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Menschen bewerten

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

Moderator: Moderatoren

Kitze
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Beitrag von Kitze » 14.03.2015, 14:43

Hallo zusammen,
hier im Forum geht es doch um Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Erlebnissen, wenn man sich hier offenbart muss man doch damit rechnen dass seine Aussagen in irgendeine Art und Weise bewertet werden... Nun werden mitunter brisante Themen behandelt und daher hat jeder eine gewisse Verantwortung für sein Geschreibsel, und Werte und Normen sehen für jeden anders aus, deshalb gibt es doch auch teilweise so unterschiedliche Reaktionen. Ich habe sehr viel Respekt vor euren Geschichten und erlaube mir ungern voreilige Meinungen weil ich ein anderes Leben und eine andere Leidensgeschichte habe.

Karsten
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Beitrag von Karsten » 14.03.2015, 15:14

Hallo Kitze,

darum wäre es ja so wichtig, sich ab und zu mal etwas zurück zu nehmen und vor dem schreiben zu schauen, wen man da antwortet.

Gruß
Karsten

------------------------
Wie kann ich das Forum unterstützen?

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 14.03.2015, 21:34

Hallo Karsten,
. Einmal bei mir unten durch, immer unten durch. Da ändere ich meine Meinung fast nie. Ist ja auch eine Bewerung, die mich aber schützt.
Ja, es mag schützen, aber vor allem engt es dich ein.

Im übrigen seh ich da keinen Unterschied zwischen Forum und realem Leben, was meinen Umgang mit dem Bewerten angeht.

Warum denkst du, dass es im realen Leben
keine oder kaum Harmonie gibt
?

Offenbar habe ich aber die Intention hinter deiner Frage nicht verstanden und schreib "an dir vorbei" - ich verstehe auch dein Beispiel nicht richtig mit den Forumsstatistiken. Kannst du das nochmal erklären?

Viele Grüße
Thalia

Karsten
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Beitrag von Karsten » 14.03.2015, 22:00

Hallo Thalia,

ich hatte das Thema ja nach meinen Gedanken von gestern eröffnet.
Ich lese ja öfter oder es wird mir direkt geschrieben, dass man Bewertungen nicht gut findet.
Deshalb wollte ich wissen, wie ihr hier mit Bewertungen umgeht, die man ja im realen Leben jederzeit begegnet.

Mich eng es nicht ein, wenn ich nachtragend bin, denn Enttäuschungen entstehen ja auf mesit aus Handlungen, die auf Charaktereigenschaften von Menschen zurückzuführen sind. Ich glaube aber nicht an schnelle Veränderungen von Charaktereigenschaften. Deshalb erspare mir dadurch neue Enttäuschungen, wenn ich weiter misstrauisch bin.

Ist wie mit Freundschaft. Freundschaft ist für mich sehr wichtig, aber heute wird mit dem Wort leider viel zu leicht umgegangen.

Das es im realen keine Harmonie gibt, ist vielleicht übertrieben, aber bei unserer Ellenbogengesellschaft ist es doch eher selten so, dass man harmonisch, außerhalb der Famile und dem Bekanntenkreis miteinander umgeht.

Aber das soll ja nicht das Thema sein. :)

Gruß
Karsten

Correns
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Beitrag von Correns » 15.03.2015, 09:23

Hallo Karsten,

"Menschen bewerten"
Ein Thema mit sehr vielen Facetten.

Obwohl ich versuche,
mich mit Bewertungen und auch Kritik zurückzuhalten,
gelingt mir dies nur sehr begrenzt.

Es fängt schon bei ganz kleinen Dingen an.
Wenn ich im Bus oder Zug einen Platz suche,
schaue ich mir die Leute an, neben die ich mich setze.
Da laufen im Kopf blitzschnelle Programm ab.
Das meiste vermutlich komplett unbewusst.

Vorurteile kann ich ebenfalls nicht ablegen.
Manchmal schützen diese mich vor üblen Erfahrungen.
Aber genauso oft verbaue ich mir dadurch interessante Einblicke.

Anders wird es bei von mir geäußerter Kritik.
Da bin ich leider manchmal viel zu forsch und dadurch verletzend.
Meist deswegen, weil ich oft sehr viel "sammle" bis es zur Äußerung kommt.
An diesem Thema bin ich dran.
Ich versuche immer mehr statt zu kritisieren "nur" zu beobachten.
Manchmal gelingt es mir auch, Dinge einfach laufen zu lassen.
Nicht alles benötigt eine Einmischung meinerseits.

