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Ein neuer, unbekannter weg liegt vor mir.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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joschi018
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Beitrag von joschi018 » 18.07.2014, 10:21

Einen Gruß an euch alle aus der Klinik.
Heute ist Tag 15 und ich habe bei der Visite noch eine kleine Verlängerung erwirkt, wegen des Themas Depressionen.

Mittlerweile habe ich für Treffen bei SHGs Tagesurlaub und diese Real-SHG Treffen tun mir sehr gut, da ich ein direktes Feedback meiner Situation erhalte.
Mein erster Tagesurlaub zu Hause war sehr positiv ohne Suchtdruck. Am kommenden WE habe ich Tagesurlaub incl. Übernachtung, worauf ich mich sehr freue!
Für den Fall akuten Suchtdrucks gibt es die Möglichkeit meiner Notfallkarte sowie sofortige Rückkehr in die Klinik.
Bin aber sehr zuversichtlich und hoch motiviert!

Für nächste Woche habe ich einen Termin bzgl. Sozialbericht und Abgabe des LZT-Antrags.

Was war für mich wichtig diese Woche?
- das die LZT ins Rollen kommt
- das ich eine erste Tagesstrukturplanung für zu Hause erstellt habe
- daß ich weiß: " Du bist nicht alleine mit deiner Krankheit"

Ok, hab jetzt Therapie - bis dann!

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 19.07.2014, 12:10

Hallo!!

Bin jetzt zu Hause (Tagesurlaub + Übernachtung) und kann am Rechner schreiben.

Für alle, die es interessiert, was so am Anfang passierte, hier mal ein kurzer Abriss meiner Geschichte.
Alkoholkonsum gab es schon seit meiner Jugend. Damals aber noch nicht mit dem Ziel, besoffen zu sein, sondern im Rahmen der Gruppe, der ich angehörte (Kumpels etc.).
Das Trinken "wuchs" dann immer mehr in mein Leben hinein, bis es ein zentraler Bestandteil war.
War es am Anfang (in jungen Jahren), noch das Trinken am Wochenende, auf einer Party; so wurde es mit fortschreitendem Alter auch Bestandteil des Tagesablaufes. Abends nach Feierabend mal ein Bier, mal auch zwei.
Ein Weinchen zum Essen, auf ner Party mal ein härterer Drink.

Richtig reingehauen hat der Alkohol aber erst Anfang der 90er. Dort habe ich ihn erstmals bewusst genutzt, um mich zu beruhigen, zu entspannen, um Probleme zu vergessen.
Da dieses Vorgehen ja in der Regel von Erfolg gekrönt ist, merkt sich das Belohnungssystem unseres Körpers dies und dann geht es eben weiter.
Ca. Ende der 90er war ich dann soweit, daß ich regelmäßig abends 4-8 Bier (0,5l) getrunken hatte, mindestens an 4 Tagen der Woche.

In den letzten Jahren hat sich das Level dann nochmal deutlich erhöht. Wobei es immer darauf ankam, ob ich arbeiten musste oder nicht. Hatte ich Frühdienst, habe ich versucht, mich zu beherrschen (mal gut, mal schlecht). Spätdienst war am Abend vorher schon deutlich mehr drin. Wenn sich aber Frei abzeichnete, dann habe ich meinen Kühlschrank gefüllt und nicht selten abends zwischen 8 und 15 Bier weggekippt. Eine Zeitlang wurde auch noch mit Wein gemischt, aber da ich durch Wein schonmal Totalabstürze hatte, die mir nicht gut bekamen, hab ich das sein lassen.
Die Krönung waren dann die freien Tage, an denen ich dann auch mal im verlauf eines Tages (nachmittags gestartet) eine komplette Palette (24 Dosen a' 0,5l) Bier vernichtet habe!
Den Tag darauf habe ich dann mit Erholung verbracht, damit ich am übernächsten Tag dann wieder "fit" war.

Ein abstinentes Jahr hatte ich von 2010 - 2011. Dort dachte ich noch, daß ich das alleine schaffe. Hatte zwar Kontakt zu einer Suchtberatung und auch Kontakt in Selbsthilfegruppen; das war mir aber alles zu dubios und ich dachte damals:
"Ich bin nicht so wie die...."

Was hat nun meinen Umbruch bewirkt?

Zum einen der immer höhere Konsum und damit einhergehend wurde es immer auffälliger, da ich zeitweise sehr schnell betrunken war.

Das "alleine trinken": Da ich Angst hatte, auffällig zu werden in Gesellschaft, habe ich eben alleine getrunken; da ist es ja dann egal, kriegt ja keiner mit.

