruhe in sein und ihr Leben brachte.

Er trank immer nach Feierabend, morgens nie. Am Wochenende ab Mittag etwa. Das waren die schlimmsten Tage für mich. Je später es wurde, desto aggressiver und boshafter wurde er. Ich würde dann zu seiner Feindin. Vieles verstand er falsch. Liebgemeinte Worte und Taten wurden von ihm falsch verstanden. Sehr sehr oft hat er mich missverstanden, hat mich nicht mehr beachtet oder ist einfach gegangen.
Viele Nächte bin ich weinend eingeschlafen. Andere Nächte habe ich ihn im Park gesucht und wieder nach Hause gebracht. Denn einschlafen ohne zu wissen wo er ist, das ging nicht.

JEDES MAL, wenn er mich verletzt hat, habe ich ihm am selben Abend (oder in der Nacht wenn er schlief) einen Brief geschrieben. Was er wann getan hat und wie sehr es mich getroffen hat. Ich habe ihm nie Vorwürfe darin gemacht. Lediglich von mir und meinen Gefühlen habe ich geschrieben. Diese Briefe hat er von mir immer am nächsten Morgen ins Badezimmer gelegt bekommen. IMMER war der letzte Satz etwas sehr positives wie: ich glaube an dich! Ich habe dich heute Nacht vermisst! Ich glaube daran das alles gut wird...
Er hat sich meist nicht dafür entschuldigt, aber er war dann immer sehr nachdenklich.
Mittlerweile sind es wohl an die 70 Briefe! Jeden einzelnen hat er sauber abgeheftet. Er meint sie tun ihm gut.

Als ich ein paar Tage bei meinen Eltern zu besuch war, ist er betrunken Auto gefahren und wurde erwischt. Führerschein und Fahrzeug sichergestellt. Einweisung Psychatrie, da er sehr gewalttätig war.
Als ich dann wieder bei ihm war hat er mir die Geschichte erzählt... natürlich wieder mit dem Wein in der Hand.
Das war dann der absolute Tiefpunkt. Er trank immer mehr. Nach Feierabend mind. 2 Liter Wein. Am Wochenende sind es auch mal 3.5 Liter geworden.
Eines Samstags ist es dann ausgeartet. Seine Tochter war abgehauen. Er wollte nun "welche" beauftragen sie zu finden und die Beine zu brechen... dafür musste er von mir gefahren werden. Das tat ich auch!
Allerdings fuhr ich ihn nicht dorthin wo er hin wollte!!!
Ich hatte mir geschworen, dass ich es niemals zulassen würde, dass er etwas tut, was er später sehr bereuen würde. Also fuhr ich mit ihm kreuz und quer durch die Stadt (er war viel zu betrunken um es zu merken) als er es dann doch bemerkte und während der Fahrt aussteigen wollte, um mit Bus weiter zu fahren, musste ich reagieren...
Ich fuhr wie eine Irre durch die Stadt, ich durfte auf keinen Fall stehen bleiben. Also ab auf die Autobahn! Tank war voll 500km konnte ich locker fahren. (Er schläft ja meist ein)
Ich schrieb seine Tochter an, dass sie sofort nach Hause kommen soll. Seine Schwester bat ich per WhatsApp um Hilfe... aber es war ja mitten in der Nacht.
Nach etwa 80km merkte er es dann doch und flippte aus. Er drohte die Handbremse zu ziehen, schlug auf das Armaturenbrett ein, beschimpfte mich aufs übelste. Er zwang mich auf dem Standstreifen anzuhalten.
Dort stieg er aus, haute auf den Kofferraum. Dann schaute er mich böse an und meinte ich solle ihn gefälligst da hin bringen wo er hin will. Ansonsten ruft er die Polizei!
Ich fuhr also wieder zurück (langsam).
Dann plötzlich ein Sinneswandel. Ich sollte zur Wohnung seines verstorbenen Vaters fahren. Dort angekommen hat er viel geweint und von ihm geredet. Ich tröstete ihn.
Dann nach etwa 2 std rief endlich seine Schwester bei ihm an... sie brachte ihn dazu, dass wir nach Hause fuhren. Sie wolle sich um seine Tochter kümmern.

