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Was bedeutet für dich Einsicht?

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Karsten
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Was bedeutet für dich Einsicht?

Beitrag von Karsten » 16.08.2015, 11:56

Hallo,

wir haben ja immer wieder mit dem Thema Einsicht in die Alkoholkrankheit zu tun.
Ob jemand Alkoholiker/in ist oder nicht, kann er oder sie ja nur selbst wissen.
Andere Menschen können vielleicht Anzeichen erkennen oder an Hand von ärztlichen Untersuchungen Rückschlüsse ziehen, aber die Einsicht muss ja von jedem selbst kommen.

Was bedeutet es für euch aber, wenn ihr euch denn eingestanden habt, dass ihr alkoholkrank seid?

Gruß
Karsten

Ferra
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Beitrag von Ferra » 16.08.2015, 18:03

Hallo,

ich hoffe ich verstehe die Frage richtig..

Einsicht bedeutet mich für mich ganz persönlich (daher keine Allgemeingültigkeit) sich einzugestehen schwächer zu sein als die Sucht / der Alk und gleichzeitig einzusehen, das man nicht gewinnen kann, einzusehen das man nicht normal trinken kann und das wenn man das ignoriert / übergeht es langfristig zu Gesundheitsschäden und oder Tod kommen wird.

Und die Folge dieses sich eingestehens ist Abstinenz und naja Hilfe annehmen diese zu erreichen und zu erhalten.

LG Ferra

Karsten
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Beitrag von Karsten » 16.08.2015, 18:10

Hallo Ferra,

ja, sowas in der Art meine ich.
Ich habe ja heute schon mal Ähnliches in einem anderen Thema geschrieben, aber im geschützten Bereich.
Deshalb hier noch mal in ähnlicher Form.

Viele melden sich ja hier an und gehe mal davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt die Einsicht auch vorhanden ist.

Warum verschwindet dann aber nach kurzer Zeit diese Einsicht?


Gruß
Karsten

Ferra
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Beitrag von Ferra » 16.08.2015, 18:20

Hallo Karsten,

weil bagatellisieren und schön reden niemals wirklich ruht bei einem Alkoholiker ohne Einsicht? (das ist vllt zu pauschal, bitte nicht hauen)

Naja Einsicht ist auch eine Summe der Erfahrungen oder wie du das gut formulierst, der persönliche Tiefpunkt. Manchmal war er es einfach noch nicht "wirklich" und dann kommt zusammen mit Suchtdruck eben die Bagatelle anspaziert. Liegt vllt auch daran, das viele in den Dimensionen "Nie wieder", "Für immer", "Nie mehr", "Du darfst nicht" etc. denken. Das ist am Anfang auch echt hart.

Als bei mir die Einsicht schwand damals, nun ja ich hatte einfach keine Lust mehr aufzupassen bzw. Abstinenz ist ja am Anfang geistig anstrengend...son Griff zur Pulle ist leichter...vermeintlich.

Vllt liegt es aber auch am bagatellisierenden Umfeld. Wie oft sagen Ehepartner "Jetz ist aber wieder gut, trink doch was!" oder andere solcher Situationen. Das man sich selbst dann nicht mehr glaubt oder irgendwie so..

Karsten
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Beitrag von Karsten » 16.08.2015, 18:54

Hallo Ferra,

der zeitliche Faktor spielt sicherlich eine Rolle, aber ich denke eher, dass man zwar für den Augenblick davon überzeugt ist, den persönlichen Tiefpunkt erreicht zu haben, aber das meist noch lange nicht soweit ist.

Habe das ja damals selbst durch und selbst Aufenthalte auf der Itensivstation haben mich von wieder saufen nicht abgehalten.
Kaum ging es mir besser, waren auch alle guten Vorsätze wieder vergessen.

Ich kann ja nicht in die Gedanken von anderen Menschen schauen und ziehe dann eben Rückschlüsse aus meinen damaligen eigenen Versuchen.

Ist aber irgendwie auch zu warm, um sich gedanklich lännger daran festzuklammern :)

Gruß
Karsten

Hans im Glück

Beitrag von Hans im Glück » 16.08.2015, 18:56

Hallo Karsten,

Die Einsicht ist bei mir in mehreren 'Wellen' über mich gekommen.

Zunächst, dass ich viel zu viel trinke.
Dass es mir körperlich immer schlechter geht.
Ich dem Alkohol immer mehr Platz einräume in meinem Leben.
Dann habe ich aufgehört zu trinken, allerdings nicht in der Absicht, dass für immer zu tun.
Von Stund an ging es mir besser und besser, es folgt ein chaotisches Jahr mit emotionaler Achterbahn.
In der Zeit entstanden viele weitere Einsichten.
In meiner Familie gibt es mehrere Alkoholiker, incl. meiner Eltern.
Das war das Ende des 'schön redens'
Das Ende des bagatellisieren.
Ich erkannt, dass ich seit vielen Jahren zum ganz engen Freundeskreis des Alkohol gehörte, obwohl ich keinen sozialen Abstieg erleiden musste.
Ich habe noch kompensiert gesoffen. Aber wie lange noch?
Zum Schluss des ersten Jahres war ich bei der Einsicht angelangt, dass ich Alkoholiker bin und das war der Zeitpunkt, da habe ich mich hier angemeldet.

Also sind meine Einsichten in der Zeit gewachsen und tun es auch weiterhin.
Und richtig Ferra, auch meine liebe Frau hat mein Alkoholproblem (ihr Ausdruck!) gekannt und auch angesprochen, aber dass ich Alkoholiker bin,vkann sie trotzdem nicht gut hören.
Und so hat sie mich auch irgendwann einmal gefragt, ob ich denn nie wieder etwas trinken könne......

Nein, das kann ich nicht. Das ist die grundlegende Einsicht hinter alledem.

Lieb Grüße
Hans

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 16.08.2015, 19:14

Hallo!
Einsicht kam mir erst auf meinem Tiefpunkt als ich nach einem versoffenen Wochenende Entzugserscheinungen hatte. Vorher ging's mir auch schon schlecht aber ich hab's mir schön geredet. Und Einsicht kam bei mir erst durch Informationen. Durch Gespräche bei der Suchtberatung durch Bücher und dieses Forum. Da würde mir klar dass ich krank bin und einfach nicht ein Glas trinken kann weil ich dann immer mehr will. Und wenn die Sucht stärker wird als der Wille dann wirst Du wieder rückfällig. Für mich geht's darum den Teufel klein zu halten. Das wird leichter aber man muss gewappnet sein wenn der Teufel angreift.
LG Calida

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Beitrag von Karsten » 16.08.2015, 19:18

Hallo Hans,

danke für deine Antwort.

Ich wünsche mir ja bei solchen Fragen immer, dass auch Antworten kommen von Mitgliedern, die es konkrete betrifft.
Die sich hier also angemeldet haben, weil sie von ihrer Alkoholkrankheit überzeugt waren, aber sich dann eben irgendwann doch nicht mehr als alkoholkrank sehen.

Da werde ich aber wohl lange warten können auf solche Antworten.

Gruß
Karsten

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