Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Mala14
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Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 15.05.2018, 20:33

Liebes Forum,
liebe alle, die mich in den ersten Tagen hier so gut aufgefangen haben!

Wenn ich mich nicht verrechnet habe, ist heute mein 23. nüchterner Tag!

Es war ein sehr langer Weg hierhin und er wird auch noch viel weiter sein! Ich bin sicher, dass er aufwärts führt, auch wenn mit 100%iger Sicherheit auch viele Täler zu überwinden sein werden.

Ich bin süchtig. Aktuell "nur" noch Alkoholikerin.
Habe aber auch schon verschiedene Arten der Selbstschädigung praktiziert, davon irgendwann vielleicht mal mehr.

Ich habe endlich verstanden, dass ich ein besseres und schöneres Leben verdient habe -- dass ich nur das EINE habe. Und dass es nur mir gefallen muss. Und der Alkohol treibt mich in die tiefsten Abgründe und ich mache mir dadurch mein Leben, mein einziges Leben zur eigenen persönlichen Hölle. Und irgendwann auch all denen, die in meinem Leben eine Rolle spielen.

Als ich mich hier angemeldet habe war ich schrecklich verzweifelt. Total down, fertig, habe mich unendlich geschämt und konnte mich absolut nicht mehr leiden. Ich fand mich hässlich, deformiert, kaputt, mein Körper hat mir sämtliche Not-Signale gesendet. Ich fand es fürchterlich, zu trinken und es einfach nicht lassen zu können. Meine tiefsten Ängste und Zweifel sind immer im Suff hochgekommen. Wurden aber nie zuende gedacht, haben nur weh getan. Ich habe betrunken schreckliche Ausbrüche - Wutausbrüche, Heulanfälle - gehabt. Der Druck, abends wieder etwas trinken zu müssen, war schrecklich. Es einfach nicht mal lassen zu können.

Dazu eine schwierige Beziehung, kein Selbstwertgefühl mehr und - wenn ich darüber nachgedacht habe - irgendwie auch kein wirklicher Sinn in allem erkennbar.

Im Forum habe ich schon viele Wochen zuvor gelesen. Und hatte Monate vorher auch schonmal einen Monat ohne Alk geschafft. Es hat mir gut getan -- dass ich nicht alleine damit bin. Dass andere auch so sind. Dass auch andere - auch Frauen - abends den Wein abkippen. Und dabei von außen betrachtet irgendwie scheinbar gut klar kommen.
Niemand außer meinem Partner wusste, was bei mir los ist. Ich hab mich ganz falsch und verkehrt gefühlt - ein ganz besonders schlimmer Fall. Alle um mich herum kommen klar, nur ich muss abends noch irgendwo Alk besorgen, damit ich mich alleine zuhause wegballern kann.

Ich bin nicht mehr klar gekommen. Und ich wusste das auch schon verdammt lange. Ich habe es nur in diesem Sumpf einfach nicht fertig gebracht, Mut, Glauben, Zuversicht und den Wunsch, dass es mir nicht mehr schlecht geht, aufzubringen.

So langsam sickerte einiges zu mir durch- durch das Lesen. Dass man es doch schaffen könnte... hmmm....Grübel....

Während ich mich dennoch weiter selbst quälte mit stetigem Trinken kam dann noch ein richtig passabler Auslöser und dazu einige Tage arbeitsfrei - und ich habe nochmal einen richtigen Showdown hingelegt. Gott, dass mir in dieser Woche nichts Schlimmeres zugestoßen ist, grenzt eigentlich an ein Wunder-- eine Woche durchsaufen. Morgens den Kater wegtrinken, weitermachen, bis irgendwann abends die Lichter ausgehen.
Mir ging es sooo mies, ich dachte, mein Körper macht gleich auf der Stelle schlapp. Psychisch bin ich richtig abgedreht in der Woche.

Da wusste ich -- jetzt ist Schluss! Jetzt reicht es!
Naja und da steh ich heute.

