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Ich brauche Eure Erfahrung

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Sonnenherz
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Ich brauche Eure Erfahrung

Beitrag von Sonnenherz » 21.08.2020, 13:55

Hallo!!!

Bitte bitte helft mir weiter.
Ich drehe mich mit meinem Mann nur noch im Kreis.
Mein Vater ist Alkoholiker, ich hatte mich bereits vorgestellt und zur derzeitigen Situation viel geschrieben.
Mein Mann und ich sind vor einem Jahr weggezogen. Nicht wegen meiner eltern. Zu denen herrschte immer ein gutes Verhältnis.
Wir haben uns immer gewünscht, dass sie zu uns ziehen und haben das Problem meines Vaters dabei gar nicht betrachtet. Als der Entschluss meiner Eltern vor ein paar Monaten fest stand, doch zu uns zu ziehen, haben wir festgelegt, dass dies nur unter der Voraussetzung passiert, sollte mein Vater nicht mehr trinken und sein Leben umkrempeln. Für meinen Mann stand von vorne herein fest, er muss eine Therapie/Entzug etc. machen.
Nun haben sich die letzten Wochen so dargestellt, dass mein Vater von dem Tag an keinen Alkohol mehr getrunken hat. Stattdessen allerdings alkoholfreies Bier. Dass das Mist ist wusste ich bis vor kurzem nicht. Seit fast 2 Wochen verzichtet er, nach Gespräche, auch darauf. Er hat seit dem er die Perspektive hat, hier zu uns zu ziehen, wieder einen Tagesablauf. Er hilft meiner mutter beim organisieren, beim aussortieren etc.
Er bewegt sich mehr und bemüht sich sichtlich in allen Lebenslagen. So sehen ich und meine mutter das jedenfalls. Mein Mann sagt, er hat gar nix geschafft. Denn ohne Therapie ist das alles nix wert!
Es sind nun 10 Wochen vergangen ohne Alkohol.
Wir streiten seit ein paar Tagen und schrauben uns immer schlimmer rein. Mein Mann will meine Eltern hier nicht mehr haben. Zu erst muss mein Vater eine Therapie machen. Einen richtigen Entzug meint er.
So habe ich also mit meinen Eltern gesprochen und ihnen das so gesagt.
Nach dem Gespräch habe ich sofort einen Termin beim irrlichtern Suchtberater ausgemacht. Dort wollen sich meine Eltern zusammen erstmal erkundigen, wie der richtige Weg nun ist.
Ich habe gesagt, „erstmal da hin gehen“ reicht mir nicht. Ich habe gesagt, er soll mir versprechen, dass er eine Therapie macht, egal, was der Suchtberater meint. Darauf hat er mir sein Versprechen und seine Hand gegeben. Ich rechne ihm das hoch an und vertraue ihm da! Ich habe ein gutes Gefühl bei seiner Veränderung und vertraue, dass sein Versprechen was wert ist.
Mein Mann sieht das anders. Das Versprechen eines Alkoholikers sei Nix wert.
Ich mag mich nicht mehr streiten zu Hause.
Mein Mann meint, meine Eltern sollen so lange in der Heimat bleiben, bis mein Vater ernsthaft einen Entzug gemacht hat und man sehen kann, dass es eine Veränderung gibt.
Hat er recht?
Bin ich zu blauäugig?
Kann mir der Suchtberater da helfen?
Sollten meine Eltern den Umzug rückgängig machen?
Was haltet ihr für richtig.
Ich hoffe auf Erfahrungen.... bitte!!!!

Sonnenherz
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Re: Ich brauche Eure Erfahrung

Beitrag von Sonnenherz » 21.08.2020, 13:57

Ich habe mich verschrieben.
Der Suchtberater ist hier aus unserem Ort, da meine Eltern gerade zu Besuch sind. Örtlicher Suchtberater der Diakonie!

Sunshine_33
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Re: Ich brauche Eure Erfahrung

Beitrag von Sunshine_33 » 21.08.2020, 22:17

Hmmm, eine schwierige Situation, Sonnenherz.
Ich habe ein bisschen das Gefühl das Dein Mann Deine Eltern grundsätzlich nicht bei Euch haben will.
Bist Du Dir sicher, das er das wirklich noch will, das sie zu Euch ziehen... jetzt wo es ernst wird?

Ich kann nur aus meinen Erfahrungen sprechen, ich hatte nie eine Therapie und bin seit ca. 18 Jahren trocken.
Eine Therapie ist auch keinesfalls ein Garant, das jemand trocken bleibt.
Manche Leute machen eine Entgiftung nach der anderen und haben auch schon mehrere Therapien hinter sich... und saufen trotzdem weiter...
Es kommt drauf an, was Dein Vater wirklich will, wie ernst es ihm ist und ob er bereit ist, wirkliche Veränderungen in seinem Leben vorzunehmen.

