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called for freedom

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit

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Motek
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Beitrag von Motek » 17.02.2016, 13:20

Hans im Glück hat geschrieben:Hallo Brass,

Dieser Verzicht ist keiner, sondern eine Chance.
Nämlich die Chance auf Freiheit und 'nebenbei' die Chance auf Gesundheit und kein vorzeitiges Ende infolge einer Leberzirrhose.

Das nicht mehr trinken darf nur keinen leeren Raum erzeugen, der den Gedanken an Verzicht nahelegt, sondern ausgefüllt werden mit Dingen, die dir Spaß machen und deine Gedanken weiterbringen.
Hallo Hans,
wie beschrieben soll für mich Freiheit gedanklich an der Stelle von Verzicht stehen. Ebenso hier wie auch mit den Strategien, den leeren Raum zu füllen, stehe ich noch am Anfang. Gerade beim zweiten Gedanken werde ich eine Weile ausprobieren müssen---

Ich werde diesen Threat jetzt ein wenig vernachlässigen und mich im geschützten Bereich einnisten.

Viele Grüße
brass

Motek
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Beitrag von Motek » 14.03.2016, 02:45

Hallo an Alle,

vor gut 4 Wochen bin ich alkoholfrei durchgestartet, vor drei Wochen hab ich mich in den geschlossenen Bereich verabschiedet. Vielleicht ein guter Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz.
Ich brauche noch immer Überwindung, mich als alkoholkrank zu bezeichnen. Mein Umfeld weiß Bescheid- Kollege, ein paar enge Freunde, Familie von manchen Neffen bis zur Großmutter (wir sind ziemlich eng und treffen uns oft), sehr wenige im erweiterten Umfeld- hier möchte ich gern selbst entscheiden, wen ich einbeziehe. In manchen Fällen kann ich mich nur verständlich erklären, wenn ich die Karten auf den Tisch lege; ich mag es nicht, jemanden im Regen stehen zu lassen, ohne klarzumachen, dass ich einen wichtigen Grund habe. Zuletzt war das heute/gestern der Fall, einen liebgewonnenen Nebenjob im Nassen Umfeld beenden. Das hatte ich schon eine Weile vor mir hergeschoben, weil die mich auch gern dabei haben und ich gern gebraucht werde. Und nicht wußte, wie ich den Ausstieg begründe, ohne den Hammer ALKOHOLIKER auszupacken. Das hab ich also nun gemacht, Grundthema: alkoholfreies Umfeld. Ich bin stolz darauf, endlich konsequent gewesen zu sein, und traurig, etwas liebgewonnenes aufzugeben. Aber frisch abstinent und auf einem Event zum Personal gehören- das kann nicht mal ich mir zurechterklären.
Die Wohnung ist zum ws ersten Mal seit Einzug langfristig alkoholfrei UND ohne alk-freies Bier. Keine Substitute außer Süßkram :-)
Das Haus meiner Eltern ist das leider nicht. Deswegen steige ich da nicht mehr ab, auch wenn ich bisher gern bei meinen Leuten übernachtet habe. Glücklicherweise kann ich ja nun zu jeder Tages- und Nachtzeit bedenkenlos ans Steuer :roll:

Wie komme ich klar: Gott sei Dank habe ich selten Suchtdruck, bisher auch nur leicht, wenn es mal passiert. Hier kann ich noch an Gegenmaßnahmen arbeiten, letztes Mal ging es mehr oder minder zufällig durch -es darf gelacht werden- Bürokratie weg/ stur Zahlen zusammenzählen im Job. Da gibts aber noch andere Möglichkeiten, die ich eben nur benutzen muss... ein schönes Lied spielen. An schlimme Konsequenzen denken. Und die Freunde anrufen, die mir das für solche Fälle angeboten haben.

