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Für Alk prostituiert -.-

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Lynielle
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Für Alk prostituiert -.-

Beitrag von Lynielle » 05.02.2014, 22:59

Hallo liebe Community,

ich heiße Lynielle und bin 19.

Laut meinen Eltern bin ich ein Unfall gewesen (also: nicht erwünscht) und das haben sie mich auch jahrelang spüren lassen. Nämlich, indem sie mich NICHTS haben spüren lassen, außer Missachtung, Kälte, Grobheit, Härte und auch mal Gewalt (wo ich noch ganz klein war; aber auch später selten dann und wann nochmal).

Mein Vater hat viel gearbeitet und verdiente gutes Geld ("Chefpositionen").
Meine Mutter ist seit meiner Geburt Hausfrau. Hat keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Wir lebten in einem Riesenhaus, wo man sich herrlich ausm Weg gehen konnte, so dass ich fast immer ein und ausging, ohne gehört und/oder beachtet zu werden.
In der Garage hatte mein Vater immer mind. eine Kiste Bier gelagert, wenn mal Gäste kamen. Er selber trank eigtl. kaum was.
Mit 12 habe ich dann mein erstes Bier heimlich getrunken und bin dann zu einer Freundin geradelt. Das war irgendwie lustig. Man war auf jeden Fall angefixt.
Natürlich konnte ich mir aus der angefangenen Gäste-Kiste nicht andauernd ein Bier mopsen und so kam ich auf die Idee, mir dann und wann mal welches durch ältere Jungs besorgen zu lassen.

Später etablierte es sich, dass der ein oder andere was dafür von mir wollte.
In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich ihnen gegeben, was sie wollten, denn ich fand den berauschten Zustand, das Abhängen mit denen und das Anerkannt sein, einfach nur cool.
Es war eine tolle Gemeinschaft (die Jungs und ich als einziges Mädel) und eine Art Ersatzfamilie.
Bei Zigaretten, Tüten, XTC, Speed und Koks konnte ich jedoch immer erfolgreich nein sagen. Dafür trank ich dann mehr.
Schleichend ging dieser Prozess voran.
Anfangs trank ich mal sporadisch, dann am WE, dann auch schon mal unter der Woche, so dass ich mit 16 die erste AV erlitt.
Eltern wurden informiert - es gab Wahnsinnsärger zu Hause und meine Kumpels meinten nur "wir müssen besser auf die Kleine aufpassen!"
Das fand ich mehr als uncool. Wollte doch dazu gehören, nicht die Kleine sein und mich schon gar nicht von so einer Lappalie "unterkriegen" lassen. War eh schon oberpeinlich genug. Also verbrannten wir die Flyer von der Klinik zum Thema "Alkmissbrauch bei Jugendlichen" und stießen drauf an, weil ICH es so wollte.

Meine Kumpels mussten mir schwören, nicht nochmal den RTW zu rufen, falls ich doch mal zu breit war und so hielten sie mir dann und wann mal die langen Haare und mich, wenn ich es doch mal wieder übertrieben hatte.

Mein Ex kam auch aus dieser Gruppe und er kannte meine niedrige Hemmschwelle und meine lockere Art - ob lattenstramm oder nüchtern.
Mit 18 zog ich zu ihm und das war dann ein richtiger Abstieg.
Seine Ellis hatten auch Kohle ohne Ende und mehrere Häuser am Start. Er konnte in einem drin wohnen. Dort fanden dann regelmäßig Partys und Treffen statt und ich mittendrin. Und oftmals nur noch angeschickert bis rotzevoll.
Es passierten die kuriosesten Dinge dort - schlussendlich habe ich mich für den Stoff, für ein bisschen Liebe und Zuneigung prostituiert (omg - in dem Wort steckt "Prost"!) und er war Dreh- und Angelpunkt des Ganzen.

Das jetzt mal in Kurzform.

Silvester hab ich mir vorgenommen - ab 01.01.2014 nichts mehr zu trinken, aber habe es doch noch im Januar getan. Jedoch stark reduziert.
Und nun bin ich seit dem 01.02.2014 abstinent! :)

Ich hoffe, dass ich hier ein wenig Mut und Kraft tanken kann und das Forum (m)ein "neuer" Begleiter ist.

