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Für den Rest meines Lebens...

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

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panem
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Registriert: 01.12.2014, 17:54

Für den Rest meines Lebens...

Beitrag von panem » 01.12.2014, 21:51

Hallo zusammen!

Nun habe auch ich den Weg in diesen Forum gefunden. Warum: Ich habe erkannt, dass ich Alkoholikerin bin und hoffe etwas Beistand und Hilfe auf dem Weg in mein alkoholfreies Leben zu bekommen. Ich schreibe einfach mal was zu mir und meiner aktuellen Situation...


Ich habe vor einem Jahr einen ambulanten Entzug gemacht, nachdem ich damals täglich meine Flasche Wein geleert hatte. Den Weg dorthin empfand ich sehr komisch, denn ich fühlte mich nicht so richtig als Alkoholikerin wahrgenommen (viell. lag es auch daran, dass ich mir selber immer Hintertürchen offen gehalten habe). Aber der Arzt, bei dem ich den ambulanten Entzug gemacht habe, hat mir eigentlich die ganze Zeit signalisiert, dass alles nicht so schlimm sei. Nicht direkt, aber alle Untersuchungsergebnisse waren "gut". Das EKG war gut, die Schwester war sogar ganz irritiert über meine guten Werte...Die Blutuntersuchung war auch bestens: "keine Schäden an der Leber", keine geschwollenen Gelenke usw. Nicht der körperliche Entzug hat mich fertig gemacht, sondern die Medikamente haben mich so aus den Socken gehauen, dass ich sie in Absprache mit dem Arzt nur bei Bedarf nehmen sollte. Ich habe sie dann weggelassen und mir ging es besser damit.

Bei mir stellte sich dadurch das Gefühl ein, dass ich ja gar nicht so richtig krank sein könnte, wenn doch alles eigentlich "ganz gut" sei.

Schon 3 Monate später kam der erste Rückfall bzw. die Überrumpelung. Weihnachtsfeier mit den Vorgesetzten, die dann erstmal ne Runde Glühwein ausgegeben haben. Ich habe nicht geschafft "nein" zu sagen, als der Becher vor mir stand. Weitere 4 Monate später habe ich im Urlaub ein Glas Wein getrunken. Und weitere 3 Monate später bei einem Abendessen wieder eins. Dann kam im Herbst der nächste Urlaub und seitdem bin ich komplett in mein altes Trinkmuster zurückgefallen.

Aber so ein richtiger körperlicher Entzug stellt sich bei mir nicht ein. Ich kann eine Woche lang durchtrinken und dann 3 Tage nix. Das macht es mir irgendwie so schwer.

Als ich den ersten Entzug gemacht habe, habe ich immer gesagt, dass ich mal gucken muss. Ich hatte die Hoffnung, dass ich ein "normales" (gibts das überhaupt?) Trinkverhalten entwickeln könnte und habe im Hinterkopf immer gedacht: Ach, bei dir ist das doch noch nicht so schlimm, du bekommst das sicher wieder hin. Und nun: Ich bin eines besseren belehrt worden. Ich bin letzte Woche nach der Arbeit auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Ich habe 4 Glühwein mit Schuss getrunken. Ich habe nachts mit meinem Partner telefoniert und ihm im Suff alles gestanden. Dass ich wieder täglich trinke, dass ich die leeren Flaschen im Schrank verstecke, dass ich betrunken mit ihm telefoniere usw.

Ich war die nächsten 2 Tage komplett außer Gefecht gesetzt. Ich konnte nicht arbeiten gehen und habe mich sehr schlecht deswegen gefühlt. In diesen 2 Tagen habe ich erkannt, dass ich Alkoholikerin bin und ich meine Sucht in den Griff bekommen muss, wenn ich wieder selbstbestimmt Leben führen möchte.