Dort angekommen wartete seine Tochter schon auf uns. Ich war fix und fertig. Ich zitterte am ganzen Körper. Hatte einen Weinanfall und konnte nicht mehr stehen. Ein Nervenzusammen muss so ähnlich sein. Ich ging ins Bett, ich konnte nicht mehr. Seine Tochter hat sich dann um mich gekümmert. Später kam mein Freund und hat mich in den Arm genommen, aber nichts gesagt.
Noch in der Nacht, als er schlief habe ich ihm all das aufgeschrieben damit er nachlesen kann was er getan hat.
Die nächsten Tage war er sehr ruhig und er trank von da an weniger.

Wochen später dann seine MPU wegen Führerscheinneubeantragung. Natürlich negativ und er muss 12 Monate Abstinenz nachweisen!!!
Zudem soll er zu einer Suchtberatungsstelle gehen.
Ist das machbar fragte ich mich... ich machte mich schlau wie das von statten gehen kann. Er sagte er hört am 15.7. Mit dem trinken auf. Dann 12 Monate nix mehr!
Das dies mit gewissen Gefahren verbunden ist, wusste er nicht. Ich klärte ihn über den kalten Entzug auf (aus dem Internet)
Ich hatte Angst ob er das wirklich durchsteht und wie es abläuft. Er hatte vorher schon extrem stimmungsschwankungen, aber wie wird das erst wenn er auf entzug ist.
Auch mit den Kindern habe ich darüber gesprochen damit sie vorbereitet sind. Unserem Chef habe ich heimlich Bescheid gegeben damit er sich drauf einstellen kann, falls mein Freund doch in die Klinik muss.
Schnell war DER Termin da. Ich war gespannt was passiert. Auf jede Situation habe ich mich eingestellt.
Mein Freund zeigte keinerlei Entzugserscheinungen. Auch war er guter Laune. Nachts auch alles ok.
Von da an war er dann also trocken und ich happy.
Es dauert einige Monate bis ich mich auf die neue Situation eingestellt hatte. Ich konnte ruhig schlafen. Keine boshaftigkeiten mehr. Keine Angst mehr vor den Wochenenden. Da merkte ich zum ersten mal was es bedeutet Co Abhängig zu sein. Welche Last mir von den Schultern fiel.
Ich hatte immer versucht ihm den Rücken freizuhalten. Probleme aus der Welt schaffen bevor sie bei ihm ankommen. Vieles im Haushalt oder an Papierkram habe ich ihm abgenommen. Sobald er etwas wollte habe ich es gemacht. Denn jeglicher Stress führte damals dazu, dass er mehr trank worunter ich dann leiden musste.

In seiner trockenen Phase hat er dann auch einen MPU vorbereitungskurs besucht. Dort hat er sich zum ersten mal mit dem Thema alkoholiker befasst. Aber sich selbst sieht er (noch) nicht als einer.
Da er für die Abstinenz Urin abgeben musste, kam er schnell auf den Trichter das er ja freitags Bier trinken könne. Die rufen ja frühestens am Montag zur urinabgabe und dann ist der alkohol raus.

Er fing dann wieder an zu trinken. Aber kontrolliert. Freitags max 5 Bier, sonst nichts.
So überstand er die 12 Monate "Abstinenz".

Es waren die schönsten 12 Monate mit ihm. 12 Monate Sche***, 12 Monate Klasse!

Zwischendrin hatte ich immer überlegt was ist wenn der Tag X da ist an dem er seinen Führerschein wieder hat. Trinkt er dann wieder? Wird er so wie früher?
Er hat in den letzten Monaten sehr oft gesagt wie happy er ist, das er den scheiß hinter sich hat. Nie wieder soll es soweit kommen.
Aber schafft er das auch wirklich? Immerhin hat er oft genug auch davon gesprochen das wir einiges nachholen wenn er durch ist. Er will mit mir Bierchen trinke, grillen, feiern... all das geht bei ihm nur mit Alkhol.

Tag X ist jetzt da und er kann wieder trinken und tut es auch! Bier - kontrolliert. Bisher max. 8 stück (finde ich schon viel) früher habe ich auch viel Bier getrunken. Heute ist nach 2 stck meist schluß. Ich bin damit nicht mehr so entspannt. Außerdem muss ich aufhören können.
Mein Freund kann es meist nicht. Er trinkt nach Feierabend und hört erst dann auf wenn es essen gibt. Ich fühle das er schon wieder einen gewissen Zwang hat.
Vorgestern fragte er ob wir ein Bierchen wollen. Das verneinte ich- es war mir zu ungemütlich dafür. Am besten schmeckt es wenn es draußen heiß ist. Aber bei Regen - nein danke. Er nahm dann auch keins. Aber ich merkte, dass er schon gerne eins wollte. Seine Laune blieb stabil. Das entspannte mich ein wenig.
Nun schaue ich mal was die nächsten Wochen so bringen werden. Anfang August ist MPU angesagt. Ich glaube nicht das er durchkommt, da er schon häufiger wg alkohol am Steuer auffällig geworden ist. Außerdem hat er die suchtberatungsstelle nicht aufgesucht, obwohl es eine Empfehlung dafür gab.

