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Ich muss es schaffen! Bericht von einer Leidensgenossin.

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 30.08.2015, 11:08

Hallo Kerstin,

auch von mir noch ein (sehr verspätetes!) herzliches Willkommen hier bei uns und einen Glückwunsch zu deinem gelungenen Start in ein befreites trockenes Leben!

In deinem ersten Post schriebst du
und trotzdem bin ich in den Mist reingerutscht...
Da wollte ich mal nachhaken. Hast du eine Vorstellung entwickelt (mal abgesehen von der genetischen Vorbelastung), warum du "in den Mist reingerutscht" bist? Und was du evtl. An deinem Leben ändern könntest/müsstest, um deine Trockenheit zu stabilisieren?

Wie sieht eigentlich dein Alltag aus? Ist dein Zuhause jetzt alkoholfrei? Trinkt dein Mann Alkohol?

Es gibt hier im Forum den Spruch "nur nicht trinken reicht nicht", und ich finde, das stimmt. Jetzt, da du abstinent bist und dein Hirn - ganz langsam - mit wachsendem Abstand vom Alkohol auch "trocken" wird, kannst du beginnen, nach Schieflagen in deinem von dir als so "perfekt" beschriebenen Leben zu gucken. (Ich will dir nichts "an den Hals schreiben"; wenn du feststellst, dass alles in Ordnung ist und du zutiefst zufrieden bist, umso besser.)

Viele Grüße, und ich wünsche dir hier einen hilfreichen Austausch und jetzt erstmal einen schönen Sonntag.

Thalia

step-by-step
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Beitrag von step-by-step » 31.08.2015, 16:13

Hallo Kerstin,

ich lese seit Deiner Anmeldung interessiert still bei Dir mit und freue mich, dass es Dir aktuell so gut geht.

Deine Berichte klingen positiv.
Behalte Dir diese positiven Gefühle im Herzen und achte gut auf Dich.

Viele Grüße
step

Kerstin27
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Beitrag von Kerstin27 » 01.09.2015, 17:01

Thalia1913 hat geschrieben:Hallo Kerstin,

auch von mir noch ein (sehr verspätetes!) herzliches Willkommen hier bei uns und einen Glückwunsch zu deinem gelungenen Start in ein befreites trockenes Leben!

In deinem ersten Post schriebst du
und trotzdem bin ich in den Mist reingerutscht...
Da wollte ich mal nachhaken. Hast du eine Vorstellung entwickelt (mal abgesehen von der genetischen Vorbelastung), warum du "in den Mist reingerutscht" bist? Und was du evtl. An deinem Leben ändern könntest/müsstest, um deine Trockenheit zu stabilisieren?

Wie sieht eigentlich dein Alltag aus? Ist dein Zuhause jetzt alkoholfrei? Trinkt dein Mann Alkohol?

Es gibt hier im Forum den Spruch "nur nicht trinken reicht nicht", und ich finde, das stimmt. Jetzt, da du abstinent bist und dein Hirn - ganz langsam - mit wachsendem Abstand vom Alkohol auch "trocken" wird, kannst du beginnen, nach Schieflagen in deinem von dir als so "perfekt" beschriebenen Leben zu gucken. (Ich will dir nichts "an den Hals schreiben"; wenn du feststellst, dass alles in Ordnung ist und du zutiefst zufrieden bist, umso besser.)

Viele Grüße, und ich wünsche dir hier einen hilfreichen Austausch und jetzt erstmal einen schönen Sonntag.

Thalia
Hallo!

Nee, keine Ahnung, wie das passieren konnte. Zumindest in dem Ausmass. Hat langsam angefangen und sich dann irgendwie eingeschlichen.

Mein Zuhause ist soweit alkoholfrei. Mein Mann trinkt ab und zu ein Glas Whisky, einen Finger breit, niemals mehr. Und immer erst dann, wenn ich schon schlafe. Der Whisky steht in einem Safe, da komme nicht ran. Macht mir auch ehrlich gesagt nix aus, zumindest im Moment nicht.

Mein Alltag? Ziemlich spiessig ;) Arbeiten gehen, nach Hause kommen, Haushalt machen, dann ein bisschen Freizeit fuer Hobbies, dann schlafen gehen.
Schieflagen gibts eig. nicht. Mir faellt zumindest spontan nix ein.

