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Schritt für Schritt und Tag für Tag

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Cadda
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Cadda » 09.02.2021, 07:44

Hallo Mari,


Ihr ging direkt das durch den Kopf, was Carl-Friedrich schrieb. Wenn ich das Gefühl habe, mir fällt die Decke auf den Kopf oder ich will nichts hören und sehen und möchte mir Gutes tun, dann gehe ich raus. Eine Runde spazieren gehen wirkt Wunder, auch wenn man das sonst noch nicht für sich entdeckt hat.

Der „Urlaub“ von dem Du geschrieben hast, wäre doch nur kurz da. Danach bräuchtest Du Urlaub vom Urlaub, weil das Saufen die reinste Misshandlung der Seele ist. Und da wären wir wieder beim Teufelskreis.

Denk Deinen „Urlaub“ zu Ende, also nicht nur die Gefühle beim Trinken mit einkalkulieren, sondern auch die Gefühle NACH dem „Urlaub“. Denn jeder Urlaub geht zu Ende. Es sein denn, man stirbt im „Urlaub“...

Du schaffst das! Immer erst Denken, dann Handeln :-)

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 09.02.2021, 12:46

Lieber Carl Friedrich,
liebe Thalia,
liebe Cadda,

ich danke euch sehr, sehr, sehr für eure aufbauenden Worte, die mir sehr guttun. Und ihr trefft in so vielen Dingen schon wieder den Nagel auf den Kopf, ich fühle mich verstanden und aufgefangen. Eure Tipps und Gedankenanstöße helfen, ich lasse das gerade alles ein bisschen sacken und auf mich wirken...

Danke, auch für die guten Wünsche, eure Mari :)

Nala
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Nala » 09.02.2021, 23:43

Hallo Mari!

Ich kann gut nachvollziehen, was du meinst.
Mir fällt es auch sehr schwer, wenn ich mal auf Hilfe angewiesen bin, diese schlicht anzunehmen und die "Schwäche" zuzulassen.
Und auch, aus Überforderung und Stress/Anspannung den Druck, zu trinken zu haben.

Ich habe das mal ganz krass erfahren, als ich wegen meiner Depressionen stationär in einer Klinik war. Ich war da vier Wochen. Die en zwei Wochen war ich einfach nur kaputt und hab das ganze nicht so wirklich an mich rangelassen. In der dritten Woche war ich extrem gereizt, wollte alles hinschmeißen, weil ich mich eingesperrt und bevormundet fühlte. Die viele freie Zeit ohne feste Aufgaben und Beschäftigung haben mich verrückt gemacht, stand das doch auch in krassem Gegensatz zu meinem "normalen" Leben. Die Ärzte und Pfleger haben mir gebetsmühlenartig erklärt, dass genau das der Punkt ist. Dass ich permanent unter Dauerstrom stand und jetzt einfach mal runterkommen soll und loslassen und nicht immer mit Aktivität alles deckeln, wie ich es sonst tat.
Das war eine harte Lektion! Ich hab getobt am Telefon mit meinem damaligen Partner und meiner Freundin, hab mit den Pflegern und Mitpatienten diskutiert, dann flossen sehr viele Tränen.... Und ich habe gelernt, ich muss nicht immer auf Biegen und Brechen die Starke sein, ich darf auch mal schwach sein, ich darf vor allem auch negativen Gefühlen Platz einräumen. Trotzdem wird zu mir gestanden und ich werde aufgefangen und ich bin deswegen kein Loser oder schlechter Mensch. Auch wenn einem in der heutigen Gesellschaft leider oft genau das vermittelt wird. :mrgreen:
Es heißt nicht, dass das Thema seitdem bei mir durch ist, aber ich kann doch etwas besser auf mich achten und auch mal sagen, ich brauche jetzt mal meine Ruhe und Zeit für mich.

Ich weiß nicht, ob dir mein Beitrag was gibt, aber bei deiner Schilderung musste ich spontan an dieses Erlebnis denken.

