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Ein neuer, unbekannter weg liegt vor mir.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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joschi018
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Beitrag von joschi018 » 12.11.2014, 00:04

So...hier mal wieder News vom " schreibfaulen" Langzeit-Therapisten 😊

Eigentlich bin ich ja gar nicht schreibfaul, aber ich habe abends keine Muße, in der Cafeteria zu schreiben und auf dem S4 mini....naja.

Was gibts Neues?
Meinem Verlängerungswunsch wurde statt gegeben und ich bin nun bis 7.1.15 hier.
Das hört sich erstmal sehr lange an, aber ich habe festgestellt das ich die Zeit brauche

Hier bin ich ständig in Gesellschaft und habe somit jede Menge Möglichkeiten, mich mit anderen auszutauschen. Zu Hause ist dies aber nicht der Fall, dort lebe ich allein und habe auch keine Kontakte nach aussen.
Durch die Sauferei habe ich mich Stück für Stück zurückgezogen und im stillen Kämmerlein vor mich hin gesoffen und gelitten.

Hier habe ich nun die " Gruppenphase" durch; ich brauche nicht mehr den Dauerkontakt zu den anderen. Mit einem Pat. treffe ichmich regelmäßig zum Tischtennis-Training. Und mit dem einen oder anderen aus meiner Therapiegruppe mal zum Gespräch.

Mein " Job" ist jetzt die Konzentration auf die Zeit danach. Wie gestalte ich mein Privatleben - was kann und will ich verändern?
Z.B. werde ich am Heimatort einen Tischtennisverein besuchen, um eine regelmäßige Aktivität in mein Leben einzubauen.
Da sich meine Kondition hier um 500% verbessert hat, kommt auch das Fitnesscenter 1×/Woche auf den Plan

Aber....und auch das durfte ich hier lernen: Trotz allem Elan und Motivation immer hübsch auf dem Teppich bleiben!
Auszuufern, hochtrabende Pläne zu haben, alles am besten sofort haben zu wollen, waren negative Eigenschaften zu Saufzeiten.
Daher trainiere ich Achtsamkeit und Geduld - um nicht später wieder in die gleichen Fallen zu tappen.
Das spiegelt sich auch in meiner Abstinenzentscheidung wider. Zu Anfang, noch in der Entgiftung, hiess es:
- Ich darf nie mehr Alkohol trinken
Dann, einige Zeit später, merkte ich, daß diese Aussage doch ziemlich unrealistisch und vor allem ungenau ist. Also folgte Version 2:
- Ich werde den Rest meines Lebens keinen Alkohol mehr trinken
Schon anders, aber irgendwie gefiel mir darannauch irgendwas nicht. Bis es mir dann klar wurde:
- Ich will den Rest meines Lebens keinen Alkohol mehr trinken
Schon besser. Ich will etwas, ich habe mich bewusst entschieden. Aber der Zeitraum" den Rest meines Lebens" fühlte sich sehr unrealistisch an. Irgendwie zu lange. Durch den Besuch mehrerer AA-Gruppen hat sich dann die endgültige Version gebildet:
- Ich will heute trocken bleibe - die nächsten 24 Stunden".

Dieses Konzept ist für mich annehmbar, da diese Realität besser greifbar ist.
Als Symbol dazu habe ich einen kleinen Abreisskalender, der mir jeden Tag die neuen 24 Stunden zeigt.

Das wärs soweit mal von mir.
Ich wünsche allen weiterhin viel Erfolg und trockene Stunden....

Bis dann..
Joe

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 12.11.2014, 08:36

glück auf joe

ja - mit dem ich will trocken bleiben kanns klappen :wink:

schöne zeit

:D
matthias

joschi018
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Kleines Hallo zwischendurch!

Beitrag von joschi018 » 23.11.2014, 13:28

Bin wieder mal kurz (2 Nächte) in der Heimat.
So langsam geht ja nun mein Aufenthalt dem Ende entgegen. Bei meinem letzten Posting am 12.11. sah das noch sehr lange aus, aber nun gehts ratzfatz - noch 6 1/2 Wochen!

