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getrennt Alkohol gegen Tabletten ausgetauscht

Hilfe für Co-Abhängige, Partner und Angehörige von Alkoholikern bei der Coabhängigkeit

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Jscky
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Re: getrennt Alkohol gegen Tabletten ausgetauscht

Beitrag von Jscky » 13.12.2020, 02:12

Danke für Dein Verständniss und das ich hier im Portal bleiben kann. Ja, es ist belastend so zu leben und du ahnst nicht was ich schon alles versucht habe um diese Situation zu verbessern.

Ich habe in Frauenhäusern angerufen, die momentan alle besetzt sind und es sollen im nächsten Jahr Hotels und Pensionen zu Frauenhäusern gemacht werden. Das wird aber noch dauern bis Plätze frei sind. Ich bin im Kriesendienst der Caritas und bekomme dort manchmal kostenlos ein psychologisches Gespräch. Leider nicht so regelmäßig, denn dafür sind die nicht zuständig. In der Not kann ich hin. Gestern bekam ich von meiner Krankenkasse bescheid das die Bearbeitung für die Psychotherapie noch andauern wird weil beim MD alles geprüft wird. Dann bekomme ich auch erstmal nur die Probatorischen Sitzungen bewilligt. Wie lange ich schon um eine Therapie kämpfe kann ich nicht mal sagen, ich glaube ich bekomme sie bewilligt wenn sie nicht notwendig ist. Ich bin auf Wohnungssuche habe Tips von der Schwester bekommen, aber kam kein Stück weiter weil nur 50 Wohnungen insgesamt frei waren und darunter viel zu viele Zimmer. Ich bin sehr bemüht mich aus der Situation zu befreien, hatte zweimal einen Job, der mir durch die Corona Kriese verloren ging, innerhalb kurzer Zeit. Ich bin schon fertig und meine Mutter liegt im Sterben und wegen Corona darf ich nicht hin. Sie hat Lungenentzündung ist 74 und sie kämpft mit Fieber usw.

Jeden Tag kümmere ich mich sehr viel um die Selbständigkeit und arbeite Tag und Nacht an den Vorbereitungen damit ich im Februar starten kann. Ja, er ist aufgrund der Tabletten Einnahmen wirklich Sche*** mit mir umgegangen. Er hat es nicht mal bemerkt so viele davon genommen. Er war oft wie durch gedreht davon und überheblich und ich kann Euch das verhalten nicht beschreiben. Heute sah ich in den Rucksack wieder nach die Packung schleppt er noch immer mit sich herum und es ist nichts angerührt. Was er aber auf der Arbeit macht oder noch im Schreibtisch hat weiß ich nicht und es fällt mir sehr schwer zu vertrauen. Allgemein habe ich kein Vertrauen zu ihm. Alles verloren durch die vielen Aktionen. Er kann mir nicht sagen was er macht, vielleicht zu aggressiv dafür, aber er legt den Rucksack so hin, das ich rein sehen kann und es sieht so aus als wenn er sagt da schau was ich mache. Oder er lässt halb angetrunkene Bierflaschen stehen usw. Will mir irgendwie zeigen das er an sich arbeitet. Es fällt trotzdem schwer so zu leben. Denn am Freitag trank er ja trotzdem nur eben reduziert und heute natürlich aggressive miese Laune.

Heut war ein schlimmer Tag, denn eigentlich war ich verabredet mit Freundinnen, aber irgendwie hatten die dann abgesagt. Da habe ich mir Gedanken gemacht um Weihnachten und einfach keine Kraft mehr hier so zu leben. Ich habe ihm ein Friedensangebot gemacht damit vielleicht Weihnachten etwas gerettet werden kann. Hatte einen Computer für ihn, das war ein Fehler, als ich ihn angeboten hatte war er sowas von Aggressiv und Ablehnend. Alles was ich sage kommt wie ein extrem scharfer Bummerang zurück. Ich werde beleidigt und alles sowas. Ich bin wieder sowas von Wütend auf ihn geworden und traurig, weil er mir so unfreundlich begegnet und auf der Arbeit kann er so freundlich sein. Er provozierte meine Wut noch mit seinen miesen Sprüchen und Hilfe bekomme ich da nicht von ihm. Damit ich ruhiger werde oder sonst was. Ich weiß er ist mitten im Entzug und vergesse das manchmal. Ich denke da einfach nicht immer daran.

Weihnachten wird hier ausfallen, der ist nicht ansprechbar für nix. Liegt auf dem Sofa und schaut TV, mehr nicht. Den ganzen Tag läuft hier der TV Netflix und immer sehr gruselige Filme. Es fällt mir schwer das oft zu ertragen, wenn ich durch das Wohnzimmer laufe und die Geräusche höre usw. Er nimmt im Moment auf nichts Rücksicht. Er kann keine Rücksicht nehmen nichts es geht ihm viel zu schlecht und ich bin überfordert damit. Das einzige was mir gerade hilft ist hier schreiben und ich freue mich über Sätze die mir gerade Kraft geben können. Wenn ich sie hier lese, dann bleiben die ein paar Tage in meinem Kopf und helfen mir ruhe zu bewahren, damit ich nicht so wütend werde. Heute hatte ich Herzstechen, so sehr habe ich mich über seine Worte geärgert. Mit meinem Bruder zusammen der weit weg wohnt überlegten wir heute gemeinsam wo ich noch innerhalb der Familie hin könnte. Nächstes Wochenende schlafe ich bei der Tochter, dann bin ich hier mal raus. Aber ich habe eben noch Papageien. Heute konnte ich mich nicht gut um sie kümmern und die bekommen meine Wut auch so ab und ich habe dann immer wieder das schlechte gewissen, auch der Nachbarn gegenüber bei denen ich mich immer wieder entschuldige. Die wissen schon was mit T. bitte keine richtigen Namen hier schreiben nicht in Ordnung ist, das er Trinker ist usw. Ich bin froh das sie mich noch nicht bei der Hausverwaltung angezeigt haben und Verständnis haben. Ich habe trotzdem oder gerade deshalb vielleicht ein gutes Verhältnis zu ihnen.

