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Einsichten eines Alkoholikers

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 27.02.2018, 11:48

Hallo Nobby

freut mich das du immer noch in trocken Gefilden unterwegs bist. Aber schon 7 Jahre? Kommt mir gerade vor als wenn du gestern erst freigeschaltet wurdest :lol:

Gruß Hartmut

Dante
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Beitrag von Dante » 27.02.2018, 12:10

Schön, von dir zu lesen, Nobby. ;)

NNGNeo
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Beitrag von NNGNeo » 27.02.2018, 23:45

hallo nobby

schön dich mal wieder zu lesen :)
grüße
NNGNeo

Linde66
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Linde66 » 12.01.2020, 12:14

Hallo Waschbär,
deinen Thread habe ich auf Seite 3 gefunden. :)
Wie geht es dir denn?
Ich habe dich gerade bei Correns gelesen.
Ihr Langzeittrockenen habt so viel zu geben, einfach durchs Aufschreiben von eurem Alltag.
Ich wünsche dir ein gutes Neues Jahr und würde mich freuen von dir zu lesen.
Lieber Gruß, Linde :)

Waschbaer
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Waschbaer » 15.01.2020, 12:10

Hallo Linde66,

zu der Frage wie es mir geht, es geht so.
Mit fast 62 Jahren sammeln sich die körperlichen Wehwechen wie Briefmarken im Album an. Ich lerne ständig damit zu leben und sie als meins zu akzeptieren.

"Ihr Langzeittrockenen habt so viel zu geben, einfach durchs Aufschreiben von eurem Alltag.„

Das sehe ich komplett anders. Mein Alltag unterscheidet sich nicht wesentlich von nicht Alkoholikern. Arbeiten, Einkaufen, Essen, Urlaube, Schlafen, Hobbys.

Ich verabscheue „soziale watsup und fatzebog“ als Geißel der Gesellschaft.
Aber wer es braucht sollte dort seinen ach so wichtigen Alltag aufschreiben.
Dankbare Leser wird er/sie dort zu Hauff finden.

Was mich eventuell von anderen unterscheidet sind immer noch die auftretenden Kicks
in Beziehung zum Alkohol. Noch immer schlägt das kurze heftige Verlangen zum Stoff zu.
Heute habe ich gelernt damit umzugehen. Mir ist immer wieder bewusst, es kann jeder Zeit und in allen möglichen und unmöglichen Situationen passieren.
Durch mein absolut gelebtes Lieblingswort „Risikominimierung“ fühle ich mich diesen Kicks nicht einfach nur ausgeliefert.
Bei allen Kicks und in der daraus resultierenden Erfahrungen weiß ich immer mehr, meine heutige Alkoholfreiheit in vollen Zügen zu genießen.
Und ja, im Gegensatz zu trinkenden Menschen muss ich Einschränkungen hinnehmen.
Aber die paar wenigen Einschränkungen ermöglichen mir heute ein durchaus zufriedenes und oft glückliches Leben.
Heute nach fast 9 Jahren ohne jeglichen Alkohol empfinde ich mein Leben wieder sehr lebenswert.
Ich kenne viele Zeiten da war es genau andersrum.
Bei alle dem spielt der Alltag in meinem Leben nur noch eine ganz normale Rolle.
Diese Rolle schaffe ich heute mit ganz normalen Dingen zu füllen. Somit kann ich auch durch mein Aufschreiben nicht viel geben was einen anderen Alltag betrifft.

Was mir hier seit längerem fehlt sind die vielen kleinen und großen Geschichten des Trocken -werdens. :roll:
Dort konnte ich oft mehr über mich lernen als woanders. :idea:

Liebe Grüße
Nobby :wink:

Sunshine_33
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Sunshine_33 » 15.01.2020, 13:25

Hallo Nobby,

Schön, das es Dir gut geht :)

Du schreibst:
Mein Alltag unterscheidet sich nicht wesentlich von nicht Alkoholikern. Arbeiten, Einkaufen, Essen, Urlaube, Schlafen, Hobbys.
Kann ich gut nachvollziehen.
Ich bin auch kein interessanterer Mensch geworden, nur weil ich nicht mehr trinke. :wink: :lol:
Ich tue auch genau das, was andere Menschen tun, die nicht süchtig sind.
Und das ist gar nicht sooo aufregend, als das ich unbedingt davon berichten müsste.

