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Clara - nur nicht trinken geht nicht

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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wille2011
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Beitrag von wille2011 » 19.07.2011, 08:36

Hallo Clara,

ich bin ja auch noch sehr neu hier, jedoch ist das Thema des Gesprächs mit dem Umfeld über die Abstinenz wohl gerade am Anfang akut.

Ich habe da derzeit wenig Probleme, da wir sehr wenig weggehen und ich bislang (Tag 11) gar nicht in "erklärungsbedürftige" Situationen kam. Ich für mich werde jedoch differenzieren zwschen, Menschen, die es angeht und Menschen, die es nicht angeht. Wenn ich der Meinung bin, dass es sich um jemanden handelt, mit dem ich meine persönlichen Themen nicht besprechen würde, würde ich meine Grundsatzentscheidung, abstinent zu leben, wahrscheinlich gar nicht mitteilen. Ich habe da relativ leicht reden, da es in meinem Umfeld auch gar nicht so auffällt, wenn man nichts trinkt.

Manchmal denke ich, dass es bei mir auch ein "Altersthema" ist. Während des Studiums wäre es bei mir auch etwas ganz anderes gewesen, diese Entscheidung zu treffen und umzusetzen. Hut ab davor, dass Du das schaffst ! Bei uns gab es immer Leute, von denen wusste man, die trinken was und andere trinken eben nichts. Ich habe eine Freundin, die trinkt nie Alkohol, hat sie noch nie gemacht und es fällt eigentlich gar nicht auf. Ich fiel eben in die Kategorie "trinkt ganz gerne und gerne auch mehr", so dass eine Abkehr Fragen aufgeworden hätte. Die Frage, die ich mir stelle ist, ob man wenn man seine Entscheidung fernstehenderen Menschen mitteilt, auch immer die Motivation (Alkoholiker) mitteilen muss, oder ob es auch "zulässig" wäre, zu sagen, dass man eben nicht mehr will z.B. weil man sich schlecht dabei fühlt, die gesundheitlichen Aspekte sieht oder ähnliches. Wenn jemand aufhört zu rauchen, wird doch auch Anerkennung gezollt und nicht blöd nachgefragt - geschweige denn eine Zigarette angeboten.

Die Diskussion, ob man nun Alkoholiker ist oder nicht, kenne ich leider auch. Auch hier würde ich die Kraft und Mühe der Erklärung auf die Menschen beschränken, die mir wichtig sind. Ich versuche es in der Regel so zu erklären, dass die Menge unwichtig ist, da der Konsum des Suchtmittels eine Tätigkeit (man trinkt Alkohol) und die (Suchtmittel-) Abhängigkeit eine Eigenschaft des Menschen ist, die er (egal wo sie herkommt) nicht wieder los wird. Viele Menschem konsumieren, sind aber nicht abhängig. Viele konsumieren (vielleicht auch weniger als andere) und sind abhängig. Man muss diese beiden Punkte differenzieren. Nur den Konsum zu vergleichen ist falsch.

Wovor haben Deine Frende denn Angst, wenn Du keinen Alkohol mehr trinkst - abgesehen von der möglichen eigenen Erkenntnis und Konfrontation ? Bist Du nur dann deren Freundin oder deren passende Freundin, wenn Du trinkst ? Das ist aber nicht Dein Problem, sondern das Problem Deines Umfeldes, welches Dich doch auch nüchtern akzeptieren sollte. Versuche, Dich nicht runterziehen zu lassen. Es ist eine positive und absolut anerkennenswerte Entscheidung keinen Alkohol mehr zu konsumieren - vorallem für Deine Zukunft. Ich bin im Moment oft traurig, dass ich es nicht früher geschafft habe und ich mir jahrelang etwas vorgemacht habe.

Soviel zu meinen Gedanken. Ich wünsche Dir einen schönen Tag - und bis bald.

Wille

mutig

Beitrag von mutig » 19.07.2011, 09:28

claro hat geschrieben:Hallo Clara,
wenn Du offen darüber sprichst, daß du nicht mehr tirnken willst, machst du in meinen Augen etwas wichitges.
Du nimmst Dir selber die Möglichkeit, nach ner Weile so zu tun, als sei nichts gewesen.