Wenn ich selbst kritisiert werde,
lege ich ganz unterschiedliche Muster an den Tag.
Beleidigt sein: Bringt zwar meist nichts, geht aber immer.
Kontra geben: Meist ist der andere besser vorbereitet
und mein Kontra kommt zu unausgegoren.
Danke sagen: Passiert nicht oft, aber manchmal schon.
Manche Kritik kann eine echte Hilfe sein.
Ignorieren: Hier habe ich eine gewisse Meisterschaft erreicht
und bringe damit meine Umwelt regelmäßig auf die Palme.
Aber so etwas würde ich nie öffentlich zugeben.

Viele Grüße
Correns

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 15.03.2015, 09:42

Guten Morgen

Mir fällt extrem auf, dass vor allem Menschen mit Suchtkrankheiten ein Problem mit Bewertungen resp. Urteilen haben.
Wenn ich sage, dass ich etwas beherrsche/gut kann, empfinden mich Mitbetroffene als arrogant, während in meiner realen Welt alle Menschen ohne Suchtproblem nur wie selbstverständlich abnicken.
Bewertungen und Urteile empfinde ich als völlig normal und alltäglich, sie gehören zum Leben dazu. Hier aber habe ich stets das Gefühl, sie werden ausschließlich negativ gesehen.
Das muss aber doch nicht zwangsläufig so sein: Jeder Mensch, der in einem Team arbeitet oder z.B. in einem Sportverein in einer Mannschaft spielt, muss sachlich nach seinen Fähigkeiten und Schwächen eingeschätzt werden. Wenn ich den exzellenten Stürmer ins Tor verbanne, der mit seinen Händen nun gar nichts anzufangen weiß, muss ich mich nicht einmal zum Bus begeben, um beim nächsten Auswärtsspiel anzutreten.
Nur wenn ich als Mensch hier (richtig) eingeschätzt werde, habe ich auch die Möglichkeit, meinen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt zu werden und bin weder gelangweilt noch überfordert oder werde u.U. depressiv.
Auch muss ich mich selbst sachlich einschätzen können, aus denselben Gründen.

Dies hier aber ist ein geschützter Rahmen. Hier darf ich erwarten, dass ich nicht beleidigt oder unter Druck gesetzt werde und sämtliche Kritik (die ja ebenfalls nicht nur negativ ausfallen muss) in angemessenem Tonfall erfolgt. Ich persönlich erwarte auch, nicht mit sämtlichen Alkoholikern dieser Welt in einen Topf geschmissen zu werden, denn wir haben erst einmal nur eines gemeinsam: Die Alkoholkrankheit.
Mittlerweile kann ich mit negativer Kritik ganz gut umgehen. Früher war ich nur beleidigt und verletzt, heute haut´s mir erst die Kinnlade aufs Schlüsselbein, dann lasse ich sacken und überlege ganz in Ruhe, was dran ist an der Kritik. Manchmal berücksichtige ich sie in meinem Leben als hilfreich, manchmal kann ich sie für mich verwerfen, weil vielleicht Jemand im Prinzip richtig liegt, dabei aber meine momentane Situation nicht berücksichtigt hat. Kritik verbunden mit Beleidigungen perlt komplett an mir ab, weil ich das Gegenüber dann nicht respektieren kann.

Von mir bekommen Menschen im Übrigen mehr als eine Chance, denn bei einem Totalausfall in Sachen Verhalten schließe ich nicht zwangsläufig auf eine „negative“ Charaktereigenschaft.
Ich habe zu oft erlebt, dass Menschen einfach zeitweise unter enormem Druck standen, Angst hatten oder sich in extremen privaten Situationen befanden, die sie anders handeln ließen, als es normalerweise für sie üblich war. Da mich Menschen in der Vergangenheit auch oft genug überraschen konnten, wenn ich versucht war, sie nach dem Äußeren zu beurteilen, habe ich mir diese Angewohnheit komplett abschminken können.

Urteile und (Be-)Wertungen sind für mich also gang und gäbe, vorschnelle Urteile langweilen mich, denn der Mensch als träge Masse benötigt im Schnitt ca. sechs Monate, um sein eigens gefälltes Urteil über Andere zu überdenken und ggfs. zu revidieren. Das ist mir zu zäh und hält mich nur auf ;-). Das Leben ist oft schwer genug und ein bisschen mehr Leichtigkeit würde vielen Menschen nur gut tun.

Gruß
Katha

Katharsis
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Beitrag von Katharsis » 15.03.2015, 10:03

Hallo Correns,

nun musste ich grad schmunzeln: Meine Sitzplatzwahl in Bus & Bahn treffe ich tatsächlich ausschließlich nach Gepäck und Umfang der Mitreisenden, denn ich möchte weder meine Knie bis an die Nase ziehen noch die Reise auf einer Pobacke antreten müssen, wenn ich es vermeiden kann :D

Viele Grüße
Katha

Karsten
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Beitrag von Karsten » 15.03.2015, 10:25

Guten Morgen Correns,

danke, dass du das so offen geschrieben hast.

Gruß
Karsten

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