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Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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Carl Friedrich
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Carl Friedrich » 20.03.2019, 15:47

kamarasow hat geschrieben:
20.03.2019, 10:45

Im Sportverein gehe ich nicht jedem Alkohol aus dem Weg. Das gesellschaftliche Zusammensein nach dem Sport benötige ich für die innere Zufriedenheit. Es ist ein Risiko, dass ich eingehen muss, um innerlich nicht zu verkümmern. So auch bei Pokerabenden. Wenn ca. 50% der Anwesenden Bier trinken (was mich nicht so sehr triggert wie Wein), dann ist es so. Ich schlürfe gut gekühlte Cola. Falls jetzt bei einigen Lesern, die reflexartigen Gefahrenzonen im Gehirn anspringen, dann sage ich: Ja, ich weiß. Ohne Gesellschaft ist aber auch keine Option. Das Risiko trage ich.
Hallo Karamasow!

Ich sehe da kein Problem. Du bist 2 1/2 Jahre abstinent. Da hat sich ein gehörige Portion Festigkeit und Erfahrung eingestellt, auf die Du bauen kannst.

Das ist halt der Unterschied zu frisch Abstinenten, die schon nach wenigen Tagen oder Wochen meinen, dem Alkohol hinterher rennen zu müssen und sofort "pampig" reagieren, wenn man sie auf ihr riskantes Verhalten hinweist.

Auch ich musste es erlernen, mich in einem Umfeld zu bewegen, in dem Alkohol präsent ist und in meiner Nähe konsumiert wird. Nur überfordert das den Anfänger und das sind wir beide nicht mehr.

Also, weiterhin alles Gute wünscht
Carl Friedrich

Waschbaer
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Waschbaer » 20.03.2019, 16:51

Hallo,

Ein ausgebrochener Tiger läuft gerade parallel neben mir.
Warum sollte ich nun ausweichen ?
Ich bin kein Anfänger mehr.
Ich hatte doch schon ein paar Jahre eine Katze !

Die Antwort der eintreffenden Zooleitung:
Ich sehe da kein Problem.
Da hat sich ein gehörige Portion Festigkeit und Erfahrung eingestellt, auf die Du bauen kannst.

Gruß Nobby

Hartmut
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Hartmut » 20.03.2019, 18:06

Hallo,
Bin ich stabil? Hm, um ehrlich zu sein, nein. Ich glaube, ernsthaft 100% stabil ist man erst, wenn man tot ist. Bis dahin sitzt die Sucht immer im Nacken. Manchmal spielt sich bei mir noch der Sehnsuchtsgedanke des Berauschtseins in den Vordergrund. Manchmal läuft mir bei visuellen oder gedanklichen Bildern die Spucke in den Mund.
Kenne ich auch von den Anfangsmonate . Aber nach 2, 5 Jahren sowas noch zu erleben ist mir ( bisher)fremd. Jedoch läufst du ja dem Alkohol auch hinterher und setzt dich bewusst, in einem Alkohol trinkenden Umfeld aus. Dann wundert es mich nicht.
Das gesellschaftliche Zusammensein nach dem Sport benötige ich für die innere Zufriedenheit.
das widerspricht sich mit deiner ersten Post. Nun habe ich mir eben gerade, weil ich ein sehr geselliger Mensch bin , eben ein weitestgehend trockenes Umfeld aufgebaut. Es funktioniert . Ich bin weit weg von Suchtgedanken.

Schön das du es wenigstens so schreibst wie du es machst.

Gruß Hartmut

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 20.03.2019, 19:29

Hallo Ihr,
Festigkeit und Erfahrung schön und gut. Ich trau dem Frieden aber nicht.

Hartmut, ich renne dem Alkohol nicht hinterher. Er ist leider in der Gesellschaft fest verankert. Du schreibst ja auch, dass bei dir ein "weitestgehend" trockenes Umfeld aufgebaut wurde. Ich behaupte, richtig asketisch alkoholfrei schafft man nur, wenn man nicht vor die Haustür tritt.
Den Hinweis auf den Widerspruch versteh ich noch nicht. Wo siehst du einen?

