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Ich bin...*unsicherheitsräusper*...Alkoholiker

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 20.12.2014, 01:20

Hallo 415,

nun dachte ich ja immer, die Antwort auf alle Fragen wäre 42, oder auch 23, aber nicht die 415, die Dir im Traum erschienen ist ;-). Spannend :-).

Natürlich wirst Du gelesen!
Freitagabend. Der „Juhuuu-ich-hab´s-geschafft-jetzt-kann-ich´s-krachen-lassen-Anfall“ – den kenne ich auch. Ich habe mich dann mühsam runtergefahren, ausgehalten, durchgehalten, mich an irgendetwas festgebissen, unruhig rotiert, allein, leiden, büßen? Wofür? Warum?
Der Grund fiel mir immer ein: Um mir mein Leben zurückzuholen, nicht weiterhin meiner Sucht ausgeliefert zu sein, denn dann ist alles nichts. So far so good.
Ich bin davon überzeugt, dass man alles geben muss, um manche Ziele zu erreichen.
Muss man es sich aber unnötig schwer machen?
Längst bin ich absoluter Fan des Plan A-B.
Ich habe mir überlegt, was mir gut tun würde, was mir Spaß machen würde – mit Menschen oder auch ohne - worauf ich richtig Bock hätte, damit das Wochenende bleibt, was es immer war: Zeit, um Dinge zu tun, auf die ich mich freuen kann. Es soll doch keine Strafe sein, eine schier endlose Zeitspanne, die ich überstehen muss, Zeit, die ich quasi totschlage.
Einen Plan B noch, um aufzufangen, was mir bei Plan A vermasselt wurde.
Vielleicht hilft es Dir am Anfang, eine Liste mit den Dingen zu erstellen, auf die Du dich freuen könntest am Wochenende, nicht mehr ganz so planlos da hinein zu plumpsen.
Kleine Schritte halt. Alles, was Dir hilft, dieses Gefühl des Verzichts zu mindern, wie es bei jeder Trennung der Fall ist.

Alles Gute.

Viele Grüße
Katha

Carpenter
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1684
Registriert: 09.12.2012, 08:15

Beitrag von Carpenter » 20.12.2014, 07:23

415 hat geschrieben:
Ich weiß, was ich da geschrieben habe, ist eine weitere Version der ewig gleichen Geschichte, die den meisten von euch, könnte ich mir vorstellen, schon zum Hals raushängt. Aber mir hat das jetzt gut getan. Ausatmen. (Und eine "Zigarette danach" anstecken...)

LG
514
Moin 514,

natürlich ist es die ewig gleiche Geschichte. Zum Hals raushängen tut sie sicher keinem hier, hat sie doch wirklich fast jeder am eigenen Leib erlebt. Und Du kannst Dir sicher sein, daß Deine Posts auch gelesen werden, selbst wenn am Anfang noch wenig Antworten kommen.

Das Gefühl, unbedingt noch mal "raus" zu müssen, kenne ich v.a. aus meiner nassen Zeit noch...das "raus" dauerte dann oft genug bis zum nächsten Morgen mit fast immer demselben Ergebnis: Abschuß.

Selbst jetzt hab ich noch ab und zu dieses Gefühl, unbedingt "raus" zu müssen, was ändern zu müssen - ja kein Stillstand. Aber es ist nicht mehr mit Alkoholgedanken verknüpft. Natürlich dauert das seine Zeit, bis sich das bessert...wie alles Wichtige im Leben bekommt man die Trockenheit nicht einfach so geschenkt. Man stösst schon ab und zu an seine Grenzen und gerade da helfen gewisse "Tricks".

