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Männlich, 30 und ganz sicher Alkoholkrank.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

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SebastiannaitsabeS
neuer Teilnehmer
Beiträge: 41
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Männlich, 30 und ganz sicher Alkoholkrank.

Beitrag von SebastiannaitsabeS » 22.07.2013, 22:20

Hallo,

den Vorstellungsbereich lasse ich nun hinter mir. Seit dem 04.07.2013 bin ich trocken und auch hier angemeldet. Nun auch freigeschaltet für den restlichen Bereich des Forums.

Einen enttäuschenden Hausarztbesuch habe ich hinter mir und sicher Termine bei Suchtberatung/Psychotherapie vor mir.

Was ich nach den wenigen Wochen noch nicht hinbekommen habe, ist es meiner Lebensgefährtin zu beichten, dass ich krank bin. Alkkrank.

Von denjenigen, denen ich es gesagt habe, wurde mir entweder ein absurd (von meinem besten Freund seit 20Jahren) entgegengeworfen oder es wurde mit dem Satz: "Ich sauf trotzdem weiter" kommentiert (von meinem kleinen Bruder).

So langsam aber sicher schwant mir, dass ich aus einem Elternhaus, bzw. Verwandtschaft stamme, wo gerne mal gerne mehr getrunken wird. Mein älterer Bruder trinkt regelmäßig und gerne auch mal viel.

So etwas darf ich natürlich nicht als einfache Entschuldigung für mein Trinkverhalten nehmen, aber ich denke, dass dieses Umfeld doch einiges dazu beigetragen hat.

Soviel erstmal dazu für heute Abend

Ich hoffe Ihr könnt mir helfen und dazu beitragen, dass ein weiterer krank gewordener Mensch gesund wird und trocken bleibt. Bisher ist dieses Forum meine einzige Hilfe gegen die Krankheit

Es grüßt euch herzlich

Sebastian

Contemplation
neuer Teilnehmer
Beiträge: 430
Registriert: 22.02.2012, 09:23

Beitrag von Contemplation » 22.07.2013, 23:01

Hi Sebastian,

Na da hats ja endlich geklappt und Du hast Deinen eigenen Faden. Herzlich Willkommen :)

Ich möchte gerne versuchen Dir Tipps und Ratschläge zu geben, soweit es mir möglich ist. Am besten Du liest Dich auch mal bei ein paar anderen Leuten ein, dass hat mir sehr geholfen, zu sehen wie andere es geschafft haben Trocken zu werden, aber vor allem auch es zu bleiben.

Dass Du Angst hast und es Dir im Augenblick nicht so gut geht, kann ich nur zu gut nachvollziehen, Sebastian. Du fühlst Dich bestimmt allein, oder? Mir ging es jedenfalls so, obwohl meine Freundin und meine Mutter mir immer zur Seite standen.

Wenn es darum geht den Kampf Alkohol ja oder nein, dann sind wir auch auf uns allein gestellt. Im Endeffekt kann Dir da keiner helfen, da muß jeder alleine durch. Es gibt mir heute noch oft ein Gefühl der Einsamkeit und ich weiß dass es vielen hier genauso geht. Es ist diese allerletzte Entscheidung, die Dir keiner abnhemen kann, trinke ich oder nicht.

Aber für viele andere Dinge gibt es Hilfe und die solltest Du Dir auch holen. Suchtberatungsstellen können Dir da weiterhelfen. Es ist auch ein Lernprozess Sebastian, alles kann Dir helfen. Gespräche mit anderen Alkoholikern, mit Therapeuten, Verhaltenstherapien, ja ich bin der Meinung dass ich letztlich sogar aus meinen Rückfällen einen Nutzen gezogen habe, haben sie mir doch immer wieder hammerhart vor Augen geführt, dass ich es mit Alkohol nicht schaffe mein Leben geregelt zu bekommen.

Ich wünsche Dir, dass Du aus den Beiträgen die Du hier im Forum liest, die richtigen Schlüsse ziehst. Ich für meinen Teil rate Dir:

-Halte Dich an die Grundbausteine

-Spiele mit offenen Karten, also weihe die Personen die Dir nahe sind unbedingt ein, das ist sehr wichtig

-suche eine Suchtberatungsstelle auf und sprech dort mal mit einem der Berater

-halte Dich an die "alten Hasen" hier im Forum, denn sie sind es die schon Jahre lang Abstinent leben und es geschafft haben, sich ein zufriedenes, trockenes Leben aufzubauen


So das wärs erstmal von mir in aller Kürze (SCHERZ :lol: )
Wünsche Dir Kraft und eine gute Nacht