Und kann gar nicht glauben, was sich jetzt schon alles verändert hat!
Wer auch immer gerade daran denkt, wie es wäre, nicht zu trinken:

Es ist unbeschreiblich toll!!!! Dieses NICHT-MEHR-MÜSSEN!!! Ich könnte einen Roman darüber schreiben, was sich gerade alles verändert. Mach ich bestimmt auch noch... :lol:

Sorry, dass das jetzt nicht alles ganz straight und chronologisch wird bei mir --- Ihr verzeiht mir-- meine Gedanken springen noch von hier nach da. Vielleicht wird am Ende des Fadens eine Logik erkennbar werden... :)

Fortsetzung folgt....

Liebe Grüße

Mala

MieLa
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von MieLa » 15.05.2018, 21:24

Hallo Mala,

da bist du ja :D Herzlich willkommen im Forum.

Tag 23! Dabei habe ich dir doch "gestern" erst einen schönen trockenen Tag 14 gewünscht :wink: Bald ist der erste Monat erreicht!

Ich wünsche dir alles Gute,
MieLa

... die Idee mit dem Roman finde ich prima :lol: ...

viola
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von viola » 15.05.2018, 21:42

Liebe Mala,
schön dass du hier bist.

Genau, du bist nicht allein.
Genau, du musst nichts!
Ist das nicht toll? Jetzt hast du Zeit. Zum Romane schreiben oder zum rum trödeln, auf jeden Fall, um dich selber neu kennen zu lernen.
Viel Freude dabei, ich freu mich auf den Austausch mit dir.

LG Judith

Aurora
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Aurora » 16.05.2018, 14:26

Hallo Mala,

wie schön, jetzt hier ´von dir zu lesen.
Und du bist so voller Lebensfreude, das macht richtig Spaß, hier zu lesen.

Liebe Grüße
Aurora

Mala14
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Mala14 » 16.05.2018, 23:19

Guten Abend!

Liebe Aurora, liebe MieLa--- da habe ich ja gleich die zwei Richtigen zusammen.... :-) Ihr habt mir wirklich sehr geholfen bis hierher! Dankeschön!!! Wenn Karsten wieder etwas Zeit hat, schaltet er mich hoffentlich auch für die Geschlossene frei.

Mal ein paar Gedanken zu meinen ersten Tagen der Nüchternheit:

Ich habe es ein bisschen als Challenge genommen. Das hat mir die ersten Tage geholfen. Nicht aufgeben. Nicht kleinkriegen lassen.
Abends hier schreiben zu können, dass ein weiterer Tag geschafft ist.
Und was wirklich schrecklich war, was ich aber auch irgendwie trotzdem geschätzt habe (weil man es körperlich spüren kann, dass sich etwas verändert) -- ich hatte sehr ätzende Nächte.
Geschwitzt wie blöd; Alpträume; x-mal aufgewacht, umgezogen. Musste zeitweise auf einem Handtuch schlafen, weil mein Bettzeug das nicht ausgehalten hat. Bäääh!... Es war --- gelinde gesagt -- echt ne Challenge.
Aber eins habe ich schon nach der ersten schrecklich bescheidenen Nacht gemerkt--- selbst mit gefühlt keinem Schlaf und dreimal Umziehen war ich morgens nicht wesentlich fertiger als mit meinem sonst üblichen Kater.
Entgegen meiner ersten Trinkpause haben die fiesen Nächte echt lange angehalten. Es hat bestimmt fast 2 Wochen gedauert, dass ich -- und jetzt Achtung:

RICHTIG SUPER SCHLAFE!

Ich wusste gar nicht mehr, wie das ist. Durchschlafen, normal träumen, morgens mit so einem wohligen Gefühl des Verschlafen-Seins aufwachen. Wisst Ihr, die Ihr noch trinkt -- so als Kind -- so richtig wohlig, kuschlig aufwachen.....