Du schreibst, das er bereits 10 Wochen ohne Alkohol ist, dann ist er längst entgiftet.
Wie sich das mit dem alkoholfreien Bier verhält, weiß ich nicht, das kann ich nicht beurteilen.
Aber darauf verzichtet er ja Deinen Worten nach auch schon seit 14 Tagen.
Eine Entgiftung wäre demnach ja witzlos, wenn er seit 14 tagen keinen Alkohol mehr zu sich genommen hat.
Was soll da noch akut entgiftet werden?

Und eine Therapie könnte man zwar als Zeichen des Willens zur Abstinenz einstufen, aber wie gesagt, viele werden trotzdem rückfällig.
Ich WOLLTE nie wieder trinken, war froh, als ich entgiftet war und bin dann meinen weiteren Weg ohne Thera gegangen.
Für andere wäre wiederum eine Therapie sinnvoll, das kann man nicht so pauschal sagen. Hier im Forum sind auch einige ohne spezielle Therapie trocken geworden und sind es auch noch.
Es gibt auch in dem Sinne keinen "richtigen Weg" in die Trockenheit, dem einem hilft dieses, dem anderen jenes.
Ich halte unsere Grundbausteine für die Trockenheit als ausgesprochen guten Wegweiser, leider habe ich momentan keinen link dahin, vielleicht hilft mal ein Mod aus?
Aber sonst muss jeder auch seinen eigenen Weg finden.

Nochmal speziell zu Deiner/Eurer Situation:
Dein Vater hat ja aufgehört zu saufen, hat er sich denn mal geäußert, warum und wie er sich sein weiteres Leben vorstellt?
Ich könnte mir vorstellen, das so ein Umzug auch eine Art Hype sein kann und dann fällt man doch in alte Verhaltensweisen zurück...
Oder aber, man hat geschnallt, was wirklich mit einem los ist, nämlich das man alkoholkrank ist und gemerkt, das man so nicht weiter leben möchte.
Wir kennen ja Deinen Vater nicht, können das also überhaupt nicht einschätzen.

Ich für meinen Teil habe auch Menschen in einer realen SHG kennengelernt, die durchaus schon älter waren, als sie trocken wurden, nämlich in den Siebzigern.
Sie wollten so nicht mehr weiterleben mit dem Suff, haben sich Hilfe gesucht und auch in dem Alter noch einen Weg in ein trockenes Leben gefunden.
Es kommt also immer drauf an, wie es innendrin in einem aussieht und was man möchte...
Es ist nie zu spät, trocken zu werden, das habe ich in meiner ehemaligen realen SHG auf jeden Fall gelernt.
Von daher sehe ich durchaus gute Chancen auch für ältere Menschen, die wirklich aus dem Suff aussteigen wollen.
Wie es in Deinem Dad innendrin so aussieht, weiß ich allerdings nicht.

Vielleicht sollte man den Umzug auf einen späteren Zeitpunkt verschieben?
Aber irgendwie habe ich das Bauchgefühl, das Dein Mann seine damalige Meinung geändert hat und das gar nicht mehr möchte.
Kann das sein oder irre ich mich da komplett?
Und welche Bedingungen wird er noch stellen? Vielleicht fällt ihm nach einer Thera noch was Neues ein und er will so den Umzug einfach immer weiter rausschieben, bis die Sache erledigt ist, keine Ahnung.
Ich finde es jedenfalls irgendwie merkwürdig, das er bestimmte Bedingungen an Deinen Vater stellt, ich finde das beinahe übergriffig.
Hätte jemand sowas bei mir versucht, hätte ich wohl einfach "Du kannst mich mal... dann halt nicht" gesagt :wink:
Und damit wäre das Ding dann auch durch gewesen.
Ich hätte mir keine Bedingungen stellen lassen für auch nur irgendwas.
Mag sich jetzt etwas komisch anhören, aber ich habe eine Krankheit und werde deshalb nicht in Sack und Asche gehen und tun, was andere Leute gern möchten.
Zumal ich davon ausgehen würde, das die Begründung nicht echt ist und es um was ganz anderes geht.
Denn dann würden wahrscheinlich immer neue Auflagen und Bedingungen aufgetischt und dazu hätte ich echt kein Bock.
Aber so bin ICH halt, Dein Vater ist nicht ich und ich bin nicht Dein Vater :wink:

LG Sunshine

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