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Ich will

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

schmitzkatze
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Ich will

Beitrag von schmitzkatze » 12.09.2014, 10:29

Hallo zusammen, Ich (männlich, 35 Jahre alt, kaufm. Angestellter) bin nach regelmäßigem Mitlesen und einem Kurzauftriff im Dezember 2007 in diesem Forum sehr daran interessiert, mich hier mitteilen und austauschen zu dürfen, kurz zu meiner Geschichte:
Erste Alk-Erfahrung mit 16 Jahren, in meinem Elternhaus spielte Alkohol nie eine Rolle, vielmehr galt Trinken als verpönt, gefährlich, dumm; vielleicht machte es das gerade so interessant (Verbotene Früchte und so…).
Mich machte Alkohol locker und fröhlich, also wurde er an Wochenenden fester Bestandteil meiner/unserer Feierkultur.
Schrittweise habe ich dann auch mal alleine Daheim getrunken, meistens Weinbrand (0,2 l Flasche), so wirkte sogar das Fernsehgucken irgendwie spannender und schöner. Natürlich nahm mit der Zeit die Dosierung und auch das Verlangen als solches zu, ich räumte dem Konsum immer mehr Zeit ein und verschob mehr und mehr meine Prioritäten in diese (falsche) Richtung. Stand ich vor der Wahl, gemeinsam mit meinen Freunden irgendetwas zu unternehmen, erfand ich oft Lügen und sagte ab, nur um alleine Zuhause trinken zu können; insbesondere am Wochenende „genoss“ ich es, derart in den Tag hineinzuleben, aufwachen, anschixeln, rumeiern, schlafen, Isolation pur.
Schlimm empfand ich es immer, wenn unangekündigter Besuch vor meiner Haustür stand, da schnellte der Puls nach oben und man verkroch sich, um vorzugaukeln, das Niemand Daheim ist.
So zog die Zeit ins Land, mein Umfeld bekam nichts mit (glaubte ich zumindest), im Berufsleben war ich schnell etabliert und recht erfolgreich, mein Programm spulte ich parallel immer konsequent ab:
Mo – Fr von 8.-17.00 Uhr arbeiten, dann zack nach Hause, 1-3 Flaschen Weinbrand (je 0,2 l), spätestens um 20.00 Uhr etwas schweres gegessen, um dann am nächsten Tag „arbeitstauglich“ zu sein. Und an Wochenenden ließ ich es gerne richtig knallen.
Das ging dann ca. 6 Jahre so weiter, immer mal wieder geplagt von Schuldgefühlen und damit einhergehenden kürzeren Trinkpausen, festen Willens, kontrolliert trinken zu wollen/können, nix wars; ich hatte das Problem zwar schon lange festgemacht, und wenn ich betrunken war, hatte ich auch sehr sehr oft die „Einsicht“, etwas ändern zu müssen, aber nach dem Rausch lebte ich immer getreu dem Motto „was interessiert mich das Geschwätz von Gestern“…
2006 folgte dann der Verlust des Führerscheins wegen Trunkenheitsfahrt, da hatte das Versteckspiel einerseits ungewollt ein Ende, andererseits empfand ich etwas Erlösendes dabei; ich offenbarte mich meinem engsten Umfeld, trank ab da an nichts mehr und brachte neue Struktur in mein Leben; aber nachdem die Anfangseuphorie verflogen war, mehrte sich in mir eine gewisser Verzichtsgedanke; ich blieb zwar standhaft, war aber irgendwie nicht glücklich.
2008 erlangte ich nach erfolgreicher MPU meinen Führerschein zurück, und schwupps nahm das Verlangen nach Alkohol überhand, ich wollte wieder wie so viele Menschen etwas trinken können, ich wollte wieder Teil der „normalen“ Gesellschaft sein, welche zu besonderen Anlässen etwas trinkt, und natürlich bildete ich mir ein, nach einer solch langen Abstinenzphase alles im Griff zu haben… WAS WAR ICH NAIV…
Grüße, S.
Fortsetzung in Kürze

Martin

Beitrag von Martin » 12.09.2014, 13:29

Hallo S.,

da du noch kein Jahr trocken bist habe ich dich nach hier verschoben.


