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Ein neuer, unbekannter weg liegt vor mir.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

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Martin

Beitrag von Martin » 27.11.2011, 14:16

Hallo Joschi,

herzlichen Glückwunsch nachträglich und einen schönen 1. Advent.

LG Martin

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 28.11.2011, 08:55

glück auf joschi
joschi018 hat geschrieben: am 24.11.2011 habe ich mein 1. Jahr trocken vollendet!!
gratulation
joschi018 hat geschrieben: Mittlerweile hat sich dieser alkoholfreie Lebensstil so integriert, daß es fast zur Beiläufigkeit wird.
Aber: vergessen werde ich es nicht - es hängt zuviel dran.
Auf jeden Fall bin ich (und meine Lebensgefährtin) stolz auf das 1. Jahr.
gefällt mir sehr

schöne zeit

:D
matthias

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 26.01.2014, 22:41

Ein Hallo aus weiter Ferne!

Lange habe ich überlegt, ob ich hier wieder einsteigen soll. Warum überlegt?
Weil meine damalige Euphorie bezüglich "1 Jahr nichts trinken" voll den bach runter gegangen ist!!

Am 24.11.2011 hatte ich noch stolz verkündet, daß ich 1 Jahr nichts mehr getrunken habe - was auch korrekt ist - aber schon einige Zeit danach hats mich wieder voll erwischt!

Einige Wochen danach war ich wieder in meinem alten Level angelangt, hab fröhlich mehrmals die Woche abends meine 5-10 0,5er Bierchen gezischt und mich einen Dreck drum geschert, wie das trockene Jahr verlaufen ist.

Was ist schief gelaufen?
Nun: Ich hatte mir vorgenommen, 1 Jahr nichts zu trinken. Das war der ganze Zauber. 1 Jahr.
Da ich ein sehr durchhaltewilliger Mensch bin, habe ich das als sportliches Angebot gesehen und jenes Jahr auch durchgezogen.
Allerdings mit dem Fehler, noch nicht tief genug nach den Hintergründen des Trinkens zu suchen und es fehlte die Einsicht, daß es nur noch ohne geht.

In der Zwischenzeit ist folgendes passiert:
- Anfang 2012 wieder angefangen mit Trinken
- wieder in dem alten Muster meines Jobs weitergemacht, zusätzlich noch eine neue Leitungsfunktion übernommen und dem alten Trott gefolgt
- Mitte 2012 habe ich dann festgestellt; hier geht gar nichts mehr. Beziehung war komplett festgefahren; Arbeit machte so gar keinen Spaß mehr.

Also hab ich im Mai 2012 gekündigt, die Beziehung beendet, meine 2 Harleys verkauft, Rucksack gepackt, ab zum Bahnhof und eine 2 Monate dauernde Tour durch die Tschechei und Ungarn gemacht.

Nach der Rückkehr nach einem neuen Job Ausschau gehalten, neue Wohnung gesucht und einmal komplett neu gestartet. Das Thema Alkohol hatte ich erst mal ganz hinten angestellt, da ich mich damit nicht befassen wollte/konnte (obwohl es ja zu bestimmt 70% der Hauptauslöser ist).

Im Herbst 2013 habe ich dann erneut einen Arzttermin gemacht (der gleiche wie damals), ihm alles nochmal geschildert, Untersuchungen mitgemacht. Danach habe ich dann einen Termin zu einer persönlichen Gesprächstherapie gemacht und seitdem auch schon einige (sehr aufschlussreiche) Sitzungen hinter mir.

Zu Weihnachten 2013 habe ich dann, nach erneuter Rücksprache mit dem Doc, aufgehört zu trinken. Jetzt aber noch mit Rückendeckung durch die Einzeltherapie.

Bis heute bin ich trocken, aber es schleichen sich ständig Verhaltensweisen/Gedanken ein, die in der Vergangenheit zum Trinken geführt hatten, z.B.
- Hurra, freies Wochenende
- anstrengender Dienst - Belohnung Bierchen
- Belohnung nach stundenlanger Wanderung
usw.