Die immer größer werdende Angst vor schweren körperlichen Schäden (Krampfanfälle, Korsakow etc.)

Die immer mehr abwärts tendierende Depressionsspirale: irgendwann wars mir ***, was mit mir ist; insgeheim war aber der Wunsch da, daß irgendjemand mich vielleicht "fndet" und mir dann hilft - Kraft hatte ich keine mehr.

Hab mich dann am 22. mai krank gemeldet und meinem Doc gesagt, was Sache ist. Er war sofort bereit, mir eine Einweisung in eine Klinik zur Entgiftung zu geben, aber irgendwie scheute ich davor. Ein paar Tage später war ich dann nochmal bei ihm und habe dann den Entschluss gefasst, freiwillig zur Entgiftung zu gehen.

Dort bin ich mittlerweile den 16. Tag und seit 16 Tagen trocken und habe die Wahrheit akzeptiert, daß ich alkoholkrank bin und es ohne fremde Hilfe nicht mehr schaffe. Deshalb bin ich auch bis jetzt für die Behandlung und die Therapien in der Klinik sehr dankbar!
Sehr interessant: Ich wusste gar nicht, daß meine Tagesstruktur sich komplett aufgelöst hatte; das musste ich hier in der Klinik erst wieder neu lernen.
Soviel zu meinem "Werdegang", ab jetzt gehts in der Gegenwart weiter. 8) 8) 8)

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 20.07.2014, 11:19

Gestern abend 5km querfeldein gewalkt und heute früh 2 Stunden im Schwimmbad - nach dem Sport fühle ich mich immer sehr lebendig und spüre meinen Körper endlich wieder richtig - Klasse Gefühl!

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 20.07.2014, 16:13

joschi018 hat geschrieben:Gestern abend 5km querfeldein gewalkt und heute früh 2 Stunden im Schwimmbad - nach dem Sport fühle ich mich immer sehr lebendig und spüre meinen Körper endlich wieder richtig - Klasse Gefühl!
Hallo Joschi,

ich denke, v.a. das Gefühl, sich aufgerafft zu haben, was geschafft zu haben, ist das, was sich so gut anfühlt. Mit Promille intus kommt kaum ein Mensch auf die Idee, sich nochmal nach draußen zum Walken oder Laufen zu begeben...

Ich nenne es immer vom Passiv ins Aktiv wechseln...das klappt nicht immer, aber immer öfter :-)

Schönen Gruß

Andreas

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 20.07.2014, 16:54

Carpenter hat geschrieben:
joschi018 hat geschrieben:Gestern abend 5km querfeldein gewalkt und heute früh 2 Stunden im Schwimmbad - nach dem Sport fühle ich mich immer sehr lebendig und spüre meinen Körper endlich wieder richtig - Klasse Gefühl!
Hallo Joschi,

ich denke, v.a. das Gefühl, sich aufgerafft zu haben, was geschafft zu haben, ist das, was sich so gut anfühlt. Mit Promille intus kommt kaum ein Mensch auf die Idee, sich nochmal nach draußen zum Walken oder Laufen zu begeben...

Ich nenne es immer vom Passiv ins Aktiv wechseln...das klappt nicht immer, aber immer öfter :-)

Schönen Gruß

Andreas
Das ist richtig!
Ich hatte in meiner Trinkzeit keinerlei Elan mehr, irgendwas zu tun. Zum einen wegen des Alkohols, der einen immer träger werden lässt; zum anderen durch meine alkoholbedingten Depressionen, die mir vorgaukelten, "...es ist eh alles egal...".
Der Sporrt beseitigt aber auch sehr effektiv alle Grübeleien und das "Chaos im Kopf"; denn nach einer anstrengenden Sporteinheit ist da kein Platz mehr.
Schöner Nebeneffekt: Die Kilos purzeln!!

Ich bin heilfroh über den Schritt in die Klinik, denn dort habe ich wieder einen strukturierten Tagesablauf kennengelernt.
Meine Aufgabe ist es nun, eine Struktur für die Zeit nach der Klinik zu erstellen, damit ich nicht wieder ins gleiche Loch falle. Dazu habe ich schöne "Strukturbögen" von der Psychologin bekommen, wo ich meine Aktivitäten für die kommende Woche eintragen kann.