Es gibt eine Regelung, bei der man die letzten 4 Wochen jedes Wochenende nach Hause kann. Die werde ich zwar nicht ganz nutzen, aber im Dezember habe ich wichtige Termine bei meinem Arbeitgeber. Ausserdem werde ich schonmal bei jeder Heimfahrt ein paar Sachen mitnehmen - dann ist der Koffer am Schluss nicht so voll :-)

Und nun muss ich mich gaaanz langsam mit dem Thema "Abschied aus der Therapie" auseinandersetzen. Bin ja nun seit Mai in diesem Modus, trotzdem fühlt es sich schon etwas seltsam an.
Klar freue ich mich darauf, wieder zu Hause zu sein. Aber der geschützte Rahmen ist auch weg. Ich fühle mich stabil und trocken, habe auch jetzt hier zu Hause keine Probleme mit Saufdruck oder Lust auf Alkohol.
Aber es sitzt ja immer noch die Tatsache im Hinterkopf, daß heute abend bei der Rückkehr eine Alkoholkontrolle gemacht wird und evtl. auch eine UK.

All diese "Kontrollfaktoren" fallen bei meiner Rückkehr nach Hause ja weg und der einzige, der dann noch kontrolliert, bin ich selbst.
Natürlich traue ich mir dies auch zu, aber es fühlt sich trotzdem seltsam an. Aber ich werde dieses Thema mal mit in die Gruppe nehmen; noch kann ich ja darauf zurückgreifen.

Okay, soweit erstmal.
Allen Anwesenden wünsche ich eine schöne, entspannte und trockene Zeit.
Joe

silberkralle
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Re: Kleines Hallo zwischendurch!

Beitrag von silberkralle » 24.11.2014, 08:21

glück auf joe
joschi018 hat geschrieben: Aber der geschützte Rahmen ist auch weg.
hm - ich kann mir schon vorstellen, dass das wegnehmen der "käseglocke" ne gewisse herausforderung is. aber wenn du dich gut drann erinnerst, weswegen du mit m saufen aufgehört hast und wofür du trocken bleiben willst, is das nur n weiterer schritt in die richtige richtung :wink:

schöne zeit

:D
matthias

joschi018
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Das neueste....

Beitrag von joschi018 » 03.12.2014, 23:38

Hallo in die Runde!

So, so langsam gehts in die Endrunde!

Bin aktuell gerade zu Hause, weil ich morgen einen Termin auf der Arbeit habe (Fortbildung). Das ganze dann nächste Woche nochmal.
Weihnachten naht ja so langsam und in unserer Therapieeinrichtung hagelt es gerade einen Rückfall nach dem anderen.
Nach längerem hin und her stellen wir fest, es liegt definitiv am bevorstehenden Weihnachten!

Das ganze drumherum:
- Stress mit Lebenspartnern (Angst vor Trennung etc.)
- Stress mit Familie, Kindern usw (Druck wegen weihnachten, Erwartungshaltungen usw.)
erhöhen gerade das Rückfallrisiko enorm.

Jetzt könnte man denken, es betrifft die relativ neu dazu gekommenen, weil die noch nict so stabil sind. Pustekuchen!
Jungs, die bereits 15, 20 Wochen da sind, teils kurz vor Entlassung stehen, kippen um und werden rückfällig!
Das Thema ist momentan hochbrisant. Die Betroffenen haben zwar ziemlich schnell erkannt, daß da gerade was falsch läuft und einige von ihnen haben rechtzeitig die Notbremse gezogen, aber akut bleibt es trotzdem.

Ich werde ja die Feiertage dort verbringen und habe zum Glück auch keinen Stress von aussen. Aber auch bei mir spielt das Thema "Erwartungen an mich" gerade eine Rolle. Weihnachten war noch nie "mein Fest" gewesen und ich habe mir früher immer Stress gemacht mit dem Schenken.
Dieses Jahr ist es so, daß ich einfach keine finanzielle Lücke mehr habe für Geschenke und habe daher meiner Umgebung signalisiert, daß auch ich keine Geschenke möchte. So wollte ich den Erwartungsdruck an mich, etwas zurück zu schenken, beseitigen.