Lieben Gruß in die Runde,
Lynielle

Kaleu
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Beitrag von Kaleu » 05.02.2014, 23:49

Liebe Lynielle,

heisse Karriere.

Ich weiss nicht ob Mut und Kraft allein ausreichen. Es gehört 'ne Menge dazu mit 19 auszusteigen wenn man selber merkt, daß man immer mehr auf 'ne schiefe Bahn kommt.

Hast Du denn ein bisschen Hilfe? Suchtberatung, Therapeut etc.? Ist ja nun nicht nur so, daß es nur um den Alkohol ginge. Und ich denke mit 19 wirst Du im Freundeskreis nur auf wenig Verständnis stossen.

Das Forum ist 'ne feine Sache, doch wenn ich so'n bisschen Deine geschichte lese wären ein paar echte Menschen die Dir ein bisschen was geben können, was Dir ein Forum nie geben kann vielleicht auch hilfreich.

Nichtsdestotrotz. Zuerst Mal - Hut ab vor Deiner Entscheidung. Das kann ein toller Anfang sein und es gehört viel Mut dazu.

Liebe Grüße

Kaleu

Lynielle
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Beitrag von Lynielle » 05.02.2014, 23:58

Lieber Kaleu,

momentan habe ich nur den Hausarzt an und auf meiner Seite. Ich soll die nächsten Tage regelmäßig (also fast täglich) zu den Öffnungszeiten dort erscheinen und einen Zustandsbericht abgeben.
Ich bin noch am Überlegen, wegen einer Beratungsstelle. Aber diese würde sich doch nur um den Themenbereich Alkohol drehen, oder?
Oder setzen die dann auch bei der Prostitution an z.B.?

Lieben Gruß zurück,
Lynielle

Kaleu
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Beitrag von Kaleu » 06.02.2014, 00:21

Liebe Lynielle,

also hausarzt ist doch schon mal ein Super Anfang. Hauptsache erstmal ein Eingeweihter der Dir weiter helfen und neue Ansprechpartner und Möglichkeiten nennen kann. Ich find's Spitze, daß Du gleich mit offenen karten spielen gehst. Für Jemand der so jung ist und mit so schwieriger Geschichte nicht selbstverständlich - aber es birgt auch ein enormes Potential für Dich.

Du musst nämlich nicht erst so'n alter Knacker wie das halbe Forum werden um wirklich ein glückliches Leben zu haben ;)

Also Suchtberatung ist 'ne tolle Sache, weil's die in grösseren Städten für umme gibt und man einfach so hingehen kann. Das sind dann zwar nicht unbedingt ausgebildete Psychologen oder Therapeuten, aber Sucht hängt ja nun so oft mit sozialem Abstieg zusammen, da haben die meissten Suchtberater dennoch gut Erfahrungen und auch ein breites Verständnis. Ich kenne 3 Suchtberater jetzt schon sehr lang, der eine zum Beispiel zieht junge Leute nebenher aus der Drogenszene. Der weiss besser was wirklich Sache ist als jeder Therapeut.

Im Zweifel, wenn Du vielleicht an einen Anfänger kommst der sich damit vielleicht etwas überfordert fühlt, kannst Du immernoch mal schauen ob Du nicht mal nach 'nem Anderen schaust.

Aber zuerst mal gilt - jede Hilfe ist besser als keine Hilfe. Und erstmal Jemanden zum Quatschen haben ist eigentlich unbezahlbar. Und wenn der dann noch ein paar coole Tips im Köfferchen hat erst recht.

EIne zusätzliche Möglichkeit wäre 'ne Selbsthilfegruppe. Ob das was für Dich ist, weiss ich aber echt nicht zu sagen. Da hilft ausprobieren. Ich will mal ehrlich sein, als ich vor 4 Jahren meine Gruppe gefunden habe, war das zum Anfang zwar echt 'ne Hilfe, aber selbst für mich waren dann die Altersunterschiede doch ein bisschen zu gravierend. Da war ich mit meinen Mitte 30 'n Kücken. Mit 19 könnte es passieren, daß Du Dir echt 'n bisschen verloren vorkommst. Könnt, muss nicht. Kommt halt auf die Gruppe an. Probiers aus. Versuch macht immer klug.

