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Einsichten eines Alkoholikers

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Cadda
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Cadda » 26.01.2020, 19:06

Danke Carl Friedrich. Dann kann ich also auch sagen, dass ich schon mal Suchtdruck hatte. Es sind die Gedanken bzw. die kurze Lust darauf, etwas zu trinken. Da steuere ich immer sofort gegen, indem ich den Gedanken zu Ende denke und dann ist es auch ok.

Ich hab es bisher noch nicht gehabt, dass ich den Gedanken nicht los werde. Ich weiß nicht, ob es bei Anderen auch Situationen gibt, wo das Bedürfnis länger anhält. Sagen wir mal ne halbe Std oder so und dass man nervös wird und anfängt zu zittern oder schwitzen oder so. Ich dachte erst immer, das wäre mit Suchtdruck gemeint.

Aber das wird vermutlich gar nicht so sein, sondern es sind die oben beschriebenen Gedanken, die man als Suchtdruck bezeichnet.

Solche Symptome wie Entzugserscheinungen werden wohl nach einer bestimmten Zeit nicht mehr vorkommen, da es körperlich ist, denk ich mal. Ich hatte das nie. Also, dass sich das körperlich bemerkbar gemacht hat. Aber die Gedanken, die immer mal aufkreuzen, find ich auch nervig. Aber ich bringe die Gedanken dann immer wieder in die richtigen Bahnen. Das ist das Gute daran. Ich weiß, wie es mir gelingt.

Waschbaer
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Waschbaer » 26.01.2020, 20:16

Hallo Cadda,

„Wie kann sich Suchtdruck denn noch äußern? Vielleicht ist die Frage blöd. Aber wie gesagt dachte ich immer, wenn jemand von Suchtdruck spricht, sind diese oben beschriebenen Gedanken gemeint. „

bei mir äußerte sich Suchtdruck genau so wie du es oben beschreibst.
Bei bestimmten Situationen z.B Werbung, spürte ich den Alkohol in meiner Kehle hinunterlaufen.
Das ging einher mit Fantasie-Schlucken und ich spürte förmlich den Alkohol.
Ja, ich wurde nervös, schwitzte vermehrt, spürte ein starkes Kribbeln samt Gereiztheit.
Diese Situationen überwand ich nur durch reine Willenskraft. Da war von Trockenheit noch gar nichts zu spüren.
Heute erlebe ich solchen „ Druck“ nicht mehr. Auch brauche ich heute keine Willenskraft mehr um trocken zu bleiben. Trockenheit ist für mich heute ein Zustand. Nicht mehr und nicht weniger. Einfach da und fertig.

Die Kicks kommen und gehen und ich lebe einfach damit. Sie gehören wahrscheinlich noch ganz lange als Nebenerscheinung zu meinem nüchternen Leben.

Lieben Gruß
Nobby :wink:

Cadda
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Cadda » 26.01.2020, 20:33

Hallo Nobby,

vielen Dank für Deine Beschreibungen. Diese Klicks, die Du beschreibst, kenne ich auch. Ich denke, wenn man Alkoholiker ist, gehören sie wohl zwangsläufig dazu. Ich kann mir zumindest schwer vorstellen, dass diese Gedankek von heute auf morgen weg sind, wenn man nicht mehr trinkt. Dafür ist das Suchtgedächtnis einfach zu sehr geprägt.

Aber wenn ich zurück denke, dann wird es wirklich immer seltener. Zuerst hab ich mir immer richtig Zeit genommen, den Gedanken zu Ende zu denken. Sämtliche Geschichten, die negativ sind, hervorzuholen. Inzwischen reicht manchmal ein klares „Nein!“ und fertig.

