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Clara - nur nicht trinken geht nicht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Linde66
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Beitrag von Linde66 » 07.07.2011, 11:48

Hallo Clara,

vielleicht ist das ja sogar ein gutes Einstiegsthema für das Gespräch? Daß du ansprichst, wie deine Gedanken rasen und du dadurch Probleme hast zu spüren, was jetzt wichtig ist und was nicht. Möglicherweise kann er dir dabei helfen.

Daß du deiner Freundin abgesagt hast, hast du sehr gut gemacht. Ein Treffen in einem Café oder ein einfacher Spaziergang sind ja auch eine Möglichkeit. Kann sein, daß sich dein Freundeskreis verändert, lichtet. Dann ist das so und es eröffnet ja auch neue Perspektiven.

Für heute mittag wünsche ich dir ein gutes Gespräch.

Grüße, Linde

mutig

Beitrag von mutig » 07.07.2011, 14:39

clara nocte hat geschrieben:Hallo mutig,

danke für deine antwort, du schreibst, diese dinge haben dir nach 3 monaten geholfen. wie lange hast du denn mittlerweile geschafft?
mutig hat geschrieben: 3. Dinge die erledigt werden müssen, reduziere ich auf 3 Erledigungen pro Woche
mit dem reduzieren der erledigungen klappt es momentan.. so mittelprächtig.
ich schwanke immer so hin und her zwischen der sichtweise: es ist alles gar nicht so schlimm, und gar nicht so viel, doch wenn ich irgendetwas anpacke, habe ich sofort das gefühl, da kommt ein ganzer rattenschwanz hinterher. ungefähr so, wie wenn man alles in einen schrank gestopft und nun angst hat, die tür aufzumachen, weil man sonst unter einer lawine begraben wird. ;)

einen schönen tag noch,

clara.
ja, eben
genau deshalb hatte ich mir diese 3 Dinge sogar auf eine Tafel in der Küche geschrieben, so dass es richtig "anschaulich" ist
wenn die 3 Dinge erledigt waren, konnte ich den Rest "aushalten" der Rattenschwanz verschwand von selbst.
Was glaubst was ich dadurch alles erledigt habe, alles bis auf diese "kacktelecom" das schieb und schieb ich vor mir her.
Ich hab nächsten Mittwoch 1 Jahr voll mit Abstinenz, was ich schaffe das schaffst du auch :!:
Ich bin übrigens auch seit paar Tagen in diesem erweitertem Bereich des Forums, das ist gut für mich.
Wäre schön wenn du vielleicht auch dazustoßen könntest.

l.g.

KaffeeTasse
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Beitrag von KaffeeTasse » 07.07.2011, 23:18

Hallo clara nocte,
Wenn ich fragen darf, ist das bei dir denn eine diagnostizierte Depression, oder eher so eine Niedergeschlagenheit, die auf einer Skala auch mal variiert?
Ich bin seit 5 Jahren wegen meiner Depressionen in ambulanter psychiatrischer Behandlung - sprich ich nehme Antidepressiva, wenn es zu arg wird. Auch mit Medikamenten geht es mir dann nicht besonders gut, aber ich kann - wenn auch freudlos - agieren. Ich tue das, was zu tun ist, fühle dabei aber nicht viel.

Es ist wohl nicht ungewöhnlich, dass meine Depressionen phasenweise auftreten, das dauert meist etwa 2-4 Monate bis es wieder besser geht.

herzliche Grüße + alles Gute

KaffeeTasse

clara nocte
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Beitrag von clara nocte » 18.07.2011, 16:09

hallo an alle,

habe eine zeitlang nichts geschrieben, obwohl ich jeden tag mehrmals gelesen habe. oft fällt es mir sehr schwer zu schreiben, habe eine schreibhemmung, die sich auch in anderen bereichen negativ auswirkt(e) (uni!!) - obwohl man meinen könnte, dass es im internet anonym nicht so schwierig sein dürfte, wie sich zb in einer realen shg von sich zu berichten, brauche ich manchmal einige ansätze um etwas zu formulieren und gebe des öfteren auch entnervt auf.
habe jetzt auch meinen antrag für den geschlossenen bereich abgeschickt und will mit mir selbst geduldig sein dass das schreiben dann auch regelmäßiger klappt. soviel dazu.

