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Ajnat ist jetzt auch hier und möchte bleiben

Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
DerDirk
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Beitrag von DerDirk » 26.03.2016, 18:03

hi Tanja,

das ,mit dem schlechten Gewissen kenne ich. Nur war es bei mir nicht nur Geld, das ich versoffen habe, sondern ganze Familien. Drei an der Zahl. Erste Ehe mit zwei Kindern, zweite mit einem und ganz aktuell hat mich die Mutter meiner 3 Monate alten Tochter verlassen - weil ich im Suff oder benebelt vom Suff am Abend davor die Kontrolle verloren und Dinge gesagt habe, die ich nie hätte sagen dürfen.

Ich habe daher die letzten zwei Wochen all meinen Mut zusammengenommen, um mich Person für Person für mein selbstsüchtiges, alkoholzerfressenes Verhalten zu entschuldigen. Das war zumindest mal ein Anfang...

Da bei mir ja noch zusätzlich eine bipolare Störung vorliegt, habe ich zudem angefangen, meine Vergangenheit in Form eines Buches aufzuschreiben. Ich will endlich wissen, wer ich bin. Ob mir das dann gefällt? Ich weiß es nicht. Aber ich will und werde nicht mehr zulassen, dass Krankheiten nicht nur mein, sondern das Leben anderer, mir viel bedeutender Menschen zerstören!

So wie du es schreibst, bist du auf einem total guten Weg. Die Scham gehört dazu, ich denke, die müssen wir einfach annehmen und versuchen auszuhalten. Auch wenn das sauschwer ist - siehe oben. Aber du packst das! Ich glaube an dich!

LG Dirk

Ajnat
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Beitrag von Ajnat » 27.03.2016, 15:25

Hallo Dirk,

schön das Du auch bei mir was schreibst. Auch wenn es natürlich nichts Schönes ist, was Du erlebt hast.

Erst einmal meinen Respekt für deine Entscheidung, mit dem Trinken aufzuhören. Bin auch sehr sehr beeindruckt von deinem "Abarbeiten" (doof ausgedrückt) der Entschuldigungen an die Personen die Du verletzt hast während der nassen Zeit.
Dazu gehört eine ganz große Portion Mut! :!:

Ich muß da noch etwas meine Gedanken sortieren.

Auf keinen Fall will ich für mich sagen "Nicht meine Schuld, ich war ja besoffen und wusste nicht was ich tue"

Ich wusste IMMER was ich tue.
Es war mir einfach nur scheißegal.

Nicht schön, das über sich selbst sagen zu müssen. Aber alles was mir hier bleibt ist schonungslose Ehrlichkeit. Mir und auch anderen gegenüber.

Ich habe keine Kinder, darüber bin ich manchmal traurig, manchmal aber auch froh.
Die Verantwortung ist schon enorm, lerne ich doch gerade erst für mich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Aber geliebte Menschen, unter anderem ein Ex -Verlobter sind auch bei mir auf der Strecke geblieben. Sicher auch sehr verletzt worden.

Vielleicht werde ich mich eines Tages entschuldigen bei einigen wenigen. Das weiß ich heute noch nicht. Vielleicht ist es aber auch so, dass ich mit zunehmend klarerem Denken zu dem Entschluß komme, daß dies nur alte Wunden auf beiden Seiten aufreissen würde.

Ich kann es Dir nicht sagen.

Was ich dabei aber durchaus sehen würde, wäre die Gefahr für mich. Ich bin sehr labil im Moment. Und so eine Aktion würde ICH jetzt zu Anfang meiner Abstinenz nicht durchstehen.

Dabei meine ich jetzt mal rein Menschen, die nicht mehr Teil meines Leben sind.
Die Personen aus meinem engsten Umfeld wissen Bescheid. Da habe ich mich auch entschuldigt. Dafür, dass sie sich so viele Sorgen machen mussten und dafür, dass ich sie so lange belogen habe.
Nicht für Ereignis XYZ.....

Ich wünsche Dir jedenfalls wirklich von ganzem Herzen, das Du diese ganzen Erlebnisse verarbeiten kannst. Pass dabei gut auf Dich auf Dirk!

Egal was geschehen ist, Du bist krank und gerade dabei einen Riesen Schritt in Richtung Gesundheit zu gehen. Das ist gerade das Wichtigste!

