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Trocken werden. Trocken bleiben. Vater sucht Unterstützung

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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Beitrag von Karsten » 27.02.2014, 16:06

Hallo Georg,

ich hoffe, du hast und beschäftigst anderswertig mit deiner Nüchternheit?
Es liest sich irgendwie so wie nebenbei und das kann schnell ins Auge gehen.


Gruß
Karsten

Carpenter
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Beitrag von Carpenter » 28.02.2014, 16:51

Hi Georg,

schön, mal wieder was von Dir zu hören. Daß Deine Frau "dankenswerterweise auszieht" klingt nicht unbedingt so, als würde Dich das besonders belasten. Aber ich nehme an, Du wirst das ebenso zielstrebig und umtriebig händeln wie alles andere...und das meine ich durchaus positiv.

Schöne Zeit Dir und bis zum nächsten Jahr :-))

Schönen Gruß

Andreas

Georg66
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Entwicklungen

Beitrag von Georg66 » 02.03.2014, 10:47

Guten Morgen Andreas,

das war jetzt aber etwas voreilig mit dem Gruß bis zum nächsten Jahr;-)
Nein, der Auszug meiner Frau belastet mich überhaupt nicht, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es war ja mein Vorschlag... Ich denke, einiges wird sich hier sehr entspannen und zum Guten wenden (wenn ich mal das Finanzielle ausklammere;-) Es ist eine von mehreren Entwicklungen (vermutlich die gravierendste), die ich gerade durchlebe. Zwei Faktoren tragen im Wesentlichen zu dieser Entwicklung bei.
Zum einen, dass ich nun seit mehr als einem Jahr hauptsächlich zu Hause arbeite und direkt mitkriege, wie viel hier eigentlich schief läuft.
Der zweite Faktor ist meine Nüchternheit. Ich musste feststellen, dass ich mir früher vieles, was mich gestört hat, einfach erträglich getrunken hab. Und dazu zählten nicht nur Rückenschmerzen, permanente Überforderung und mein - oft erfolgloses - Streben nach Perfektion in vielen Bereichen, sondern auch meine Beziehung.

Und diese Entwicklungen versuche ich jetzt Tag für Tag anzugehen und in kleinen Schritten weiter zu verfolgen.
Zielstrebig
Ja, damit liegst Du richtig (danke für die Blumen :wink:). Was natürlich nicht immer gelingt, aber "Gelassenheit" ist ein Wort, dass mir heute öfter als früher in den Sinn kommt. Doch das ist eine andere Geschichte...

Natürlich ist diese Entwicklung für die Kinder ein großer Einschnitt und ich beobachte ihr Verhalten, ihre Reaktionen mit Argusaugen (das kann ich ja jetzt als "Heimarbeiter" und vor allem im nüchternen Zustand weitaus besser als früher).
Bisher entwickelt sich das Ganze recht positiv.

Sonntägliche Grüße von Georg

Carpenter
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Re: Entwicklungen

Beitrag von Carpenter » 02.03.2014, 13:08

Georg66 hat geschrieben: Zum einen, dass ich nun seit mehr als einem Jahr hauptsächlich zu Hause arbeite und direkt mitkriege, wie viel hier eigentlich schief läuft.
Der zweite Faktor ist meine Nüchternheit. Ich musste feststellen, dass ich mir früher vieles, was mich gestört hat, einfach erträglich getrunken hab. Und dazu zählten nicht nur Rückenschmerzen, permanente Überforderung und mein - oft erfolgloses - Streben nach Perfektion in vielen Bereichen, sondern auch meine Beziehung.
Moin Schorsch,

also so ne schnelle Antwort hätte ich jetzt tatsächlich nicht erwartet :-)

Ich weiß genau, was Du meinst mit dem erträglich trinken...Letztendlich deckt sich das mit einigen Aussagen von Kaleu im Co-Thread. Man muß einfach Verantwortung übernehmen und handeln, anstatt sich im Suff ständig selbst zu bemitleiden... Vom Passiv ins Aktiv wechseln...das ist die Grundlage.
Als ich noch gesoffen habe, hätte ich nicht mal genau benennen können, was in welchen Bereichen nicht stimmt...da mußten dann z.T. in alkoholschwangeren Diskussionen banale Dinge herhalten, um meine Sauferei zu rechtfertigen. Nüchtern fiel es mir dann leichter, herauszufinden, wo was nicht passt. Das ist zunächst mal erschreckend, wenn man erkennt, wie hoch der Berg in Wirklichkeit ist...im Suff hat man das gar nicht wahrgenommen, weil die eigens angesoffenen Wolken den Gipfel immer verhüllt haben.

