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Alkoholabhängige Freundin

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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BermudaB
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Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 15.09.2020, 11:08

Hallo zusammen,
ich habe mich bereits vorgestellt und möchte nun in diesem Bereich meine Sorgen kund tun. Ich habe seit 3 Jahren eine Freundin die, seit wir uns kennen gelernt haben, trinkt... und zwar massiv. Sie hat währenddessen 2 Arbeitsstellen verloren und ist arbeitslos. Sie wird meines Erachtens auch unter diesen Umständen keiner Arbeit nachgehen können. Ich versuche Ihr, seit ich davon bemerkt habe, zu helfen. Doch Sie verleugnet Ihre Sucht. Auch wenn Sie dabei eine unverkennbare Fahne hat ( fast immer Wodka mit Orangensaft / getarnt in diesen Plastesaftflaschen ). Sie wird böse und schaltet sofort auf Konter und Selbstmitleid. " Ich bin ja sowieso an allem Schuld. Jeder macht mir nur Vorwürfe."

Ich habe das Gefühl das Sie jeden negativen Gedanken, jede negative Situation als Grund sieht zu trinken. Wenn das so wäre müsste die ganze Menschheit trinken. Aber auch bei Feierlichkeiten ist Sie schon auf der Hinfahrt völlig betrunken ( Beispiel zum Schuleintritt meiner Nichte ).
Jeder sieht es. Jeder macht sich Sorgen aber Sie blendet das Ganze irgendwie aus. Als wenn es normal wäre. Ich habe das Gefühl das es nicht mehr lange dauert bis Sie einen schweren gesundheitlichen Schaden hat, wenn der nicht schon da ist. Ich glaube auch nicht das etwas anderes als ein stationärer Entzug in Frage kommt. Ich habe auch ein Alkoholmessgerät gekauft ( 299Euro, also sehr genau ). Wir hatten uns vorgenommen jeden morgen / mittag / abend zusammen einen test zu machen. Ich habe Ihr versichert das ich Ihr nur helfen will. Sie sieht das immer als bloß stellen an, obwohl ich Ihr einfach nur zu 100prozent helfen will. Aber ich schaff es nicht. Sie hat manchmal früh um 7 Werte von 0,7promille. Mittags über 1,2 und manchmal abends über 2,5 promille. Sie ist 29 Jahre alt. dazu raucht Sie und das auch nicht zu wenig. Ich wundere mich das Ihre Gesundheit nicht schon vollkommen kolabiert ist. Ich würde das keine 2 Wochen überleben. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Mein Freundeskreis hat sich stark von mir distanziert und meine Mutter sieht die ganze Situation auch äußerst kritisch. Was ich auch nachvollziehen kann. Ich liebe Sie und will auch für Sie da sein. Aber ich komm mir langsam immer mehr wie ein Depp vor. Ich bemerke sofort wenn Sie was getrunken hat. Sie ist nüchtern eine tolle Person. Aber die Person wird immer seltener. Ich danke das Ihr euch mein Problem durchgelesen habt und würde mich über Antworten freuen.

BermudaB
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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 15.09.2020, 20:44

Update. Ich bin von der Arbeit heim. 17:00uhr. Sie hat nach alkohol gestunken und sie wollte mir weiß machen das meine Mutti ihr einen Sekt angeboten hat. 1. Hätte sie das bei ihr nie gemacht, weil sie das Problem kennt. 2. Wär man von einem Sekt nicht so sternhagel voll. Sie hat mich so angewidert. Vor ca. Einer Stunde ist sie komaähnlich auf dem Sofa eingeschlafen. Sie wollte eine Pilzsuppe zum abendbrot machen. Aber ich habe nichts drauf gegeben. Auch einen heulnervenzusammenbruch hatte sie gehabt. Weil sie ihr Auto abmelden muss. Was aber halb so schlimm ist. Keine 30 Minuten später hatte sie wieder diese euphorisch gute Laune. Ich hab inzwischen das Gefühl das sie hysterisch/ schizophren und psychotisch ist. Es ist alles so unberechenbar. Ich bin nun auch ins Bett und lese. Ich würde sie am liebsten zum stationären Entzug schleifen. Ich weiß nicht wie ihr Körper das noch mitmacht. Sie tut mir leid, ich liebe sie. Sie ist nüchtern tierlieb und einfühlsam. Sie ist auch schlau und man kann sich über tiefgründige Dinge unterhalten und Spaß haben. Betrunken ist sie streitsüchtig selbstmitleidig, verwirrt und motorisch nicht mehr im stande natürliche Gesichtsausdrücke zu machen. Ihr Lachen sieht total künstlich aus weil sie es nicht mehr hinbekommt ihre gesichtsmuskeln zu kontrollieren. Ich hasse sie für ihre Lügen und das sie den Alkohol der Realität und dem Leben und mich vorzieht. Dafür finde ich nur Ekel und Hass und Hilflosigkeit.