Ich bin aber ein grundsätzlich zufriedenerer Mensch geworden, habe durch meine Krankheit auch viel gelernt.
Als ich noch gesoffen habe, war ich unzufrieden und eher schwer erträglich, natürlich auch durch die innere Unzufriedenheit.
Trocken konnte sich dann vieles wieder zum Guten wenden. :)
Und ja, im Gegensatz zu trinkenden Menschen muss ich Einschränkungen hinnehmen.
Aber die paar wenigen Einschränkungen ermöglichen mir heute ein durchaus zufriedenes und oft glückliches Leben.
Darf ich fragen, in welchen Belangen Du Dich speziell eingeschränkt fühlst?
Ich empfinde meine Abstinenz ja eher als große Befreiung, kann keinerlei Einschränkungen feststellen, eher im Gegenteil.
Die einzige, die mir einfiele, wäre vielleicht, das bestimmte Speisen in Restaurants mit Alkohol zubereitet werden, obwohl das völlig unnötig ist.
Ich brauche keine Rieslingsoße, soll wohl irgendwie n edlen Eindruck machen, keine Ahnung.
Das eine oder andere Gericht hätte ich ansonsten gern bestellt.
Aber wenn man nachfragt, bekommt man vieles dann auch alkoholfrei zubereitet, beispielsweise wird eine andere Soße empfohlen, die ebenso gut passt etc.
Das man nachfragen muss, könnte man evtl. als Nachteil empfinden, aber so wild ist das ja nu auch wieder nicht, mal kurz was nachzufragen.

LG Sunshine

Linde66
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Linde66 » 15.01.2020, 13:52

Mein Alltag unterscheidet sich nicht wesentlich von nicht Alkoholikern. Arbeiten, Einkaufen, Essen, Urlaube, Schlafen, Hobbys.
Hallo Nobby,

ich glaube, das ist genau der Punkt, den die Neuen sich anfangs gar nicht vorstellen können. Irgendwann gibts den Aha-Effekt, daß ein trockener Alltag überhaupt möglich ist. :idea:
Das lag bis dahin außerhalb der Vorstellungskraft.

Vom vielen Lesen hier, vor allem auch im Vorstellungsbereich bei den Neuen, ist mir immer wieder aufgefallen, daß sich die Leute am Anfang gar nicht vorstellen können, wie ein alkoholfreier Alltag aussehen k ö n n t e .
Da wird viel von Verzicht geschrieben und davon, was sie alles NICHT ändern können oder wollen...


Ich bin beim Lesen quer durchs Forum immer wieder auf die Aussage gestoßen, daß gerade der stinknormale Alltag der LZT mit seinen Aufs und Abs, den Frischlingen als Orientierung dient. Learning by Reading sozusagen... und auch die Erkenntnis, daß Trockenheit einem nicht zum Superstar macht, aber daß man mit trockenem Kopf Alltagsprobleme besser anpacken kann. Mögliche Lösungswege dafür findet man bei LZT wie Sunshine, Petter, Silberkralle, Correns... :wink:

Mit Aufschreiben vom Alltag meine ich nicht solche ollen Facebook- oder Instagram-Stories. Ich kanns leider nur schwer in Worte fassen, was mir gerade im Kopf herumspukt.

Mein Briefmarkenalbum füllt sich mittlerweile auch mit diversen Zipperleins. :shock: :lol:
Freut mich sehr, daß es dir soweit gut geht - und wo es dir nicht so gut geht, du dich dem Gefühl nicht auslieferst.

Lieber Gruß, Linde

Waschbaer
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Waschbaer » 15.01.2020, 15:48

Hallo Linde,
Hallo Sunshine,

deine „ Darf ich fragen, in welchen Belangen Du Dich speziell eingeschränkt fühlst? “
beantworte ich dir gerne.

Es gab vor kurzem ,eine Verabschiedung im privaten Bereich, von einen meiner Arbeitskollegen in den verdienten Rentenstand. Des weiteren gab es eine Arbeitskollegen Kegel Veranstaltung.
Ich weiß dort wird auch vermehrt Alkohol getrunken. Nun ja, heute nach längerer Trockenheit könnte ich den Versuch wagen, dort hinzugehen.
Ich hätte ja jetzt meinen eigenen Willen jeder Zeit das Geschehen zu verlassen.
Nur traue ich meinem eigenen Willen noch nicht richtig über dem Weg. Meine kleine Einschränkung besteht im nicht hingehen.
Diese selbstauferlegte Einschränkung mache ich aber aus Erfahrungen aus trinkenden Zeiten. Diese Einschränkungen bedeuten für mich keinerlei Verzicht sondern fördern meine jetzt wiedererlangte freie Entscheidung zum vernünftigen Handeln. Dieses Handeln war ja Jahrzehntelang durch den Alkohol mehr geprägt als durch mich.

Ich empfinde gewisse Einschränkungen nicht als Last sondern als notwendiges Mittel in bestimmten Situationen.
Dazu gehören ja auch viele Einschränkungen wenn ich mein schönes Hobby Wildlife Fotografie betreibe.
Einschränkungen sind ja nichts schlimmes sondern dienen als Mittel zum Zweck.

Lieben Gruß
Nobby :wink:

PS: Auf in die neue Brutsaison :D , solange es sie noch gibt. :roll:

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