Gruß Maik

Pink-Lady
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Registriert: 16.07.2012, 10:59

Beitrag von Pink-Lady » 22.07.2013, 23:34

Hallo Sebastian,

herzlich willkommen hier im Forum :)

Mir hat auch das sehr geholfen, was Maik Dir schon geschrieben hat. Ich halte die Grundbausteine ein und nehme mir zu Herzen, was die alten Hasen so schreiben. Außerdem habe ich meine Lebensgewohnheiten geändert. Die alten Gewohnheiten, wobei ich früher Alkohol getrunken habe, habe ich die erste Zeit komplett gestrichen. Die neue freie Zeit habe ich sinnvoll genutzt und alte schöne Freizeitaktivitäten wieder aufleben lassen. Evtl. Unruhe oder Suchtdruck habe ich nicht ausgesessen, sondern schöne Dinge unternommen.

Das alte Leben so weiterleben und nur nicht trinken, funktioniert eher schlecht. Bestimmt gibt es in Deinem Leben Dinge, die Dir Freude bereiten.

Ich wünsche Dir einen regen Austausch

LG Pink-Lady

NNGNeo
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1429
Registriert: 27.09.2012, 21:30

Beitrag von NNGNeo » 23.07.2013, 00:49

hallo sebastian

ich habe deinen ganzen vorstellungsthread gelesen.

wir alle wissen, das es am anfang sehr schwer ist, und sich auch oft fragt ob es jemals wieder besser wird.

was maik dir schon geschrieben hat stimmt wirklich. wenn du weiter trocken bleibst, wird es dir wieder besser gehen. aber das braucht seine zeit.

mir haben auch die grundbausteine hier im forum geholfen, und wenn ich mal was nicht wusste hab ich gefragt. aber es reicht ja auch nicht, nur den alk wegzulassen. man muss auch was für seine trockenheit tun.

ich verbringe meine freizeit jetzt anders als zu saufzeiten.
wenn ich suchtdruck habe, dann schreib und lese ich hier, oder unternehme etwas. das kann alles mögliche sein, was einem gerade spaß macht. hauptsache es lenkt dich ab.

auch mit jemanden reden hiflt. deswegen wäre es schon wichtig, wenn du deine partnerin von deiner krankheit erzählst. es ist wirklich wichtig, damit offen um zu gehen.

ich wünsche dir einen guten austausch
gruß
NNGNeo

silberkralle
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Re: Männlich, 30 und ganz sicher Alkoholkrank.

Beitrag von silberkralle » 23.07.2013, 08:18

glück auf seb
SebastiannaitsabeS hat geschrieben: Seit dem 04.07.2013 bin ich trocken
gratulation
SebastiannaitsabeS hat geschrieben: Was ich nach den wenigen Wochen noch nicht hinbekommen habe, ist es meiner Lebensgefährtin zu beichten, dass ich krank bin. Alkkrank.
:roll: - sie hätte die erste sein dürfen.
SebastiannaitsabeS hat geschrieben: ... gesund wird und trocken bleibt.
gesund? nönönö - trocken ja.
SebastiannaitsabeS hat geschrieben: Bisher ist dieses Forum meine einzige Hilfe gegen die Krankheit
kann reichen, wenn du s ernst nimmst.

bin gespannt mehr von dir zu lesen.

schöne zeit

:D
matthias

SebastiannaitsabeS
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Beitrag von SebastiannaitsabeS » 23.07.2013, 17:04

Es ist wirklich außerordentlich schön und nett von euch so begrüßt zu werden. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass ich das besser in einer SHG empfinden würde. Aber keine Sorge - ich mach das sicher noch.

Was mir an mir selber auffällt, ist, dass es mir seltsamerweise hilft, zu sehen, dass Menschen in meinem Alter hier angemeldet sind und bekennende Alkoholiker. Versteht mich nicht falsch Ihr "alten( ;-) )", aber irgendwie hilft mir das, zu wissen, dass es noch andere Menschen in meinem Alter gibt, die krank sind uns es erkannt und den hoffentlich ewigen trockenen Weg eingeschlagen haben.

Das mit dem Ablenken ist völlig richtig. Das merke ich auch, dass mir das hilft und wirklich guttut. So, wie ich im Vorstellungsbereich schon schrieb, laufe ich seit neuestem wieder. Die letzten 2 Wochen quasi jeden 2.Tag.

