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neu hier Calida

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Calida78
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neu hier Calida

Beitrag von Calida78 » 13.07.2015, 14:15

Hallo allerseits!
ich habe mich heute hier registrieren lassen, weil ich nicht mehr trinken möchte und sehr gespannt bin, wie es Euch anderen geht. Ich bin 37, verheiratet und habe zwei Kinder. Seit etwa drei Jahren nahm mein Alkoholkonsum krankhafte Züge an. Ich bin vollberufstätig und fühle mich sehr oft überlastet. Abends nach der Arbeit war mir oft nach einem Glas Wein. Nach ein paar Schlucken war ich leicht "gaga" im Kopf - und das fand ich angenehm. Ich hatte das Gefühl, dass ich auch viel relaxter war, wenn die Kinder gestritten haben. Über den Abend verteilt habe ich dann aber oft eine ganze Flasche getrunken - und das heimlich! Mein Mann hat nichts mitbekommen - keine Ahnung warum. Man riecht das ja eigentlich.
Jedenfalls vor vier Wochen ginge es mir nach einem durchzechtem Wochenende sehr schlecht. Ich hatte so was noch nie und dachte: Das muss Entzug sein. Ich bin zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm alles erzählt. Er hat mir ein Medikament gegen die Entzugserscheinungen gegeben. Und mir ging es plötzlich so gut, weil ich nicht mehr allein war, sondern endlich jemanden eingeweiht habe. Auch mit meinem Mann habe ich gesprochen. Allerdings: er denkt ich übertreibe. Er denkt, das wäre alles nicht so schlimm und ich soll es einfach lassen. Gleichzeitig war ich bei der Suchtberatung und habe mir dann einen Therapieplatz gesucht.
Naja - und in den letzten Wochen bin ich dreimal schwach geworden. Ich habe nicht viel getrunken, sauer war ich trotzdem jedes Mal. V.a. habe ich Angst, dass sich das wieder steigert. Einmal in der Woche ohne Probleme ein Bier trinken - das ist ja nicht mein Thema - dann wäre ich auch nicht hier. Jedenfalls hab ich jetzt beschlossen, dass ich zu meinem Vorhaben zurück und mit dem Trinken aufhören möchte. Und deshalb bin ich hier. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum ich immer wieder denke, ein Glas Wein wäre toll. Ich hatte immer wieder ein paar Wochen ohne Alkohol und es ging mir super! Aber dann kommt doch wieder der Drang! Und das quält mich gerade - über diese Phase hinwegzukommen.
So - jetzt bich also hier und ich bin sehr gespannt, Eure Geschichten zu lesen.
Viele Grüße
Calida

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 13.07.2015, 15:13

Hallo Calida,

herzlich willkommen hier. Und herzlichen Glückwunsch zu deinem Entschluss, ohne Alkohol zu leben.

Wenn du dich als Alkoholikerin siehst, dann ist es das worauf es ankommt. Egal, was jemand anders (auch dein Mann) darüber denkt. Siehst du dich denn als Alkoholikerin?

Ich habe übrigens auch heimlich getrunken. Endlich nicht mehr dieses "Doppelleben" führen zu müssen war eine unglaubliche Befreiung für mich.

Hast du dir schon unsere Grundbausteine durchgelesen? Da steht viel Hilfreiches, ganz besonders auch für den Anfang - aber nicht nur.

Ist dein Zuhause zum Beispiel alkoholfrei?

Ich wünsche dir hier einen hilfreichen Austausch und alles Gute bei der Umsetzung deines Entschlusses.

