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Moin

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Rattenschwanz
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Moin

Beitrag von Rattenschwanz » 11.12.2013, 16:29

Moin, ich bin der „Rattenschwanz“und stell mich hier mal kurz vor.

„Rattenschwanz“ deshalb, weil ich den Alk seit ca. 40 Jahren hinter mir her ziehe oder der Alk mich? Hm, ich weiß es nicht genau. Vielleicht ist einer von uns der Rattenschwanz des anderen.

So 1999/2000 kam der „richtige“ Absturz: Frau weg, arbeitslos, Fahrerlaubnis weg, eigene Wohnung (allein). Das war ja ideal. Auf Arbeit musste ich ni, keiner hat mich beaufsichtigt, fahren durfte ich ni mehr. Internet gab‘s schon, also Kopfhörer auf, Flasche auf, Internet an und im Selbstmitleid ertrinken, herrlich. Freunde und Bekannte werden schon was mitbe-kommen haben, gesagt hat kein Mensch was – zu mir jedenfalls ni. Und so hab ich mir tat-sächlich fast ein Jahr lang fast jeden Tag bis zu drei Flaschen Weinbrand reingezogen. Zwischendurch immer mal wieder kalten Entzug (Immer so paar Tage vor irgendeinem Ter-min, der besser nüchtern wahrgenommen werden sollte.). Das ging so bis 2001, da kam ir-gendein Montag im Mai an dem ich gegen 2.30 Uhr – nach reichlich Weinbrand –beschloss mit dem Saufen aufzuhören. Ich bin unter die Dusche, hab alles ausgesoffen was noch an Alk da war, hab meine Tasche gepackt, hab die Wohnung abgeschlossen und bin ins Kran-kenhaus in die Psychiatrie (ca. 10 min Fußmarsch) gegangen um mich einzuweisen (Das betont – glaube ich – jeder Alki gern: Ich hab mich selbst eingewiesen, ich bin ein Held.). Danach kam dann die erste Langzeit – 16 Wochen „Soteria“ in Leipzig (12/01 bis 02/02). Dort hab ich allen was vorgespielt. So nüchtern wollte ich gar ni mehr aufhören mit dem Saufen, mir ging‘s ja wieder gut, ich wollte meine Ruhe und die hatte ich dort. Dementsprechend „lange“ war ich hinterher trocken. Dann die zweite Langzeit von 11/03 bis 01/04. Seit dem hat sich Einiges geändert. Umgezogen bin ich vor 9 Jahren, Arbeit hab ich wieder (seit 8Jahren), verheiratet bin ich wieder (seit 5 Jahren). Die Fahrerlaubnis bekomm ich 2015 hoffentlich zurück (MPU mach ich aus Prinzip ni.).

Zwischendurch bin ich immer mal wieder im Alk versunken (wenn ich Urlaub hatte zum Bei-spiel), hab aber immer gerade so den kalten Entzug geschafft wenn ich wieder arbeiten musste. Bis vor ca. anderthalb Jahren der kalte Entzug schief ging, ich bekam Halus. Das war furchtbar und das will ich nie wieder erleben. Es hat noch so weit gereicht, dass ich mei-ner Frau sagen konnte, dass sie den Notarzt anrufen soll. Seit dem trocken.

Zufrieden? Hm, weiß ich ni. Mir fehlen irgendwie die Momente/Zeiten, in denen ich total ab-schalten konnte. Zeiten ohne irgendwelche Probleme oder großartiges Nachdenken. Die waren –das ist meine Meinung – manchmal gar ni so schlecht.

So das soll‘s für heute erst mal gewesen sein über Reaktionen von euch freue ich mich. Nen schönen Abend noch.

schnuffig
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Beitrag von schnuffig » 12.12.2013, 07:39

Hallo Rattenschwanz und willkommen hier.

Irgendwie habe ich nicht verstanden, wie lange du jetzt nichts mehr trinkst.
Dieses Phasen der Abstinenz und des dann wieder Trinkens stelle ich mir sehr anstrengend vor.

Aber erstmal: Gut, dass du hergefunden hast.