Was ich wohl anders mache: ich fuehre kleine Rituale in den Tagesablauf ein. Z.B. wenn ich nach hause komme, erstmal eine Tasse Kaffee trinken. Vor den Schlafengehen 1 Kapitel in einem Buch lesen etc.
Ansonsten ist der Alltag fast so geblieben. Bis auf das, dass ich nun auch wieder mit Freude Familie und Freunde besuche :) Im moment lebt es sich fast nach dem "boesen" Motto "weiterleben wie bisher, und einfach nur nix trinken". Kann ja nun auch nicht alles ueber den Haufen werfen, meinen Mann verlassen, das Haus verkaufen und mir nen anderen Job suchen!? ;) Oder wie ist das gemeint mit diesem Spruch? Kann mir da jemand was genaueres zu sagen? Vielleicht Erfahrungswerte?

LG Kerstin

likeafeather
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Beiträge: 70
Registriert: 22.08.2015, 20:34

Beitrag von likeafeather » 01.09.2015, 19:59

Hallo Kerstin,

ich bin auch noch am Anfang des Weges hin zu einer hoffentlich langjährigen und endgültigen Trockenheit. Mit viel Erfahrung kann ich daher noch nicht glänzen, aber ich möchte dir trotzdem ein paar Zeilen schreiben. Meine Situation ähnelt deiner wirklich sehr. Ich habe Haus, Garten, Job, Kind, Freunde, Hobbys und eine intakte Beziehung. Warum trinkt man dann trotzdem? Weil eben nicht alles so perfekt ist, wie es scheint - oder in meinem Fall zu perfekt. Ich habe unglaublich hohe Ansprüche an mich selbst, mache mir oft zu viel Stress um einem "perfekten" Ideal hinterherzurennen, dass ich niemals erreichen werde (und das auch kein normaler Mensch erreichen möchte). Unter diesem Druck bin ich irgendwann zusammengebrochen und der Alkohol hat mir geholfen. Mein Leben ist in eine Schieflage geraten, ich habe mich viel zu wenig um mich selber gekümmert.

Auch wenn man ein scheinbar "perfektes" Leben führt, gibt es immer einen Grund, warum man trinkt. Kannst du dich noch erinnern in welcher Gefühlslage du warst, als du zur Flasche gegriffen hast? Welches unangenehme Gefühl oder welche Situation musstest du dir denn schön saufen? Wenn es dir doch immer super ging, hättest du dich ja nicht mit Alkohol betäuben müssen ...

Oftmals verlernen Alkoholiker auch Gefühle genau zu benennen und Wissen augenscheinlich gar nicht, warum sie gerade trinken. Mir fällt es manchmal auch schwer in einer Situation mit Saufdruck überhaupt erstmal zu identifizieren, welches Gefühl mich da gerade nervös macht. Ist es Langeweile, Einsamkeit, Überforderung, Wut, Angst, Trauer ... das zu erkennen fällt mir nicht immer leicht. Vielleicht hörst du ab und zu mal etwas intensiver und geduldiger in dich hinein und bekommst dann die ein oder andere Erkenntnis. ;)

So, ein langer Vortrag ist's geworden, ich hoffe du verstehst ungefähr worauf ich hinaus wollte. :)

Liebe Grüße,
Ina

Kerstin27
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Beiträge: 18
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Beitrag von Kerstin27 » 10.09.2015, 19:22

Hallo Community!

Heute war ein schlimmer Tag :(

Gestern hatte ich schrecklichen Streit mit einer Freundin. Und heute, als ich von der Arbeit kam, hatte ich das Thema immer noch im Kopf. Ich musste noch einkaufen, und ich hatte furchtbaren Suchtdruck. Ich stand lange vor dem Regal mit dem Schnaps und ueberlegte hin und her. Bis es im Kopf klick machte und ich mir sagte: Bist du eigentlich bescheuert? Willst du das alles nochmal durchmachen?? Du bist krank, lass es sein! ...

...und ich habe es sein lassen. Ich habe nichts gekauft. Ich muss lernen, Probleme und Streit ohne Alk zu loesen. Ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Ich bin so froh, dass ich es heute heil ueberstanden habe. Das war wirklich kurz vor knapp...

LG Kerstin

Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1283
Registriert: 06.07.2015, 22:47

Beitrag von Carl Friedrich » 10.09.2015, 20:54

Hallo Kerstin!

Erst mal Glückwunsch, dass Du standhaft bleiben konntest und nicht der Suchtteufel deine Geschicke lenken konnte.

