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Ich habe diese Krankheit also auch.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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Beitrag von Karsten » 23.07.2011, 11:30

Hallo KaffeeTasse,

ich bin nicht davon überzeugt, dass diese Motivation ausreicht.

Ich kenne zwar diese Herangehensweise auch, aber ich sehe den offenen Umgang mit meiner Krankheit als Schutz, weil jeder der es weiß, mich in kritischen Situationen etwas schützen kann.

Andere enttäuschen oder sich schämen?
Ich bin ja für mich nüchtern.

Mal anders gesagt, alles Äußere kann sich irgendwann mal ändern.
Ob das Druck vom Arbeitgeber oder der Familie ist. Ob das Freunde sind oder das schon Erreichte, auch in wirtschaftlicher, sozialer oder auch materielller Sicht, alles kann sich ändern und habe ich dann keine Motivation zur Nüchternheit mehr?

Ich bin nur für mich nüchtern!!!

Gruß
Karsten
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Spedi

Beitrag von Spedi » 23.07.2011, 11:42

Servus KaffeTasse,

ich habe einen Menschen kennen gelernt, der hat quasi als "Schwur" seiner Mutter in der Entgiftung auf der Intensivstation versprochen "mich siehst Du nie wieder mit Alkohol".
Er hat 17 Jahre abstinent gelebt. Drei Tage nach der Beerdigung seiner Mutter hat er begonnen, sich binnen vier Wochen zu Tode zu saufen.

Ich habe einen anderen Menschen kennen gelernt, der seinen Kindern versprochen hat, sie nie wieder druch einen Rückfall enttäuschen zu wollen. Auch er hat jahrelang abstinent gelebt. Als seine Kinder aus dem Haus waren wurde er sehr unsicher, verzagt, und hat uns als Gruppe gegenüber gestanden, die letzten Jahre "mit der Faust in der Tasche" trocken gewesen zu sein. Er hat sich danach in eine erneute Langzeittherapie begeben, um seine Defizite für sich aufzuarbeiten. Seither wird er von Jahr zu Jahr zufriedener.

Was sollen diese beiden Beispiele sagen? Eben: es gibt keine einheitliche Aussage zum Verhalten eines Menschen. Wie soll ich, wie sollen wir beurteilen, welchen Stellenwert Deine Trockenheit für Dich einnimmt?

Wir können Dir nur sagen, dass nach unseren Erfahrungen eine Trockenheit, die an keine Bedingung "von außen" geknüpft ist, eher geeignet ist, als dauerhafte Basis herzuuhalten, als eine, die von externem Zwang begleitet wird.

Wie das bei Dir ist, weisst nur Du. Ob Du diese beiden "Bedingungen" als für Dich gefährlich ansiehst, weisst ebenfalls nur Du. Wenn Du sie für Dich als "Schlupfloch" ansiehst, dann wird es Zeit, dieses Schlupfloch zu schließen.

Als ich trocken wurde, wollte ich nur eines: ich wollte nicht mehr trinken müssen - egal, wie. Es war mir egal, ob andere enttäuscht werden würden, ob sie das überhaupt als Thema ansehen würden. Ich habe mich nicht mit einem Rückfall als theoretische Möglichkeit beschäftigt. Ich wollte für mich trocken werden - und für nichts und niemand sonst, aber das mit allem, was mir an Kraft und Energie zur Verfügung stand.

LG
Spedi

KaffeeTasse
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Beitrag von KaffeeTasse » 23.07.2011, 12:04

@perla: mir ist schon klar, das "Projekt Trockenheit" ist nicht abschliessbar. Trotzdem mag ich den Ausdruck. Er drückt für mich Ernsthaftigkeit und die Bündelung von Anstrengungen aus. Und es gibt ja noch andere Projekte, die niemals abschliessbar sind, zum Beispiel "eine Sprache lernen" oder "Philosoph werden" oder "endlich mal den Keller ausmisten" :wink:

nochmal @perla: stimmt, wir erleben grad unser viertes trockenes Wochenende, haben fast gleichzeitig aufgehört. Samstagnacht (genauer Sonntagmorgen, den 26.6. um ca. 5 Uhr) habe ich das letzte Bier getrunken. Wir können uns ja dann morgen gratulieren!

@Karsten und speedi:
Vielen Dank für eure Antworten. Da habe ich wieder Stoff zum nachdenken!

Grüße

KaffeeTasse

perla54
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Beitrag von perla54 » 27.07.2011, 08:35

guten morgen KT

ich weiss natürlich was du meinst mit "projekt".....für mich klang das wort einfach merkwürdig in bezug auf trockenheitsarbeit.....aber egal jeder interpretiert das wohl für sich anders.....

auch ich bin der meinung ......trockenbleiben/werden, das geht NUR für mich allein.....der gedanke das ich andere enttäuschen könnte ist für mich nicht nachvollziebar....

will man abnehmen, sport treiben........gelingt dies nur erfolgreich wenn man es ganz allein für sich macht......ich weiss die besp. sind nicht wirklich zu vergleichen....hab aber kein anderes

andere zu enttäuschen hiesse ja im umkehrschluss etwas beweisen zu müssen......das heisst wiederum druck, selbstgemachter......nein danke

aber wie gesagt das ist MEINE sicht der dinge.....ich selbst erarbeite mir gerade lebensveränderungen.....hab meine arbeitsstunden reduziert, für mich weniger druck....ich weiss das ist als selbständiger schlecht......

mein tägliches training.......ich bleib bei mir(mit hilfe der suchttherapeutin in der amb. reha)

sollte ich also schauen was ANDERE von mir denken, geh ich von mir weg.....ich kann und will die erwartungshaltungen anderer nicht erfüllen....

dir einen schönen tag, petra

clara nocte
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Beitrag von clara nocte » 02.08.2011, 13:03

Hallo KT,

war etwas länger nicht hier (siehe mein Thread) und habe gerade gesehen, dass du noch auf meinen Beitrag geantwortet hattest:


Ein bisschen überspitzt kommt es mir in kritischen Situationen so vor, als ob zwei verschiedene Personen in meinem Kopf gegeneinander argumentieren, KaffeTasse(trocken) und KaffeeTasse(nass).