@linde:
danke für dein interesse, das gespräch mit dem psychologen bei der suchtberatung lief in eine ganz andere richtung, als ich angedacht hatte, war aber ungemein hilfreich in vielen bereichen. ich bin auch mit der erkenntnis dort weggegangen, dass ich mich nicht selbst so enorm stressen sollte, in puncto: was soll ich sagen? - sondern auch durchaus mich darauf einlassen lernen sollte, dass ein gespräch sich von selbst in eine richtung entwickelt. habe den therapeuten diesmal auch nicht so überfahren, sondern ihm genug redeanteile gewährt ;). mein nächster termin ist freitag.

ja, wie geht es mir ansonsten? ich bin ziemlich wechselhaft, manchmal rand-depressiv und untätig, aber auch oft beschwingt oder ausgeglichen.
es laufen an vielen stellen wichtige und erkenntnisträchtige gespräche.

ich bin nach wie vor mit mir selbst unzufrieden, was die informierung meines umfeldes angeht. zwei kontakte zb meide ich momentan, bzw. erfinde ausreden, warum ich mich nicht treffen möchte, weil ich weiß, dass ich vorher tacheles reden muss.

im gespräch mit einem bekannten über meine abstinenz haben sich auch tatsächlich einige befürchtungen bewahrheitet, die reaktion sah in etwa so aus: "na, wenn du nichts besseres zu tun hast, als dich reinzusteigern, dass du ein alkproblem hast, dann kann ich dir auch nicht helfen. du hast doch nicht jeden tag getrunken!"
dieser kommentar hat mir (abgesehen davon, dass er ziemlich unempathisch war) noch mal bewusst gemacht, dass jene, die noch (egal ob missbräuchlich oder süchtig) trinken, ihre eigenen legitimationswelten aufgebaut haben, die eben zu solchen äußerungen führen MÜSSEN, wenn man sie durch hinweis auf die eigene abhängigkeit anspricht. es war hart, somit auch einzusehen, dass diese legitimationswelt vor nicht allzu langer zeit auch teilmenge meiner eigenen war. nach dem gespräch hatte ich das gefühl, meine eigene position noch mal exakter bestimmt zu haben, bzw. mich abgegrenzt zu haben.
generell stelle ich aber einfach fest, dass es sehr hart ist, an allen möglichen stellen vom eigenen alkoholproblem zu reden, wenn jeder aber auch wirklich jeder einem das wieder ausreden möchte.

überlege gerade, dass thema noch mal gesondert in einem thread anzusprechen.

liebe grüße,
clara.

mutig

Beitrag von mutig » 18.07.2011, 16:39

du musst auch nicht an allen möglichen Stellen über dein Alkoholproblem sprechen !
Du musst vor Allem das tun, was dir nicht schadet !

Gib dir auch in dieser Hinsicht Zeit, bitte; auch wenn ich der Meinung mancher user widerspreche:
Ich persönlich musste erst mein Selbstbewusstsein wieder ausgraben, mich aufrichten, sehen und spüren dass mein trockenes Leben fast automatisch Kompetenzen und Ressourcen in der Kommunikation mit meinem Gegenüber freimachte.
Das dauert schon ein bisschen

l.g.

purzelbaum
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Registriert: 05.12.2010, 10:42

Beitrag von purzelbaum » 19.07.2011, 01:26

clara nocte hat geschrieben: ich bin nach wie vor mit mir selbst unzufrieden, was die informierung meines umfeldes angeht. zwei kontakte zb meide ich momentan, bzw. erfinde ausreden, warum ich mich nicht treffen möchte, weil ich weiß, dass ich vorher tacheles reden muss.

im gespräch mit einem bekannten über meine abstinenz haben sich auch tatsächlich einige befürchtungen bewahrheitet, die reaktion sah in etwa so aus: "na, wenn du nichts besseres zu tun hast, als dich reinzusteigern, dass du ein alkproblem hast, dann kann ich dir auch nicht helfen. du hast doch nicht jeden tag getrunken!"
dieser kommentar hat mir (abgesehen davon, dass er ziemlich unempathisch war) noch mal bewusst gemacht, dass jene, die noch (egal ob missbräuchlich oder süchtig) trinken, ihre eigenen legitimationswelten aufgebaut haben, die eben zu solchen äußerungen führen MÜSSEN, wenn man sie durch hinweis auf die eigene abhängigkeit anspricht. es war hart, somit auch einzusehen, dass diese legitimationswelt vor nicht allzu langer zeit auch teilmenge meiner eigenen war. nach dem gespräch hatte ich das gefühl, meine eigene position noch mal exakter bestimmt zu haben, bzw. mich abgegrenzt zu haben.
generell stelle ich aber einfach fest, dass es sehr hart ist, an allen möglichen stellen vom eigenen alkoholproblem zu reden, wenn jeder aber auch wirklich jeder einem das wieder ausreden möchte.