Da ich zwischendrin drohte unterzugehen, hatte ich schon die Reißleine gezogen. Ging meinem Sport nach oder kümmerte mich bewusst um meine Dinge.
Für mich ist Fakt, dass ich NICHT bei ihm bleiben kann, sollte er wieder regelmäßig trinken. Diesen dauernden Stress halte ich nicht nochmal aus.
Aber ich wünsche mir sehr das er den Absprung schafft, denn so einen Menschen finde ich nicht wieder. Wir sind Seelenverwandte. Bereits nach kurzer Zeit haben wir uns blind verstanden. Wir sind auf einer Wellenlänge, dieselben Interessen, dieselben Einstellungen, wir ergänzen uns zu 100%. Trotz dieser ganzen Geschichte fühle ich mich mehr zu ihm hingezogen als früher.

ABER es würde mich kaputt machen wenn es wieder wie früher wird. Ein kontrolliertes trinken wird in seinem Stadium nicht möglich sein.
Ich muss jetzt aufpassen nicht wieder zu sehr in die Co zu fallen, sollte er doch extrem rückfällig werden.
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Vielen Dank fürs lesen und vllt auch kommentieren. Was ich genau damit bezwecken will weiß ich nicht. Wollte es einfach nur gerne mal loswerden.
Ballast abwerfen um wieder Platz für neuen zu haben. Habe leider niemanden mit dem ich darüber reden kann.

Dank des Forums habe ich schon viele Gleichgesinnte gesehen. Ich bin nicht alleine und weiß auch das es an mir liegt etwas zu unternehmen.
Aber alleine der Gedanke ihn zu verlassen zerreißt mir das Herz, da ich ihn wirklich sehr liebe. Es ist kein Mitleid mit ihm (das war am Anfang so) denn ich weiß wenn er will, kann er ohne Alkohol.

Das größte Problem ist, dass ich in keinster Weise Druck aufbauen darf. Denn dann trinkt er noch mehr bzw. Extra... so wird der Druck aber bei mir mehr... baue ich druck auf werde ich wiederum auch leiden. Es ist zum verrückt werden!!! Das Leid endet doch immer wieder bei mir. Egal wie ich es angehen werde.

Cadda
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Cadda » 11.07.2020, 08:29

Guten Morgen Mo,

ich hatte Deinen Beitrag heute früh schon gelesen und wollte was schreiben und dann hab ich mich wieder ausgeloggt, weil ich dachte "nee, das kannste nicht schreiben und was Anderes fällt Dir nicht ein". Dann dachte ich mir bei meinem Kaffee, dass Dir das nun auch nicht weiter hilft, deshalb hab ich mich wieder eingeloggt. Ich möchte Dir aber gleich vorweg sagen, dass ich nicht hier schreibe, um Dich zu verletzen, aber mir fällt wirklich nichts anderes ein als: Was genau erwartest Du?? Du müsstest doch bei Deiner eigenen Geschichte selbst wissen, dass sich DEFINITIV rein GAR NICHTS ändern wird. Du kommst aus der Nummer definitiv nicht anders heraus, als Dich zu trennen. In Deiner Geschichte gibt es doch nun wirklich so gar keine zwei Meinungen. Hier gibt es viele, viele Storys, aber hier springt einem die Eindeutigkeit doch förmlich ins Gesicht: Er WILL trinken und wird nicht aufhören zu trinken.

Bitte erlaube mir den Hinweis, dass Dein Freund zu keiner einzigen Zeit abstinent gelebt hat. Er hat es lediglich auf Zwang irgendwie geschafft, dass er die Menge reduziert hat, aus dem einzigen Grund, dass er seinen Führerschein wieder haben wollte. Und jetzt lass Dir mal eines gesagt sein: Ein Alkoholiker kann niemals kontrolliert trinken AUF DAUER. Dein Freund hat das lediglich hinbekommen, weil es eine absehbare Zeit für ihn war. Er wusste die ganze Zeit genau, dass er sich nur ein Jahr zusammen reißen muss, um seinen Führerschein wieder zu bekommen. Der ist nun wieder da und weiter gehts. Daran siehst Du, dass er NICHTS geschnallt hat und auch gar nichts schnallen wollte.