Klar, KT(nass) möchte gerne Alkohol trinken. Und sein eigentlich einziges Argument:
"Im Prinzip ist es ja eine vernünftige Entscheidung, nichts mehr zu trinken, Du fühlst Dich besser, siehst besser aus (und so weiter), aber es spielt doch keine Rolle, wenn Du heute nochmal ein paar Biere trinkst. So richtig aufhören kannst Du dann immer noch".

KT(trocken) kann auf dieses Argument (das ja, ich weise nochmal darauf hin, die Vorteile der Trockenheit perfiderweise garnicht bestreitet!!!) eben derzeit nur so reagieren:
"Ach, hör doch auf hier rumzuquatschen! Vor einem Monat, als ich noch getrunken habe, da hätte Dein Argument noch gezogen, da hat es wirklich keine große Rolle gespielt, ob ich eine Woche früher oder später mit dem Trinken aufhöre. Jetzt hat sich etwas fundamentales geändert: ich habe nämlich mit dem Trinken bereits aufgehört! Jetzt was trinken würde nicht bedeuten 'später aufhören' sondern 'wieder anfangen' - siehst Du den Unterschied?! Im übrigen: jetzt wieder zu trinken wäre nicht bloß ein Aufschub des Projektes Trockenheit, sondern würde das Projekt sehr viel schwerer machen."


Sehr interessant diese Zwiegespräche, genauso oder ähnlich laufen sie bei mir auch ab. Mein Freund (der ebenfalls mit mir trocken geworden ist) und ich erzählen uns oft gegenseitig, was für "lustige" Argumente das personifizierte Suchtgedächtnis mal wieder ausgräbt. Einige davon kennt man schon zu Genüge, wie eben zum Beispiel das von deinem "KT (nass)" formulierte "Du kannst ja später aufhören!" (oder momentan auch sehr aktuell bei mir, besonders, wenn ausnahmsweise mal schönes Wetter ist: "Du hättest ja auch noch den Sommer über trinken können, und im Herbst aufhören"), andere sind - je nach Situation - schockierender oder auch komplexer zu entkräften. Ich merke, dass mit allen möglichen Situationen die ich so erlebe, seit dem ich nüchtern bin, (und es gibt vieles, was nüchtern völlig neu zu erleben ist!) auch neue "Einflüsterungen" des Suchtgedächtnisses auftreten. Das macht mir immer wieder bewusst, was für ein Teufel dieses Ding ist, und warum ein einfacher Saufstopp ohne Verhaltens- und Lebensänderung kaum von Erfolg geprägt sein kann.

So wie du es jetzt erklärt hast, klingen die Botschaften an dich selbst jedenfalls auch weniger harsch, bzw. ich verstehe besser, was du meinst.

LG Clara

clara nocte
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Beitrag von clara nocte » 02.08.2011, 13:33

hey,
KaffeeTasse hat geschrieben: Meine Frage jetzt (vor allem an die Langzeittrockenen): Haltet ihr die oben genannte Motivationen zum trocken bleiben - also "nicht enttäuschen wollen" oder "sich dann schämen müssen" für gefährlich? Das könnte ja auch Trotz verursachen - im Sinne von dem, was clara nocte geschrieben hat.
auch wieder interessant, denn damit beschäftige ich mich aktuell auch sehr intensiv.

ich bin für mich auch zu dem ergebnis gekommen, dass sämtliche externe motivationen (also im prinzip alle ausser jenen, die argumente der ersten person beinhalten: ICH möchte nicht trinken...) nicht tragfähig sind.

ich kann das nicht generalisieren, aber gedanken wie "ich darf andere nicht enttäuschen" oder eben auch "ich muss mich schämen" waren bei mir vor noch nicht allzu langer zeit argumente der gegenrichtung. das war
nämlich in meiner nassen zeit, und ich trank unter anderem auch deshalb, weil ich den kreis meiner mittrinker nicht enttäuschen wollte. an dieser stelle möchte ich gar nicht persönlichkeitsschwäche diskutieren und bin auch im bilde über die tatsache, dass trinken um anderer willen eine faule ausrede des eigenen trinken-wollens ist - ich will lediglich ausdrücken, dass die motivationssuche bei den reaktionen anderer auf das eigene handeln/nicht-handeln grundsätzlich die falsche richtung ist.


LG Clara

perla54
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Beitrag von perla54 » 11.08.2011, 07:55

guten morgen.....

nun besuch ich mal wieder den offenen bereich und schau ein wenig.....

länger schon nix gehört/gelesen?????
alles im grünen bereich?????

grüsse,petra

clara nocte
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Beitrag von clara nocte » 18.08.2011, 10:34

Hallo KT,

schade, dass man nichts mehr von dir hört. Hoffe, es ist alles in Ordnung...

Clara

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