Aber nun kommt es doch anders:
Man hat mir aktuell zum nahenden Nikolaus ein kleines Geschenk gemacht - trotz meiner Ansage - und ich hatte für einen Moment wieder diesen Gedanken im Kopf: " Jetzt muss ich doch was schenken....".
Ich habe aber die Kurve gekriegt, indem ich mir eingestanden habe, daß ein anderer jederzeit die Freiheit hat, sich für ein Geschenk zu unterscheiden, auch wenn nichts zurückkommt. Deshalb muss ich mir keinen Druck machen.
Ich habe meine Botschaft abgeschickt und sie wurde akzeptiert. Entscheidet nun jemand für sich anders, ist es ok.

Ich für meinen Teil werde mich zurücklehnen und in aller Ruhe den Dezember beenden...

Tja, das Thema hört nie auf. Heute früh in einer Gruppe kamen noch Aussagen wie:
- "wenn ich hier fertig bin, bin ich geheilt.."
- " irgendwann ist Schluss mit der Alkoholkrankheit.."
- " wenn man mal ein paar Jahre trocken war, muss man sich keine Gedanken mehr machen.."
Diese Aussagen auch wieder teilweise von Leuten, die schon länger dabei sind.

Zu Anfang meines "Therapieweges", in der Entgiftung, hatte ich noch eine gewisse Angst davor, "aus Versehen" Alkohol zu konsumieren oder Angst davor, wieder in meinen Stammgeschäften einzukaufen.
Mittlerweile hat sich meine Einstellung zum Thema grundlegend geändert und ich habe mir gegenüber eine klarere Haltung. Diese Angst ist verschwunden, doch gerade aktuell durch die vielen Rückfälle, bleibt eine Nachdenklichkeit.

Die darf aber ruhig bleiben, damit die Wachsamkeit immer erhalten bleibt. Deshalb habe ich mir ja auch feste SHGs gesucht.

Ok, das wars erst mal. Bleibt sauber und trocken.....
joschi

silberkralle
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Re: Das neueste....

Beitrag von silberkralle » 04.12.2014, 08:19

glück auf joe
joschi018 hat geschrieben: Die darf aber ruhig bleiben, damit die Wachsamkeit immer erhalten bleibt. Deshalb habe ich mir ja auch feste SHGs gesucht.
dafür gibt’s n apfel (vom baum der erkenntnis)

ja - das thema bleibt, bis die 6 bretter zusammengenagelt werden.

s wird mit der zeit selbstverständlicher, vielleicht auch leichter - aber s bleibt.

schöne zeit

:D
matthias

step-by-step
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Beitrag von step-by-step » 04.12.2014, 12:01

Hallo Joschi,
danke dass Du uns so treu an Deinen Gedanken und Gefühlen teil haben lässt! :)
Für mich, die knapp ein halbes Jahr ohne Alkohol lebt, ist es hilfreich, Einblicke auf die unterschiedlichen Lebenswege in die Trockenheit zu erhaschen.

Manchmal kann ich dadurch ein paar Steine auf meinem eigenen Weg beiseite räumen!

Pass weiterhin gut auf Dich auf!

Geruhsame Grüße
step

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 04.12.2014, 23:44

step-by-step hat geschrieben:Hallo Joschi,
danke dass Du uns so treu an Deinen Gedanken und Gefühlen teil haben lässt! :)
Für mich, die knapp ein halbes Jahr ohne Alkohol lebt, ist es hilfreich, Einblicke auf die unterschiedlichen Lebenswege in die Trockenheit zu erhaschen.

Manchmal kann ich dadurch ein paar Steine auf meinem eigenen Weg beiseite räumen!

Pass weiterhin gut auf Dich auf!

Geruhsame Grüße
step
Ich nenne es "Werkzeuge sammeln". Ich habe mir eine virtuelle Werkzeugkiste gezimmert und sammle so im Laufe der Zeit Werkzeuge zusammen. Dazu gehört nun auch die Wachsamkeit.

Schöne Vorweihnachtszeit - ohne Glühwein und Konsorten - wünsche ich allen!!

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