Und genau diese Erkenntnis macht mich sehr wütend. Ich ärgere mich so über mich selber, dass ich nicht mitbekommen habe, dass ich süchtig geworden bin. Ich ärgere mich über die zahllosen Gelegenheiten in den letzten 20 Jahren, wo ich nicht hätte trinken müssen. Wo ich vielleicht einen anderen Weg hätte einschlagen können. Wo ich andere zum Trinken animiert habe, weil ich selber trinken wollte (oder musste?). Mich macht wütend, dass es "mich" getroffen hat, dass ich jetzt den Rest meines Lebens damit kämpfen muss und immer auf der Hut sein muss. Und mich macht traurig, dass ich wegen all dieser Dinge so wütend bin. Denn ich habe mir das selber eingebockt und kann mich auch nur selber daraus befreien...

Nun ist das alles doch viel länger geworden, als gedacht, aber es tut gut, dass alles loszuwerden und ich fühle mich gleich besser....

ahoi,

panem

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 01.12.2014, 22:49

Hallo Panem,

willkommen hier im Forum und danke für deine Vorstellung.

So einiges, was du schreibst, kommt mir bekannt vor. Auch ich brauchte lange, um zu der Erkenntnis zu gelangen, Alkoholikerin zu sein, tatsächlich wirklich, und nicht nur "so ein bisschen". Bei diesem Prozess, der übrigens weiterhin in Bewegung ist, hat mir der Austausch und das Lesen hier im Forum sehr geholfen.

Ich wünsch dir daher ein gutes Ankommen hier und einen hilfreichen Austausch. Die ersten Schritte hast du getan, indem du dir selber und deinem nächsten Umfeld gegenüber ehrlich gewesen bist. Darauf kannst du jetzt aufbauen.

Es lohnt sich! Aber das weißt du ja schon selbst.

Bist du denn jetzt aktuell noch einmal beim Arzt gewesen?

Herzlichen Gruß
Thalia (meist im geschützten Bereich unterwegs)

Slowly
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Beitrag von Slowly » 01.12.2014, 23:00

Hallo Panem,

herzlich willkommen im Alkoholiker Forum. :)


Du ärgerst dich nun über deine Vergangenheit so lange wie du dich noch ärgern musst und dann kannst du damit aufhören und lernen deine Vergangenheit zu akzeptieren, als zu dir gehörend so wie sie eben war.

Und dann kannst du dich entscheiden einfach keine berauschenden Substanzen mehr zu dir zu nehmen, das braucht nämlich keiner, warum auch, wenn man clean, trocken ...ist, ist das Leben bunt und betörend genug.

Es macht die Sache übrigens auch ziemlich einfach, sich ein für alle Mal klar zu machen, dass da nix mehr gehen wird, null, niente,......

Und dann kannst du dir diese Energien ( die da übrig bleiben ohne Kampf und im besten Fall immer mehr werden ) nehmen und dir ein Leben zurechtzimmern, das zwar ohne berauschende Substanzen nicht mehr so einfach schön zu saufen,kif** etc. ist, doch das brauchst du ja dann auch gar nicht mehr, denn du hast große Chancen, dass es einfach nur so durch dich heraus viel schöner wird und Friede wird herrschen, innen drin. :)

Alles Gute

Slowly

silberkralle
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Beiträge: 7202
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Beitrag von silberkralle » 02.12.2014, 08:30

glück auf panem

meinst du deine "wut" könnte groß genug sein, um künftig trocken zu bleiben ?
womit willst du die zeit ausfüllen, die du bisher "versoffen" hast?

bin gespannt mehr von dir zu lesen.

schöne zeit

:D
matthias

panem
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Beiträge: 138
Registriert: 01.12.2014, 17:54

Beitrag von panem » 02.12.2014, 09:32

Guten Morgen zusammen!

wow, die Rückmeldungen von Euch tun gut! Da ist gestern ne Menge einfach so aus mir rausgepurzelt...Etwas unkoordiniert und mit sehr viel Wut bzw. heute denke ich eher Selbstmitleid....

@thalia: nein, bisher war ich noch nicht wieder beim Arzt, das letzte Erlebnis hat mich irgendwie abgeschreckt bzw. fühlte ich mich dort nicht richtig wohl und ich wohne leider in einer Gegend, wo es nicht so viele Alternativen gibt. Aber vielleicht muss ich einfach nochmal zu einem "normalen" Hausarzt gehen.

Gerade fehlt mir aber irgendwie die Kraft dafür bzw. muss ich die Tatsache, dass ich Alkoholikerin bin, erstmal selber richtig realisieren...