So, das also einmal vorweg. Er war null komma null abstinent. Wenn ich abstinent lebe, dann trinke ich gar nichts und ich WILL auch abstinent leben. Keines von beiden Dingen ist hier der Fall.

Und nun noch etwas: Du bist ja nun, wie Du selbst sagst, mit vollem Bewusstsein in Dein Unglück gerannt, denn Du wurdest ja gewarnt und es stellte sich schnell heraus, dass diese Warnungen keine Gerüchte waren, sondern der Wahrheit entsprachen. Es kann ja nur zwei Gründe geben, weshalb Du geblieben bist. Erstens: Du glaubst, dass Du diejenige bist, die ihn retten kann und ihn zu einem besseren Menschen machen kann oder Zweitens: Du willst so leben und versuchen, Dich zu einem Menschen zu machen, der solche schrecklichen Dinge in der Beziehung aushält.
Ich halte beide Gründe für krank, weil es beides Gründe sind, die nicht funktionieren. Du wirst ihn definitiv nicht ändern können und Du wirst definitiv nicht lernen können, mit so einem Menschen glücklich zusammen zu sein und gehst vor die Hunde.

Du kannst hier also nur entscheiden: Gehe ich vor die Hunde oder trenne ich mich? Denn noch einmal: Dein "Freund" wird sich zu 100 Prozent nicht ändern, daran gibt es keinen Zweifel, wenn man es neutral betrachtet. Also, was für ein Leben möchtest Du für Dich??

Mo1009
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 11.07.2020, 09:32

Cadda hat geschrieben:
11.07.2020, 08:29
ich hatte Deinen Beitrag heute früh schon gelesen und wollte was schreiben und dann hab ich mich wieder ausgeloggt, weil ich dachte "nee, das kannste nicht schreiben und was Anderes fällt Dir nicht ein". Dann dachte ich mir bei meinem Kaffee, dass Dir das nun auch nicht weiter hilft, deshalb hab ich mich wieder eingeloggt. Ich möchte Dir aber gleich vorweg sagen, dass ich nicht hier schreibe, um Dich zu verletzen, aber mir fällt wirklich nichts anderes ein als: Was genau erwartest Du?? Du müsstest doch bei Deiner eigenen Geschichte selbst wissen, dass sich DEFINITIV rein GAR NICHTS ändern wird.
Vielen Dank das du dennoch geschrieben hast. Deine ehrlichen, wenn auch harten Worte, müssen sein.
Du hast recht. Du hast sowas von Recht!!!
Ich habe die ganze Sache nie objektiv betrachtet. Deine Worte treffen mich wie ein Donnerschlag. Es stimmt alles was du schreibst. Ich habe es mir schön geredet oder schön gewünscht. Ich muss langsam mal meine Augen öffnen und sehen was wirklich los ist...
Und nun noch etwas: Du bist ja nun, wie Du selbst sagst, mit vollem Bewusstsein in Dein Unglück gerannt, denn Du wurdest ja gewarnt und es stellte sich schnell heraus, dass diese Warnungen keine Gerüchte waren, sondern der Wahrheit entsprachen. Es kann ja nur zwei Gründe geben, weshalb Du geblieben bist. Erstens: Du glaubst, dass Du diejenige bist, die ihn retten kann und ihn zu einem besseren Menschen machen kann
Ja, ich dachte (und denke immer noch ein bisschen so) das ich diejenige bin die ihm helfen kann. Die aus ihm den Menschen macht, der er eigendlich ist. Eigendlich weiß ich, dass es nicht funktionieren kann. Kopf und Herz führen da den Kampf

Was ich will.... mein Wunsch ist es, mit ihm ein wunderschönes Leben ohne Alkohol zu leben - diesen Traum werde ich aber wohl nie leben können.

Wenn er trinkt ist der Punkt da an dem ich weg will - sofort. Aber es geht nicht. Ich kann nirgends hin.
Morgens ist es dann wieder alles so schön. Zudem kommt das Problem der gemeinsamen Arbeitsstelle. Ich kann ja nicht von heute auf morgen hier weg. Mir gefällt die Arbeit sehr. Aber wenn ich mich trenne muss ich auch die Arbeit wechseln...
So viele Dinge die in meinem Kopf Rum schleudern. Ich bekomme sie nicht in den Griff.