Morgenrot
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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von Morgenrot » 16.09.2020, 00:14

hallo Bermuda,

herzlich willkommen bei uns.

Was soll ich sagen? Ich verstehe das du helfen willst, aber du kannst es nicht.
Die 299-, € für das Alkoholgerät hättest du für dich anlegen können und dir damit etwas gönnen können.
Zum einen bringt es weder dir noch ihr was, die Werte zu kennen, zum anderen finde ich das von deiner Seite übergriffig.
Mir ist klar, das du es gut meinst, aber sowas geht gar nicht.
Ich hasse sie für ihre Lügen und das sie den Alkohol der Realität und dem Leben und mich vorzieht. Dafür finde ich nur Ekel und Hass und Hilflosigkeit.
Ich kenne alle diese Gefühle, aber es deine Hilflosigkeit, die du dir eingestehen mußt. Du kannst ihr nicht helfen, deine Freundin ist krank, süchtig nach Alkohol. Du erreichst sie nicht, und selbst wenn du sie zur Entgiftung bringst, wenn sie nicht will, wird sie entlassen wenn sie wieder nüchtern ist.

Was kannst du denn für dich tun, damit es dir besser geht? Versuche mal deine Aufmerksamkeit auf dich zu lenken.


lg Morgenrot

BermudaB
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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 16.09.2020, 09:28

Danke für die Antwort Morgenrot,
ich verstehe was du meinst. Mir ist das mit dem Alkoholtesten auch äußerst unangenehm und steigert die Aggression. Ich will Sie nicht Maßregeln aber Ihr irgendwie zeigen das sie ein Problem hat und das sie einsieht das sie krank ist. Ich habe mittlerweile mitbekommen das es ein Kampf gegen Windmühlen ist. Ich kämpfe diesen Kampf fast seit Anbeginn unserer Beziehung. Da wir zusammen wohnen ist es äußerst schwer Ihr zu drohen. Wir haben auch 3 Katzen. 2 von mir und sie hat einen Kater mitgebracht. Doch ich bin mittlerweile so am Ende das ich einfach nicht mehr kann. Diese Nacht habe ich kaum geschlafen. Arbeit ist sehr anstrengend und ich muss mich stark konzentrieren da ich auch Verantwortung habe. Ich sage mir jedes mal, " das war das letzte mal, wenn sie wieder besoffen ist wenn ich heim komme schmeiß ich sie raus. Aber ich komme geschafft heim und bringe es dann auch nicht übers Herz. Außerdem ist sie energiegeladen, durch den alkohol und super bereit für stress. Ich habe inzwischen auch manchmal beim Luft holen Herzschmerzen und merke das es mir Körperlich immer schlechter geht. Ich bin einfach an einem Punkt wo es so einfach nicht mehr weiter geht.

ganz liebe Grüße
BermudaB

Linde66
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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von Linde66 » 16.09.2020, 10:34