Durch die Gesprächsttherapie hat jetzt aber ein neuer Gedankengang Einzug in mein Leben gehalten:
Sich um sich selbst kümmern; sich selbst pflegen!!
Wir hatten in der Therapie herausgefunden, daß ich ein Gewohnheits-Trinkmuster habe und dieses Trinkmuster an alten Gewohnheiten, Erlebnissen (gut wie schlecht), Belohnungsritualen festmache. Im Verlaufe der Therapie kam dann das Thema "Veränderung".

Zuerst war es nur die räumliche Veränderung, aber die hat nicht so wirklich Auswirkungen auf das Trinkverhalten.
Aber dann bin ich an den Punkt "körperliche Veränderung" gekommen und habe mal Buch geführt, was und wie ich mich verändert habe und das Ergebnis hat mich schon erschreckt!!
Darauf folgte dann auch die Erkenntnis, daß ich die letzten 15 Jahre zwar nach aussen hin "normal" gelebt habe, mich aber in Punkto "Selbstpflege" komplett vernachlässigt hatte.
Zu spät ins Bett, zu früh wieder raus, kaum ausschlafen - freie Phasen mit Alkohol verbringen.
Hab auch nicht mehr so genau darauf geachtet, wie mein Körper sich verändert, mein Hautbild immer schlechter wird usw.

Daher kam der Schritt nun zur Selbstpflege. Je mehr Zeit ich nun mit mir z.B. morgens + abends im bad verbringe, je deutlicher wird mir das bewusst. Entspannung suche ich mir nun nicht mehr im Alkohol, sondern in kurzen Meditationen oder einfach mal einem Stündchen Schlaf.

Und somit bin ich wieder da - an einem Punkt, von dem ich dachte: "Da kommst du nie hin, andere vielleicht!"
Fazit der Therapie nun:
Ziel ist nicht mehr, einen begrenzten Zeitraum Trockenheit zu planen (1Jahr z.B.), sondern sich darüber klar zu werden, daß nur 0,0 Alkohol dauerhaft ein Ziel sein kann.
Daher streiche ich nun bewusst jeden vergangenen Tag auf dem Kalender durch und gehe die nächsten 24h an....

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 27.01.2014, 08:41

glück auf joschi
joschi018 hat geschrieben: Und somit bin ich wieder da
gratulation ja - is ernst gemeint - wenigstens hast du n A... in der hose.

veränderung - wär schön, wenn dazu gehört hier mehr zu schreiben.


schöne zeit

:D
matthias

Andi089
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Beitrag von Andi089 » 27.01.2014, 09:35

Hallo Joshi,

ich schließe mich Matthias komplett an und finde es sehr gut, dass Du dazu stehst!

du schriebst:
Daher streiche ich nun bewusst jeden vergangenen Tag auf dem Kalender durch und gehe die nächsten 24h an....
Genauso fängst Du wieder an, einen richtigen Weg für Dich selbst zu gehen.

Der regelmäßige Austausch hier, hilft mir auch sehr enorm bei meiner Trockenheit.

du schriebst:
Ziel ist nicht mehr, einen begrenzten Zeitraum Trockenheit zu planen (1Jahr z.B.), sondern sich darüber klar zu werden, daß nur 0,0 Alkohol dauerhaft ein Ziel sein kann.
Auch das ist ein guter Lösungsansatz um erneute Rückfälle vorzubeugen. Aber wie Du ja selbst schreibst, es geht immer um das Jetzt gerade und das sollte wichtig sein. Denn Jetzt nichts trinken ist ja auf Dauer das gleiche, wie nie wieder etwas trinken nur ohne so viel Druck! ;-)

Gut gemacht!

LG
Andi

yuppi
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Beitrag von yuppi » 29.01.2014, 10:23

huhu joschi,
ich finde es super, dass du nochmal angreifst und nicht aufgibst.- ich bin jetzt 6 monate trocken und mir gehts besser denn je.. auch wenn sich in stress situationen das täufelchen meldet... den wisch ich direkt von meiner schulter. der austausch hier und vor allem das lesen hilft mir nochmehr. ich habe mich ja erst kürzlich hier angemeldet (weiss gar nicht warum nicht schon eher.. hätte vieles erleichtert in den letzten 6 monaten). aber auch ich sage mir noch jeden morgen :heute trinke ich NICHT. ich mach mir jeden tag bewusst wie wichtig das für mich und meine kinder ist . es ist schön , dass man hier gemeinsam von tag zu tag gehen kann, man ist nicht so alleine:-)
lg
bella

joschi018
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Beitrag von joschi018 » 01.02.2014, 11:03

Danke fürs Feedback!! Kriegt man ja sonst nirgends...