@slowly: Du hast recht. Ich hänge mit der Wut in der Vergangenheit fest. Aber das Ziel sollte die Zukunft sein. Ohne Alkohol. Aber genau der Gedanke "nie wieder" schnürt mir im Moment noch den Hals zu und ich fühle mich eingeengt. Aber das gehört wohl zur Krankheit. Ich habe hier schon gelesen, dass viele immer nur tageweise denken, damit genau das nicht passiert. Für mich fühlt sich das aber an, als ob ich mich selber austricksen wollen würde. (Jeden Tag aufs neue entscheiden, anstatt einmal richtig). Aber vielleicht irre ich da auch...

@silberkralle: Du sprichst einen wunden Punkt an. Wie die leere Zeit auffüllen? Ich war schon immer gerne und viel alleine. Ich brauche viel körperliche Erholung, da ich mich den ganzen Tag auf Arbeit auspowere und abends dann nicht die Energie habe, noch Menschen zu treffen. Ich koche unheimlich gerne. Wenn ich gesoffen habe, dann wars mit der Motivation fürs Kochen aber nach dem 2. Glas hin. Ich werde mir heute abend was richtig schönes kochen und den Essensplan für den Rest der Woche machen ;)


Heute bricht der 5. Tag ohne Alkohol bei mir an, aber ich beschäftige mich im Kopf die ganze Zeit mit dem Wochenende. Weihnachtsfeier und ich muss da als Vorgesetze von knapp 30 Leuten hin! Auf Arbeit weiß niemand von meiner Sucht. Das wird verdammt schwer...

Aber erstmal starte ich ausgeschlafen und nüchtern in den neuen Tag!

ahoi,

panem

step-by-step
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Registriert: 28.06.2014, 20:14

Beitrag von step-by-step » 02.12.2014, 11:46

Hallo Panem,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. :D

Dein Thread-Titel gefällt mir, er hat meine Gedanken sofort kreisen lassen:
Du selber entscheidest wie der Rest Deines Lebens aussehen wird. Jeder ist (in gewissen Maßen) Herr seines Schiksals.

Für den Rest meines Lebens ... werde ich ohne Alkohol und (danke Slowly für den Gedanken) andere berauschende Substanzen leben, glücklich und zufrieden!

Und Du? Und Ihr anderen?

Schönen Tag
step

Tadewi
neuer Teilnehmer
Beiträge: 117
Registriert: 18.11.2014, 00:58

Beitrag von Tadewi » 02.12.2014, 13:05

Hallo panem (schöner Nickname),
ich hoffe du fühlst dich hier so wohl, wie ich es im Moment tue . Mir hilft das Schreiben sehr, und ich fühle mich stabiler. Meist tummel ich mich nun im geschlossenen Bereich herum, dort ist es noch kuscheliger. ;)

Ich war auch bei meinem "normalen" Hausarzt, es gab mir aber unwahrscheinlich viel Sicherheit es nicht "einfach" mal so laufen zu lassen, wie die anderen Male. Gut das war bei dir ja schon mal anders im Vorfeld.

Ich wünsche dir viel Kraft auf deinem Weg und ganz viel Mut, es weiter anzugehen auch in Bezug auf deinem bevorstehendem Fest!

Pass gut auf dich auf, ich tu´s auch! :D

Martin

Beitrag von Martin » 02.12.2014, 19:50

Hallo Panem,
ich beschäftige mich im Kopf die ganze Zeit mit dem Wochenende. Weihnachtsfeier und ich muss da als Vorgesetze von knapp 30 Leuten hin!
Schon 3 Monate später kam der erste Rückfall bzw. die Überrumpelung. Weihnachtsfeier mit den Vorgesetzten, die dann erstmal ne Runde Glühwein ausgegeben haben. Ich habe nicht geschafft "nein" zu sagen, als der Becher vor mir stand.
warum musst du da hin :?:

Wurdest du aus dem Rückfall von damals nicht schlau :?:

Du musst gar nichts wenn du es nicht möchtest, nicht mal nüchtern bleiben :!:

LG Martin

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