Nun bin ich nicht gerade ein Verfechter der strikten Einhaltung sämtlicher Grundbausteine, aber manche sind schon wirklich sehr sinnvoll. In Deinem Fall wäre es vielleicht vernünfig, vor dem "Rausgehen" ne Menge Wasser zu trinken, um damit einen evtl. Saufdruck zu verhindern. Bei vielen hat das geholfen.
V.a. bin ich kein Freund der Selbstgeißelung und insofern halte ich es für ebenso gefährlich, sich am WE komplett alleine in der Wohnung zu verschanzen, ohne Kontakte zu Menschen, die in die Krankheit eingeweiht sind und verstanden haben, um was es wirklich geht.

Wenn die alten Kumpels aus Saufgründen keine Option sind, muß man eben neue Kontakte knüpfen oder trockene, alte Kontakte aktivieren. Ich glaube, jeder kennt Menschen aus seinem Bekanntenkreis, mit denen man gut konnte, die man aber mit der Sauferei vertrieben hat. Die sind oftmals ein guter Anfang.

Ein Paradebeispiel ist hier mMn. Dr. Gerner...wenn Du Lust hast, liest Du Dir seinen Thread mal durch.

So, ich muß weiter...hab noch ein Dach aufzurichten bei dem Sauwetter...aber einen Rat will ich Dir noch mitgeben:

Schreib ruhig alles auf, was Dich bewegt und umtreibt, völlig unabhängig davon, ob Reaktionen kommen oder nicht. Du wirst für Dich trocken, nicht für andere...insofern spielt es v.a. eine Rolle, ob es Dir damit bessergeht - und das hast Du ja schon erkannt :-)

Schönen Gruß und schöne Zeit Dir

Andreas

415
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Beitrag von 415 » 20.12.2014, 08:43

Hallo an alle,

danke für euer Willkommen! :) Es hat mich sehr gefreut, heute morgen auf so viele nette Rückmeldungen zu stoßen...

Ich glaub, ich hab die halbe Nacht heute durchgesoffen, hauptsächlich sogar Hochprozentiges - aber zum Glück "nur" im Traum... :shock: :)

Jeden Tag geht es mir ein Stück besser, heute fühle ich mich zum ersten Mal sogar fast ausgeschlafen und fit.

@Quantensprung
Was Pläne betrifft: Neben meinen noch ausstehenden Weihnachtseinkaufsplänen müsste / möchte ich meine Wohnung wieder auf Vordermann bringen. Die musste nämlich neu geweißelt werden und jetzt stehen alle Möbel irgendwo, wo sie nicht stehen sollten. Ich nehme das zum Anlass, um alles ein wenig wohnlicher und netter einzurichten als vorher. Das macht mir überraschenderweise sogar Spaß und es gibt mir ein gutes Gefühl, so als würde ich auch mich selbst innerlich "neu einrichten". Abgesehen davon, habe ich an einem Reisebericht zu schreiben begonnen und arbeite nebenbei immer wieder an was "Literarischem", was mir auch Spaß macht. Ansonsten Fitnessstudio (für Outdoor passt mir das Wetter nicht), Lesen und die Anwendung meiner "Hauptwaffe" gegen die Sucht: regelmäßiges Meditieren (ich weiß, der Ausdruck "Waffe" passt hier nicht, aber irgendwie halt doch...).

Ich weiß, das sind alles eher "einsame" Tätigkeiten, aber zu einem trockenen Sozialleben fehlen im Moment die Voraussetzungen - mal sehen, ob sich da was machen lässt...

@joschi
Ja, da kann ich einiges mitnehmen - du gehörst also hiermit mit zu den "Supermärkten". :D Ein gutes Bild: sich das mitnehmen, was einem weiterhilft. Man muss ja nicht alles machen. Das motiviert mich, mich weiter nach Hilfe(n) umzusehen...

Ich kann mich in deinem Bericht in Vielem wiedererkennen. Auch ich hab mich immer um "Welten entfernt" von den "richtigen" Alkoholikern gefühlt und hab es immer wieder versucht, auf das berühmte "eine Bier" zu gehen...entweder (in den allermeisten Fällen) endete es doch wieder im Exzess, oder es kostete mich eine so übermenschliche Überwindung, nach dem "einen" Bier (= mindestens drei bis vier und noch ein Kleines zum Abschluss) nachhause zu gehen, dass es die reine Folter war.