Es war ein Wechselspiel zwischen "Problemen wegsaufen" und "neue Probleme dadurch schaffen".

Jetzt geht es drum, diese Probleme peu à peu zu analysieren und zu beseitigen. Da sind z.T. unbequeme Dinge dabei, aber letztendlich ist es auch eine Frage der konsequenten Handlungsweise...

Du klingst für mich wie immer sehr aufgeräumt und positiv...da freu ich mich sehr drüber und wünsch Dir alles Gute.

Schönen Gruß und schöne Zeit

Andreas

Slowly
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Maryland grüßt Georgtown

Beitrag von Slowly » 03.03.2014, 05:10

Hallo Schorsch,
Denn im Alltag nehme ich mir für "philosophische Lebensbetrachtungen" leider fast nie Zeit.
Für so "unpsüchologisch" halte ich dich gar nicht und oft geht es mir genau so.

Erst beim Schreiben oder Aussprechen....
Für diese Entwicklung bin ich sehr dankbar. Aber wenn ich ehrlich bin, erst, seit ich diese Zeilen schreibe...
...treten die bereits vorhandenen ( unbewussten) Gefühle ein Stockwerk höher und lassen sich so als Gedanken formulieren.

Was den Auszug deiner Frau betrifft und dem was du dazu schreibst....
Und ich bin voller Optimiismus, dass dann mein/unser Leben friedlicher, planbarer und glücklicher wird.
In meinen Augen gibt es nichts was ein friedliches, fröhliches und mit einer vorhersehbaren, positiven Grundstimmung ausgestatteten Zuhause, für eine glückliche Lebensführung übertreffen kann.

Und wenn dann der Urlaub eben mit dem Zelt in den Bergen verbracht wird.....

Na und ?

Das ist doch spannend und abenteuerlich und "kraxeln" könnt ihr ja alle ganz gut.

Ich möchte dir noch gratulieren !

Ich freue mich richtig über dein erstes trockenes Jahr, das zweite wird dann gefeiert !

:D

Grüße

Georg66
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Von mir

Beitrag von Georg66 » 03.03.2014, 22:54

Guten Abend "Slowly",

was für ein Nickname! Das Wort sollte ich mir in fetten Lettern über's Bett nageln. Denn meist bin ich immer noch einen Schritt schneller im Leben unterwegs als mir gut tut... Aber früher waren es zwei oder drei Schritte, insofern bin ich schon auf dem Weg der Besserung hin zu mehr Gelassenheit :).

Kann es sein, dass Du ein Faible für Fremdsprachen hast und außerdem schon recht viel hier im Forum gelesen hast?
Muchas gracias für Deine interessanten Gedanken hier. GANZ gut finde ich den hier:
...treten die bereits vorhandenen ( unbewussten) Gefühle ein Stockwerk höher und lassen sich so als Gedanken formulieren.
Was für mich den positiven Nebeneffekt hat, dass ich beim Nachdenken und Schreiben - "gezwungenermaßen" - mal zur Ruhe komme. Bei mir endet der Alltagstrubel tatsächlich oft erst wenige Minuten vor dem Schlafengehen. Wenn ich dann in meinen lichten Momenten versuche, den Tag zumindest gedanklich Revue passieren zu lassen, schaffe ich es kaum bis zum Mittag :wink:.

Und auch das Folgende teile ich voll und ganz:
In meinen Augen gibt es nichts was ein friedliches, fröhliches und mit einer vorhersehbaren, positiven Grundstimmung ausgestatteten Zuhause, für eine glückliche Lebensführung übertreffen kann.
Wenn ich mit den Kindern allein bin, dann herrscht zumeist genau diese positive Grundstimmung; wir lachen viel, es wird viel Quatsch gemacht, und trotzdem hat am Ende des Tages jeder seine Vokabeln gelernt, sein Instrument geübt und sein Zimmer - na ja, so halbwegs zumindest - im Griff.
Die Mutter ist in dieser Runde meist wie ein Fremdkörper und die Stimmung ist verkrampft. Allerdings hat das auch mit einer schweren Krankheit vor etlichen Jahren zu tun, was der Trennung eine nicht unproblematische, weil moralische, Komponente verleiht.