Thalia
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Calida78
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Beitrag von Calida78 » 13.07.2015, 15:43

Hallo Thalia,
danke für Deine Antwort! Das gibt mir gleich das Gefühl, dass ich nicht allein bin.
Ja, ich sehe mich als Alkoholikerin. Auch die Grundbausteine habe ich mir angesehen. Wichtige Schritte habe ich gemacht, aber das alkoholfreie Zuhause muss noch geschaffen werden. Wir hatten einige Tage Besuch, mein Mann hat mitgetrunken, überall standen Flaschen herum. Das fand ich absolut rücksichtslos. Habe ich meinem Mann auch gesagt. Heute Morgen habe ich eine halbe Flasche Wein rumstehen sehen. Soll sie mein Mann heute trinken oder ich schütte das weg. Und dann werde ich ihn bitten, mit mir abstinent zu leben. Zumindest die ersten Wochen. Ich denke auch, dass er das tun wird. Er trinkt sehr selten Alkohol, eigentlich nur, wenn es einen Anlass wie Besuch gibt. Aber JA - das ist ein Punkt, der wichtig ist. Ich muss alles beseitgen, auch wenn en nicht viel ist oder ich denke, es würde mir eh nicht schmecken, wie Schnaps oder Likör.
Was hast Du denn gemacht, wenn bei Dir plötzlich die Gier zurückkam? Wenn man sich fragt, ob man nicht doch nochmal einkaufen geht..... Das ist das, was ich in den ersten Tagen meiner Trockenphasen am schlimmsten fand. Morgens einkaufen gehen vor der Arbeit, und bloß nicht abends - das war meine Strategie.

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 13.07.2015, 15:55

Hallo Calida,

gerade wenn du noch viel mit Suchtdruck zu kämpfen hast, ist es umso wichtiger, auf eine größtmögliche Risikominimierung zu achten.

Zum Beispiel gar nicht - zumindest nicht alleine - einkaufen zu gehen.

Immer viel Wasser trinken ist auch eine gute Strategie. Das war bei mir am Anfang besonders wichtig. Bei mir ist die erste Phase jetzt etwa anderthalb Jahre her und ich glaube, ich hatte Glück und relativ wenig körperlichen Suchtdruck.
Viel hier lesen ist ein gutes Rezept ;)

Aber du bekommst bestimmt noch andere Anregungen.

Ohne alkoholfreies Zuhause wird es aber sehr sehr schwer. Ich wünsch dir den Mut, deinem Mann gegenüber für dich einzustehen. Er kann nicht wissen, was für dich jetzt wichtig ist, insbesondere, wenn er deine Alkoholerkrankung nicht ernst nimmt.

Viele Grüße
Thalia

dorothea
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Beitrag von dorothea » 13.07.2015, 18:33

hallo calida

ein wichtiger punkt ist auch, herauszufinden was genau saufdruck auslöst, außer rumstehende flaschen, da gibts ja wirklich vieles. absolute ehrlichkeit, deinem mann und den kindern gegenüber halte ich auch für sehr wichtig. erkläre ihnen was du fühlst, wie sich druck in dir aufbaut. nicht abhängige können das nur sehr schwer nachvollziehen, ohne gespräche meistens überhaupt nicht. beobachte dich genau. du spürst ja wenns anfängt sich hochzuschaukeln und versuche es dann so schnell wie möglich abzustellen. wenn die kinder nerven kann sich ja mal dein mann mit deren problemen auseinander setzen damit du luft holen kannst. das ist fürs erste nur als puffer gedacht. auf lange sicht muß du lernen frust und wut über ein anderes ventil los zu werden. manche treiben sport, andere machen yoga, ich hab mir mein körbchen geschnappt und bin in wald kräuter sammeln. wie und was dich wieder entspannt ist dabei vom prinziep her wurscht, wichtig ist nur das ergebnis. und rede mit deiner familie, sie müssen verstehen können wie es in dir aus sieht, nur so können sie dich auch unterstützen. kinder sind nicht doof, die kriegen mehr mit als man glaubt und die haben auch ganz feine antennen dafür wenns dir besser geht. wovon sie ja auch profitieren. sei jetzt einfach offen und ehrlich, das finde ich extrem wichtig, denn wie gesagt, ein nicht abhängiger kann es kaum nachfühlen wie es in uns zeitweise aussieht.