@ Katha
Das mit dem Plan B ist eine gute Idee, vielleicht auch noch ein Plan C und D - denn das Problem ist bei mir oft, dass ich mir während der Arbeitswoche viel vornehme, von dem ich mir ausmale, dass es am Wochenende super wird, und dann, wenn das Wochenende da ist, macht plötzlich nichts davon Spaß und alle Ideen fallen wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Aber ich habe auch gelernt, dass solche Momente vorübergehen und die Sachen dann doch wieder Spaß machen (falls ich durchhalte und nicht auf "Plan(losigkeit) Alk" umsteige). Und sie machen in jedem Fall mehr Spaß als trinken - dass man da manchmal ein "Gefühl des Verzichts" hat, ist eigentlich absurd.

@Carpenter
Das "Rausmüssen" und der "Abschuss" - ja, das kenn ich leider nur allzugut...

Du hast natürlich recht, Kontakte zu anderen Menschen sind wichtig. Sich zum heroischen Einsiedler hochzustilisieren, ist gefährlich, weil man von diesem Extrem sehr schnell ins andere Extrem kippen kann, und war man gerade noch sowas wie ein Yogi in einer Himalayahöhle, ist man wenig später schon ein lustiger "Kneipenalleinunterhalter". Aber im Moment sind bei mir keine neuen oder trockenen, alten Kontakte in Sicht. Ich sag das ganz ohne Selbstmitleid und bin entschlossen, da was dagegen zu tun - aber das wird wohl seine Zeit brauchen, für dieses Wochenende bleibt mir vorerst doch nur die "Höhle"...

Bin schon gespannt, was Dr. Gerner zu sagen hat...:)

Nochmal danke für die vielen Rückmeldungen und
LG
415

415
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Beitrag von 415 » 20.12.2014, 21:12

So, komme grad vom Kino zurück - war eine spontane Entscheidung. Ich hab gespürt, wenn ich jetzt nachhause gehe, halte ich's dort nicht aus - ein Kino war grad in der Nähe, und schon saß ich drin, obwohl's schon ein bisschen komisch war, als einziger ohne Begleitung drinzusitzen. Zum Glück kein aufreibender Monumentalfilm, sondern "Fading Gigolo" mit Woody Allen, sehr ruhig-beruhigend. Hat irgendwie gepasst....und jetzt sieht's wieder nach einem ruhigen Abend aus... :)

LG
514

panem
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Beitrag von panem » 21.12.2014, 09:35

Hallo 415, 514 oder doch 415 ;) ,

Du hast die letzten Tage viel erlebt! Die verschiedendsten emotionalen Eindrücke gehabt, "gekämpft" und doch hast Du "gewonnen". Mich hat dieses neue Spektrum an Gefühlen (vorallem letztes Jahr) sehr überrascht. Aber es macht einem auch bewusst, dass man wieder lebt und nüchtern seinen Alltag verbringt mit all seinen Facetten. Im Suff hätteste Du das alles nicht wahrnehmen können. Die Gefühle (die guten, wie die schlechten) wären im Alkohol ersoffen.

Gerade in der Anfangszeit passiert so viel und es tun sich manchmal an allen Ecken und Kanten neue Baustellen auf und plötzlich hat man einen riesen Berg vor sich. Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe das Gefühl, dass Du gerade vieles gleichzeitig erreichen willst.

Mir hilft immer, wenn ich mir meine Ziele und Prioriäten deutlich mache. Quasi eine Rangliste meiner Ziele. Ich brauche mir keine Freunde suchen, die nicht trinken, wenn ich selber noch trinke oder gerade meinen Entzug mache. Und meine Freizeitgestaltung kann ich auch nicht komplett umstellen, wenn Körper und Geist noch mit dem Entzug zu tun haben. Das muss natürlich jede/r für sich selber entscheiden. Aber manche Dinge brauchen Zeit. Und man darf sich selber nicht stressen oder unter Druck setzen, weil man alles "richtig" machen will.