LG Martin

Dr.Gerner
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Beitrag von Dr.Gerner » 12.09.2014, 22:33

Hallo schmidtkatze,

vieles was du da schreibst kommt mir ungeheuer bekannt vor...vorallen dieses sich totstellen, wenn es an der Haustür klingelt und das isolierte Trinken, einfach für sich sein, auf alles pfeiffen können und sich dann mit schöner Musik als Begleitung volllaufen zu lassen...das habe ich sehr oft gemacht. Verstehe also gut was du damals empfunden hast.

Wie oft habe ich im Rausch gewusst "Ich habe ein Problem, ich stelle mich dem" und dann am nächsten Tag "Ehm, das soll ich gesagt haben? Klingt gar nicht nach mir"...

Ehrlicherweise bin ich neugierig wie deine Geschichte weiterlief. :)

Tian
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Beitrag von Tian » 12.09.2014, 22:46

Hi,

das Verhaltensmuster ist auch mir nicht neu, Freitag von der Arbeit kommen, durchschnaufen und ab zu den bekannten Reflexen:

-> Musik an, Pulle auf, sinnieren, auf alles lachend pfeifen und sich im Kunstparadies langsam besäuseln

An manchen Freitagen auch nach der Arbeit zum Sport, gut trainiert und dann das o. g. Programm. Sozusagen der doppelte Kick, bist schon high nach dem Training und dann noch Alk dazu ...

Ein trügerisches Gefühl der Freiheit, klar, tief im Innern wußte ich, is' Flucht pur, Verdrängung, armselig... spätestens nach den ersten Bieren war's mir aber auch wurscht.

Samstags wieder Sport, danach Freundin und/oder Freunde, weiter geht's, wieder saufen, Sonntags oftmals nur Sport. Manchmal war ich Montags sogar wieder recht fit, siehst Tian bist ja doch kein Alkoholiker... (bis zum nächsten Absturz)

Grüße, tian

Samsara
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Beitrag von Samsara » 13.09.2014, 09:28

Hallo schmitzkatze,

Du hast ja einige Zeit gebraucht zwischen der Anmeldung 2007 und dem gestrigen Entschluss, Dich hier aktiv austauschen zu wollen - aber es ist nie zu spät, den ersten Schritt zur Veränderung zu tun. Herzlich Willkommen!

Ich bin auch auf die Fortsetzung Deiner Geschichte gespannt. Meine Erfahrung: auch langjährige Abstinenz ist kein Garant, dass ich nach dem ersten Schluck ganz schnell wieder dort bin, wo ich nicht mehr hin möchte...

Mein Gegenmittel ist: achtsam unterwegs sein und Gefahrenquellen vermeiden. Die Trockenheitsarbeit ist mein lebenslanger Begleiter..

Herzliche Grüße,
Samsara

schmitzkatze
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Beitrag von schmitzkatze » 13.09.2014, 14:53

Hallo zusammen und vielen Dank für eure Beiträge.
Das Niederschreiben meiner Geschichte (wenngleich recht kurz zusammengefasst, sonst würde es den Rahmen sprengen) tut mir wirklich gut.Es ist schön zu lesen, dass ich hier auf Verständnis ob des Erlebten stosse, ich bin nicht alleine mit dieser Krankheit, eure Erfahrungen etc. helfen mir sehr, aber kommen wir zu der angekündigten Fortsetzung :