Über kurz oder lang mag ich Dir 'n Therapeut empfehlen. Du hast einiges aufzuarbeiten und auch einiges zu lernen, was Du für Dich selber eigentlich brauchst und die Chance hattest Du ja in Deiner Kindheit nun leider nur bedingt. Auch hier hast Du den Vorteil, daß Du noch jung bist und viel auf einer Ars***backe abreissen kannst, wo Du 20 Jahre später gleich 4 Mal so lang brauchst weil sich die miesen Gewohnheiten doch arg manifestiert haben.

So, Haufen Blabla. Erneut meinen Respekt vor Deinem mutigen Schritt. Ich wünsch Dir echt, daß Du's durchziehst mit allem Schnickschnack. Und ich versprech Dir, es lohnt sich wirklich!

Liebe Grüße

Kaleu

Frank P.
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Beitrag von Frank P. » 06.02.2014, 00:54

Hallo Lynielle,

hab deinen Thread aufmerksam durchgelesen.

Mit deinen Eltern, das kommt mir irgendwie bekannt vor.
Auch ich komme aus einer betuchten Familie und das ist nicht immer
ein Segen...

Du bist seit 01.02.2014 trocken. Ein guter Anfang!
Ich wünsche dir von Herzen das du es bleibst.
Alles was du auf diesem Weg brauchst, hat dir Kaleu bereits mitgeteilt :wink:

Bleib trocken;-) es lohnt sich!!!

Liebe Grüsse

Frank

atze-5
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Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Alkoholiker

Beitrag von atze-5 » 06.02.2014, 01:39

Hi,Hut ab vor deiner Offenheit.Ich denke das du mit deine 19 Jahren noch alle Wege offen hast.Damit meine ich das du nicht solang saufen musst wie viele hier.Gesundheit,Fam und Job den Bach runtergehen und du dir dann sagtst warum das alles.Bei mir waren es über 30 Jahre mit mehr oder weniger Alk.Meist war es mehr.Mach wie schon beschrieben,gehe zur Suchtberatung,such dir einen Therapeuten und lebe dein Leben mit klarer Birne.
Ich wünsch Dir viel Erfolg!

ATZE :D

viola
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Registriert: 04.01.2010, 11:16

Beitrag von viola » 06.02.2014, 07:27

Liebe Lynelle,

herzlich willkommen hier!

Du bist ehrlich und offen und das wird dir in der nächsten Zeit auch helfen!
Ganz ohne "Familie" geht es nicht, wir hier im Forum sind zwar immer da, aber virtuell - du brauchst echte Menschen an deiner Seite, die dich unterstützen, und zwar wirklich (nicht so wie die zugedröhnten, notge*len Jungs damals).
Die anderen haben es schon geschrieben, such dir Hilfe! Da würde ich den Schwerpunkt auf den Alkmissbrauch legen, alles andere hängt ja damit zusammen.
Was machst du denn tagsüber, gehst du zur Schule oder studierst du oder bist in einer Ausbildung?

Alles Gute dir!
LG viola

Lynielle
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Beitrag von Lynielle » 06.02.2014, 08:48

Guten Morgen,

ich habe meinen erweiterten RSA machen können (für das Abitur hätte es, aufgrund meiner damaligen Umstände, nicht gereicht) und arbeite derzeit für ein kleines Unternehmen im Home-Office. Auch sone Sache die ich gemacht habe, um für mich alleine sein zu können.

Mittlerweile merke ich jedoch, wie mir Menschen fehlen.
Meine Kumpels von damals muss ich meiden! (fällt mir sehr schwer!) Geblieben sind mir ab und an Dates mit eher Fremden - aber der Lohn ist nicht mehr der Alk.

Einsamkeit ist schlimm. Wenn soziale Kontakte fehlen. Hier im Ort kennt man mich nur als die exzessive Lynielle, die sich von und mit jedem und so. Mein Ruf ist also so gesehen "ruiniert".
Gut wäre es für mich wegzuziehen, aber das Stammbüro meiner Arbeit ist schnell zu erreichen und das ist denen auch wichtig.

Lieben Gruß und danke!
Lynielle

(*mal eben zum Arzt aufbrech*)

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