MfG

silberkralle
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Re: Moin

Beitrag von silberkralle » 12.12.2013, 08:28

glück auf rattenschwanz
Rattenschwanz hat geschrieben: Seit dem trocken.
ja - wann war das?
du hast ja immer wieder gematscht - was machst du jetzt anders?

bin gespannt, mehr von dir zu lesen.

schöne zeit

:D
matthias

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 12.12.2013, 13:30

Moin

Seit anderthalb Jahren trink ich keinen Alk mehr. Der letzte kalte Entzug mit den Halluzinationen, der war so was wie ein Wink mit dem Zaunpfahl. Mir graut jetzt noch davor wenn ich dran denke, sobald das Licht aus war kam das Viehzeug – in dem Zimmer hab ich nie wieder geschlafen, werde ich wahrscheinlich auch nicht wieder. Ja anstrengend war‘s schon irgendwie. Wobei ich jetzt ni sagen kann, welche Phase anstrengender war und warum oder warum ni, ich werd drüber nachdenken.

Für meine Frau war’s wahrscheinlich anstrengender als für mich. In der nassen Phase war der erste Schluck den ich zugeben musste beschis.sen. So das Zugeben – vor mir und meiner Frau – dass ich‘s wieder mal ni geschafft habe. Wenn ich‘s dann eh ni mehr verbergen brauchte war’s mir egal, da war – glaube ich - nichts anstrengend.

Aber ich werd noch mal drüber nachdenken.

Ja, was mach ich jetzt anders? Wie geschrieben, bis vor anderthalb Jahren – also März 2012 – hab ich das mit dem kalten Entzug immer wieder gepackt und das war für mich so was wie ne Hintertür. So wie: Wenn‘s sein muss hörste auf, du kannst das ja. Da konnte ich zwei Tage lang ni aufstehen, hab im Bett vor mich hingezittert und so weiter und dann war‘s wieder gut. Dann kamen die Halluzinationen – die ich nie wieder erleben möchte wenn‘s geht. In der Freizeit z. B. hab ich Einiges umgestellt, ich treibe wieder Sport (oder der mich) und auf Arbeit mach ich’s „Maul“ auf wenn mir was ni passt und sag auch mal nein. Das hab ich früher ni gemacht, sondern eher alles in mich reingefressen. Mir hilft’s und ich fühl mich gut dabei. Da fällt mir sicher noch mehr ein, was ich – wahrscheinlich auch unbewusst – anders mache.

Rattenschwanz
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Beitrag von Rattenschwanz » 13.12.2013, 09:53

Das muss ich mal schnell loswerden:

Ich hab mich grad biss‘l durch die Beträge im Forum gelesen und mir fällt auf, dass irgendwie ne negative Grundstimmung herrscht – das ist jedenfalls mein Empfinden. Wenn zum Beispiel jemand schreibt, dass er sich gut und stark fühlt, dann kommt: das ist ni gut …, ganz gefährlich …, pass auf dich auf …, such dir Hilfe … Da schreibt kaum jemand sehr gut, dass es dir gut geht, lass es dir weiterhin gut gehen.

Das ist auch der Grund, warum ich nicht zu einer Selbsthilfegruppe gehe. Drei oder vier Mal hab ich mir das angehört und jedes Mal diese negative Grundstimmung in der Richtung wie schwer es der Mensch doch als Alkoholiker hat und nie wieder mit Nichtalkoholikern feiern und immer lauert irgendwo das Unglück und nur mit trockenen Alkoholikern ist das Leben noch schön. Wenn ich dann zum Beispiel gesagt hab, dass ich das genial fand, dass ich mit zur letzten Weihnachtsfeier oder zum Grillen war und durchgehalten hab, dann gab‘s entsetzte Gesichter und sofort den erhobenen Zeigefinger.