Ja, es ist schwer. Bei meinem damaligen "1-Jahres-Versuch" ward as mehr oder weniger nur Spielerei..."da trink ich mal eben 1 Jahr nichts".
Dadurch habe ich mir den Blick komplett verstellt.
Auch die vielen Versuche, weniger, kontrollierter zu trinken, sind alle in die Hose gegangen, da ich blitzschnell immer wieder ins alte Verhaltensmuster hineinfalle.

Durch die Gesprächstherapie bin ich auf mich selbst gestoßen worden. Mit Bier trinken habe ich schöne Momente in der Vergangenheit verbunden, deshalb bin ich so angefixt auf Bier.
Durch eine langsame Veränderung meiner Rituale merke ich auch, daß sich eine Veränderung einschleicht.
Bsp: Bin abends nie vor 1 Uhr ins Bett gegangen, weil ich eben noch 2,3,4 Bierchen trinken wollte/musste.

Das neue Ritual ist jetzt: Abends ca. 21 Uhr wird eine Wärmflasche gemacht, ins Bett gelegt. Dann vielleicht noch ein bischen Mediathek gucken und spätestens nach 1 Stunde ins Bett.
Da lese ich dann noch ein bischen und gut is.

Die Therapeutin kam auf einen wichtigen Punkt: Entspannung.
Das war (und ist es immer noch) schwer, denn wenn ich meinen Tagesablauf betrachte, dann ist das ein "Vollgas-Tag".
- 5 Uhr aufstehen
- Duschen, Kaffee trinken und ab auf die Arbeit
- da ich in leitender Position bin, fahre ich dort dann innerhalb kürzester Zeit auf 100% Leistung hoch und dieses Level hält bis 15 Uhr an.
- Zu Hause esse ich dann eine Kleinigkeit und lege mich eine Stunde (oft auch zwei) auf die Couch.

Hier beginnt dann Part 2 des Tages mit vermeintlicher Entspannung:
- Computer an und Filmchen gucken: hier aber wenig Mainstream-Movies; vielmehr Dokus, sofern gut gemacht (Arte etc)
Dies empfand ich also immer als Entspannung, dabei ist es Anspannung pur: Erst die Tatsache, daß ich bewusst einen "Bettgeh-Zeitpunkt" gewählt habe und dort dann mit Wärmflasche noch lese, ist wirkliche Entspannung!!

Auf einen Punkt sind wir noch nicht konkret eingegangen, weil ich mich davor drücke:
Was tun, wenns dochmal juckt und das Verlangen nach dem Abendbier kommt?
Aufstehen und spazieren gehen hilft da gar nicht, da komme ich an mindestens 3 Kiosken vorbei! Hierfür muss ich noch ein Ritual finden, welches diesen Zeitpunkt überbrücken hilft....

So long....

marcomarco
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Registriert: 23.01.2014, 13:36

Beitrag von marcomarco » 01.02.2014, 11:34

Hallo,
Als Neuling lese ich gerade sehr viel hier im Forum. Ich sauge die Erfahrungsberichte nur so in mich auf und bin erstaunt, hoffnungsvoll und auch ängstlich.

Es tut mir dann leid zu lesen, dass andere einen guten Weg eingeschlagen haben, der aber in der Sackgasse endete.
Natürlich Erfahrungen muss jeder für sich selbst machen.

Ich habe dann auch grosse Angst nur eine lange Trinkpause einzulegen, und mir etwas vorzulügen, etwas "aushalten zu müssen"

Ich hoffe wirklich, dass Du für Dich einen Weg in eine zufriedene Abstinenz findest. Nicht aushaltend, begrenzt oder in irgendeiner anderen Form limitiert, sondern frei gewählt, geniessend und einfach lebendig.
So wie ich das gleiche auch für mich hoffe.

Viel Erfolg auf dem weiteren Weg.

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