Ob andere dich so sehen, ob sie mehr trinken, ob sie Deinen Entschluß gut finden, ist zweitrangíg.

Übrigends, eine gute Entscheidung, in den gschlossenen Teil zu wechseln.

Gruss Frank
ja, das ist richtig und sehr wichtig.
Meine Erfahrung in diesem Jahr der Trockenheit ist aber auch dass es KEINEN, wirklich nicht eine Person in meinem engeren Umfeld bis jetzt gab, die mich jemals gefragt hätte : "cool dass du nichtmehr trinkst; und wie schaffst du das ? " Es wurde nur auf die eigene natürlich selbstverständlich nicht vorhandene Suchtproblematik hingewiesen.
Qualmend und mit einem Gläschen Aperol oder Sekt in der Hand, das ist ja kein Alkohol.....
Da konnte ich nur aufstehen und gehen.
Verstanden, b.z.w. zugehört hatten mir bisher nur ausschließlich trockene Alkoholiker,
meine beiden erwachsenen Kinder, die sich extrem mit ihrem eigenen Trinkverhalten beschäftigen und mein Arzt
der mich fragte ob ich anderen Alkoholikern in seiner Praxis weiterhelfen könnte.

Deshalb schrieb ich an Clara

mutig

Beitrag von mutig » 19.07.2011, 09:36

sorry, hatte die Absenden - Taste gedrückt.
Deshalb schrieb ich an Clara, dass es nicht notwendig ist sich jedem x-Beliebigen zu outen, b.z.w. sich rechtfertigen zu müssen warum und wieso sie nichtmehr trinkt.
Da wo es wirklich notwendig ist, klar und offen sein Problem zugeben zu müssen, das weiß jeder Alkoholiker mit Sicherheit ganz genau
oder er kommt mit der Zeit schon drauf.

Grüße

clara nocte
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Beitrag von clara nocte » 02.08.2011, 14:33

Hallo liebes Forum,

ich war einige Zeit nicht da, da ich mit meinem Sohn im Krankenhaus war.
Seitdem ich wieder zu Hause bin geht es mir körperlich und psychisch schlecht, ich bin ausgelaugt und habe das gefühl, dass "irgendetwas mit mir nicht stimmt." entsprechend oft meldet sich auch das suchtgedächtnis, gestern abend war es besonders schlimm. ich merke, dass ich so fertig bin, dass ich eine möglichkeit suche, aus meiner momentanen situation zu entfliehen, und dabei schiebt sich mir wieder ständig der gedanke an alkohol in den weg.

heute morgen hatte ich wieder einen termin bei der suchtberatung, und habe nun die unterlagen für eine ambulante reha. seitdem geht es mir etwas besser, auch das lesen hier im forum hilft meinem momentan sehr trägen verstand dabei, mich an die bereits erarbeiteten einsichten zu erinnern.

ich versuche, der situation auch etwas positives abzugewinnen, indem ich sage: nun ist eine schwere lebenslage und die musste früher oder später kommen, und es ist wichtig, zu lernen, wie man nüchtern damit umgeht.
trotzdem (das kann zwar selektive wahrnehmung sein, keine ahnung) habe ich den eindruck, dass es eigentlich, abgesehen von meinen ersten beiden wochen trockenheit, noch nie schlimmer war.

möchte später noch auf die antworten von letzte mal eingehen,

liebe grüße
clara.

claro
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Beitrag von claro » 04.08.2011, 08:56

Hallo clara,
das ist ja der Punkt, zu lernen, wie man mit dem normalen Leben umgeht, ohne zu trinken.
Wir müssen trainieren, das ganz normale Leben mit allen Höhen und Tiefen zu ertragen, ohne Rauschgift.
Wenn dir gerade alle Glücksmomente fehlen und du dazu noch eine schwere Zeit durchlebst, bleibe dran, nichts währt ewig.
Gutes wie schlechtes.
Alkohol ist ein prima Lösungsmittel, es löst
Schmutz, Vermögen, Beziehungen, aber eins ganz sicher nicht, das kann man jahreläng probieren.

Er löst keine Probleme. Sie bleiben ungelöst, wie ein Fels in der Brandung.

Dir alles Gute für die nächsten Tage,
LG Frank

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