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Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

habskoeln
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Beiträge: 1
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Beitrag von habskoeln » 05.08.2008, 08:21

Ich bin nu noch ein Newbie und sollte ich gegen irgendwelche Regeln verstoßen so liegt das nicht in meiner Absicht.

Die Frage: "Darf ich als Alkoholkranker niemals wieder Alkohol trinken" birgt in meinen Augen ein riesiges Gefahrenpotential.
Wir, die wir hier nüchtern, trocken oder abstinent leben tun das, weil wir uns dazu entschieden haben - oder sehe ich das falsch?
Für mich persönlich sehe ich das so: Alleine schon die Erkenntnis, das der Alkohol mich fast umgebracht hat macht ihn für mich zu meinem größten Lebensfeind. Einen Feind zu kennen macht es einfacher ihn zu bekämpfen, ein Stück weit berechenbar. Aber da es eine Sucht ist, auch überhaupt nicht - Null - nada - nothing - beherrschbar.
Wenn ich die die jüngere Vergangenheit nochmal vorüberziehen lasse war die Entscheidung, dem Alkohol zu entsagen die beste Entscheidung die ich in 2006 gretroffen habe. Solche Situationen, das ich breit wie ein Hauptmann auf der Couch dahinvegetierte, meinen Mageninhalt irgendwelchen Eimerchen mehr oder weniger freiwillig übergab, aber, obwohl es mir hundeelend ging dieses verfluchte Zeugs wieder in mich rein schüttete - nein, sowas will ich nicht wieder erleben. Nie mehr. Wie dreckig ging es mir da - und wie hab ich mich bedauert - die böse böse Welt, was sie mir alles antut - mir, der Allen und Jedem doch nicht tut und nur Gutes will - schaut wie ich leiden muss - womit hab ich das verdient....
Meine Entscheidung, wieder das erste Glas zu trinken würde mich binnen kürzester Zeit wieder genau da hin bringen und noch ein Stückchen tiefer runter als ich damals war - Nein Danke! Nein Danke aus ganzem Herzen!

Zeitsprung. August 2008. Den letzten Alkohol habe ich am 5. Dezember 2006 zu mir genommen. edit.:xxxxxx half mir über den Entzug, die Angst vor dem Entzug. Nicht aber über die Angst zu versagen, es nicht zu schaffen. Meine ambulante Therapie ist nächsten Monat durch. Ergebnis: ich hab mich ausgesöhnt. Mit mir. Ich hab viel gelernt. Über mich. Primär mich und meine Krankheit so zu akzeptieren, Ängste zuzulassen, genauer hinzuschauen und hinzuhören, in und auf mich. Ich gehe vertrauensvoll mit mir selbst um, mein Leben hat wieder eine unglaubliche Qualität gewonnen, das Suchtmittel keine Macht mehr über mich. Ich werde auch für die Zukunft die Lebenssituationen nicht verhindern können, die mich damals zur Flasche haben greifen lassen, aber ich gehe anders damit um. Ich kann diese Situationen NÜCHTERN analysieren, kanalisieren und da hin packen, wo sie hingehören. Sie machen mich nicht mehr wehrlos sondern lassen Emotionen zu - und dazu gehören auch Ängste. Damit bewußt umzugehen erleichtert mir die Sache ungemein.
Ich bin abstinent. Und für mich heisst das: "frei von allen Suchtmitteln" und da gehört das Nikotin genau so dazu.
Und diese zufriedene Abstinenz macht mich stolz und glücklich.

Ich WILL gar keinen Alkohol mehr zu mir nehmen - Suizid auf Raten? Nein Danke - dafür lebe ich (wieder) viel zu gerne.
Ich vermisse Nichts - und schon gar nicht den Alkohol. Warum birgt das in meinen Augen dieses große Gefahrenpotential? Ein Rückfall ist für mich nicht das eigentliche Trinken, der Griff zum Glas oder der Flasche. Das steht am Ende der Kette und ist "nur" ein konsequentes Ergebnis. Ein Rückfall fängt viel, viel früher an. Nämlich mit dem Zurückfallen in alte Denk-, und Verhaltensstrukturen. Wenn das Denken und das Verhalten schon wieder so wird, wie es in der nassen Zeit war, dann kann das Suchtmittel wieder Macht über mich erlangen, und der eigentliche Griff zum Alk ist dann "nur noch" das Ergebnis einer langen Ereigniskette. Gehe ich gut mit mir selbst um, sorge gut für mich und denke auch schon mal den einen oder anderen Gedanken mehr als ein Nicht-Suchtkranker, erkenne ich viele Weichen, die ich auf einem eventuellen Weg in den Rückfall umlegen und die Todesspirale verlassen kann.
Gedanken, ob ich jemals wieder Alkohol trinken darf, gehören nicht dazu.
Eigene Meinung aus.

edit.Speedy53//bitte keine Medikamenten- Marken- oder Handelskettennamen nennen - Danke!

