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Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

Moderator: Moderatoren

Mo1009
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 14.07.2020, 12:44

Heute morgen habe ich es ihm gesagt. Natürlich hat er in den letzten Tagen gemerkt dass ich mit den Gedanken woanders war. Er wollte wissen was los ist.
Nachdem er dann zum gefühlten 20ten mal gefragt hat, habe ich ihm gesagt das ich "überlege" mir eine Wohnung und neue Arbeit zu suchen.
Er war erstmal recht erstaunt. Aber er ist ruhig geblieben. Ohne weitere Kommentare. Auch auf der Arbeit ist alles ganz normal.

Er wird es jetzt erstmal sacken lassen und dann irgendwann nochmal drauf eingehen.
Ich bin aber erstmal froh das es raus ist. Das war meine größte Angst.
Wohnung und Arbeit läuten alles. Muss warten bis mein Chef aus dem Urlaub wieder da ist, damit ich mit ihm evtl einen Aufhebungsvertrag machen kann

Soweit die derzeitige Situation.

ideja
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von ideja » 14.07.2020, 18:21

Hallo Mo,

alle Achtung dass du es ausgesprochen hast, was dich beschäftigt. Du verfolgst klar deine Linie, das hast du auch klar an ihn vermittelt.

Wie fühlst du dich dabei?

lG ideja

Cadda
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Cadda » 14.07.2020, 21:06

Das hast Du super gemacht. Man merkt, dass Du Dich gedanklich schon länger mit Allem auseinander setzt, sonst würdest Du jetzt nicht so nach vorn preschen. Hat sich schon etwas Neues ergeben? Eine Reaktion von ihm?

Mo1009
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 14.07.2020, 22:11

Na ja... es ist halt wirklich so das wir Seelenverwandte sind. Was der eine fühlt, fühlt der andere auch. Es ist unmöglich das wir uns gegenseitig etwas vormachen. Daher musste ich es ihm jetzt schon sagen.

Er hat sich noch nicht dazu geäußert. Leider.
Ich kenne aber seine Einstellung zum Leben und weiß das er mich in keinster Weise versuchen wird zu etwas anderem zu bewegen.

Oft genug hat er gesagt das er sich nicht unter Druck setzen lässt und Reisende soll man nicht aufhalten. Er hat klare Linien in seinem Leben gezogen. Bedingt durch seine beschissene Vergangenheit.

Heute Abend hat er seine 3 Bier getrunken. Das wird er sicherlich auch weiterhin machen. Wochenende bin ich unterwegs und gar nicht zu Hause. Das wird er nutzen um sich richtig voll laufen zu lassen. Bestimmt werde ich wieder die fiesesten Nachrichten bekommen. Darauf bin ich schon eingestellt.

Wie es mir geht....? Momentan ein auf und ab. Muss mich zusammenreißen das die Tränen nicht laufen. Dann wieder freue ich mich auf die "Freiheit" - auch wenn es bis dahin noch ein weiter weg ist.
Bisher hatte ich noch keinen weinkrampf. Aber der wird noch kommen. Ich kenne mich genug um das einschätzen zu können. Zum Glück kann ich es recht gut kontrollieren.

Im innersten bin ich aber recht entspannt nachdem es jetzt raus ist. Es ist auch nicht mehr so schlimm anzu sehen wenn er trinkt. Es ist bei mir eine art "leichtigkeit" aufgekommen was das angeht. Es geht mir nicht mehr so nahe....

Meine Tante hat mich mal sehr gut beschrieben: Wenn M. Was entscheidet dann macht sie es nicht aus dem Bauch heraus. Sie weiß was sie tut und das ist dann bis ins kleinste Detail überlegt.

Genau so ist es auch. Ich kann glaube ich von mir behaupten das Gott mich mit ausreichend Intelligenz gesegnet hat. :lol:
Mein Problem ist mein gutmütiges großes Herz. (habe es immer so genannt... aber das ist wohl das Problem mit dem inneren Kind)
Mutter Theresa könnte man mich auch nennen. Allen möchte ich helfen. Sei es dem kleinen Vöglein das am Boden hüpft weil der Flügel kaputt ist, oder der große böse Mann der sein Leben lang schon alkoholiker ist. In allem und jedem finde ich einen Grund warum ihm geholfen werden muss, wieso er auf die schiefe Bahn geraten ist, warum er abhängig ist, warum er nicht arbeiten kann..... mein halbes Leben geht da schon so. Und immer war ich diejenige die helfen wollte :-|
Ich war immer recht stolz darauf - bis jetzt!
Viele Jahre habe ich mir den A... für Menschen aufgerissen, denen ich nicht helfen konnte, da sie es gar nicht wollten. Sie wollten/konnten ihr leben nicht ändern.
Meine Kraft ist dort verloren gegangen!