Hallo Bermuda,
ich hatte nie einen alkoholkranken Partner, aber eine alkoholkranke Mutter. Die Hilflosigkeit macht was mit einem. Das schwankte bei mir von Trauer, Wut, Aktionismus, Depression.... und mündete in eigenem Suchtverhalten und diversen Krankheiten. Partner kann man verlassen, Mutter bleibt Mutter. Ich habe über die Jahrzehnte meinen Frieden damit geschlossen, daß ich nicht die Suchterkrankung bei jemand anderem stoppen kann, aber sehr wohl mein eigenes Leben in die Hand nehmen kann.
Bitte lass das mit deinen Herzschmerzen abklären. Ich sah z. B. topfit aus, hatte aber einen irrwitzig hohen Blutdruck.
Es ist schwer einzusehen, daß man eine Suchterkrankung eines Angehörigen "von außen" nicht beeinflussen oder gar stoppen kann. Die Menschen brauchen ihren eigenen Tiefpunkt, der zum Wendepunkt werden kann... Aber das muß aus ihnen selbst heraus kommen. Aber manche trinken sich einfach zu Tode, so schlimm das ist.
Suchterkrankungen sind eine harte Nuss. Putzsucht, Eßsucht, Spielsucht...... die Bandbreite ist groß. Man kann die Suchterkrankung zum Stillstand bringen, wenn man dazu bereit ist und sein ganzes Leben dafür umkrempelt.
Wenn man allerdings mit einem suchtkranken Angehörigen zu tun hat, der absolut nicht aufhören will, dann kann man nur Abstand halten. Mit dem äußeren kommt der innere Abstand. Wenn man jahrelang um den Suchtkranken kreist, geht man mit ihm unter.
Für mich war das damals furchtbar, aber ich habe etliche Jahre den Kontakt zu meiner Mutter/Eltern einschlafen lassen, bis ich innerlich stabil war. Sie führt ihr Leben, es ist ihre Verantwortung.

Wie gesagt, bitte schau auf dich. Bei mir haben auch irgendwann schlimme körperliche Symptome angefangen. Wir haben nur ein Leben.
Viele liebe Grüße, Linde

BermudaB
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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 16.09.2020, 11:04

Vielen Dank für die Antwort,
ich bin sehr dankbar über jede Hilfe und Erfahrung. Ich habe inzwischen die Erkenntnis das ich es nicht mehr schaffen kann. Ich bin nur noch ausgebrannt und fertig. Alles was ich will ist meine Ruhe und einen geregelten Tag. Aber mit einem Alkoholiker ist man immer mit neuen negativen Überraschungen konfrontiert, mit denen man den Feierabend und Freizeit klar kommen muss und das kann ich nicht mehr. Dazu dieser Bauchschmerz beim Gedanken daran was wohl heute wieder auf einen zukommt. Sie macht auch im Rausch ständig Probleme aus Dingen, die keine sind weil sie zu lapidar und unrelevant sind. Ich weiß nicht wie ich mich aus dieser Situation befreien kann, meinen Frieden finden kann.

lütte69
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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von lütte69 » 16.09.2020, 13:06

Herzlich willkommen, Bermuda,
Ich weiß nicht wie ich mich aus dieser Situation befreien kann, meinen Frieden finden kann.
Bei mir half nur ein Auszug aus dem Haus nach über 20 Jahren Ehe. Damit hatte ich erst einmal räumlichen Abstand geschaffen und konnte an meinem inneren Abstand arbeiten. Die Entscheidung ist mir damals wahnsinnig schwer gefallen, weil sich innerlich alles dagegen sträubte, aber es war der richtige Weg. Es musste mir erst mal klar werden, dass ich gegen die Sucht nichts ausrichten kann, sondern dass mein Mann von sich aus den Ausstieg finden musste.

Ich wünsche Dir Kraft und Geduld für Deinen Weg.
sonnige Grüße
Lütte

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Re: Alkoholabhängige Freundin

Beitrag von BermudaB » 16.09.2020, 13:42

Vielen Dank für die Worte,
es gibt mir hier sehr viel Kraft sein zu dürfen. Das glaube ich dir das es nicht leicht war. Wenn ich derjenige wär der gehen würde, ich wäre wohl schon weg. Ich weiß es nicht. Aber sie ist zu mir gezogen. Samt einigen Möbeln. Ich müsste sie vor die Tür setzen. Das ist nicht so einfach und ich liebe sie ja auch und will ihr auch nicht weh tun, auch wenn sie mich täglich mit ihrer Krankheit weiter kaputt macht. Diese Liebe ist inzwischen eine Strafe und eine Last. Sie hat auch noch eine Wohnung aus der sie hergezogen ist. Aber die sieht inzwischen völlig verwahrlost aus. Ich habe auch angst um ihren Kater, sie würde sich wahrscheinlich nicht mehr um ihn kümmern. Das bräche mir das Herz da ich unglaublich Tierlieb bin und den Kleinen auch sehr lieb habe.


Ganz liebe Grüße,
Bermuda und danke für euere Empathie und das ich hier sein darf

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