WAS WAR ICH NAIV

Zu Beginn geilte ich mich quasi an dem Gefühl regelrecht auf, kontrolliert trinken zu können. Sei es an Geburtstagspartys oder Ähnlichem, wenngleich damit bereits die Trickserei von vorne begann.
Mein im Jahre 2006 festgemachtes Alkoholproblem und der damit einhergehenden vollmündigen Ankündigung, von nun an nie mehr etwas zu trinken, teilte ich ja nur meinem engsten Umfeld, also Familie und einer handvoll Freunden mit. Mit der Zeit hatte ich jedoch einen parallelen Freundeskreis,überwiegend aus Arbeitskollegen bestehend, aufgebaut, und die hatten natürlich null Ahnung von meiner Vorgeschichte.
In deren Augen mochte ich halt eine ganze Weile keinen Alkohol, doch nun halt doch wieder, also sei ja alles in Ordnung.
Also musste ich immer höllisch aufpassen, wenn ich mit Freundeskreis A bei Partys oder auf Weihnachtsfeiern hart am Glas war, dass nichts dahingehendes nach Außen drang... Schuldgefühle waren natürlich vorprogrammiert, aber ich hatte ja alles im Griff. Und wenn mich beispielsweise meine Familie im allgemeinen auf meinen Alkoholverzicht ansprach, wie es mir denn so gehe und ob ich konsequent sei... ja, dann war ich konsequent, sogar sehr konsequent, die personifizierte Konsequenz des Lügens!
Auch meinen besten Freund habe ich dies verschwiegen,obwohl ich immer wusste, dass ich gerade Ihm alles anvertrauen hätte können.
Und so mutierte ich successive wieder zum Hofnarr im Hofstaat von König Alkohol.

Nach Samstag abendlicher Zecherei überkamen mich dann natürlich auch irgendwann wieder die ersten Gelüste "Hey, Party ist zwar vorbei, nun ist Sonntag, war doch so schön Gestern, hast ja heute nichts vor, also trink doch was"... es war ein regnerischer Sonntag im November, da ertappte ich mich dabei, mega verkatert um 10.00 Uhr Morgens zur nahegelegenen Tankstelle zu stiefeln, um mir wie ferngesteuert eine Flasche Weinbrand zu kaufen.
Als ich zu Hause angekommen war, die Flasche fast geleert, ließ ich mich betäubt in meine Couch pressen und duselte so vor mich hin...irgendwie ein angenehmes Gefühl der Leere flutete meine Sinne.
Die Seifenblase "kontrolliertes Trinken" hatte zwar schon längere Zeit
(oder wohl eher Nie) eine Daseinsberechtigung, nun war diese allerdings de facto geplatzt, da machte ich mir nun auch nichts mehr vor.
So wurde ich so zu sagen ein Wanderer zwischen den Welten meiner beiden Freundeskreise (A: mit dem kann man saufen und echt abfeiern / B: der trinkt nichts (mehr), finden wir super, wir trinken ja auch kaum, alles ist gut) und in der Aufrechterhaltung entdeckte ich wirklich ein marginal vorherrschendes, schaupielerisches Talent in mir; natürlich war des kräftezehrend und produzierte Schuldgefühle am Fließband, aber so ist das halt, wenn man oft "Wasser predigt und selber Wein säuft".

So ab Mitte des Jahres 2010 trank ich wieder so ziemlich täglich, das alte "Programm" fand wieder Einkehr in mein Stammhirn! Natürlich bedurfte es aber Mengenmäßig einer stetigen Kurskorrektur nach oben, um meine Alk-Dämonen weiter zum Jodeln zu bringen. Entsprechend kam ich morgens immer schlechter aus dem Bett und fühlte und wirkte auch auf der Arbeit immer unfitter... die Schuldgefühle wuchsen und wuchsen und ich wusste, dass ich ein massives Problem hatte.
Ich nahm mir jeden Morgen vor, nie mehr etwas zu trinken, wenn ich verkatert unter der Dusche stand mit dem Körpergefühl eines Laboraffens, um 10.00 Uhr bestand mein Vorhaben darin,zumindest diesen Abend mal nichts zu trinken, um 14.00 uhr sollte es einfach mal weniger sein und um 17.00 Uhr hieß es dann: "aber Morgen muss sich wirklich was ändern".

Und so hangelte ich mich von einem Sonnenaufgang zum nächsten...

Fortsezung folgt

la vie
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Alkoholiker/in oder Angehörige/EKA: Angehörige

Re: Ich will

Beitrag von la vie » 23.09.2018, 23:20

... wie geht es weiter???
LG, la vie

Kloane
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Registriert: 07.03.2012, 21:23

Re: Ich will

Beitrag von Kloane » 16.12.2018, 12:07

Die Fortsetzung würde mich auch interessieren

Antworten