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Menschen bewerten

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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Menschen bewerten

Beitrag von Karsten » 13.03.2015, 15:32

Hallo,

ich möchte mal ein brisantes Thema aufgreifen.
Hier gibt es ja öfter "Beschwerden", weil irgendwer oder auch ein Beitrag bewertet wird.
Wie geht ihr damit um, wenn ich davon betroffen seid?
In der realen Welt ist es ja regelmäßig so, dass sich jemand eine Meinung über uns bildet und dementsprechend, meinetwegen auch nach dem Schubladendenken, dann mit uns umgeht, über uns redet oder uns behandelt.
Wer ist selbst frei von solchen Verhaltensweisen und bewertet nie jemanden nach dem Äußeren, nach dem Verhalten oder ordnet die Informationen über eine Person in seinen eigenen Verhalten ein?

Ist es so schlimm, wenn man sich eine Meinung über jemanden bildet und sein Verhalten darauf einrichtet?

Gruß
Karsten

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Die_Susanne
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Beitrag von Die_Susanne » 13.03.2015, 20:08

Hallo Karsten,
Gegenfrage: werden nicht alle Beiträge ständig bewertet?

Für mich ist das ganz klar, aber dadurch bewerte ich ja nicht eine komplette Person.
Und meine Bewertung ist ja nie richtig oder falsch.

Gruß
Susanne

Karsten
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Beitrag von Karsten » 13.03.2015, 20:19

Hallo Susanne,

also, wenn ich Beiträge lese, schaue ich nicht nur auf den Inhalt, sondern auch, wer sie geschrieben hat.
Da bewerte ich dann auch, was ich von wem lese.

Wenn mir jemand nach drei Tagen ohne Alkohol etwas erzählen will, was meinen Erfahrungen widerspricht, bewerte ich ja auch die Person. Nach dem Motto, soll doch erst mal trocken werden.

Für mich ist das so ein Thema, wo MANCHMAL der Eindruck aufkommt, trockene Alkoholiker/innen seien die besseren Menschen. Das das bei weiten nicht der Fall ist, erlebe ich ja jeden Tag. Viele Charaktereigenschaften verschwinden ja nicht, nur weil man nicht mehr säuft.

Ich selbst bin ja von mir der Meinung, die Welt bewusster wahrzunehmen und auch kleine schöne Dinge zu erkennen. Auf der anderen Seite habe ich natürlich auch meine Schwächen, die ich im Grunde auch gar nicht abstellen möchte.

Bewerten, urteilen und sich eine Meinung über andere Menschen zu machen, ist doch das reale Leben. Warum sperrt man sich dann hier so sehr dagegen? Ich möchte ja auch mit der realen Welt zurecht kommen und mir keine Scheinwelt aufbauen.

Gruß
Karsten

Speranza
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Beitrag von Speranza » 13.03.2015, 20:31

Hallo Karsten!
Hier gibt es ja öfter "Beschwerden", weil irgendwer oder auch ein Beitrag bewertet wird.
Wie geht ihr damit um, wenn ich davon betroffen seid?
Wenn jemand meinen Beitrag warum auch immer falsch verstanden hat versuche ich richtigzustellen wie ich es gemeint habe, mehr kann ich dann auch nicht machen.

Deswegen mache ich mir aber kein komplettes Bild über die Person.
Wer ist selbst frei von solchen Verhaltensweisen und bewertet nie jemanden nach dem Äußeren, nach dem Verhalten oder ordnet die Informationen über eine Person in seinen eigenen Verhalten ein?
Niemand ist davon frei, ich finde es normal jemanden zu bewerten wenn er vor mir steht. Es liegt aber auch daran was ich selber für ein Mensch bin und was mich grundsätzlich persönlich stört.

Es "triggert" mich sozusagen wenn jetzt z.B. jemand betrunken und ungepflegt vor mir stehen und mich vielleicht noch dumm anquatscht. Ich würde ihn sofort negativ bewerten das liegt aber an den negativen Erlebnissen die ich gemacht habe.
Ist es so schlimm, wenn man sich eine Meinung über jemanden bildet und sein Verhalten darauf einrichtet?
Nein das ist nicht schlimm wobei ich meine Meinung ja jederzeit ändern kann wenn ich diesen Menschen evtl. besser kennenlerne.