Den Rest schaffst Du, solange Du trocken bleibst. Nur Mut :D

Dir, und allen einen schönen Ostersonntag

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 29.03.2016, 21:32

Hallo Tanja!
Ich finde Du machst das richtig. Ich würde gerade am Anfang nichts machen, was gefährlich werden könnte. Ich überlege mir immer bewusst, worauf ich mich einlassen kann und worauf besser nicht. Ich lade Dich wie Thalia auch in den geschlossenen Bereich ein. Wir haben einen intensiven Austausch. Mir gibt das sehr großen Rückhalt.
Viele Grüße
Calida

Ajnat
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Beitrag von Ajnat » 30.03.2016, 20:17

Hallo liebe Calida, Hallo Forum

Ich danke Dir. Sowohl für den Zuspruch, als auch für die Einladung in den geschlossenen Bereich. Ich möchte auf jeden Fall auch dort "einziehen"

Ich habe gerade einen schweren finanziellen Engpass, den ich mir durch meinen letzten Rückfall auch selber eingebrockt habe :(
Weiß noch nicht wie ich es schaffe das zu regeln.

Nichtsdestotrotz werde ich den Zugang beantragen, denn das Geld (und sicher mehr) hätte ich sonst auch trotz aller finanzieller Not für irgend einen Blödsinn ausgegeben.

Da ich auch bedenkenlos ein für mich halbes Vermögen versaufen könnte.....muß der Betrag drin sein :) Es wird noch ein paar Tage dauern, aber ich freue mich schon richtig.

Heute ist Tag 27 ohne Alkohol.
Mein vierter Besuch der SHG liegt heute auch hinter mir.
Heute hat sie mir nicht gut getan.

Ganz im Gegenteil, so einen schlechten Tag wie heute hatte ich, seitdem ich nicht mehr trinke, bisher noch nicht.

Ich bin einfach hochsensibel und merke, wie unglaublich nah, zu nah, ich vieles an mich heran lasse.

Das Erlebte bringt mich nicht dazu, an Alkohol zu denken. Gottseidank hab ich bis heute keine Spur von Suchtdruck erleben müssen. Aber ich werde mir doch mal Gedanken machen müssen, ob ich da richtig bin.
(Es ging heute übrigens nicht um mich oder so, nicht dass da ein falscher Eindruck entsteht! Über ein wenig konstruktive Kritik wäre ich sogar dankbar.)

Nun gut. Ich werde berichten wie es weiter geht.

Morgen werde ich wieder schwimmen gehen. Dann bin ich sicher, daß es mir hinterher gut geht. Ein kleines Tief darf ruhig auch mal sein.

Habt alle einen entspannten Abend ihr Lieben

Tanja

Calida78
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Beitrag von Calida78 » 30.03.2016, 22:03

Hallo Tanja,
Du hast lange alles nur gefiltert mitbekommen. Das Leben ohne Filter ist anders. Ich bin dabei das zu lernen. Wenn etwas zuviel wird oder Du Dich unwohl fühlst seh ich das als Zeichen. Das hatten wir im Suff eben so nicht wahrgenommen. Und wenn ich das wahrnehme, dann versuche ich was zu ändern. Wir können uns ja bald in der Villa nochmal darüber unterhalten. Schön, dass Du bald auch dort bist.
Viele Grüße
Calida

Thalia1913
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Beitrag von Thalia1913 » 30.03.2016, 22:16

Hallo Tanja,

da schließ ich mich Calida an und freu mich auch auf einen Austausch "drinnen".

Und dem, was sie über die Wahrnehmung schreibt, schließ ich mich auch an. ;)

Es ist ja übrigens eine Menge wert, dass du weisst, was dir gut tut (Schwimmen z.B.). Das ist etwas, das ich erst sehr langsam lerne, herauszufinden, was ich mag und was ich nicht mag. Und was mir gut tut, was nicht immer dasselbe ist. Das birgt so manche Überraschung. Für mich und für andere :)

Viele Grüße und morgen einen besseren Tag!
Thalia

Ajnat
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Beitrag von Ajnat » 02.04.2016, 21:38

Liebe Calida, liebe Thalia, liebes Forum

Mir geht es sogar viel besser...meistens :wink:

Das mit den Gefühlen, die gerade fast schon überwältigend sind, hat ganz sicher was mit dem jetzt nicht mehr vorhandenem "Filter" zu tun.