Auf jeden Fall bin ich guter Dinge, die nähere Zukunft gut meistern zu können. Aber nur, so lange ich mein Leben weiterhin trocken gestalten kann. Selters statt Obstler.
Mit die schlimmsten Momente meiner Trinkzeit waren die, wenn ich am Morgen keine Erinnerung mehr daran hatte, was am Vorabend mit den Kindern abging. Nie wieder möchte ich den vorwurfsvollen Satz hören: "Aber Papa, das haben wir doch gestern so ausgemacht."

der Schorsch

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Danke

Beitrag von Slowly » 04.03.2014, 02:38

Hallo Schorsch,

Guten Morgen oder Mahlzeit :) .

Ich habe deine Geschichte verfolgt, und bei manchen Dingen die dein Leben betreffen hat es mir richtig das "Herz zusammengeschnürt", aus Mitgefühl.

Besonders was das Schicksal deiner Frau ( und damit ja der ganzen Familie ) betrifft.

Es ist schon nicht einfach sich einzugestehen, dass eine Beziehung, Ehe, Freundschaft.....am Ende ( erst einmal ) angekommen ist, noch einmal belastender erscheint es mir, wenn der andere auch noch vom Leben so stark gezeichnet wurde, dass das ein ausschlaggebender Punkt ist, dass es nicht mehr "funktioniert":

Sie kann ja quasi nicht mal für alle ihrer nicht mehr erträglichen Veränderungen was dafür.

Hmmmm.

Aber daran lässt sich ja leider nichts ändern, an der Art wie ihr damit umgeht allerdings schon.

Und wer sagt schon, dass es nicht durch die Trennung zu einer deutlichen Verbesserung der Beziehung kommen kann, und deine Frau durch das reduzierte Zusammensein mit den Kindern wieder besser mit ihnen umgehen lernt ?

Ich würde es mir wünschen.

Was die Moral betrifft......

Sch....d´rauf ! ( Sorry )

Du hast deine eigene Moral, und ich glaube da können sich viele Moralapostel eine kleine Scheibe davon abschneiden.

Dann ist für dich immer noch genug übrig.

Schaff´s gut ...aber slowly :)

Georg66
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Re: Entwicklungen

Beitrag von Georg66 » 05.03.2014, 23:16

Hallo Andreas,

ja, tatsächlich schon wieder ich. Und fast wäre es sogar gestern geworden. Was kam dazwischen? Lektüre. Las hier im Forum, was ich schon lange nicht mehr gelesen hatte. Olle Kamellen, aktueller denn je. In uralten Threads, die vor lauter Staubflusen kaum noch zu finden waren. Von Schreibern, die gar nicht mehr hier schreiben. Aber Gedanken niederschrieben, die heute noch genau so gültig sind und die man heute noch genau so teilen kann.
Solche Lektüre kann ich Jedem nur wärmstens empfehlen.

Wie so oft trifft Deine analytische Denkweise genau den Punkt (bei mir).
Als ich noch gesoffen habe, hätte ich nicht mal genau benennen können, was in welchen Bereichen nicht stimmt... Nüchtern fiel es mir dann leichter, herauszufinden, wo was nicht passt.
Ganz genau. Vll. wollte ich auch nicht wissen, WAS nicht stimmt. Dann hätten ja die Gründe gefehlt, um im Halbstundentakt im Keller zu verschwinden und dort zwischen Umzugskartons, in Blumenkästen oder hinter Autoreifen meine hochprozentigen Vorräte hervor zu kramen. Immer heimlich. Na ja, so heimlich, wie das ein Süchtiger halt noch vermag.

Um so schöner und perspektivischer ist es jetzt, diese Schieflage, diese Unstimmigkeiten zu erkennen, auch abends noch nüchtern und mit klarem Verstand darüber sinnieren zu können (spätestens, wenn die Kids im Bett verschwunden sind ;-)) und nach und nach die Baustellen zu beackern.

Dass das alles seine Zeit braucht und nicht von jetzt auf sofort klappt - das zu akzeptieren fällt mir momentan noch genau so schwer wie das Erkennen und Akzeptieren meiner Grenzen... Geduld ist leider nicht meine Stärke...

So, Meister Zimmermann aus dem Fränkischen: Die Tage werden länger, das Wetter schöner - Zeit, den Leuten bald wieder auf's Dach zu steigen, oder?

Schönen Gruß aus dem Süden schickt
der Schorsch

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