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Hilfe bei Alkohol von Alkoholikern für Alkoholiker. Rückfall - und Neuanfang, Suchthilfe, Leben ohne Alkohol, Alkoholismus und Alkoholkrankheit
Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
Beiträge: 1283
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Beitrag von Carl Friedrich » 22.04.2016, 17:00

Hallo Frisco!

Aha. Der Unterschied ist, dass Du noch arbeiten gehst und Sport treibst. War bei mir auch der Fall.

Der Unterschied liegt darin begründet, weil bei Dir nach 2-3 Wochen Abstinenz das Problem Alkohol wieder auftaucht? Kenn ich. Ging mir genauso. Das ist das Suchtgedächtnis, das sich vehement in Erinnerung und in den Vordergrund schiebt.

Wir beide scheinen in der Spirale der Sucht noch nicht so tief gesunken zu sein, wie andere hier im Forum, die halbtot in der Klinik abgeliefert wurden und deren Leben am seidenen Faden hing.

Dann scheinen Dir Besuche beim Suchttherapeuten oder der SHG nichts zu bringen? Warum? Hast Du überhaupt für dich selbst akzeptiert Alkoholiker zu sein? Steckt da im Hinterstübchen nicht noch irgendwo der Gedanke, irgendwann bin ich geheilt und kann es mal wieder versuchen?

Könnte es sein, dass Du wütend auf deine Krankheit bist, warum sie ausgerechnet dich heimgesucht hat?

Übrigens ich habe kein Totschlagargument aufgestellt, sondern lediglich geschrieben, was ich im Laufe eines Jahres -ok 8 Tage fehlen noch- sowohl hier, als auch anderswo (Therapie und SHG) mitbekommen habe. Klar sind wir als Menschen aufgrund unserer Biographie, Bildung, Stellung in der Gesellschaft, Tätigkeit und unseren Empfindungen verschieden, aber die Sucht und ihre Auswirkungen ähneln sich enorm. Falls Du dich hier im Forum mal gründlich einliest, wird dir das mit der Zeit auffallen.

Übrigens: Etwas Fachlektüre, sowohl aus Patienten- als auch aus Therapeutensicht, kann ich nur wärmstens empfehlen.

Und zum Schluss wünsche ich dir ehrlich alles Gute.

Gruß Carl Friedrich

wolfgang45
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Registriert: 17.04.2016, 19:46

Beitrag von wolfgang45 » 22.04.2016, 22:57

Hallo Frisco!

Wir alle hier leiden an einer Krankheit,die ungestoppt zum Tod führt und unbehandelt in einer Sackgasse endet. Den Ausnahmealkoholiker gibt es also nicht, wenn wir von der gleichen Krankheit sprechen. Hier stimme ich als Neuling im Forum Carl Friedrich zu. Ich selbst hatte eine pseudo Trockenzeit von 18 Monaten mit viel Alkfrei Bier in unverändertem Umfeld. Hielt mich für stabil genug und für ein Ausnahmephänomen. Der Rückfall bescherte mir Vier weitere Jahre. Diesmal bin ich da mal lieber vor- und einsichtiger. Du schreibst, deine Erinnerungen würden dich umso mehr heimsuchen, je nüchterner du bist. Die Nüchternheit und vieles weitere ist doch unser neues Leben oder? Also brauchts doch hier einen neuen Ansatz oder? Hier wird uns geholfen. Ich wünsche uns beiden, dass wir diese Hilfe annehmen können! Viel Glück Frisco! Bleib dabei! Gruss

Wolfgang

Motek
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Beitrag von Motek » 22.04.2016, 23:13