Ich war noch nie egoistisch. Nur einmal in meinem Leben habe ich das getan was ich wollte und das war radikal. Alle waren erschüttert wie ich soetwas machen kann. Hätte ich diesen weg nur weiter verfolgt. Dann wäre ich heute nicht in dieser Beziehung....

Hätte hätte fahrradkette....

Ich schaue nach vorne. Das Leben geht weiter. Ich bin noch jung und Fit. Größtenteils gesund und meine Späße kann ich auch noch gut machen.

Cadda
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Cadda » 14.07.2020, 22:30

Weißt Du, das ist auch so eine Sache. Fast alle Co-Anhängigen sind überzeugt, ihren Seelenverwandten gefunden zu haben. Jeder denkt von sich „Bei UNS ist es wirklich einzigartig, die Anderen denken es nur über ihre Beziehung“. Jeder ist davon überzeugt, sonst würde man wohl auch nicht solange die ganzen negativen Dinge aushalten.

Mein Seelenverwandter sitzt vermutlich gerade mit seiner besoffenen Seele an seinem Stehtisch und kippt sein Bier und seine Mischung in sich hinein, während meine Seele trocken und zufrieden mit mir in meiner eigenen Wohnung die Freiheit genießt.

Der Mensch, mit dem ich inzwischen zusammen bin, ist mir vertraut, ich bin in ihn verliebt. Wie ein Seelenverwandter kommt er mir bisher nicht vor, aber das macht nichts. Auf so eine „Verwandtschaft“ wie ich sie hatte, kann ich liebend gern verzichten.

Cadda
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Cadda » 14.07.2020, 22:32

Vielleicht hilft Dir die Sichtweise ein kleines bisschen weiter :-)

Mo1009
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Mo1009 » 20.07.2020, 04:59

Guten Morgen
Ein Wochenende alleine ohne Freund liegt hinter mir und es war grausam.
Er hat mir am Freitag Abend eine Nachricht geschickt. Nicht boshaft, nur sehr weinerlich. Er vermisst mich usw. Und natürlich dem Zusatz: Reisede soll man nicht aufhalten. Habe ihm daraufhin einen sehr langen Brief geschrieben. So direkt wie ich es ihm noch nie mitgeteilt habe. Mit der klaren Ansage das es an ihm liegt. Es ist seine Entscheidung wie die Reise weitergeht.

Seine Antwort war unerwartet für mich: er sagt er verspricht mir, keinen Alkohol mehr außer mal ein Bierchen mit mir. Ich bin ihm wichtiger als alles andere.
Er hat es zu einer Uhrzeit geschrieben, zu der er annähern oder gänzlich nüchtern gewesen sein muss.
Nun weiß ich aber ja aus vielen Berichten anderer, dass der alkoholiker gerne sowas sagt.
Mein Freund hat es das erste mal getan. Für mich zählen nur Taten, keine Worte.
Von daher werde ich mal schauen was passiert. Eine vorübergehende Wohnung habe ich bei meiner Tante schon gesichert. :D
Die Arbeit ist auch mehr oder weniger geklärt. Im großen und ganzen läuft es gut.

Mein Wunsch wäre es natürlich das er aufhört zu trinken, so dass ich bei ihm bleiben kann. Aber ob das klappt.....???

Ich werde es die nächsten Tage/ Wochen sehen.

Fakt ist das ich mit der ganzen Sache nicht mehr so emotional regiere, was das ganze einfacher macht. Ich sehe alles viel objektiver und dadurch klarer. 8)
Wenn das Herz zu sehr drin steckt kann man kaum klar über das ganze nachdenken und entscheiden.

Es ist eine Krankheit für die ich nicht der Grund bin und die ich auch nicht heilen kann. Nur wenn ER gesund werden möchte, kann ich ihn auf dem Weg begleiten und ihm helfen!

Cadda
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Re: Meine Zwickmühle... ich bin im Teufelskreis

Beitrag von Cadda » 20.07.2020, 07:36

Guten Morgen,

„keinen Alkohol außer BierCHEN mit Tier“ bedeutet, er will weniger Alkohol trinken, also kontrolliert trinken. Problem: Das ist nicht möglich. Alkoholiker können nicht kontrolliert trinken und selbst bestimmen, wann und wie viel sie trinken. Sonst wären sie keine Alkoholiker. Das funktioniert dauerhaft also definitiv nicht.

LG Cadda

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