Keine Ahnung, wie es anderen geht, die trinken -- bei mir war es die letzten Monate (oder Jahre? Hmm...) so, dass ich ange-/betrunken eingeschlafen bin und morgens teilweise zu unmöglichen Uhrzeiten wach wurde -- mal um 4, mal um 5 und dann mein Blutdruck irgendwie schon oben war. An Weiterschlafen kaum zu denken, obwohl ich elends-kaputt war. Toll. Und dann richtig fertig zur Arbeit dappeln.
In der "End-Zeit" war es dann sogar so, dass ich am Wochenende teilweise schon wieder was zu den unmöglich frühen Aufwach-Zeiten getrunken habe, in der Hoffnung, dann wieder einschlafen zu können.
Was mir eher nicht so gelang. Und dann war der Tag im Eimer. Manchmal hab ich mich auch zum Schlafen bringen können und war dann ab mittags wieder ready. Mit nem sehr schlechten Gewissen und dem Gefühl, es schon wieder so richtig verk... zu haben.

Das ist auch eins der schönen Dinge: Ich habe nicht mehr jeden Tag dieses schlechte Gewissen; das Gefühl, zu versagen; schlecht zu sein.
Das, was ich typischerweise jeden Morgen hatte mit dem mal mehr, mal weniger ausgeprägten Wunsch, es an diesem Abend endlich zu lassen. Was natürlich nicht gelang. Und die Schleife geht weiter. Am nächsten Morgen wieder das dumpfe schlechte Gefühl. Warum hab ich´s nicht einfach gelassen? Heute abend aber echt jetzt.

Das Ego leidet darunter nicht zu knapp. Das weiß ich erst jetzt so richtig, seit ich nüchtern bin und feststelle, dass viele von diesen miesen Gefühlen einfach verschwunden sind. Nur, weil ich nicht mehr trinke!
Natürlich finde ich mich jetzt nicht total super und natürlich sind alle meine Probleme noch da. Aber ich bin total schockiert / überrascht, dass ein Teil dieser dauernd schlechten Gefühle tatsächlich scheinbar nur konsumbedingt sind. Ich meine -- ich habe nicht mal einen Monat rum -- und meine Psyche wird schon (ein bisschen) eine andere?

Oh-- soooo spät schon?
Ich wünsche Euch allen eine schöne und erholsame Nacht und einen guten Schlaf!
Schlaf ist spitze! :-)

Ach so --- ich kann mich übrigens auch einreihen: ich hab abends so übel Lust auf Süßkram... Und ich mochte jahrelang nichts Süßes mehr. Grrrr. Fieses Zeug. Ich habe sogar die Osterhasen gekillt -- das hätte ich früher nieeemals runtergekriegt.... WTF?? Das muss ich irgendwie wieder eindämmen, sonst wird der nächste Zahnarztbesuch unerfreulich...

Liebe Grüße

Mala

Petter
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Petter » 17.05.2018, 08:14

Hallo Mala,

schön, daß du hier bist! Noch schöner ist, wieviel Tage du schon OHNE lebst - sind es nun 25 oder 26? Egal, jeder Augenblick zählt und du scheinst noch einige Augenblicke vor dir zu haben :-) Es liest sich schön, was du schreibst. Da möchte ich mich doch MieLa gleich anschliessen und sage: "... die Idee mit dem Roman finde ich prima :lol: ..."

Ich freue mich, dich weiter hier zu lesen!