Trotzdem mache ich mir immer wieder zwischendurch, auch ohne dass ich gerade daran denke, wie es wäre, jetzt zu trinken, bewusst, wie schön es ist, dass ich jetzt frei bin. Einfach so, z.B. wenn ich Auto fahre und nachdenke. Ich bin froh, dass das Nicht-Trinken immer normaler wird. Ich sehe es nicht als Verzicht, sondern als Gewinn. Das ist glaub ich das, weshalb es mir (zumindest bisher) nicht schwer fällt. Mir ist es aber bewusst, dass es Zeiten im Leben geben kann, wo sich das ändert. Immer auf der Hut sein, hab ich hier mal gelesen. Das bin ich.

Waschbaer
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Waschbaer » 15.02.2021, 11:05

Hallo,

vielleicht kennen mich hier noch ein paar.
Seit gestern habe ich die 10 Jahres Marke überschritten.
Gut fühlt es sich an, aber nicht mehr besonders.
Ich sagte nur zu meiner lieben Frau, wo sind die 10 Jahre geblieben ?
Die Kicks, wie ich sie nannte haben sich schon lange verabschiedet.
Alkohol ist weitgehend in den Hintergrund gerückt.
Ich habe wieder ein Leben zurück, das ich mir vor ein paar Jahren nicht vorstellen konnte.
Alle normalen Alltagssorgen sind noch da, aber soooo viel erträglicher als noch zu Trinkzeiten.
Besonders die Gelassenheit konnte ich in diesen Jahren lernen. Nichts konnte bis heute meine neu entdeckte Ausgeglichenheit erschüttern. Und ja, es ist in den letzten 2 – 3 Jahren einiges in meinem Leben passiert. Viele sehr unschöne Ereignisse begleiteten meinen Weg. Alkohol wäre niemals eine Lösung oder Erleichterung gewesen. Heute bin ich einfach nur heil froh wieder so unbeschwert Alkoholfrei leben zu dürfen. Nächstes Jahr gehe ich dann endlich in Rente. Die Option dann eventuell mal wieder trinken zu können, steht für mich heute nicht mehr im Kontext.
Meine neu gewonnene Ausgeglichen – und Gelassenheit lässt diese Option nicht mehr zu.
Zu schön ist diese gewonnene Freiheit ohne den Griff zur Flasche. Das möchte ich nicht mehr hergeben.

Heute weiß ich der Weg ist Steinig. Aber jeder weggeräumte Stein ist ein Meilenstein zum Erfolg.
Bis heute begleitete mich der Satz : Wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe.
Leider konnte ich es bis heute nicht aufs Rauchen anwenden.

Bis dann und liebe Grüße an alle
Nobby :wink:

Pellebär
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Pellebär » 15.02.2021, 12:31

Moin Nobby

Herzlichen Glückwunsch zu 10 Jahren in Freiheit. Ich freue mich riesig für dich.

Wieder mal ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt.

LG PB

Morgenrot
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Morgenrot » 15.02.2021, 12:43

Hallo Nobby,

toll 10 Jahre ohne Alkohol, herzlichen Glückwunsch dazu.
Schön, das du das mit uns gteilt hast.


lg Morgenrot

Karsten
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Karsten » 15.02.2021, 16:40

Hallo Nobby,

ich kenne dich noch sehr gut, durfte ich dich ja auch die ganzen 10 Jahre hier begleiten.
Herzlichen Glückwunsch und weiter so.

Gruß
Karsten

Carl Friedrich
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Re: Einsichten eines Alkoholikers

Beitrag von Carl Friedrich » 15.02.2021, 20:08

Herzlichen Glückwunsch!

Leider wird das Gesamtbild für mich durch die andere gefährliche Sucht etwas getrübt. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es Herrschaften gelingt, sich vom Alkohol zu befreien, nicht jedoch vom Nikotin.

Mir fiel das Aufgeben der Qualmerei um ein Vielfaches leichter, als die Finger vom Alk zu lassen. Eines Abends habe ich mir, nachdem auch der letzte Glimmstängel aufgequalmt war, beschlossen, es ab sofort sein zu lassen. Bin da nur einmal an einem Abend rückfällig geworden und das war es dann. Ist jetzt schon ungefähr 9-10 Jahre her.

Hast Du denn vor, noch mal einen Angriff zu starten?

Gruß
Carl Friedrich

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