Du schreibst immer wieder vom Meditieren und von Yoga. Das scheint für Dich eine gute Möglichkeit zu sein, zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Und alleine im Kino warst Du auch...(Ob ich mich das jemals trauen werde?).

Morgen und übermorgen werd ich mich die Abende zuhause einbunkern.
--> daran ist nichts schlimmes! Im Gegenteil, gerade am Anfang können die eigenen 4 Wände der "sichere" Rückzugsraum sein, den Mensch in eben dieser Situation brauch. Das heißt ja auch nicht, dass man das die nächsten Wochen oder Monate so weitermacht....

In meinem letzten Post habe ich von "Schwäche" geschrieben. Das war nicht auf dich bezogen, sondern auf mich und meine Empfindungen. Wollte nur nochmal klarstellen, dass ich Dir nichts unterstellen wollte :D

Ich wünsche Dir einen schönen, trockenen Sonntag!

vg panem

415
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Beitrag von 415 » 21.12.2014, 21:54

Hallo panem,

ich denke, du hast recht. Es ist jetzt erst mal besser, die Dinge langsam anzugehen. Einbunkern ist sicher keine Dauerlösung, aber für die erste Zeit nicht das Schlechteste. Vielleicht habe ich aber den Ausdruck "Einbunkern" unglücklich gewählt, man (oder wenigstens ich) denkt bei diesem Wort an einen gewissen Herrn aus der Vergangenheit, bei dem's eher bös ausgegangen ist... :wink: Vielleicht wäre "Rückzugsort für Entspannung und Ruhe", um deine Wortwahl ein wenig aufzunehmen, der bessere Ausdruck.

Außerdem sind die Feiertage im Anmarsch, da muss ich dann sowieso mal wieder ein wenig "raus"...

Das mit der "Schwäche" kam bei mir nicht als "Unterstellung" an. Allerdings war ich etwas unachtsam: weil ich das von mir kenne - dass ich die Tendenz habe, mich als "schwach" hinzustellen - und es an mir nicht mag, hab ich sofort emotional reagiert und ein kleines "Stärkemanifest" vom Stapel gelassen. Und dabei total vergessen, dass du ja von dir redetest und nicht von mir. Ich hoffe, meine Worte kamen nicht irgendwie "übergriffig" oder "belehrend" rüber - sie haben natürlich in erster Linie mit mir selbst zu tun... :oops:

Ich wünsch dir auch einen trockenen Sonn-, oder falls du erst morgen wieder reinschaust, Montag,
liebe Grüße,
514

P.S. "514" ist der richtige Name, "415" wurde bei der Registrierung draus, wahrscheinlich, weil ich damals nicht ganz nüchtern war...ich habe bereits einen der Admins kontaktiert mit der Bitte, das richtigzustellen... :wink:

Quantensprung
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Beitrag von Quantensprung » 22.12.2014, 19:40

Hallo 514,

ich finde das hört sich nicht nach Rückzug aus dem Sozialleben an, sondern vielmehr nach der Neuordnung Deines Lebens. Und da ist ein gemütliches Heim sehr wichtig finde ich. Und hat viel mit Selbstfürsorge zu tun. Der Weg nach draußen und neuen Kontakten steht Dir ja jederzeit offen und ergibt sich vielleicht einfach, wenn du soweit bist. Das Schöne ist, nüchtern kann man auf seinen Körper und Geist Rücksicht nehmen, daran arbeitest Du, das find' ich klasse!

Schöne Grüße
Q. :)

415
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Beitrag von 415 » 22.12.2014, 21:19

Hallo Quantensprung,

dein Post kommt gerade recht: bin grad in einer etwas melancholischen Phase, deine bestärkenden Worte geben mir etwas Auftrieb :) - danke!

LG
514

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