Gesundheit und Therapie
Es fehlt noch der Komplettcheck beim Arzt.
Ich bin noch nicht sicher über das Therapiethema. Immo bin ich in einer Orientierungsgruppe. Manchmal denke ich zwar, ich wär schon weiter. Dann merke ich aber, dass ich aus der Gruppe wieder aus Grundfragen schöpfen kann (Was hat mir am Konsum gefallen. Was passiert mit mir, wenn ich wieder einsteige.). Ich versuche, das ernst zu nehmen. Und merke dann, dass solche Fragen durchaus nicht abschließend beantwortet sind. Schon klar, wann und in welchen Situationen habe ich getrunken. Das 'warum' ... da ist noch dran zu forschen. Eine Langzeit möchte ich immernoch nur machen, wenn es nicht anders geht (Arbeit, Umfeld, und ja, Hemmungen). Eine ambulante Reha scheint mir aber sehr sinnvoll (nicht beantwortete Fragen...)

Emo
Ja, die Anfangseuphorie hat sich abgeflacht. Ab und an holt mich eine Traurigkeit ein. Die erlebe ich dann eben. Abends macht sich einfach-ins-Bett ganz gut ;-) Apropos Bett. Ein Gedanke noch. Ich esse wieder mehr Äpfel. Und muss dabei regelmäßig an Silberkralle denken. Matthias, deine Sprüche prägen halt....

Viele Grüße
brass

Correns
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Beitrag von Correns » 14.03.2016, 08:01

Guten Morgen brass,

was Du schreibst, sieht sehr strukturiert aus.
Nach vier Wochen war ich noch nicht so klar unterwegs.
Du scheinst einige Dinge von Grund auf richtig zu machen.
Dass Deine Anfangseuphorie abflacht, ist verständlich.

Was jetzt gefährlich werden könnte,
ist beginnende Gewöhnung bin hin zur Langeweile.
Hier hat mir geholfen "einfach" dran zu bleiben.
Ich wünsche Dir einen guten Weg.

Viele Grüße
Correns

silberkralle
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Beitrag von silberkralle » 14.03.2016, 08:44

glück auf brass

schön, dass es dir gut geht und ich freu mich, dass du beim äppelessen an mich denkst :wink:
wie correns schon schreibt - tu was gegen lanngeweile.

schöne zeit

:D
matthias

Loya
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Beitrag von Loya » 14.03.2016, 13:12

Hallo Brass,

ich hab jetzt bei dir rein gelesen und finde es super wie du dich machst!
Es hilft mir sehr zu sehen, wie es anderen frisch Trockenen geht und was sie aus ihrem Leben machen.
Ich bin erst seit dem 3. 3. trocken und das Lesen anderer TB hilft mir auf Stolperfallen zu achten, zu wissen, dass es nicht nur mir so geht usw.
Du hilfst mir mit deinem TB auch, vor allem weil du schon ein Stück weiter bist. Danke dafür und mach weiter so!

Ich habe erst heuter Morgen wieder einer Freundin gesteckt, dass ich Alkoholikerin bin. Es ist auch für mich immer wieder eine Überwindung, weil das Thema so schambesetzt ist. Doof eigentlich. Wir sind krank und tun etwas dagegen. Wir sollten also eigentlich stolz auf uns sein. Und so hat mir die Freundin auch gratuliert, dass ich trocken geworden bin.

Viele Grüße
Loya

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 14.03.2016, 16:03

Hallo!

Ich habe das von dir gelesen: "Und so hat mir die Freundin auch gratuliert, dass ich trocken geworden bin."


Bis zur Trockenheit ist es noch Weilchen hin. Du bist in den paar Tagen gerade mal entgiftet.

Nach der Kritik jetzt das Lob: Du scheinst das Problem ernsthaft anzugehehen. Du nimmt Hinweise von Langzeit-Trockenen an, ohne sie erstmal in Zweifel zu ziehen. Das sind sehr positive Ansätze. Auf deinem verdammt langen Weg wünsche ich weiterhin viel Erfolg.

Aber nach der Anfangseuphorie kommen auch wieder andere und weniger gute Tage, insbesondere wenn das Suchtgedächtnis sich nicht nur einmal heftig meldet. Da gilt es dann Kurs zu halten.