Hallo frisco!
So merkwürdig sich das anhört, in einer Beziehung ist es glaube ich schwerer aufzuhören, wenn man "erst" da angekommen ist, wo ich bin: man kann sich noch besser was vorlügen.
Meinst du damit Trinkmengen oder das Noch-Funktionieren trotz täglichem Rausch? Ich kenne solche Gedankengänge (beide) von mir selbst ganz gut. Manchmal bin ich ganz froh, mich nicht weiter 'hingerichtet' zu haben. Gut für mich. Aber: ja, solche Überlegungen können dazu führen, die Sache nicht ernst zu nehmen. Letztlich ist es aber egal, ob ich es leichter oder schwerer habe als andere. Es ist wurscht, wieviel ich brauchte, um umzufallen, oder wieviel Maske ich noch aufrecht erhalten konnte. Wichtig ist, dass ich das nicht mehr will, dass ich für mich lebe, und nicht für den Stoff.
Ich habe von anderen hier im Forum gelsen, die am Anfang gemeint haben "bei Ihnen sei das mit der Sucht was ganz anderes".
Irgendwie habe ich aber das Gefühl, es ist bei mir tatsächlich anders, deshalb bin ich auch aus den SGs die ich in der letzten Zeit mir angesehen habe wieder rausgegangen, da die dort geschilderten Umstände so wenig mit meinem Suchtverhalten zu tun haben.
hm... unterhalten wir uns in ein paar Monaten nochmal. Tatsächlich macht ja jeder seine Erfahrungen in seiner Welt mit seinen Voraussetzungen. Ich suche nach den Gemeinsamkeiten und versuche, daraus zu schlussfolgern.
Kannst Du sagen was das wichtigste in der Zeit für Dich war?
Mit der Frage hast du mich ein wenig überrascht, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Mehr auf mich achten? Giurgians Motto ist gut: Sorgen Sie dafür, dass es Ihnen gut geht!
Ganz offen... unterhalten wir uns in ein paar Monaten nochmal. :lol:

Grüße!
Brass

Alkoholkrank
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Beitrag von Alkoholkrank » 23.04.2016, 10:43

Hi Frisco,

Du bist wohl ein typischer Quartalsalkoholiker!

"Der fünfte Typ ist der Epsilon- oder Periodentrinker, der auch als Quartalstrinker bezeichnet wird. Er hat abstinente Phasen, die sich ..."

Fiese Selbsttäuschung! Schau gerne mal in meinem Thread vorbei, bevor ich meinen Hintergrund erneut tippe, wenn es dich interessiert...

Herzlich Willkommen, bleib stabil und alles Gute!

Frisco
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Tag 3

Beitrag von Frisco » 23.04.2016, 10:44

Hallo liebe Leute erst mal danke für die Nachrichten!
Ich habe tatsächlich gestern Probleme gehabt, mich vernünftig auf meine Arbeit zu konzentrieren und habe mich dann ab 17 Uhr "offline" geschaltet, womit ich meine , auf die Terrasse in den Liegestuhl gelegt (ohne Wein), aber dafür mit Alk ( dem Buch ) Hab die Empfehlung hier aus dem Forum und hätte nicht gedacht, dass es möglichst ist bei einem solchen Thema gelegentlich fast lachen zu müssen. Der Borowiak bringt einiges schon ganz schön auf den Punkt ...
Geschlafen habe ich nicht sehr fest, das kenne ich schon, aber im großen und ganzen ging es. Ich freue mich jetzt auf meinen Sohn um mit ihm klettern zu gehen. Ich fühle mich im Moment sehr sicher in meinem Vorhaben und sehe mich als stabil an.
Ich weiß aber ganz genau, dass das kein Dauerzustand ist.
# Carl Friedrich: Ich habe voll akzeptiert Alkoholiker zu sein.
Das mit dem Suchtgedächniss verstehe ich noch nicht ganz, warum macht das bei mir so eine Pause, wenn ich in die Abstnenz gehe um dann, wenn ich mich schon fast sicher fühle, nach ein paar Wochen unwiderstehlich zuzuschlagen? Ich kenne die Symptome des Entzugs persönlich immer erst mit so einer Zeitverzögerung.
Ich gehöre zu den Menschen die sich gerne greifbare Zwischenziele setzen, von denen sie glaube, sie auch erreichen zu können. Mein Ziel ist es diese Mauer das erste mal erfolgreich zu nehmen, d.h. 45 Tage trocken zu sein. Ich will in dieser Zeit möglichst viel lernen um weiter zu machen und für immer den Sch... loszuwerden. Ja Wolfgang auch ich wünsche mir, dass wir es schaffen.
Und Brass, ich bin mir sicher, dass ich meine Meinung in den kommenden Monaten in vielen Dingen verändern werde, das ist der Hauptgrund für mich hier zu sein. Ich brauche keinen Echoraum sondern Eure Erfahrung und Einschätzungen und einen Bereich in dem ich über das Thema reden kann.
Ich würde gerne in den erweiterten Forenbereich wechseln. Kann mir einer noch mal sagen wie das geht.
Viele Grüße
Alexander

Carl Friedrich
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Beitrag von Carl Friedrich » 23.04.2016, 12:25

Hallo Frisco!