Linde66
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Linde66 » 11.07.2020, 10:10

Ballast abwerfen um wieder Platz für neuen zu haben.
Hallo Mo,
guten Morgen. :)
Mir ist dieser Satz von dir aufgefallen.
Klar kann man hier im Forum sich einfach mal was von der Seele schreiben, Ballast abwerfen.
Aber um Platz für neuen Ballast zu haben? :shock:
Das kann ja nicht das Ziel sein, sich kompatibel zu machen für einen nassen Alkoholiker, oder?
Vielleicht kannst du es dir momentan nicht vorstellen, daß es ein Leben ohne Sucht geben kann. Aber das erfordert Entscheidungen und Arbeit an sich selber. Unabhängig davon: Es gibt nette Männer, die nicht trinken, die gesund sind und die nicht gerettet werden müssen. Oder ist es dir wichtig einen Partner zu haben, der betüddelt werden muß?
Dein Freund macht die aktuelle Trinkpause, um seinen Führerschein wieder zu bekommen. Falls er ihn bekommt, gehts dann wieder von vorne los mit dem gewohnten Leben? Wobei ich dann hoffe, daß er den Schein ganz schnell wieder los ist.
In der ganzen Zeit hast du dein komplettes Leben auf ihn ausgerichtet. Deswegen kommt dir das wie Harmonie vor. Aber der Preis den du zahlen mußt, wie hoch ist der? Die Aktion auf der Autobahn war LEBENSGEFÄHRLICH!!! Ihr hättet beide tot sein können und andere unbeteiligte Autofahrer auch.
Wenn er wieder trinkt, bzw. wieder mehr trinkt als zur Zeit, dann wird es wieder solche fürchterliche Szenen geben.
Das was du vor dir hast, ist genau der Mensch, der er eigentlich ist.
Das Wunschdenken, die tränenreichen Entschuldigungen, das Abheften der zahllosen Briefe usw. usw., das alles hält dich schön bei der Stange. Aber wie gesagt, du zahlst einen hohen Preis. Als Co eines nassen Alkoholikers hängt man in der Endlosschleife fest und meint, wenn man sich nur genug einsetzt, daß man den anderen irgendwann trocken bekommt... Und man bleibt und bleibt und bleibt. Selber gehts einem immer schlechter und der Alkoholiker trinkt immer noch.
Bei mir war es nicht der Partner, sondern meine nasse Mutter, von der ich mich loseisen mußte, sonst wäre ich kaputtgegangen.

Ich wünsche dir wirklich einen hilfreichen Austausch hier! Bitte nimm unsere Worte nicht für böse. Die meisten von uns kennen solche und vergleichbare Situationen sehr gut und wissen, wie schwer es ist rauszukommen. Aber wie gesagt, daß Ziel sollte nicht sein, neuen Ballast aufzusammeln, sondern ins Umdenken zu kommen. Ich weiß wie schwer und schmerzlich das ist, solche Gedanken zuzulassen.

Viele Grüße, Linde

Morgenrot
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Morgenrot » 11.07.2020, 10:30

Hallo Mo,
Ja, ich dachte (und denke immer noch ein bisschen so) das ich diejenige bin die ihm helfen kann.
mir gegenüber hat eine Dame von der Suchtberatung es mal so genannt.
Diese Aussage zeugt von einem gewissen Größenwahnsinn derCO`s.
Boaah was war ich sauer, aber sie hatte recht. Ich habe nicht die Macht solchen Einfluß auf einen anderen Menschen zu nehmen, ich kann niemanden vom trinken abhalten.
Sieh es doch mal nur vom Verstand, Herz und Bauch ausschalten, sonst hätte ich damals mein Verhalten nicht ändern können.
Das Zusammenleben mit einem nassen Alkoholiker ist doch keine Partnerschaft auf Augenhöhe.
Es ist und so habe ich es erlebt, als hätte ich ein zusätzliches Kind zu versorgen, nur meine Kinder wurden immer selbstständiger.
Du hast es doch beschrieben, das du ihm keinen Druck aufbauen darfst, was ist mit deinem Druck unter dem du stehst.
Ich bin um meinen nassen Alkoholiker herumgeschlichen, hab versucht alles zu tun, damit er nicht trinkt, natürlich hab ich es nicht geschafft.
Alles kreist um ihn, da gehts ihm doch "bestens", die /der CO wird es richten.
Ich fand es damals wichtig mir einen Punkt zu suchen, wo ich etwas ändern konnte, was ich aber auch durchhalten konnte.
Das ist wichtig, dieses durchhalten, denn mit jedem durchhalten wird unsere Ernsthaftigkeit untermauert. Knicken wir beim nassen Alkoholiker ein, nimmt er uns nicht mehr ernst, und wir haben verloren.