LG
Marie

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 13.03.2015, 23:03

Hallo Karsten,

ich gehöre zu denen, die es schwer finden zu akzeptieren, dass ich in Schubladen gesteckt und "bewertet" werde.

Und bei mir selbst bemühe ich mich darum, es wahrzunehmen, wenn ich es tue.

Das ist für mich vielleicht besonders wichtig: mir (soweit möglich) bewusst zu sein, ob ich jemanden wahrnehme und mich selbst dabei ein Stück zurücknehme, oder ob ich den anderen bewerte, quasi in mein vorhandenes Koordinatensystem übernehme.

Wichtiges Thema, finde ich.

Gruß
Thalia

Karsten
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Beitrag von Karsten » 14.03.2015, 09:40

Hallo Marie,

zu deinem letzten Satz.
Ist es denn nicht auch eine Bewertung, wenn ich meine Meinung zu jemanden ändere, weil er oder sie sich nun anders verhält?

@Thalia

sich selbst etwas dabei zurück nehmen, damit anderen Menschen neutraler begegnet werden kann, wäre wohl sehr gut, wenn man es denn kann.

Gruß
Karsten

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 14.03.2015, 12:38

Hallo Karsten,

für mich vermischen sich in deiner Frage da zwei Dinge.

Wenn du etwas (oder jemanden) bewertest, misst du ihm ja einen Wert zu. Das gehört ja zum täglichen Leben dazu wie atmen. Ich find wichtig, dabei die eigene Subjektivität im Kopf zu behalten. Wenn ich also, platt gesagt, jemanden "blöd finde", dann in erster Linie, weil ich mit seiner Art nichts anfangen kann. So lange ich mir meiner eigenen Subjektivität dabei bewusst bin, find ich das ganz in Ordnung.

Klar sagt sich das leicht. Wenn jemand mich aufgrund seiner eigenen Interpretation einordnet und sich dann nicht mehr die Mühe macht, einfach mal wahrzunehmen, sondern womöglich versucht, mir seine Interpretation von mir überzustülpen, dann krieg ich Probleme (bzw. Beklemmungen und dann durchaus auch Aggressionen).

Deine Frage
Ist es so schlimm, wenn man sich eine Meinung über jemanden bildet und sein Verhalten darauf einrichtet?
Würde ich so beantworten: Schlimm ist es aus meiner Sicht nicht, sondern normal und menschlich. Je starrer und weniger flexibel du jedoch in deiner Meinungsbildung bist, umso mehr engt es dich halt auch ein im Umgang mit anderen Menschen.

Grüße
Thalia

Karsten
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Beitrag von Karsten » 14.03.2015, 13:20

Hallo Thalia,

ich wollte das Thema gerne auf das Forum beziehen.
Das reale Leben war ja nur von mir eingebracht, weil es da eben keine oder kaum Harmonie gibt und auch als trockene/r Alkoholiker/in damit zurecht kommen muss.

Ich lese ja hier viel in den Statistiken, weil mich die Aktivität der Forenteilnehmer interssiert. Wenn ich da dann ( aus meiner Sicht ) Differenzen sehe, dass jemand zwar immer für das Forum spricht, aber in seinem Verhalten dann doch anders ist, denke ich mir auch meinen Teil.

Das Thema habe ich ja eröffnet, weil oft die Bemerkung kommt, jemand fühlt sich bewertet und möchte das nicht. Im Grunde gibt ja jeder mit deinen Beiträgen ein Image seiner Person ab. Da kann man ja dann Einfluss auf die Bewertung nehmen, aber ich mag dieses Gekünzelte dann nicht, denn ich gebe mich lieber so wie ich bin.

Einer meiner Schwächen ist zum Beispiel, dass ich sehr, sehr nachtagend bin. Einmal bei mir unten durch, immer unten durch. Da ändere ich meine Meinung fast nie. Ist ja auch eine Bewerung, die mich aber schützt.

Gruß
Karsten

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