Das ist halt das Heimtückische an dem blöden Suchtgedächtnis. Es ist in unserem Gehirn festgebrannt. Du wirst es nie mehr los. Es wird sich immer wieder melden. Mit der Zeit werden die Abstände jedoch deutlich größer, auch verlaufen die Attacken unterschiedlich intensiv, mal mit scheinbarer Brachialgewalt, mal sanft nach der Devise steter Tropfen höhlt den Stein. Langzeittrockene in meiner SHG bestätigten mir dies. Auch sie werden gelegentlich noch heimgesucht. Ein pensionierter Gymnasiallehrer schilderte prägnant, dass Alk bei ihm normalerweise gar keine Rolle spiele, aber manchmal merke er schon am Morgen, dass er heute besonders auf sich aufpassen müsse. Er hört halt in sich hinein und merkt, dass sein Körper auf bestimmte Veränderungen regiert.

Und die eine oder andere heftige Attacke musste ich auch über mich ergehen lassen, das gehört nun mal zur Abstinenz dazu. Zuletzt gab es bei mir nur milde Anfälle, die ich rasch auskontern konnte, indem ich mich mit anderen Dingen befasst habe, die mir Freude machen. Dazu habe ich stets viel getrunken wie Wasser, Kaffee, Tee, Saftschorlen, auch mal eine Cola.

Und vergiss nicht, zufriedene Abstinenz erreicht man nicht in wenigen Wochen, das dauert Monate und Jahre. Genau genommen ist es ein lebenslanger Prozess. Ich fühle mich heute wesentlich besser, als noch im Sommer 15, als ich so weit war wie Du jetzt.

Lies dich weiter ein. Zum Suchtdächtnis gibt es noch hoch interessante Ausführungen in der Suchtfibel von Schneider.

Gruß Carl Friedrich

Frisco
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Registriert: 21.04.2016, 10:03

Tag 4 - erste Prüfung

Beitrag von Frisco » 24.04.2016, 20:08

Tag 4
Hallo!
während meines Kletterausfluges mit meinem Sohn hat sich mein heimischer Kühlchrank mit einem Kurzschluss verabschiedet. Als ich heute wieder kam war eine große Pfütze auf dem Parkett in der Küche und der ganze Gefrierschrank aufgetaut.
Und es machte klick: Jetzt erst mal ein Glas Wein. Ich habe nichts da und ich werde jetzt auch nicht losfahren aber ich merke, dass solche Situationen in mir nach Akohol rufen. Erst mal eine große Kanne Wasser auf ex, das hilft ein wenig. Mist! Heute ist es nicht leicht. Aber ich schaff das.
ich stürz mich jezt in die Arbeit und wenn ich zumüde bin dann gehts ins Bett.
LG
Frisco
# Carl Heinz: hast eigentlich Tagebuch geführt? Mich würde mal interessieren, in welchen Abständen sich Attaken über die Zeit hinweg einstellen und wie sich die Stärke entwickelt. Wird das konstant seltener und auch schwächer oder ist das anders?

LG Frisco

Carl Friedrich
sehr aktiver Teilnehmer
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Beitrag von Carl Friedrich » 24.04.2016, 22:11

Ich bin zwar nicht Carl Heinz und weiß nicht, wie oft, in welchen Abständen und in welcher Heftigkeit bei anderen Suchtdruck auftaucht.

Bei mir war da keine Konstante drin. Es ist halt unterschiedlich. Anfangs d.h. im ersten halben Jahr meiner Abstinenz waren die Abstände wesentlich kürzer, mal war er stärker, mal schwächer. Nach einem halben Jahr wurden die Abstände immer größer und eine richtig heftige Attacke hatte in diesem Jahr 2016 keine mehr. Das heißt aber nicht, dass sich jederzeit wieder eine einstellen kann. Die allermeisten Fälle von Suchtdruck verliefen bei mir sehr leicht und waren rasch beigelegt. Ausgelöst wurde sie zumeist durch Situationen, in denen ich früher getrunken habe. Halt dir dies vor Augen, dann weist Du, wann es dich erwischen kann. So bist Du wenigstens etwas vorbereitet.

Nein ein Tagebuch habe ich darüber nicht geführt, ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen.

Gruß Carl Friedrich

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