In den letzten Tagen habe ich sehr viel nachgedacht, und da gab es wirklich eine Menge. Es ist komisch, obwohl ich ja seit Jahren absolutes Quartalssaufen betrieben habe, (also ganz ganz oft in den letzten Jahren länger als einen Monat nicht getrunken habe), fühle ich mich seit letzter Woche zum ersten Mal vollkommen klar.

Es fühlt sich an, als wäre ich jahrelang im Dauernebel gewesen. Immer, auch im nüchternen Zustand. Ist ein wenig erschreckend!

Auf jeden Fall ist mir beim Nachdenken auch wieder eingefallen, das ich auch ein sehr sensibles Kind war. Viel zu sensibel fast schon.
Ereignisse, wie der Tod eines geliebten Tieres (nur mal als Beispiel), haben mich wochenlang völlig aus der Bahn geworfen.

Überhaupt gab es da immer nur diese unendliche Traurigkeit, oder vollkommenes, übersprudelndes Glück. An eine Normalität, einfaches normales Leben, erinnere ich mich nicht.

Auch habe ich mich wieder daran erinnert, dass ich nie das Gefühl hatte, das mich irgendjemand versteht. Gleichzeitig aber auch gar nicht die Erwartung hatte, verstanden zu werden.

Als Teenager hab ich ja recht früh angefangen, den Alkohol als "Stimmungs - Stabilisator" zu entdecken und fleißig zu nutzen.

Es gab in meinen 20ern auch viele viele Jahre, in denen ich täglich getrunken habe. Nicht exzessiv wie heute, aber doch meistens so, das ich nicht sagen konnte, wann mein letzter Abend ohne Wein war.

Ich bin doch etwas verwundert über diese ganzen plötzlichen Erkenntnisse :idea:

Darf ich die Hoffnung haben, das dies bedeutet das ich innerlich jetzt bereit bin, nicht mehr zu trinken? Ich weiß es echt nicht!

Das kommt nämlich schon nur aus mir selbst heraus. Soll heißen, die paar Therapie Stunden letzten Monat haben mir diese Gedankenanstöße nicht gegeben.

Fazit ist jedenfalls: Ich bin nicht der Mensch, den ich mir die letzten 20 Jahre zurechtgebogen hab. Und das ist gut so!

Wer ich so ganz genau bin, weiß ich zwar auch noch nicht. Aber ich hab das Gefühl,
DIE KÖNNTE MIR GEFALLEN :D :D :D

OH Mann....anstrengend ist das alles!
Aufschreiben, sortieren und reflektieren hilft aber :)
Auch wenn dieser Post wahrscheinlich für andere sehr verwirrend sein mag.....
Der war jetzt gut für mich.

Und ich möchte mich auch noch mal ganz lieb bei allen bedanken, die mir hier antworten, mitlesen, mir Anregungen und Unterstützung geben. Das bedeutet mir viel, hab ich so bisher noch nie erfahren dürfen.

Und da ich jeden Tag Stunden hier verbringe auch ein Dankeschön an alle, die hier ihre Geschichten und Gedanken mitteilen und mir damit so viel Kraft geben. Auch wenn diejenigen das gar nicht wissen :)

Heute vor einem Monat, ca. um die Zeit hab ich mein letztes Glas getrunken. Es war ekelhaft! Vor allem die Nacht danach....

Wenn ich nicht will, muss ich das nie wieder erleben :D Großartig, oder?

Liebe, dankbare Grüße
Tanja

silberkralle
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Registriert: 04.12.2009, 13:40

Re: Ajnat ist jetzt auch hier und möchte bleiben

Beitrag von silberkralle » 05.04.2016, 08:48

glück auf tanja


imo gehts dir gut - das freut mich für dich :wink:
Ajnat hat geschrieben: Quartalstrinkerin
n hinweis: wenn dein "quartal" ran is wirds dir schlechter gehn (wie früher auch).
wie bereitest du dich darauf vor?
hast du leute, zu denen du jederzeit hinfahren kannst - zum quatschen? (wichtig, das du hinfährst < weil du ja was für dich tun willst).
hast du telefonnummern?
hast du geld für n taxi?
???????

gratulationzum 1. monat

umärmelung

schöne zeit

:D
matthias

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