Gruß Carl Friedrich

luzider Träumer
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Beitrag von luzider Träumer » 14.04.2016, 18:33

Hallo Brass,

ein weiterer Monat ist vergangen. Wie geht es Dir jetzt? Ich würde mich über eine weitere Zwischenbilanz von Dir freuen. :)

Bin ja selbst auch blutiger Anfänger oder Frischling wie es hier immer so schön heisst.

Motek
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Beitrag von Motek » 28.04.2016, 16:49

Update

Hallo an Alle!

Tatsächlich ist mehr als ein Monat rum seit meiner letzten Meldung hier (bin sonst eher im geschlossenen unterwegs).

Ich habe in der Zeit das Therapie-/Rehathema für mich durchdacht und entschieden, vorläufig keine Reha zu machen [Achtung, das ist jetzt keine Beratung für Andere. Wenn ihr für euch entscheiden wollt, sprecht das mit eurem lokalen Suchtberater durch]. Der Alltag fühlt sich meist gut oder normal an, ich hatte kaum Depri-Phasen, ich arbeite an meinem Selbstbewußtsein. Wenn ich in eine Maßnahme geh, dann will ich da auch ein konkretes Problem bearbeiten- und das sehe ich im Moment bei mir nicht, auch mein Berater ist bei dem Plan dabei. Den treffe ich nun etwa im Monatsturnus und schaue ansonsten, dass ich im Forum aktiv und ab und an in einer lokalen Gruppe da bin. Trotzdem halte ich mir das offen: wenn ich im Alltag Probleme bekomme, stelle ich einen Antrag [zur ambulanten Therapie].

Interessant finde ich in dem Zusammenhang, wie viele (Nichtbetroffene) gleich eine Meinung zu Therapiemaßnahmen haben, sobald man sich outet. Ich kenne da jemanden, der jemanden kennt, der auch schon mal... Meine Gedanken: Innerlich durchatmen und den eigenen Weg gehen.

Wenn ich nach vorn schaue und über Lebensgestaltung nachdenke, fällt mir derzeit nicht viel ein. Ich bin zufrieden.

Zeitlich hab ich weniger das Problem, Löcher füllen zu müssen, als zu schauen, wo ich Lücken lasse, um einfach mal alleine mit mir selbst zu sein. Meine Gemeinde tut mir sehr gut, deswegen bin ich dort nun öfter anzutreffen und auch aktiver, hab ein wenig Verantwortung übernommen. Ich merke schon, dass ich stinkig werde, wenn ich meine übliche Sonntagsroutine mit Essen in der Familie (Eltern, Großeltern, Geschwister...) und Nachmittags Gottesdienst und auströdeln mit den Leuten da nicht bekomme. Offenbar entwickle ich mich zum Spießer :lol: Tatsächlich läuft in diesen Wochen recht viel, privat und auch beruflich, noch fühlt es sich gut an, mehr muss es dann aber auch nicht sein. Ich freue mich auf das Himmelfahrtswochenende, mal weg quer durch Deutschland mit Freunden.

Kritisch sehe ich noch immer -und das wird auch so bleiben- gesellschaftliche Anlässe, bei denen man z.B. in Restaurants geht. Das war letztens mal so mit meinem Kollegen, ein Abendessen, und nun letztes Wochenende wieder. Beim ersten Mal hab ich mich danach ein wenig wackelig gefühlt und in mein Zimmer verzogen, am Sonntag war es nicht so problematisch. Trotzdem fühle ich mich in den Umgebungen nicht wohl und -das klingt jetzt komisch- freue mich, auch kein Bedürfnis danach zu haben.

Ich hab einfach kein Bock mehr auf Kneipen. Zumindest Stand März/April 2016.... Bin gespannt, was das Wochenende bringt- es steht eine Hochzeit an (nicht meine); ich erwarte keine Exzesse, hab aber recht deutlich angekündigt, möglicherweise mal recht plötzlich zu verschwinden. Glücklicherweise ist es nur eine halbe Stunde weg, ich kann mich also verziehen, sobald ich mich nicht mehr wohl fühle. So grad jetzt beim Schreiben hätt ich auch mehr Lust auf Wochenende durchschlafen--naja. Heute mal etwas zeitiger das Licht aus wär vll ein Anfang.

Viele Grüße
brass

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