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 20.07.2014, 17:10

joschi018 hat geschrieben:
Ich bin heilfroh über den Schritt in die Klinik, denn dort habe ich wieder einen strukturierten Tagesablauf kennengelernt.
Meine Aufgabe ist es nun, eine Struktur für die Zeit nach der Klinik zu erstellen, damit ich nicht wieder ins gleiche Loch falle. Dazu habe ich schöne "Strukturbögen" von der Psychologin bekommen, wo ich meine Aktivitäten für die kommende Woche eintragen kann.
Die Sache mit den Strukturbögen scheint mir ne stimmige Sache zu sein...wieder einen festen Tagesablauf zu etablieren, klare Strukturen zu schaffen, vermeidet Motivationslöcher, Langeweile und damit verbundene Gedanken ans Saufen.

Alles Gute und schöne Zeit Dir

Andreas

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 24.07.2014, 17:09

So Leute, hab heute ein paar Stunden "Ausgang" für wichtige Termine und heute abend meine "Live-SHG".
Daher kann ich hier zu Hause mal ein kurzes Update geben:

Mir geht es nach wie vor gut, meine Stimmung ist auch gut und ich fühle mich wohl.
Heute hatte ich einen sehr wichtigen Termin bei meiner Chefin, wo geklärt wurde, wie es weitergeht.
Zur Info: Ich hatte meiner Chefin nach meiner Krankmeldung nur eine kurze Info per Mail abgegeben, daß sich mein Krankenstand hinziehen wird, sie um Verständnis gebeten. Genaue Umstände hatte ich ihr noch nicht geschildert.

Heute beim Gespräch habe ich ihr dann erklärt, was Sache ist und die Alkoholkrankheit offen auf den Tisch gelegt. Sie war total baff und sagte mir, daß sie niemals geahnt hätte, daß ich solche Probleme habe.
Genauso wie mit den Depressionen - ich hatte in der Firma einfach nicht den Eindruck hinterlassen, daß da irgendwas im Busch ist.

Da ich ja die Woche mich mit der Psychologin in der Klinik über das Thema "Fassade" unterhalten hatte, konnte meine Chefin dies durchaus nachvollziehen.
Kurzum: Meine Fassade auf der Arbeit war derart perfekt, daß keiner irgendwas gemerkt oder geahnt hatte!!
Umso schlimmer war ja dann auch das tiefe Loch, in welches ich nach Feierabend gefallen war; denn es ist ganz schön anstrengend, eine solche Fassade dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Das Gespräch selbst ist sehr positiv ausgegangen; mein Wunsch nach einer Veränderung der Arbeitsstelle ist kein Problem (ich wusste ja gezielt, wo ich hin versetzt werden will - war ja bis zu meiner Krankmeldung selbst Abteilungsleitung..).

Thema Langzeittherapie:
Ich war heute in der Beratungsstelle wegen des Sozialberichtes; wir sind das Thema ausführlich durchgegangen und die positive Nachricht ist, daß mein Antrag gesondert behandelt wird und somit auch schneller bearbeitet wird (Status dringend). Grund dafür ist eigentlich sehr banal, passt aber gut:
Ein Sozialarbeiter aus einer Sucht-Fachklinik macht dort gerade eine Art Praktikum und ich bin quasi sein "Arbeitsauftrag".
Nächste Woche weiß ich mehr.....

Achja, meine Entlassung ist nun Fakt: Am 31.7. gehts nach Hause....

Soweit erstmal....haltet die Ohren steif und trocken bleiben :-)

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 31.07.2014, 12:54

Moin in die Runde!!

Es gibt Neuigkeiten!!

Heute bin ich aus der Klinik entlassen worden. War schon ein sehr seltsames Gefühl, denn obwohl ich "nur" 4 Wochen dort war, hat der Aufenthalt die Grundlage für tiefgreifende Veränderungen gebracht. Auch die Beziehung zu 2,3 Mitpatienten, die mit mir kamen, hat sich sehr intensiviert und so war die Entlassung schon ein Abschied mit einem "leicht" weinenden Auge.

Aber mein Weg liegt ja nicht in Zukunft in irgendwelchen Kliniken, sondern im Alltag!

Vorhin bekam ich dann Info von der Caritas, daß der Antrag LZT zum Kostenträger gefaxt wurde mit Hinweis auf schnelle Bearbeitung.
Mein Platz in der Klinik Schloss Falkenhof, Bensheim ist beschlossene Sache und ich habe die Bestätigung eines Platzes erhalten.

Die Dame von der Caritas sagte mir, ich solle mich schon mal auf eine kurze Wartezeit einstellen - mal schauen!

Auf jeden Fall freue ich mich über diesen Verlauf und werde in der Zwischenzeit an meiner Tagesstruktur basteln...

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