Viele Grüße

Peter

Barthell
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Barthell » 17.05.2018, 10:40

Mala14 hat geschrieben:
16.05.2018, 23:19
[...]-- ich hatte sehr ätzende Nächte.
Geschwitzt wie blöd; Alpträume; x-mal aufgewacht, umgezogen. Musste zeitweise auf einem Handtuch schlafen, weil mein Bettzeug das nicht ausgehalten hat. Bäääh!... Es war --- gelinde gesagt -- echt ne Challenge.
Aber eins habe ich schon nach der ersten schrecklich bescheidenen Nacht gemerkt--- selbst mit gefühlt keinem Schlaf und dreimal Umziehen war ich morgens nicht wesentlich fertiger als mit meinem sonst üblichen Kater.
Entgegen meiner ersten Trinkpause haben die fiesen Nächte echt lange angehalten. Es hat bestimmt fast 2 Wochen gedauert, dass ich -- und jetzt Achtung:

RICHTIG SUPER SCHLAFE!

Ich wusste gar nicht mehr, wie das ist. Durchschlafen, normal träumen, morgens mit so einem wohligen Gefühl des Verschlafen-Seins aufwachen. Wisst Ihr, die Ihr noch trinkt -- so als Kind -- so richtig wohlig, kuschlig aufwachen.....

Keine Ahnung, wie es anderen geht, die trinken -- bei mir war es die letzten Monate (oder Jahre? Hmm...) so, dass ich ange-/betrunken eingeschlafen bin und morgens teilweise zu unmöglichen Uhrzeiten wach wurde -- mal um 4, mal um 5 und dann mein Blutdruck irgendwie schon oben war. An Weiterschlafen kaum zu denken, obwohl ich elends-kaputt war. Toll. Und dann richtig fertig zur Arbeit dappeln.
In der "End-Zeit" war es dann sogar so, dass ich am Wochenende teilweise schon wieder was zu den unmöglich frühen Aufwach-Zeiten getrunken habe, in der Hoffnung, dann wieder einschlafen zu können.
Was mir eher nicht so gelang. Und dann war der Tag im Eimer. Manchmal hab ich mich auch zum Schlafen bringen können und war dann ab mittags wieder ready. Mit nem sehr schlechten Gewissen und dem Gefühl, es schon wieder so richtig verk... zu haben.

[...]

Was du da schilderst sind typische Entzugserscheinungen, sei eher dankbar, dass nicht mehr passiert ist, kann auch mal in die Hose gehen.

Der Rest: Schreibe dir das auf, hebe die Anfangseuphorie auf und trage sie mit dir :) es sind unglaublich schöne Gefühle, es wird auch schlechte Zeiten geben, da hilft es manchmal sich an die Zeit zu erinnern.



Hast du dir mittlerweile nochmal Gedanken zur Suchthilfe gemacht? SHG oder Therapie? (ich habe da eine Hörbuchreihe aus dem Buch "Lieber schlau als blau" im Kopf) Einfach mal hingehen sich anhören evtl auch mal mit denen Reden ... mir hat das unglaublich geholfen und zumindest statistisch hilft das ;)
Therapie muss auch nicht immer stationär sein ich habe zum Beispiel eine ambulante Therapie gewählt, 1-2 Abende die Woche, sonst normal arbeiten ... hilft mir immer noch grade weil der Therapeut auch recht gut auf mich eingehen kann und mir Baustellen zeigt an denen ich arbeiten kann und zum Teil auch schon Ideen zum WIE hatte.
Und ob ich nu 2x die Woche Abends in der Stadt bleibe nach der Arbeit .... das ist ein großer Gewinn für mich und schränkt mich kaum ein es ist Zeit die mir gut tut, und die nehme ich gerne.

Grüße

Barthell

Cadda
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Re: Nicht mehr (mich) aufgeben wollen

Beitrag von Cadda » 17.05.2018, 14:00

Hallo Mala, ich hab gerade alles von Dir durchgelesen. Das was Du geschrieben hast... ich hab mich völlig zurück gesetzt gefühlt in die Zeit, in der es mir exakt genau so ging. Wie oft man sich vorgenommen hat, es ab „heute“ sein zu lassen und abends hat man doch wieder da gesessen. Was das alles mit der Psyche gemacht hat. Schrecklich!

Sei froh, dass Du das los bist. Ich bin es auch :-)

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