Gegen den Druck hilft neben den üblichen und berechtigten Tipps wie viel Wasser trinken vor allem reden. Ruf Personen deines Vertrauens an, geh zu Freunden/Bekannten/Verwandten, hauptsache Du kommst auf andere Gedanken. Komm in dieses Forum, um Dich auszutauschen. Das hilft alles relativ schnell.

Kleiner Einkaufstipp am Rande: Die entsprechenden Abteilungen in den Märkten immer rasch durchqueren und ja nicht stehen bleiben. Anfangs habe ich mich genau dazu noch mal extra vor Betreten des Ladens aufgefordert und bin mit einem Tunnelblick durch. Nur schön geradeaus und nicht die für uns teuflischen Getränke anschauen. Deren gezielter Anblick kann den Druck enorm erhöhen.

Zum Stressabbau hat so jeder seine Methoden, meine lauten: Körperliche Betätigung wie Joggen, Radfahren, mal in die Sauna gehen, lesen. Vielleicht kannst Du dich ja mal morgen mit der Dame aussprechen oder übers Handy Kontakt aufnehmen. Vielleicht ist sie ähnlich gefrustet wie Du und freut sich über ein Zeichen, das sie zur Zeit nicht geben kann.

Gruß Carl Friedrich

Leo Lux
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Registriert: 08.09.2015, 20:49

Beitrag von Leo Lux » 11.09.2015, 19:49

Hallo Kerstin,

bin noch ziemlich neu in diesem Forum und noch so ein bißchen am hin- und herhopsen durch die Threads, da stieß ich auf Dich - und wollte Dich auch erstmal beglückwünschen zu Deinem Entschluss und aber vor allem aktuell zu dem überstandenen Ereignis mit dem Streit und Deinem Verlangen danach. Du kannst stolz darauf sein, denn Du hast Selbstachtung gezeigt!

Carl Friedrich kann ich mich nur anschliessen - daraus zu lernen, ist wichtig glaube ich. Ich habe für mich auch gerade am Anfang neue Routinen entwickelt. Mit Tunnelblick durch die Alk-Regale durch oder an der Kasse, wo ja oft die kleinen Alkflaschen buchstäblich zum Greifen nahe sind, einfach auf die andere Seite geschaut. Oder am besten gleich das Gesicht einer schönen Frau in der Schlange daneben - das lenkt gut ab;-) Du nimmst dann halt n Mann.

Stimmungsschwankungen, auch wirklich krasse, sind ganz normal und gehören dazu. Sie sind manchmal schwer zu ertragen, das kenne ich. Bis hin zu depressiven Verstimmungen und Heulen am Schreibtisch vor Niedergeschlagenheit und Verzweiflung. Aber jedes Mal bessert sich die Stimmung auch wieder. Unbezahlbar ist, finde ich, das beides - Traurigkeit und auch Glück - die eigenen Gefühle sind. Die echten Gefühle. Ich finde das total spannend, anstrengend, aufregend - Ich wünsche Dir dieselben Empfindungen dabei!

Viele Grüße Leo

Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1283
Registriert: 06.07.2015, 22:47

Beitrag von Carl Friedrich » 11.09.2015, 20:25

Ich knüpfe mal an die Stimmungsschwankungen an: Die hatte ich auch früher, als ich noch getrunken habe. Während der Entzugserscheinungen war ich förmlich "ungenießbar". Erst als der Alkohol mal weitgehend abgebaut war, ging es und ich blühte auf, da ich wusste, bald wird wieder meine "Medizin" zugeführt. Nur in der Anflutungsphase nach den ersten beiden Flaschen Bier war ich ruck-zuck mental gut drauf, aber nur bis zu einer bestimmten Alkoholisierung, bis dann die Stimmung ins streitende und uneinsichtige kippte.

An diesen Punkt will ich nie wieder hin.

Was mich an den Schwankungen in der abstinenten Zeit stört, ist, dass es täglich rauf- und runter geht und das zumeist mehrmals, wie bei einer Achterbahn. Wenn es wenigstens mal einen ganzen und kompletten schönen Tag gäbe, aber der kommt bestimmt noch. Wie habe ich hier bei den alten Hasen oft gelesen, man braucht viel Zeit und Geduld sowie Demut und Respekt vor der Krankheit.

Jedenfalls kann ich positiv an mir feststellen, dass die täglichen negativen Phasen nach nunmehr 4 Monaten und 11 Tagen insgesamt kürzer werden und auch ihre Häufigkeit gottlob abnimmt.

Gruß Carl Friedrich

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