Kamarasow

Hartmut
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Hartmut » 20.03.2019, 22:33

Hallo ,

der Widerspruch.
Manchmal spielt sich bei mir noch der Sehnsuchtsgedanke des Berauschtseins in den Vordergrund. Manchmal läuft mir bei visuellen oder gedanklichen Bildern die Spucke in den Mund.
dann
Das gesellschaftliche Zusammensein nach dem Sport benötige ich für die innere Zufriedenheit.
da du deine innere Zufriedenheit nur dann findest, wenn du dich mit Menschen zusammensetzt die dabei auch trinken. Meinst du nicht das gerade deine aufflammende Suchtgedanken erst dadurch verstärkt werden?
Hartmut, ich renne dem Alkohol nicht hinterher. Er ist leider in der Gesellschaft fest verankert.
Fest verankert sehe ich den Alkohol nicht. Es gibt ihn, mehr nicht. Ist es nicht eher das Bild der "Verankerung" das sich bei dir im Kopf festgesetzt hat und deswegen daran festhallst, um im Vornherein schon zu sagen, das es gar nicht andere geht ? Setzt du dir da nicht selbst eine Grenze ?

Wenn mir jemand sagt, es geht nicht anders, sind es ja seine Grenzen, aber nicht meine.

Gruß Hartmut

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 21.03.2019, 08:32

Guten Morgen,
ok. Das meintest du. Ich sehe es als unangenehme, risikobehaftete Zwickmühle. Gut möglich, dass mich das Suchtgedächtnis deshalb mit den Suchtgedanken bestraft.
Zum Thema "sich selbst eine Grenze setzen": Ich denke, ich verstehe was du sagen willst, bin aber nicht sicher, ob das hier passt. Es gibt Menschen die trinken regelmäßig, Menschen die trinken ab und zu und Menschen die trinken selten oder gar nicht. Das sind Tatsachen in der Gesellschaft. Betreibt man Mannschaftssport in einem Verein, dann trifft man genau diese Kategorien. Wo setze ich mir da selbst Grenzen? Hattest du vor Augen, dass man beispielsweise mit dem Mannschaftssport auch aufhören könnte? Ja, das wäre eine Lösung. Aber nicht meine. Nur durch den Sport bin ich dort wo ich bin.

Kamarasow

Waschbaer
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von Waschbaer » 21.03.2019, 10:57

Hallo kamarasow,

„Es gibt Menschen die trinken regelmäßig, Menschen die trinken ab und zu und Menschen die trinken selten oder gar nicht. Das sind Tatsachen in der Gesellschaft. Betreibt man Mannschaftssport in einem Verein, dann trifft man genau diese Kategorien. Wo setze ich mir da selbst Grenzen? Hattest du vor Augen, dass man beispielsweise mit dem Mannschaftssport auch aufhören könnte? Ja, das wäre eine Lösung. Aber nicht meine. Nur durch den Sport bin ich dort wo ich bin „

Mein Arbeitskollegen treffen sich gemeinsam zum Grillen. Dort wird mehr oder weniger gebechert.
Ich habe mich bei vielen Bekannten sehr früh geoutet. So vermied ich viele unnötige Diskussionen.
Mannschaftssport ist Mannschaftssport. Aber warum sollte ich als alkoholkranker Mensch danach am „ Trinkgelage“ teilnehmen. Das gehört nicht mehr zum Mannschaftssport.

Obwohl ich nicht mit meinen Arbeitskollegen zum Trinken mitgehe, haben wir ein sehr gutes Arbeitsverhältnis. Die meisten verstehen meine Haltung auch nach 8 trockenen Jahren sehr gut.
Ich bin heute Dankbar und ein bisschen Stolz solche Entscheidungen wieder ohne Zwang treffen zu können.

Gruß Nobby :wink:

kamarasow
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Re: Man stolpert nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

Beitrag von kamarasow » 21.03.2019, 14:44

Hallo Nobby,
das ist kein Trinkgelage, sondern in erster Linie eine Art Ausschwitzen nebst Gelapp. Der eine hat ein Bier dabei, der andere Wasser, ein nächster ein isotonisches Getränk. Frag mich aber nicht nach Prozenten.
Bei den Arbeitskollegen, die nur saufen wollen, nehme ich mich selbstredend raus.

Kamarasow

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