überlege gerade, dass thema noch mal gesondert in einem thread anzusprechen.

liebe grüße,
clara.
hallo clara nocte,

ich habe heute deinen thread gelesen und finde mich absolut darin wieder. im punkt freunde alles zu offenbaren und mit ihnen darüber zu sprechen, habe ich auch leider sehr viele schlechte erfahrungen machen müssen.....zuguterletzt auch leider 2 rückfälle gebaut....

es ist wichtig offen und ehrlich zu sprechen, nur wie wenn ein zu oft der mut und das durchsetzungsvermögen verlässt oder man kein starkes selbstbewusstsein besitzt oder die unsicherheit einen nicht mehr loslässt...

ich konnte das nur bei einigen wenigen freunden und von dem rest habe ich mich entweder (schmerzvoll) losgesagt oder mit ausreden gekontert....letzteres ist immer noch im vollen gange und leider verliert man dadurch auch sehr viele freunde. ich befinde mich gerade in so einer krise, habe 2 gute freundinnen durch erfundene ausreden verloren, nur weil ich in anfänglichen erklärungsgesprächen immer wieder von diesen ausgebremst worden bin mit den sätzen: ist doch gar nicht so schlimm und du hast doch nicht jeden tag getrunken....

das ist ein teufelskreis und leider hängt man auch an die erinnerungen die man mit diesen leuten verbindet.....
letztendlich tut es nur weh und ich versuche bis heute diese thematik immer wieder beiseite zu schieben und doch verfalle ich immer wieder ins stundenlange grübeln, da ich die sache nicht vernünftig abgeschlossen habe....

eine riesige zwickmühle.....

aber du hast recht vielleicht sollte das ein eigener thread werden....

Paulina
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Registriert: 27.01.2011, 20:16

Beitrag von Paulina » 19.07.2011, 07:34

Hallo Clara!

Zunächt möchte ich dir sagen, dass Du einen tollen Schreibstil hast. Du liest Dich sehr interessant und formulierst toll. Ich würde mich freuen, mehr von dir zu lesen :)

Bezüglich "Outen" hatte ich anfangs auch große Probleme. Ich habe dann aber im geschlossenen Bereich von einer Möglichkeit des Outens gelesen, mit der ich mich sehr gut identifizieren kann und die wunderbar funktioniert.

Beispiel:
Jemand fragt:
"Trinkst Du denn nie Alkohol" oder "denn gar keinen Alkohol mehr?"
Ich: "Nein, gar keinen."
"Und warum nicht?"
Ich: "Aus gutem Grunde." - Diese Worte mit einem entschlossenen, freundlichen Blick in die Augen des Gegenübers schaffen Klartext und laden nicht zu weiteren Diskussionen ein.

Ich habe zu meiner eigenen Überraschung mittlerweilenauch recht oft sehr positive Reaktionen geerntet, wie etwa: " Toll" oder "Das ist super" .... "eigentlich trinke ich ja auch oft mehr als ich eigentlich wollte..."
Dann nicke ich meist nur freundlich und das Thema ist für mich beendet.
Ansprechpartner für Diskussionen sind lediglich mein Arzt, meine beste Freundin und selbst Betroffene.

Ich lass Dir einen lieben Gruß da und wünsche Dir einen schönen Tag.
Paula

claro
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Registriert: 20.04.2009, 07:46

Beitrag von claro » 19.07.2011, 08:32

Hallo Clara,
wenn Du offen darüber sprichst, daß du nicht mehr tirnken willst, machst du in meinen Augen etwas wichitges.
Du nimmst Dir selber die Möglichkeit, nach ner Weile so zu tun, als sei nichts gewesen.

Ob andere dich so sehen, ob sie mehr trinken, ob sie Deinen Entschluß gut finden, ist zweitrangíg.

Übrigends, eine gute Entscheidung, in den gschlossenen Teil zu wechseln.

Gruss Frank

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