Ja ja, werden jetzt viele denken, kein Wunder, dass der immer mal wieder rückfällig geworden ist. Dass ich rückfällig wurde, hat aber nichts damit zu tun, dass ich wei-terhin zu Feiern gehe oder ums Schnapsregal im Supermarkt keinen Bogen mache. Das hat mit meiner bisherigen Einstellung zu mir als Alkoholiker zu tun. Früher war ich Problemtrinker wenn‘s „eng“ mit irgendwas wurde hab ich gesoffen bis ich von den Problemen nichts mehr gemerkt habe u. s. w. Nach der zweiten Langzeittherapie hat sich das verschoben. Ich hatte keine Probleme mehr. Mit meiner Ex war alles geklärt, ne – für mich - geniale Umschulung hatte ich bekommen, die Zensuren waren sehr gut, die gesellschaftlichen Kontakte auch. Ich wurde von meinem Umfeld – trotzdem (oder vielleicht auch deshalb) ich mit meiner Alkoholkrankheit nicht „hinterm Berg“ gehalten habe und damit eher in die Offensive gegangen bin – akzeptiert und geachtet. So und jetzt kam was Neues, in meiner damaligen Überheblichkeit hab ich mir jedes Mal gedacht, dass ich über den Dingen stehe und auch das kontrollierte Saufen beherrsche – das beherrsche ich aber ni wie ich inzwischen bemerkt habe. Es hat lange gedauert aber mit dieser Erkenntnis komm ich nun seit anderthalb gut zurecht.

Und da muss ich mir ni – um wieder zum Anfang zu kommen - einreden lassen, was ich doch als Alkoholiker für ein bedauernswertes Leben führen muss und ständig in „Habachtstellung“ durch die Welt ziehen. Was noch dazu kommt ist, dass mir die trockene Zeit – jedenfalls am Anfang – viel zu anstrengend war und inzwischen jeder Tag viel zu wertvoll geworden, ist um den wegzuschmeißen. Und mir hilft immer wieder dieser alte „Quark“ von wegen: Ich muss ni trocken bleiben, ich will. So geh ich doch relativ zufrieden durch mein Leben.

Andi089
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Beitrag von Andi089 » 13.12.2013, 10:32

Hallo Rattenschwanz,

wir kennen uns ja schon aus dem Vorstellungsbereich.

Ich halte Deine Einstellung für äußerst gefährlich und geradezu fahrlässig! Ich wünsche Dir von Herzen auf Deinem Weg alles Gute. Aber dieser deckt sich in keinster Weise mit den meisten Erfahrungswerten um ein glückliches trockenes Leben zu führen.
Daher vielleicht auch Dein Name "Rattenschwanz"???

Ich möchte Dich aber bitten, gerade die frisch abstinenten Teilnehmer mit Aussagen wie:
da muss ich mir ni – um wieder zum Anfang zu kommen - einreden lassen, was ich doch als Alkoholiker für ein bedauernswertes Leben führen muss und ständig in „Habachtstellung“ durch die Welt ziehen.
zu verunsichern. Es geht hier bei fast allen ums nackte Überleben. Von daher finde ich solche Aussagen als völligen Blödsinn.

Grüße
Andi

Andi089
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Beitrag von Andi089 » 13.12.2013, 10:43

Hallo Rattenschwanz,

ein kurzer Nachtrag noch. Ich bin grad sehr in Eile, deshalb konnte ich auch nur kurz schreiben:
Ein bedauernswertes leben habe ich geführt als ich soff. Das Leben, dass ich nun führe ist in keinster Weise mehr bedauernswert!

Gruß
Andi

Hartmut
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Beitrag von Hartmut » 13.12.2013, 11:15

Hallo rattenschwanz
Ja ja, werden jetzt viele denken, kein Wunder, dass der immer mal wieder rückfällig geworden ist. Dass ich rückfällig wurde, hat aber nichts damit zu tun, dass ich wei-terhin zu Feiern gehe oder ums Schnapsregal im Supermarkt keinen Bogen mache.
Was andere denken ist doch wurscht, ich bin für mich Trocken .
Aber woher weißt du das deine Rückfälle nicht davon kommen , wenn du es noch nie anders gemacht hast ? Einstellung dazu ist wichtig, jedoch zeigen die Mehrzahl der Rückfälligen immer das selbe Verhalten auf . Der Kopf alleine genügt nicht , wenn sonst nichts verändert wird.

Wenn du dabei trocken bleibst ist es schön.

Zudem erkenne ich keine negative Grundstimmung hier . Kann es sein das es dir nur so vorkommt, weil du einen anderen Weg gehst?

Gruß Hartmut

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