doro

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 13.07.2015, 19:21

Hallo Doro!
Wow! Anderthalb Jahre! Ich wünsche mir, dass ich das auch mal sagen kann!
Mir hat in den letzten <wochen Essen und Sport gegen den Druck geholfen. Und ich hoffe, dass er irgendwann nachlässt oder gar nicht mehr da ist.
Mein Problen ist, dass bei mir oft Selbsthass auftaucht. Da frage ich mich, wozu ich abstinent sein soll. Und mit <alkohol kann man sich eben auch richtig selbst zerstören. Das wurde mir erst durch die Abstinenz klar, dass das ein Thema ist, an dem ich arbeiten muss. Aber sich plötzlich selbst zu lieben und sich gut zu behandeln ist nicht so einfach.
Also! Einen schönen Abend und liebe Grüße,
Calida

dorothea
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Beitrag von dorothea » 13.07.2015, 19:50

hallo calida

du hast mich jetzt mit thalia in einen topf geschmissen, sie ist es die auf 1 1/2 jahre stolz sein kann. klar das hört sich für dich jetzt viel an, ich glaube das geht jedem am anfang so. mein gott soooo lange.... und nachher... schwups is die zeit um. na ja aber bis dahin mal schritt für schritt.

selbsthass: ich denke mit der eigenliebe ist es bei sehr vielen suchtkranken nicht sehr weit her, sonst würde man sich besser behandeln. wenn es dir sinnvoll erscheint zu wissen wieso das so ist, wer dir das mal eingeimpft hat, dann solltest du da mal graben, evtl mit hilfe eines therapeuten, mir hat es damals geholfen vieles zu verstehen. andere sagen, och nö, is vergangenheit, ich will nach forn sehen, rückschau bringt mir nichts. auch das ist ok. wichtig ist es eben nur diesen selbsthass, die mindere selbstachtung den niedrigen selbstwert los zu lassen und das selbstwertgefühl aufzubauen.

ich denke, grade als berufstätige frau solltest du davon abstand nehmen alles perfekt haben zu wollen. wie in der werbung, perfekter job, perfekter haushalt, perfekte familie. das ist absoluter schwachsinn und von einem menschen gar nicht zu leisten, (selbst die werbefuzis die uns den mist suggerieren brauchen für ihre albernen filmchen zig leute). hallo wie soll das gehen, der tag hat nur 24 std. und wenn man müde ist dann ist das so, und dann bleibt eben mal was liegen. wems nicht gefällt der hat 2 optionen. wegmachen oder gehen. eigentlich doch ganz einfach, nur da muß man erst mal hinkommen. für sich sortieren, was ist immens wichtig, was ist schon noch wichtig und was ist eigentlich völlig wursch. nur mal als beispiel, das kannst du auf viele lebensbereiche übertragen. das universum ist nicht perfekt, wieso bitte soll ich das sein, und wer nimmt sich das recht herraus mir hier richtlinien vorgeben zu wollen?? mach dich davon schritt für schritt frei.

doro

Ferra
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Beitrag von Ferra » 13.07.2015, 21:26

Hallo Calida,

herzlich Willkommen!

Mir hilft auch extrem viel Lesen, versch. Betrachtungsweisen (bei dir z.B. Stichwort Selbsthass, woher kommt das etc.), ansonsten abends viel Wasser, Saft trinken, auch mal was leckeres essen, Sport, geistig auspowern (ich lese jetzt wieder Bücher und rätsele).

Deine Problematik mit deinem Mann kommt mir sehr bekannt vor. Ich kann nur aus Erfahrung sagen: Wenn einer trinkt und der andere nicht, kann das schief gehen und wird es in der Regel auch. Es widerspricht eben auch der Risikominimierung (irgendwo steht eben ne Pulle Wein etc. rum bzw. er trinkt in deiner Gegenwart, genau wie die Haltung du würdest übertreiben). Und ibzgl. der evt. rumstehenden Flasche kommt es einem vor als kommuniziere diese Flasche mit einem.
Deswegen: Raus mit ihr und du kannst selbst bei Druck nichts konsumieren.

LG Ferra

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