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 05.08.2008, 08:43

Hallo Habskoeln,

du hast gegen nichts verstoßen , das wir nicht entdecken würden. :lol: Bitte keine Medikamente nennen und schon geht es weiter. :wink:

ich antworte dir mal hier weil ich keine Thread von dir entdecken konnte. Das wäre von Vorteil für dich um dich besser kennen zu lernen.

@habskoeln
Einen Feind zu kennen macht es einfacher ihn zu bekämpfen, ein Stück weit berechenbar. Aber da es eine Sucht ist, auch überhaupt nicht - Null - nada - nothing - beherrschbar.
Ich habe aufgehört zu kämpfen und kapituliert!
Der Alkohol lebt zwar noch aber ich gehe ihn aus dem Weg und wir beide haben erkannt das es besser ist :wink:
Beim Kampf verlierst du immer gegen den Alkohol denn er bleibt unberechenbar und ist nie berherschbar, wie du selbst erkannt hast.

das sind mal meine Erfahrungen dazu

Gruß Hartmut

Karsten
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Re: Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Beitrag von Karsten » 20.02.2019, 19:00

Hallo,

da ich heute irgendwo gelesen habe, dass man sich langfristig eventuell das Ziel setzt, doch wieder ab und an Alkohol trinken zu können, möchte ich dieses Thema mal wieder aktivieren.
Denkt ihr auch so oder ist das Thema für euch durch?

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Beitrag von Carl Friedrich » 20.02.2019, 20:15

Hallo!

Solange dieser Gedanke noch irgendwo im Hirnstübchen herumgeistert, ist man erheblich rückfallgefährdet. Eine zufriedene Abstinenz lässt sich erst gewinnen, wenn man sich von diesem Gedanken löst.

Der genannte Gedanke ist dann womöglich der Anfang allen Übels.

Da man die eigenen Gedanken nicht immer so steuern kann, wie es angebracht wäre, sollte bei einem derartigen Gedanken sofort gegengesteuert werden.

Ich habe mal hier im Forum gelesen: Kommt der Gedanke auf, sollte man sich selbst zurufen: "Halt! Stopp! Irgendwas stimmt nicht!"

Gruß
Carl Friedrich

chriscross
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Re: Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Beitrag von chriscross » 21.02.2019, 08:58

Bin noch relativ kurz weg vom Alkohol (2,5 Jahre) und finde auch wie Carl Friedrich dass dieser Gedanke der Anfang allen Übels darstellt. Ich denke wenn man die Krankheit begriffen und akzeptiert hat versteht man, dass diese Substanz im eigenen Leben nichts mehr verloren hat .

Und im Gegenteil freue ich mich über jeden Tag mittlerweile an dem ich diese Substanz mir nicht mehr zuführen *muss! Kein Zwang, aber Freiheit mit wahren Gefühlen und echten Freunden was will man mehr?! Vielleicht deuten solche Gedanken auch eher darauf hin, dass man sich in einer Trinkpause befindet.

Slowly
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Re: Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Beitrag von Slowly » 28.02.2019, 06:54

Hallo, ich glaube es ist ganz einfach.

Man ist erst wirklich trocken, wenn man nicht mehr trinken will.

Sich auf den Weg zu dieser Einstellung zu machen, und ihn immer weiter zu verfolgen, bildet den Charakter.....

Das hat Nebenwirkungen, ziemlich oft, ziemlich gute sogar. ;)

Liebe Grüße

Slowly

Pellebär
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Re: Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Beitrag von Pellebär » 28.02.2019, 07:13

Moin

Dürfen darf ich schon, nur, ich habe für mich entschieden, es nicht mehr zu wollen.

LG PB

schatzmeister
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Re: Darf ein Alkoholiker nie wieder trinken?

Beitrag von schatzmeister » 28.02.2019, 22:41

Hallo,
Am Anfang hab ich an das Nie wieder darfst Du trinken nicht gedacht,da ging es von einem Tag zum Nächsten immer schön in Kleinen Schritten,das fand ich wesentlich einfacher und für mich irgendwie besser zu schaffen.Das Nie ist so eine Unendliche Grösse,erscheint gar nicht fassbar.Dann später mit erreichter Festigung wurde aus dem Nie eine Tatsache,eine feste Grösse,eine Selbstverständlichkeit ,nur der Einzige Weg für mich.
Ich will nicht mehr trinken kam dazu.Und so steht es für mich in Stein gemeiselt da.Anders kann ich nicht überleben.
LG schatzmeister

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