lg Morgenrot

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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 11.07.2020, 12:03

Danke euch für diese ganzen Erkenntnisse.
Eigendlich weiß ich ja was klug wäre. Wie ich als "normaler/gesunder" Mensch handeln muss bzw handeln müsste.
Aber genau da ist das Problem. Wie komme ich an den Punkt es auch umzusetzen.
So viele Gedanken kreisen in mir.
Wie wird er reagieren? Schmeißt er mich sogar raus?
Wo will ich hin (zurück in die Heimat oder hier)?
Welche Arbeit will ich/bekomme ich?
Sollte ich einen Therapeuten aufsuchen?
Muss ich erst mal an mir arbeiten?
Ich habe ein starkes Bedürfnis anderen Menschen zu helfen. Irgendwie brauche ich diese "Anerkennung" bzw. dieses Gefühl jemanden was gutes getan zu haben. Aber ist das gesund für mich? Habe ich einen psychischen Knacks den ich erst beheben muss?
Innerlich schreie ich nach Ausfmerksamkeit, Fürsorge und Anerkennung. Vllt ist das der Grund für alles. Wenn ich jmd etwas gutes tue, dann bekomme ich auch was gutes zurück??? :cry:

Ich habe diese Probleme nicht erst seit Beginn der Beziehung. Das ganze fing schon früher an. Habe es nur nicht so wahr genommen. Vllt bin ich genau aus diesem Grund der "perfekte" Partner für ihn.
Ich habe selber Erfahrungen mit einer Sucht gemacht. Ich war Sport- und Arbeitssüchtig. Jeden Tag musste ich laufen oder noch anderweitig sportlich austoben. Fast 40kg habe ich dabei abgenommen. Irgendwann kam der zusammenbrach.
Ich machte einen Schlussstrich. Trennung von meinem Mann, Umzug in eine 150km entfernte Stadt. Ein Neubeginn. Ich wusste nur so komme ich aus meinem alten Leben raus.

Jetzt muss ich das ganze wieder machen. Aus allem raus und neuanfangen? Schaffe ich das auch?

Mo1009
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 12.07.2020, 18:25

Das was mein Unterbewusstsein schon die ganze Zeit wusste, habe ich jetzt wirklich realisiert.
Auch dank eurer offenen Worte, die objektive Betrachtung der ganzen Situation wurden mir die Augen schlussendlich geöffnet.

Ich habe heute bereits die ersten Hebel in Bewegung gesetzt und suche eine wohnung bzw eine Übergangslösung. Meine Tante ist informiert und hilft.
Eine neue Arbeit habe ich so gut wie sicher - in meiner Heimat.
Zudem werde ich eine Psychologin aufsuchen. Habe mir das Buch "raus aus der Co Abhängigkeit" durchgelesen. Dabei wurde mir bewusst das ich nicht im reinen bin mit meinem "inneren Kind".

Ich muss an mir arbeiten damit ich nicht ein Leben lang solche Beziehungen eingehe. In der Vergangenheit habe ich tatsächlich meist die "schwachen & Hilfsbedürftigen" Männer als Partner gehabt.

Ich werde mein Leben neu starten. Diesesmal mit fachlicher Hilfe und dem nötigen Abstand und der Ruhe die ich brauche um mit mir ins reine zu kommen.

Ja, ich mache Nägel mit Köpfen. Ich habe schon zu Beginn der Beziehung immer wieder drüber nachgedacht, aber nie umgesetzt. Jetzt aber werde ich mein Leben wieder in die Hand nehmen.
Meinem Freund werde ich zunächst nichts davon erzählen. Damit warte ich noch ein paar Tage.
Ich hoffe ich tue das richtige. Es wird ein sehr sehr harter Weg für mich, denn ich liebe ihn wirklich sehr

Cadda
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Cadda » 12.07.2020, 18:42

Liebe Mo, ich finde das ganz, ganz klasse. Du willst wirklich etwas verändern. Du denkst jetzt, dass Du ihn so sehr liebst, dass Du ohne ihn nicht mehr glücklich sein kannst, aber das stimmt nicht. Mir ging es absolut genau so, glaub mir das. Du wirst ohne ihn wieder glücklich, es braucht bloß Zeit.

Cadda

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