Liebe Grüße

Nala

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 10.02.2021, 11:21

Liebe Nala,

und ob mir dein Beitrag was gibt! Ganz herzlichen Dank für deine Worte. Ich leide ja auch seit langem an Depressionen und es ist genau mein Thema, loslassen, innehalten und Gefühle zulassen.
Nala hat geschrieben:
09.02.2021, 23:43
Die Ärzte und Pfleger haben mir gebetsmühlenartig erklärt, dass genau das der Punkt ist. Dass ich permanent unter Dauerstrom stand und jetzt einfach mal runterkommen soll und loslassen und nicht immer mit Aktivität alles deckeln, wie ich es sonst tat.
Ich glaube, das ist es! So langsam begreife ich, dass mich der Alkohol und mein Aktionismus von mir selbst ablenken. Ich habe in den letzten Tagen bewusst innegehalten, alles runtergefahren und mich dem (Gefühlschaos :lol: ) gestellt, was dann kam. Es war aufreibend und kräftezehrend, aber ich bin da durch gegangen und fühle mich heute auch schon wieder ein bisschen gefestigter. Der Saufdruck ist auch weg.
Carl Friedrich hat geschrieben:
08.02.2021, 19:58
Mir hat es bei Stress immer geholfen, die Natur aufzusuchen.
Thalia1913 hat geschrieben:
08.02.2021, 20:37
... „Einfach einmal fallen lassen.“ Die Schultern, die Hände, den Kopf sinken lassen und tief ausatmen.
Cadda hat geschrieben:
09.02.2021, 07:44
Wenn ich das Gefühl habe, mir fällt die Decke auf den Kopf oder ich will nichts hören und sehen und möchte mir Gutes tun, dann gehe ich raus.
Oh Mann ... bin grad baff ... ohne Worte ... Danke euch, ihr habt es mir alle geschrieben, aber jetzt kann ich es das erste Mal wirklich, wirklich verinnerlichen.

Heute ist ... Moment, ich gucke ... Tag 45 :mrgreen:

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 17.02.2021, 14:16

So, wollte mich auch mal wieder melden nach einigen turbulenten Tagen, die mal wieder mit innerem Stress aufgrund meiner eingefahrenen Glaubenssätze verbunden waren :roll: Aber ich habe deshalb nicht zur Flasche gegriffen, was ja erst einmal das Wichtigste ist. Das Verlangen hält sich zur Zeit zum Glück in Grenzen.

Das Thema Stress ist bei mir stark mit kindlichen Erfahrungen, auch in Verbindung mit meiner Vergangenheit als EKA, verknüpft. Das wird mir immer klarer. In der Therapie gehe ich diese Muster (und Traumata) an, ich hoffe, dass ich immer mehr den guten und gesunden Strategien Raum geben kann, damit nicht mehr der Alkohol als Ersatz herhalten muss. Das ist weiterhin mein Ziel, anstrengend, sich zu stellen und aufzuarbeiten, aber es führt für mich kein Weg dran vorbei.

Heute ist Tag 51.

Mari
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Mari » 23.02.2021, 13:58

Heute ist ein schöner Tag. Ich stelle fest, dass ich mich viel besser fokussieren kann. "Einfach nur sein". Ein Buch lesen oder Musikhören, in der Sonne sitzen. Und alles ohne nervös oder hibbelig zu werden. Kein inneres Gehetztsein. So schön ist das! Ich bin dankbar. Diesen Zustand werde ich konservieren für die schwereren Tage, die da kommen mögen.

Tag 58.

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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Nala » 23.02.2021, 18:51

Hallo Mari!

Das klingt super! Das momentane Wetter ist auch Balsam für die Seele!
Ich kann total gut verstehen, was du meinst! Das innerliche Gehetztsein kenne ich nur zu gut! Und bin auch immer dankbar, wenn mal etwas zur Ruhe komme!
Welche Art Bücher liest du? Ich bin eine absolute Leseratte und seit ca. 2 Jahren sind Krimis und Thriller meine Lieblingslektüre.

Viele Grüße!

Cadda
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Re: Schritt für Schritt und Tag für Tag

Beitrag von Cadda » 23.02.2021, 19:35

Hallo Mari,

es freut mich, dass es Dir gut geht und Du die Zeit genießen kannst! Dankbar. Das bin ich auch. Ich denke so oft dran, wie glücklich ich ohne den Alkohol bin.

LG Cadda

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