Bisher habe ich aber sehr sehr oft daran gedacht wieder was zu trinken. Nur paar Bierchen oder so. An manchen Tagen war es so schwer, so so sehr schwer nichts zu trinken. Unglaublich schwer. Aber Ihr wisst selber wie das ist, diesen Durst zu haben. Fremde Gedanken im Kopf, die einem sagen, dass man "heute auf jedenfall paar Biere trinkt"; eben weil es total selbstverständlich ist(war!).

Und weiterhin ist es ebenfalls so, dass ich dann hier was schreibe. Bisher hat es mir geholfen und mich nicht zum nächsten Markt rennen lassen. Dafür danke ich euch allen und dem Forum. Ich hoffe, dass ich das weiter durchstehe und für den Rest meines Lebens (das ist etwas, wovor es mir regelmäßig graut- ja, mich quasi die Panik ergreift) trocken bleibe.

Was soll ich sagen?! Ich werde euch, vor allem meiner selbst willen, auf dem laufenden halten und wünsche mir einen äußerst regen Austausch mit euch. Das brauche ich jetzt!

Es grüßt euch ganz herlich

Sebastian

Carpenter
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Registriert: 09.12.2012, 08:15

Beitrag von Carpenter » 23.07.2013, 18:40

SebastiannaitsabeS hat geschrieben: Ich hoffe, dass ich das weiter durchstehe und für den Rest meines Lebens (das ist etwas, wovor es mir regelmäßig graut- ja, mich quasi die Panik ergreift) trocken bleibe.
Hi Sebastian,

herzlich Willkommen erstmal.

Diese Panik hatte ich am Anfang auch. Dieses "Nie mehr"...nun bin ich ja schon ein paar Jahre älter als Du junger Hupfer, d.h. bei mir dürfte diese lange Zeit vermutlich etwas kürzer sein :-)
Dieser Gedanke verliert sich irgendwann...aus diesem einschüchternden "Nie mehr" wird irgendwann ein "Gott sei Dank, nie mehr". Am Anfang empfindet man es als eine Last...klar, man ist Alkoholiker, da fällt es schwer, nix zu trinken...die Gedanken sind noch nass, wie Hartmut immer so schön sagt. Und das ist auch so.
Nach einiger Zeit wird das besser und aus dem "ich darf nix mehr trinken" wird ein "ich muß nix mehr trinken". Es ist ein befreiendes Gefühl, wenn man so langsam merkt, daß das alkoholfreie Leben einfach besser ist.
Das kannst Du vermutlich noch nicht so richtig nachvollziehen...Du stehst noch ganz am Anfang. Aber Du wirst es verstehen, wenn Du am Ball bleibst.

Eine ganz wichtige Sache hast Du schon erledigt:

Du hast Dir selbst eingestanden, daß Du Alkoholiker bist. Das ist mMn. der wichtigste Schritt überhaupt.

Ich würde an Deiner Stelle drüber nachdenken, es Deiner Freundin zu sagen. Grad in den Anfangsmonaten hat man es doch ab und zu mit einigen Gefühlsschwankungen zu tun, die dem Partner schwer zu erklären sind...zumindest, wenn man ihn nicht anlügen will. Es ist ganz wichtig, daß der Partner mit im Boot sitzt.

Ach ja, eines hab ich noch:

Du hast es gut erkannt...das alkoholische Umfeld ist keine Entschuldigung für die eigene Alkoholabhängigkeit...aber es trägt dazu bei. Das hat auch einen wesentlichen Einfluß auf Deine Trockenarbeit...saufendes Umfeld mit wenig Verständnis für Alkoholismus ist nicht wirklich das, was einem beim Trockenwerden hilft.

Ich wünsch Dir viel Erfolg.

LG Andreas

Pink-Lady
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Beitrag von Pink-Lady » 23.07.2013, 22:30

Hallo Sebastian,

es ist so, wie Andreas es schon geschrieben hat: Es wird leichter. Diese *nie wieder* verliert seinen Schrecken. Wenn Du einige Situationen durchlebt hast, in denen Du sonst getrunken hast, dann merkst Du, wie einfach es sein kann ohne Alkohol. Die Erfahrung musst Du natürlich erst einmal machen.

Am Anfang meiner Trockenheit konnte ich mir gar nicht vorstellen im Sommer auf der Terrasse zu sitzen, ohne mein Glas Wein. Heute kann ich den lauen Sommerabend wunderbar ohne Wein genießen und kann diese Ängste nicht verstehen.

Du siehst, Du bist mit Deinen Ängsten hier in guter Gesellschaft :wink:

Schönen Abend wünsche ich Dir

Pink-Lady

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