Wie gesagt bei Caritas bin ich schon, Kriesendienst. Die haben ja sämtliche Adressen und helfen mir mit Gesprächen. Aber mehr können Sie eben auch nicht machen und vielleicht ist auch deshalb alles gerade etwas schwierig. Selbst wenn dieser Entzug vorbei sein sollte, ich kann mir nicht vorstellen das man das alles noch verzeihen kann. Wenn man so viel mit dem anderen mitgemacht hat deshalb.

Kennt ihr denn so ein Verhalten vom Entzug? Jeder reagiert beim Entzug anders, ich habe hier im Forum schon einiges gelesen. Man kann die Verhaltensweisen nicht einordnen. Euren Ratschlägen versuche ich zu folgen, denke über sie nach und manches verleiht Kraft diese Situation durch zu stehen. Ich konzentriere mich auf mein Leben wie du geschrieben hast und versuche es zu gestalten. Danke erstmal dafür. Es tut mir leid, das ich manchmal so von der Rolle bin. Aber in der momentanen Situation ist es nicht einfach. Vor vielen Jahren war ich schon einmal hier, glaube ich. Da hat er auch entzogen und sich im Schlafzimmer Wochenlang eingesperrt. Die Konten getrennt usw. Wir hatten uns dann wieder gefunden und er merkte das er den Entzug nicht schaffte. Jetzt ist es ähnlich, er versucht es wieder mit Hilfe der Tabletten, versucht noch durch zu halten. Vielleicht ist meine Wut auf ihn gar nicht so schlimm sondern hilft ihm stark zu bleiben. Denn ich signalisiere ja immer wieder das ich so nicht weiter mit ihm zusammen bleibe. Irgendwas mache ich bestimmt auch richtig dabei. Ich bin eben nicht Professionelle Krankenschwester und habe keine Ahnung wie man mit jemanden umgeht der einen Entzug macht. Durch die Wut trete ich Willensstark auf und setze ihm harte Grenzen.

Jscky
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Re: getrennt Alkohol gegen Tabletten ausgetauscht

Beitrag von Jscky » 13.12.2020, 02:19

Ich wünschte mir nur ich könnte leise wütend sein oder mich nicht so dabei aufregen. Wünschte mir mehr Gelassenheit, nach dem Motto mir doch egal. Das schaffe ich ab und an mal aber eben nicht immer.

Aurora
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Re: getrennt Alkohol gegen Tabletten ausgetauscht

Beitrag von Aurora » 13.12.2020, 13:33

Liebe Jscky,

das ist alles sehr, sehr viel aber es ist super, dass du dir auch schon Hilfe holst.
Du hängst ja noch viel zu sehr an seinen Dingen. Kontrollierst seinen Rucksack nach Tabletten, beobachtest sein Verhalten und fühlst dich verantwortlich für sein Befinden. Das brauchst du alles nicht zu tun!

Er will das ja alles nicht, zeigt es sehr deutlich. Und du fühlst dich dann schlecht und nicht wertgeschätzt und so. Du beziehst das alles auf dich aber es ist seins. Das einzige, was du für dich tun kannst ist, auf dich zu schauen, noch mehr als du es schon tust. Lass ihn einfach links liegen, so gut es geht. Denn dass du da raus kannst scheint erst mal sehr, sehr schwierig in dieser Zeit gerade.

Okay, er ist zu allen freundlich außer zu dir und das tut verdammt weh und ist abwertend. Das will er auch damit erreichen. Aber du bist kein schlechter Mensch, du bist genau so viel wert wie die anderen Leute. Dass er sich so verhält liegt an ihm und NICHT an dir!

Ich mache auch eine Psychotherapie und weiß, wie schwierig es sein kann, einen Platz zu bekommen. Dass die Kasse erst mal nur die probatorischen Sitzungen zahlt ist immer so, es ist normal. Erst danach kann der Therapeut einen Antrag für dich stellen, dass du eine Therapie machen kannst. Das kann leider etwas dauern, das ist auch zu nicht Corona-Zeiten so gewesen. Ich musste damals, als ich meine Thgerapie anfangen wollte, auch 1000 Dinge vorher machen, bei mir war es auch so, dass der Therapeut zu der Zeit noch keine Zulassung bei der Krankenkasse hatte und nur privat Patienten annehmen durfte. Mit Ausnahmen ging das für Kassenpatienten wie mich trotzdem, mit bestimmten Umwegen war das möglich, dieser Weg war auch sehr langwierig und umständlich. Für mich hat es sich aber sehr gelohnt das zu machen. Also bleib am Ball.

Es gibt auch, wenn es dir ganz schlecht geht und du reden möchtest, die Möglichkeit, die Telefonseelsorge anzurufen. Die Nummer findest du im Internet.

Ansonsten schreib weiter hier, auch wenn nicht immer gleich jemand antwortet, wenn du es aufschreibst ist es aus dir raus und das kann schon eine Erleichterung sein.

Liebe Grüße
Aurora

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